P. Germano di S. Stanislao C.P.; GEMMA GALGANI; Das Leben der Jungfrau von Lucca; S. 35-37 hat geschrieben:Von jenem Tage an wiederholte sich die Erscheinung allwöchentlich am
gleichen Tage und in der nämlichen Stunde, d. h. am Donnerstagabend gegen 8 Uhr und dauerte bis
3 Uhr des Freitagnachmittags. Es ging nicht die geringste Vorbereitung voraus, keinerlei
Schmerzgefühl oder Druck an jenen Teilen des Körpers kündigte die eintretende Stigmatisation an
mit einziger Ausnahme der ihren Ekstasen vorangehenden Sammlung. Sobald diese Sammlung
eintrat, sah man plötzlich auf der Oberfläche der beiden Hände und in der Mitte der Handflächen
einen geröteten Fleck entstehen; unter der Epidermis (die feine und durchscheinende äußere Hülle
der Haut) gewahrte man nach und nach, wie sich im lebenden Fleische ein Riss bildete, länglich auf
dem Handrücken und unregelmäßig rund an der Handfläche. Bald darauf zerriss die Haut selbst und
jetzt lag auf jenen unschuldigen Händen die Verwundung frei und offen da mit allen Eigenschaften
einer frischen Wunde. Diese war 20 mm lang; ihre Breite betrug in der Handfläche gut 10 mm und
auf dem Handrücken 2 mm.
Manchmal bemerkte man den Riss an der Oberfläche sehr leicht, hie und da war er mit bloßem
Auge kaum wahrzunehmen. Für gewöhnlich ging er jedoch sehr tief; er scheint sogar durch die
ganze Hand hindurchgegangen zu sein, so dass der Riss von der Handfläche sich bis zum
Handrücken hindurch erstreckte. Ich sage, es scheint; denn jene Öffnungen waren voll Blut, das
teils flüssig, teils geronnen war, hörte das Bluten auf, so schlossen sich die Risse sofort; es war
darum nicht leicht, dieselben ohne Einführung eines Instruments zu untersuchen. Eine Sonde wurde
aber nie angewendet, sei es wegen der heiligen Scheu und Ehrfurcht, die Gemma in jenem
geheimnisvollen Zustande einflößte, sei es weil der heftige Schmerz sie zwang die Hände
krampfhaft zusammenzuziehen, ferner weil die Wunde auf der inneren Hand von einer
ringförmigen Anschwellung bedeckt war. Auf den ersten Blick meinte man, dieselbe sei aus
Klümpchen geronnenen Blutes gebildet, während die Untersuchung bewies, dass sie fleischig, aber
hart, von der Gestalt eines Nagelkopfes, erhaben und nicht verwachsen, von der Größe eines Soldo
war. An den Füßen waren die Risse breiter und am Rande von Beulen umgeben. Das
Größenverhältnis war gerade das umgekehrte von dem an den Händen beobachteten, d. h. der Riss
war von größerem Umfang auf dem Rücken des Fußes, von kleinerem an der Sohle; ferner war die
Wunde auf dem Rücken des rechten Fußes gerade so wie jene an der Sohle des linken; wie dies
auch beim Heiland der Fall sein musste, vorausgesetzt, dass seine beiden Füße mit einem einzigen
Nagel an den Kreuzesstamm geheftet waren, der linke über den rechten gelegt.
Nun kommen wir zu der Öffnung an der Seite. Dieses Wundmal hatte die Form eines Halbmondes
in horizontaler Richtung, die zwei Spitzen nach oben gewendet. Die Länge in gerader Linie betrug
6 cm, die Breite in der Mitte 3 mm.
Groß war die Menge Blutes, die aus der Seitenwunde hervorquoll, man ersah dies aus den
Unterkleidern, die ganz davon durchtränkt waren. Das bescheidene und züchtige Mägdlein tat alles
Mögliche, um jenes Blut zu verbergen, indem es mehrfach zusammengelegte Tüchlein benutzte und
sie an der betreffenden Stelle auflegte; dieses Auflegen musste aber wiederholt vorgenommen
werden, denn die Tüchlein waren bald ganz feucht; sie verbarg die gebrauchten sorgfältig, um sie
dann, wenn sie allein war, heimlich zu waschen.
Infolgedessen war es nie möglich festzustellen, wie oft die wunderbare Erscheinung sich zeigte,
abgesehen von den gewöhnlichen Tagen (Donnerstag auf Freitag); man konnte auch nicht
berechnen, wie viel Blut Gemma jedes Mal dabei verlor. Man kann bloß sagen, dass viel Blut floss.
Das bezeugen alle Personen, die den Vorgang mit eigenen Augen beobachteten. Ein Augenzeuge
versicherte unter Eid, aus der Seitenwunde sei schon so viel Blut herausgeflossen, dass es, wenn
man es nicht aufhielt, bis auf den Boden herabfloss. Dasselbe gilt auch von den Wundmalen an den
Händen und an den Füßen. Es war lebendiges Blut von schöner Färbung und ganz jenem gleichend,
das aus einer frisch geöffneten Wunde zu fließen pflegt. Diese Eigenschaften behielt es auch,
nachdem es auf der Haut, auf den Tüchern und auf dem Boden vertrocknet war.
Nicht weniger wunderbar muss die Art bezeichnet werden, wie die Wundmale verschwanden. War
die Ekstase (Verzückung) am Freitag beendet, so hörte der Bluterguss aus der Seite, aus den Händen
und Füßen auf; das lebendige Fleisch trocknete ein, die Maschen der verletzten Gewebe zogen sich
allmählich zusammen und wurden dicht. Am Samstag oder spätestens am Sonntag blieb weder am
Rand noch in der Mitte eine Spur davon zurück. Die Haut war ganz natürlich darüber gewachsen
und sah jener der unverletzten Teile vollkommen gleich. Man gewahrte nur noch einen weißlichen
Fleck, der darauf hinwies, dass tags zuvor an jenen Punkten lebendige Wunden waren. Zwei Jahre
später setzte der wunderbare Vorgang der Stigmata bei Gemma vollständig aus. Nach ihrem Tode
konnte man am Leichnam die erwähnten Spuren noch ganz gut bemerken, besonders jene an den
Füßen, die man während der Ekstasen jeweils nur äußerst selten zu sehen bekam. So lange die
Seelenführer kein Verbot erließen, kehrten die Wundmale sicher und beständig an jedem
Donnerstag und Freitag des Monats wieder.
https://www.gemmagalgani.de/vita/biografie-von-p-germano