Geordnete Zufriedenheit

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Marsianer
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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Marsianer » So 15. Jan 2023, 17:25

Agape hat geschrieben:Weshalb nicht? Dies könnte ja vor der Verkörperung schon bestanden haben?

Mir ging es um Eindrücke aus direkter Beobachtung, nicht um theoretische Erwägungen. Da könnte auch gesagt werden: Sie sind oft noch nicht so stark ins Fleisch hineingelebt und dessen Menge ist auch noch nicht so schwer.
Ich meine damit einen inneren Zustand, der bewirken würde, dass ein Kind sich nur oberflächlich mit seinen Bezugspersonen beschäftigen mag. Also eher vorwiegend auf Versorgung ausgerichtet,

Hm, die Komponente gibt es sicherlich, aber ihre Bedürfnisstruktur ist meist noch viel schlichter strukturiert und sie daher offenherziger, in der Regel noch nicht weit so verkorkst und innerlich verkommen (und darin in der Regel auch ungeordnet) wie viele "Erwachsene"?
weniger auf ein Interesse daran, wie die Bezugspersonen sonst geartet sind, weshalb sie zum Beispiel traurig sind, wenn sie dem Kind so erscheinen. Dass es dann eher vielleicht von sich aus nachfragt?

Du meinst manche "komplzierte Zustände" sind ihm noch nicht so verständlich? Vielleicht weil diese wegen Ungeordnetheit der "Erwachsenen" kompliziert daherkommen?

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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Agape » So 15. Jan 2023, 21:35

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Ich meine damit einen inneren Zustand, der bewirken würde, dass ein Kind sich nur oberflächlich mit seinen Bezugspersonen beschäftigen mag. Also eher vorwiegend auf Versorgung ausgerichtet,

Hm, die Komponente gibt es sicherlich, aber ihre Bedürfnisstruktur ist meist noch viel schlichter strukturiert und sie daher offenherziger, in der Regel noch nicht weit so verkorkst und innerlich verkommen (und darin in der Regel auch ungeordnet) wie viele "Erwachsene"?

Worin könnte denn beispielsweise begründet sein, dass es einige Kinder gibt, die auffällig mehr schreien als andere? Nicht immer sind solche Auffälligkeiten wohl physischer Art, in Krankheit, Müdigkeit, Hunger, Bauchkrämpfen etc. begründet? Wären nicht auch seelische Ursachen dafür denkbar?

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:weniger auf ein Interesse daran, wie die Bezugspersonen sonst geartet sind, weshalb sie zum Beispiel traurig sind, wenn sie dem Kind so erscheinen. Dass es dann eher vielleicht von sich aus nachfragt?

Du meinst manche "komplzierte Zustände" sind ihm noch nicht so verständlich? Vielleicht weil diese wegen Ungeordnetheit der "Erwachsenen" kompliziert daherkommen?

Vielleicht? Jedenfalls sind sie für das Kind verstandesmässig noch nicht ganz erschlossen. Aber würde dies unbedingt ausschliessen, dass ein bestimmtes Kind auf seelischer Ebene manches bei Erwachsenen wahrnimmt, während andere Kinder solchen Eindrücken gegenüber eher verschlossen sind?
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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Marsianer » So 15. Jan 2023, 22:35

Mir ging es eher um die Masse der Menschen, typische verbreitete Entwicklungen von Kind zu "fortpflanzungsfähig" und noch darüber hinaus.

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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Agape » Do 26. Jan 2023, 16:36

viewtopic.php?f=2&t=209

Marsianer hat geschrieben:Die allermeisten Menschen erlebe ich als nicht im Lot, oft auch heftig in innerer Unordnung. Solche Menschen würden die Chance zu mehr Freiraum wohl oft dazu nutzen für sich mehr Ruhe zu haben, weniger zu tun, was sie anstrengt. Vieles ist nach ihrem Empfinden Last, das sie lieber vermeiden oder vielleicht angehen, weil sie es vernünftig finden, aus praktischen Gründen sinnvoll.

Könnte es nicht manchmal auch sein, dass etwas als Last empfundenes nicht nur die Auswirkung einer inneren Unordnung, sondern deren eigentliche Ursache wäre? Dass zum Beispiel ein Mensch über längere Zeit hinweg an manches stets mit Widerstand/-willen herangegangen war, anstatt mit Freude und Leichtigkeit und ihn dies allmählich in immer grössere innere Unordnung gebracht hätte?

Diese Menschen empfinden eher ein Zuviel an Input und wenn sie in eine Situation von Gemeinschaftsleben kommen, dann wirkt sich das aus. Im Gemeinschaftsleben dann Dinge zu klären abzumachen ist dann eher etwas, das aus solchen praktischen Gründen getan wird. Sie finden es eher angenehm, wenn es dann abgehakt werden kann, weil sie eben allgemein ein "Zuviel" erleben, früheres "Zuviel" und dessen erzeugte innere Zerrüttung noch mit sich herumtragen und bestenfalls langsam aufarbeiten.

Ja, "früheres zu viel", aber weshalb? Kann etwas, das innerlich als Freude erlebt und aus dieser getan wird "zu viel" sein? Oder wurde und wird es nur als "zu viel" empfunden, weil diese Freude fehlt(e)? Und weil die nötige Entschiedenheit nicht aufgebracht wurde, gegenüber Dingen/Menschen/Situationen, die als "Dauerlast" empfunden worden waren, entweder eine andere innere Haltung einzunehmen - oder nicht länger daran festzuhalten und sich anders zu orientieren - auch wenn dies mit scheinbaren Einschränkungen/Verlusten verbunden gewesen wäre?

Wenn dies für jemanden zutreffen würde, könnte vielleicht ein erster Schritt zu mehr Freiraum sein, wenn es gelänge, für sich (und letztendlich auch gemeinsam mit anderen) mehr innere Freude zu leben. Woran könnte sich beispielsweise jemand erfreuen, der sich für ein Mitwohnen in einer Gemeinschaft interessieren würde, die sich Schriftkommunikation auf die Fahne geschrieben hat? Würde so jemand diese als Last empfinden können?
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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Marsianer » Fr 27. Jan 2023, 18:51

Agape hat geschrieben:Könnte es nicht manchmal auch sein, dass etwas als Last empfundenes nicht nur die Auswirkung einer inneren Unordnung, sondern deren eigentliche Ursache wäre? Dass zum Beispiel ein Mensch über längere Zeit hinweg an manches stets mit Widerstand/-willen herangegangen war, anstatt mit Freude und Leichtigkeit und ihn dies allmählich in immer grössere innere Unordnung gebracht hätte?

Freude, innere Leichtigkeit kommt wieder aus bestimmten inneren Zuständen, würde ich sagen. Viele Lasten werden von außen herangetragen z.B. als "eine Version von im Grunde unvermeidbarem Sachzwang" oder z.B. auch "anständige Leute tun das". Es wird oft kaum erfasst, welchen Einfluß es für sie haben kann sich in bestimmte Anstrahlungsbeziehungen zu begeben. Und daß das hingenommen wird, trotz des eigenen Innenerlebens hat wohl auch oft mit einem von bekannten Sektenstrukturen dominiertem menschlichen Umfeld und von diesem betriebener systematischer Verdummung zwecks größerer Fügsamkeit zu tun. Aus solchen teuflischen Verstrickungen herauszukommmen ist nach dem Empfinden vieler wohl nicht einfach. Und doch ist da meist noch teils ein intaktes Teilempfinden in den Menschen. Es wäre für ihre Seele auch schlimm, wenn nicht.
Ja, "früheres zu viel", aber weshalb?

Das was war wirkt in ihnen nach, hat sich in mancherlei Hinsicht in ihnen manifestiert.
Kann etwas, das innerlich als Freude erlebt und aus dieser getan wird "zu viel" sein? Oder wurde und wird es nur als "zu viel" empfunden, weil diese Freude fehlt(e)?

Eher das Zweite? Oder es liegt zunächst eine allgemeinere Entkräftung vor.
Und weil die nötige Entschiedenheit nicht aufgebracht wurde, gegenüber Dingen/Menschen/Situationen, die als "Dauerlast" empfunden worden waren, entweder eine andere innere Haltung einzunehmen - oder nicht länger daran festzuhalten und sich anders zu orientieren - auch wenn dies mit scheinbaren Einschränkungen/Verlusten verbunden gewesen wäre?

Sich tiefgreifender umzuorientieren bedarf ja schon auch ein Erkennen von verschiedenen Ebenen. Aber oft wird mehr vor allem das ganz Oberflächliche gesehen und kaum mehr. Daher ist es oft so, daß gründliche Unorientierung, auch die damit zusammenhängende Selbstreflektion Jahre braucht. Und bleiben die Leute dann dabei? So mancher entdeckt ja auch, daß er manche materielle Vorzüge (vielerlei "Vergnügungen", in denen Kraft eben lieber genutzt wird als für "Stille", dafür auch zum Zweck des Guten für andere selbst ein "Potenzial zu halten") doch für sich als bedeutender empfindet.
Wenn dies für jemanden zutreffen würde, könnte vielleicht ein erster Schritt zu mehr Freiraum sein, wenn es gelänge, für sich (und letztendlich auch gemeinsam mit anderen) mehr innere Freude zu leben. Woran könnte sich beispielsweise jemand erfreuen, der sich für ein Mitwohnen in einer Gemeinschaft interessieren würde, die sich Schriftkommunikation auf die Fahne geschrieben hat? Würde so jemand diese als Last empfinden können?

Wir wissen ja, oft wird diese von Leuten nicht von Herzen als Wert erkannt.

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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Marsianer » Di 16. Mai 2023, 13:57

Ich überlege gerade, wieviele Menschen wohl überhaupt einen greifbar wirkenden Wunsch hegen "ganz zufrieden" zu sein. Wenn nicht, ist die Erwartungsorientierung eine ganz andere, eher dahin in einzelnen Punkten Befriedigung zu finden? Und wenn andere das recht mager finden, sie vielleicht in ihrem Anspruch recht ungesehen als "anstrengend" zu empfinden?

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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Agape » Mi 17. Mai 2023, 18:28

Marsianer hat geschrieben:Ich überlege gerade, wieviele Menschen wohl überhaupt einen greifbar wirkenden Wunsch hegen "ganz zufrieden" zu sein.

Worin würde sich "ganz" zufrieden sein von zufrieden sein unterscheiden? Hiesse dies, auch unter teils widrigen/unbequemen (äusseren) Umständen dennoch (innerlich) zufrieden zu sein? Würde "ganz" eventuell auch "dauerhaft" bedeuten?

"Greifbar wirkend" würde vermutlich ausdrücken wollen, dass sich etwas gewünscht wird, das zu erreichen/erfüllen wäre, wenn der Mensch entsprechende "innere" Weichen stellen würde - also kaum etwas, das illusionär wäre - kein "Traumschloss"?

Wenn nicht, ist die Erwartungsorientierung eine ganz andere, eher dahin in einzelnen Punkten Befriedigung zu finden? Und wenn andere das recht mager finden, sie vielleicht in ihrem Anspruch recht ungesehen als "anstrengend" zu empfinden?

Was könnte hinter einer solchen Haltung stehen? Resignation? Oder mangelndes Vertrauen in sich selbst, jemals "ganz" zufrieden sein zu können?

Aber weshalb sollten Menschen, die sich nicht mit einer Teilzufriedenheit begnügen wollen, anstrengend sein? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass angenommen wird, ganz zufrieden zu sein sei ein dauerhafter Zustand, der nur mittels Anstrengung/menschlicher Disziplin zu erreichen sei?
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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Marsianer » Mi 17. Mai 2023, 19:24

Agape hat geschrieben:Worin würde sich "ganz" zufrieden sein von zufrieden sein unterscheiden?

Es ginge wohl schon um ein unterschiedliches Verständnis von "Zufriedenheit". Das eine würde vielleicht darin bestehen, daß weniger an einer Situation als "problematisch" empfunden würde. Das würde dann als relativ angenehm empfunden, echte von äußeren Einflüssen unabhängige Zufriedenheit würde daher gar nicht angestrebt, es bestünde dann wenig Interesse an "Vertiefungen" (diese, nicht weil da noch etwas wäre, das als äußerer Umstand für einseitige innere Zufriedenheit nötig wäre, sondern eher für seelische Qualität von Miteinander mit anderen und etwas dergleichen, etwa wenn anderen z.B. "finstere Eigenheiten" pflegen).
Hiesse dies, auch unter teils widrigen/unbequemen (äusseren) Umständen dennoch (innerlich) zufrieden zu sein?

Das würde nach meinem Begriff an sich "innerlich zufrieden sein" bedeuten.
Würde "ganz" eventuell auch "dauerhaft" bedeuten?

Vielleicht auch.
"Greifbar wirkend" würde vermutlich ausdrücken wollen, dass sich etwas gewünscht wird, das zu erreichen/erfüllen wäre, wenn der Mensch entsprechende "innere" Weichen stellen würde - also kaum etwas, das illusionär wäre - kein "Traumschloss"?

Hier wohl oft, ob der Mensch überhaupot damit rechnen nicht nur relativ wenig unangenehme Umstände erreichen zu können und dieses Relative dann für eigene Zufriedenheit zu halten, gerade vielleicht wenn er sich noch gut erinnert an eigenes äußeres Leiden vorheriger Situationen.
Aber weshalb sollten Menschen, die sich nicht mit einer Teilzufriedenheit begnügen wollen, anstrengend sein?

Weil sie "vertiefen" möchten, die Situation mehr klären, ordnen.

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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Goldmädchen » Mi 17. Mai 2023, 20:55

Agape hat geschrieben:Worin würde sich "ganz" zufrieden sein von zufrieden sein unterscheiden? Hiesse dies, auch unter teils widrigen/unbequemen (äusseren) Umständen dennoch (innerlich) zufrieden zu sein? Würde "ganz" eventuell auch "dauerhaft" bedeuten?


Euer Gespräch hat mich inspiriert. Vor allem diese Stelle. Das hat mich daran erinnert was der Sinn ist bei der Geist-Schulung, was der Sinn vom Erwachen ist. Das Ziel. Dass es um Frieden haben geht, der nicht abhängig ist von äußeren Situationen, wurde in den vielen Vorträgen, welche ich mir in den letzten Monaten angehört habe, wenig erwähnt. LG und danke

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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Agape » Do 18. Mai 2023, 16:17

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Worin würde sich "ganz" zufrieden sein von zufrieden sein unterscheiden?

Es ginge wohl schon um ein unterschiedliches Verständnis von "Zufriedenheit". Das eine würde vielleicht darin bestehen, daß weniger an einer Situation als "problematisch" empfunden würde.

Vielleicht in einer Haltung des „Annehmens“ im Sinne von „es ist gut so wie es ist“?

Das würde dann als relativ angenehm empfunden, echte von äußeren Einflüssen unabhängige Zufriedenheit würde daher gar nicht angestrebt, es bestünde dann wenig Interesse an "Vertiefungen" (diese, nicht weil da noch etwas wäre, das als äußerer Umstand für einseitige innere Zufriedenheit nötig wäre, sondern eher für seelische Qualität von Miteinander mit anderen und etwas dergleichen, etwa wenn anderen z.B. "finstere Eigenheiten" pflegen).

Überspitzt ausgedrückt könnte dies vielleicht bedeuten, dass es keine „echte“ Zufriedenheit gäbe, solange diese nicht von allen (unmittelbar Beteiligten) im oben geschilderten Sinne als seelische Qualität empfunden würde? Könnte man dies eventuell als „über rein Persönliches hinausgehend“ beschreiben?

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:"Greifbar wirkend" würde vermutlich ausdrücken wollen, dass sich etwas gewünscht wird, das zu erreichen/erfüllen wäre, wenn der Mensch entsprechende "innere" Weichen stellen würde - also kaum etwas, das illusionär wäre - kein "Traumschloss"?

Hier wohl oft, ob der Mensch überhaupot damit rechnen nicht nur relativ wenig unangenehme Umstände erreichen zu können und dieses Relative dann für eigene Zufriedenheit zu halten

Vielleicht ist es in den meisten Menschen angelegt, sich oft mit anderen zu vergleichen? Es wird sich wohl immer jemand finden lassen, dem es „schlechter“ ergeht als einem selbst. Und dies kann vielleicht zu einer relativierenden Haltung führen, indem man Zufriedenheit als etwas ansieht, das man sich „selbst schmiedet“. Und wer würde dann nicht danach streben wollen, sich eine „Lebenssphäre“ zu schmieden, die zum Empfinden von Zufriedenheit führt, bei der "keine Luft nach oben" mehr wahrgenommen wird - auch wenn diese Luft in Wahrheit noch existieren würde?

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Aber weshalb sollten Menschen, die sich nicht mit einer Teilzufriedenheit begnügen wollen, anstrengend sein?

Weil sie "vertiefen" möchten, die Situation mehr klären, ordnen.

Und sich bei dieser Klärung eventuell erkennen liesse, dass es noch „Luft nach oben“ gäbe, womit man in der Folge gar nicht umzugehen wüsste?

Goldmädchen hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Worin würde sich "ganz" zufrieden sein von zufrieden sein unterscheiden? Hiesse dies, auch unter teils widrigen/unbequemen (äusseren) Umständen dennoch (innerlich) zufrieden zu sein? Würde "ganz" eventuell auch "dauerhaft" bedeuten?

Euer Gespräch hat mich inspiriert.

Wie wirkt der weitere Verlauf des Gesprächs auf Dich?
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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Marsianer » Do 18. Mai 2023, 18:34

Agape hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:Es ginge wohl schon um ein unterschiedliches Verständnis von "Zufriedenheit". Das eine würde vielleicht darin bestehen, daß weniger an einer Situation als "problematisch" empfunden würde.

Vielleicht in einer Haltung des „Annehmens“ im Sinne von „es ist gut so wie es ist“?

Wenn mal es mal so abstufen wollte, wie es andere Autoren bei ihren Themen gerne "einprägsam" machen:

- Es werden viele Bedürfnisse eher fleischlicher Art verspürt mit großer Unruhe, werden sie nicht "gestillt".
- Es werden fleischliche Bedürfnisse überschaubarer Anzahl verspürt, die jedoch ähnlich intensive Unruhe hervorrufen können bei "Nichtbefriedigung".
- Jemand ist teils "abgeödet", fleischliche Begierden sind matt geworden und die Unruhe bei "Nichtbefriedigung" auch (kein zwangsläufiger Zustand im biologischen Alter wie manchmal wohl angenommen würde).

- Bedürfnisse der Seele werden jemandem manchmal spürbar, aber nur wenig beachtet und schon gar nicht konsequent. Sie haben kaum Bezug zu dessen Handeln, sie sind weitgehend tief verdrängt oder "zukonditioniert".
- Manche Bedürfnisse der Seele werden mehr wertgeschätzt, aber auch fleischliche Bedürfnisse. Punktuell wird in beiden Bereichen intensivere Unruhe aus Nichtnachgehen verspürt.
- Fleischliche Bedürfnisse sind eher "abgeödet" und Bedürfnisse der Seele werden oft höher geschätzt.

- Seelische (nicht unbedingt gottgeistige) Bedürfnisse dominieren, es wird bei situativer "Nichtbefriedigung" Unruhe verspürt, die aufgrund der seelischen Natur aber nicht so "brüllend" empfunden wird. Aber es gibt vielleicht Probleme wie öfters beschrieben im Zusammenhang mit dem Begriff "Hochsensibilität". "Können wir nicht alle gut und friedsam miteinander umgehen?!"
- Jemand fühlt sich innerlich aus sich friedvoll (insofern zufrieden), äußere Situationen geben weniger den Ausschlag, können aber in mildem Umfang gerade über längere Zeit belastend wirken. Es dürfte zumindest teils aus innerem Bedürfnis Agapeliebe gelebt werden.
- Es wird fast durchweg eine Art "Seligkeit" verspürt, die kaum von anderen Umständen berührt wird. Diese Seele ist in sich schon recht geläutert hat etliche Finsternis überwunden. Sie wünscht anderen Wesen ein Heilwerden ihrer Seelen hin zu "Licht". Wenn von anderen her durch deren Handeln vorangetrieben wird deren Finsternissen Dominanz im Umgang zu verschaffen, setzt sie dem mit Bedauern Grenzen.
Überspitzt ausgedrückt könnte dies vielleicht bedeuten, dass es keine „echte“ Zufriedenheit gäbe, solange diese nicht von allen (unmittelbar Beteiligten) im oben geschilderten Sinne als seelische Qualität empfunden würde? Könnte man dies eventuell als „über rein Persönliches hinausgehend“ beschreiben?

Persönliche Zufriedenheit gibt es, aber in zwischenmenschlichem Umgang keinen Frieden, was jedoch erstrebt würde. Es wird gesehen, daß der andere ja nicht in jedem Fall selbst aus Innerem zufrieden ist, sondern dies eine Fähigkeit ist, die sich erschlossen werden könnte.
Vielleicht ist es in den meisten Menschen angelegt, sich oft mit anderen zu vergleichen?

Tja.
Und wer würde dann nicht danach streben wollen, sich eine „Lebenssphäre“ zu schmieden, die zum Empfinden von Zufriedenheit führt, bei der "keine Luft nach oben" mehr wahrgenommen wird - auch wenn diese Luft in Wahrheit noch existieren würde?

Was wäre das für eine Zufriedenheit? Nicht dann eher eine relative Abwesenheit von Ungemach? etwas, worin Ruhe gefunden wird in einer Weise, daß man sich abwendet von seelischen Dingen an sich? Aber auf einem Weg kann es auch Phasen geben, in denen sich jemand sammelt, etwas in sich passiver, träger konsolidiert. Aber solche Phasen enden dann, würde ich sagen - wenn jemand wirklich an Seelischem gelegen wäre, nicht nur an Vermeidung von Leid und mittelbar daher an seelischen Themen, weil man sonst leide.
Und sich bei dieser Klärung eventuell erkennen liesse, dass es noch „Luft nach oben“ gäbe, womit man in der Folge gar nicht umzugehen wüsste?

Aus meiner Sicht aber eher nicht z.B. so ähnlich wie "irdisch Karriere machen", sondern aus einer Lust an einem guten seelischen Zustand an sich (intrinsisch). Dazu müßte wohl z.B. erkannt werden, daß der Zustand der eigenen Seele wie nichts anderes die eigene Lebensqualität prägt usw.?

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Re: Geordnete Zufriedenheit

Beitragvon Agape » Fr 19. Mai 2023, 14:06

Marsianer hat geschrieben:Es ginge wohl schon um ein unterschiedliches Verständnis von "Zufriedenheit". Das eine würde vielleicht darin bestehen, daß weniger an einer Situation als "problematisch" empfunden würde.

Menschen, die noch teils verinnerlicht haben, wie sich „grosse Unruhe“ bei ungestillten fleischlichen und gegebenenfalls seelischen Bedürfnissen anfühlt, haben wohl vor allem den Wunsch, unabhängiger davon zu werden, weil sie vielleicht erkannt haben, dass sie dadurch unfrei sind. Die erlangte Zufriedenheit würde sich dann eher auf einzelne Punkte beschränken, in denen sie sich freier fühlen und weniger anfällig für Unruhe sind.

Hat sich ein Mensch innerlich schon weitgehend von fleischlichen und seelischen Bedürfnisabhängigkeiten befreit, könnte er ja soweit zufrieden sein, wenn nicht folgendes Anliegen in seiner Seele existieren würde:
Sie wünscht anderen Wesen ein Heilwerden ihrer Seelen hin zu "Licht".


Persönliche Zufriedenheit gibt es, aber in zwischenmenschlichem Umgang keinen Frieden, was jedoch erstrebt würde. Es wird gesehen, daß der andere ja nicht in jedem Fall selbst aus Innerem zufrieden ist, sondern dies eine Fähigkeit ist, die sich erschlossen werden könnte.

Da diesen Wunsch die meisten Menschen wohl nicht kennen, wirkt ein anderer Mensch, der den Anspruch auf „ganzes“ Zufriedensein hat und sich nicht damit begnügt, nur „persönlich“ zufrieden zu sein, in der Begegnung offenbar „anstrengend“ auf sie:

Wenn von anderen her durch deren Handeln vorangetrieben wird deren Finsternissen Dominanz im Umgang zu verschaffen, setzt sie dem mit Bedauern Grenzen.

Diese Grenzsetzung im zwischenmenschlichen Umgang/Kontakt ist für davon "betroffene" Menschen, die sich aufgrund dessen manchmal „zurückgestossen“ fühlen, wohl meistens unverständlich und wirkt auf sie möglicherweise „hart“ - vielleicht sogar in gewisser Hinsicht „unmenschlich“.

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Und wer würde dann nicht danach streben wollen, sich eine „Lebenssphäre“ zu schmieden, die zum Empfinden von Zufriedenheit führt, bei der "keine Luft nach oben" mehr wahrgenommen wird - auch wenn diese Luft in Wahrheit noch existieren würde?

Was wäre das für eine Zufriedenheit? Nicht dann eher eine relative Abwesenheit von Ungemach? etwas, worin Ruhe gefunden wird in einer Weise, daß man sich abwendet von seelischen Dingen an sich?

Vielleicht Zufriedenheit in diesem Rahmen?
Bedürfnisse der Seele werden jemandem manchmal spürbar, aber nur wenig beachtet und schon gar nicht konsequent. Sie haben kaum Bezug zu dessen Handeln, sie sind weitgehend tief verdrängt oder "zukonditioniert".


Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Und sich bei dieser Klärung eventuell erkennen liesse, dass es noch „Luft nach oben“ gäbe, womit man in der Folge gar nicht umzugehen wüsste?

Aus meiner Sicht aber eher nicht z.B. so ähnlich wie "irdisch Karriere machen", sondern aus einer Lust an einem guten seelischen Zustand an sich (intrinsisch).

Ja,
Weil sie "vertiefen" möchten


Dazu müßte wohl z.B. erkannt werden, daß der Zustand der eigenen Seele wie nichts anderes die eigene Lebensqualität prägt usw.?

Aber auch wenn dies möglicherweise erkannt würde, wüsste mancher wohl (noch) nicht, auf welche Weise sein seelischer Zustand „heiler“ werden könnte. Dies meinte ich oben mit „nicht umzugehen wüsste“.
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