Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

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Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Mi 21. Feb 2024, 20:41

Eine Frage dazu wäre vielleicht auch noch, wie da soetwas wie "Modeterror" eingeordnet würde, also ein ganz ähnliches Bedürfnis eben bestimmte modische Kriterien in einem Umfeld wiederzufinden, bestimmte Gestaltungen, "neue Sachen". An sich bezieht sich das schon irgendwie auf eine körperliche Ebene, wenn auch nicht den Körper an sich? Es werden bestimmte Sinnesreize bevorzugt, die einer Art Prägung entsprechen?
Der Mensch hat ein äußeres Instrument, das ist der physische Körper und er hat ein inneres Instrument, das ist der menschliche Geist.

Aha.
2. Chitta: das Unterbewusstsein mit seinen Vasanas (Wünsche) und Samskaras (innere Eindrücke)

Das würde zu mind gezählt?
3. Buddhi: das ist die Vernunft, die Urteilskraft und der höhere Wille

"Höherer Wille"? Aber "Intuition" wäre noch was anderes?
4. Ahamkara: das Ich-Bewusstsein
Es ist wichtig, dass du dich nicht mit dem inneren Instrument identifizierst.

Aber es ginge darum, daß all dies bei "Erleuchteten" in allen äußeren Situationen "ruhig" wäre. Was würde "ruhig" dann bedeuten? Daß etwa ständiger Lärm nichts ausmachen würde? Oder er schon belasten, wenn man so will schwächen würde, wenngleich auch keine "Unruhe" bewirken?
Lerne dein inneres Instrument gut zu nutzen, aber identifiziere dich nicht damit und werde nicht Sklave deiner Wünsche, deiner Launen, deiner Gedrängtheiten und so weiter.

Hm, viele dieser Wünsche würden sich auch mit Dingen des Körpers befassen?

Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Do 22. Feb 2024, 10:58

Eine Kultur besteht wohl aus einer gewissen Bandbreite von Auffassungen, Empfinden. Ich würde soweit auf mein Empfinden bezogen sagen, oadische Kultur schaut eigentlich nicht so auf "Identifikation" an sich. Ein Prioritätsempfinden gegenüber Innerem, Seelischem würde als eher normal erwartet, auch wenn etwas wie "Körperidentifikation" Thema wäre. Das kann der Fall sein, wenn soetwas eben doch hier und da sehr drängt. Ich würde allgemein weiter sagen, solche Kategorienunterscheidungen wie Tamas oder Rajas sind oadischer Kultur so eher nicht präsent und das was als Rajas im Zitat beschrieben wurde, würde in der dort beschriebenen nach meiner Einschätzung nicht zwangsläufigen Dynamik wohl eher als schwerwiegender angesehen als das was unter Tamas beschrieben wurde. Diese "finsteren Einflüsse" werden allgemein wohl weniger ernstgenomen als in diesem hinduistischen Ansatz, im Fokus stünde mehr treibendes lichteres Seelisches, das in einer Art bei jedem Menschen angenommen wird, wenngleich der innere Zustand vieler Menschen in anders strukturierten Kulturen auch zeitgleich geschichtlich vorsichtig gesagt als fremd eingeordnet worden war. Wobei es aus diesen ja auch meist "Flüchtlinge" gab.

Agape
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Agape » Do 22. Feb 2024, 12:53

Marsianer hat geschrieben:Eine Frage dazu wäre vielleicht auch noch, wie da soetwas wie "Modeterror" eingeordnet würde, also ein ganz ähnliches Bedürfnis eben bestimmte modische Kriterien in einem Umfeld wiederzufinden, bestimmte Gestaltungen, "neue Sachen". An sich bezieht sich das schon irgendwie auf eine körperliche Ebene, wenn auch nicht den Körper an sich? Es werden bestimmte Sinnesreize bevorzugt, die einer Art Prägung entsprechen?

Könnte dies eventuell als "fleischliches Bedürfnis" angesehen werden?

Marsianer hat geschrieben:
2. Chitta: das Unterbewusstsein mit seinen Vasanas (Wünsche) und Samskaras (innere Eindrücke)

Das würde zu mind gezählt?

Hm: https://wiki.yoga-vidya.de/Chitta
1. Chitta (Sanskrit: चित्त citta n.) das Aufmerken; das Denken, Vorstellen, Gedachtes, Gedanke, Gedenken, Denkfähigkeit; Absicht, Vorsatz, Wille; Herz, Gemüt, Geist; Intellekt, Vernunft; (in der Philosophie): empirisches Bewusstsein als Gegensatz zum reinen bzw. absoluten Bewusstsein (Chit), Gemüt, Geist, Psyche, geistiges und psychisches Organ; die Einheit der seelisch-geistigen Funktionen im Menschen, Denken, Gefühl, aktives Bewußtsein als Ort aller inneren Vorgänge; (in der Astrologie:) das neunte Haus.

Je nach Philosophiesystem wird der Begriff Chitta unterschiedlich gebraucht. Im Vedanta ist es nur ein Bestandteil des Geistes (der für Erinnerung, das Unterbewusstsein, Gedächtnis, unsere Fähigkeiten und Ängste zuständig ist), wohingegen in der Sankhya-Philosophie und dem diesem System eng verwandten Yogasutra mit Chitta der gesamte Geist gemeint ist.


Marsianer hat geschrieben:
3. Buddhi: das ist die Vernunft, die Urteilskraft und der höhere Wille

"Höherer Wille"? Aber "Intuition" wäre noch was anderes?

Ja, offenbar: https://wiki.yoga-vidya.de/Intuition#.C3.84hnliche_Eigenschaften_wie_Intuition
Bring den Geist zur Ruhe
Im Sankhya System, auf dem ja das ganze Yoga Sutra beruht gibt es auch so eine ganze Schöpfungs-Kosmologie wie alles entstanden ist und wenn Du über die Buddhi hinausgehst, also über die Vernunft hinausgehst, kommst Du zur Region der Intuition und von der geht alles aus. Und wenn Du in der Lage bist Deinen Geist zur Ruhe zu bringen und über das gegenständliche Denken hinauszukommen hast Du Zugang zur Intuition und damit zu allem Wissen.


Marsianer hat geschrieben:4. Ahamkara: das Ich-Bewusstsein
Es ist wichtig, dass du dich nicht mit dem inneren Instrument identifizierst.

Aber es ginge darum, daß all dies bei "Erleuchteten" in allen äußeren Situationen "ruhig" wäre. Was würde "ruhig" dann bedeuten? Daß etwa ständiger Lärm nichts ausmachen würde? Oder er schon belasten, wenn man so will schwächen würde, wenngleich auch keine "Unruhe" bewirken?

Vermutlich würden äussere Situationen keine innere Unruhe (mehr) bewirken können.

Marsianer hat geschrieben:
Lerne dein inneres Instrument gut zu nutzen, aber identifiziere dich nicht damit und werde nicht Sklave deiner Wünsche, deiner Launen, deiner Gedrängtheiten und so weiter.

Hm, viele dieser Wünsche würden sich auch mit Dingen des Körpers befassen?

Ich habe den Eindruck, dass in dieser Betrachtung nicht immer strikte zwischen Körper und Geist unterschieden wird (siehe Zitat von weiter oben): "Das innere Instrument dient der Seele in dieser Welt Erfahrungen zu sammeln und Dinge mit dem äußeren Instrument zu tun".
"Schreiben ist der direkte Weg zum Herzen"
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Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Do 22. Feb 2024, 13:26

Agape hat geschrieben:Könnte dies eventuell als "fleischliches Bedürfnis" angesehen werden?

"Werke des Fleisches" beziehen sich ja nicht nur ganz direkt auf körperliche Bedürfnisse. Ich meine, es geht da auch um "Energien", die eben irdischer Materie und deren seelischem Zustand naheliegen. "Eitelkeit" (bezogen auf körperliches Sinnesempfinden) könnte hier ein passender Begriff sein?

"So sage ich nun und ermahne im Herrn, daß ihr nicht mehr wandeln sollt wie die anderen wandeln, in der Eitelkeit ihres Sinnes, die verfinstert sind am Verstand, entfremdet dem Leben aus Gott wegen der in ihnen herrschenden Unwissenheit durch die Verstocktheit ihres Herzens, die in Stumpfsinn sich ergeben der Sinnenlust und Gewinnsucht und allerlei Unfläterei treiben." Eph 4,17-19
1. Chitta (Sanskrit: चित्त citta n.) das Aufmerken; das Denken, Vorstellen, Gedachtes, Gedanke, Gedenken, Denkfähigkeit; Absicht, Vorsatz, Wille; Herz, Gemüt, Geist; Intellekt, Vernunft; (in der Philosophie): empirisches Bewusstsein als Gegensatz zum reinen bzw. absoluten Bewusstsein (Chit), Gemüt, Geist, Psyche, geistiges und psychisches Organ; die Einheit der seelisch-geistigen Funktionen im Menschen, Denken, Gefühl, aktives Bewußtsein als Ort aller inneren Vorgänge; (in der Astrologie:) das neunte Haus.

Je nach Philosophiesystem wird der Begriff Chitta unterschiedlich gebraucht. Im Vedanta ist es nur ein Bestandteil des Geistes (der für Erinnerung, das Unterbewusstsein, Gedächtnis, unsere Fähigkeiten und Ängste zuständig ist), wohingegen in der Sankhya-Philosophie und dem diesem System eng verwandten Yogasutra mit Chitta der gesamte Geist gemeint ist.

Verschiedene Definitionen also.
Im Sankhya System, auf dem ja das ganze Yoga Sutra beruht gibt es auch so eine ganze Schöpfungs-Kosmologie wie alles entstanden ist und wenn Du über die Buddhi hinausgehst, also über die Vernunft hinausgehst, kommst Du zur Region der Intuition und von der geht alles aus. Und wenn Du in der Lage bist Deinen Geist zur Ruhe zu bringen und über das gegenständliche Denken hinauszukommen hast Du Zugang zur Intuition und damit zu allem Wissen.

Hm, aha. Nebenbei: Wie alles entstanden ist? Das wird doch in diesen Lehren meist offengelassen nach meinem bisherigem Kenntnisstand?
Vermutlich würden äussere Situationen keine innere Unruhe (mehr) bewirken können.

Würde dann zwischen "Unruhe" und z.B. "Schwächung" unterschieden?

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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Agape » Do 22. Feb 2024, 15:18

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Vermutlich würden äussere Situationen keine innere Unruhe (mehr) bewirken können.

Würde dann zwischen "Unruhe" und z.B. "Schwächung" unterschieden?

Wohl eher nicht: https://wiki.yoga-vidya.de/Erleuchteter#Eigenschaften_eines_Erleuchteten
In der Bibel heißt es: an seinen Früchten werdet ihr es erkennen. Der Erleuchtete ist frei von Ich-Denken, frei von Angst, frei von Sorgen, frei von Zweifeln. Das sind die vier Kennzeichen eines Erleuchteten. Jemand Erleuchtetes hat einen Seelenfrieden, eine innere Freude und Wonne. Ein Erleuchteter macht sich keine Sorgen um körperliche Bedürfnisse. Selbst wenn Todesgefahr besteht, wird eine Erleuchtete keine Angst haben. Für einen Erleuchteten gibt es kein Hängen am Leben. Eine Erleuchtete wird auch nicht an Nahrung hängen. Wenn der Erleuchtete nicht die Lieblingsspeise bekommt, macht es ihm nichts aus. Wenn ein Erleuchteter getadelt wird, Kritik empfängt, macht es ihm nichts ein. Eine Erleuchtete kann nicht erschrecken, eine Erleuchtete kann nicht beunruhigt werden. Ein Erleuchteter bleibt ruhig inmitten aller Ablenkungen.
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Do 22. Feb 2024, 16:19

Selbst wenn Todesgefahr besteht, wird eine Erleuchtete keine Angst haben.

Ja, aber wenn er etwa verprügelt würde, dann kann das seinen Körper schwächen?
Für einen Erleuchteten gibt es kein Hängen am Leben. Eine Erleuchtete wird auch nicht an Nahrung hängen.

Ja, aber wenn er lange nichts gegessen hat, kann es ihn schwächen? (Das geschieht auch beim diesbezüglichen Fasten?)
Wenn der Erleuchtete nicht die Lieblingsspeise bekommt, macht es ihm nichts aus. Wenn ein Erleuchteter getadelt wird, Kritik empfängt, macht es ihm nichts ein. Eine Erleuchtete kann nicht erschrecken, eine Erleuchtete kann nicht beunruhigt werden.

Ja.
Ein Erleuchteter bleibt ruhig inmitten aller Ablenkungen.

Aber er würde schwächer z.B. in lang anhaltendem Lärm?

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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Agape » Do 22. Feb 2024, 16:57

Marsianer hat geschrieben:
Ein Erleuchteter bleibt ruhig inmitten aller Ablenkungen.

Aber er würde schwächer z.B. in lang anhaltendem Lärm?

Vielleicht ist dies individuell verschieden. Jedoch: https://steadyhq.com/de/transformation-durch-mitgefuhl-fur-sich-andere-und-die-welt/posts/560cabb3-20e8-48c1-a51d-6f0f9b823d58
Die vollständige Akzeptanz von sich selbst und seiner Umgebung ist ein Schlüssel zur Erleuchtung. Dies bedeutet nicht nur die Akzeptanz der eigenen Stärken, sondern auch der Schwächen und Unsicherheiten. Durch diese Akzeptanz entsteht eine tiefe innere Ruhe und ein Gefühl von Ganzheit. Diese Akzeptanz ist nicht passiv, sondern erfordert bewusste Anstrengung, um die eigene Perspektive zu verändern und sich selbst bedingungslos anzunehmen.
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Do 22. Feb 2024, 17:11

Zu einem reinen Lebenstil gehören auch ein angemessener Lebensunterhalt, eine angenehme Art zu sprechen, eine harmonische Umgebung und das Vermeiden von Ablenkung, Lärm, gewaltätigen oder entwürdigenden Unterhaltungen. Die Hingabe an das Göttliche, Wahrheit, Mitgefühlt, Dienst an den Mitmenschen, Studium spiritueller Lehren und Schriften, Ehrfurcht vor spirituellen Lehrern, das Praktizieren von Yoga und Meditation gehören ebenfalls zu einem sattwigen Lebensstil.

Allerdings sollte dieses Ziel nicht durch Selbstgerechtigkeit, Übersensibilität oder Fanatismus zu einem Fehler werden. Gute Laune und Mäßigung sind hier sehr wichtig. Hier sind natürliche Harmonie und Toleranz gefragt.

https://wiki.yoga-vidya.de/Sattva
Insgesamt ist inneres Wachstum eine lebenslange Reise, die von Bewusstheit, Engagement und einer Offenheit für Veränderungen geprägt ist. Es ermöglicht es uns, unser volles Potenzial zu entfalten, uns mit der Tiefe unserer eigenen Existenz zu verbinden und ein erfülltes Leben in Harmonie mit uns selbst und der Welt um uns herum zu führen.

Selbstreflexion ist ein wichtiger erster Schritt. Wir müssen uns Zeit nehmen, unsere Gedanken und Emotionen zu analysieren und zu verstehen, warum wir bestimmte Dinge tun oder fühlen.

Meditation und Achtsamkeit sind ebenfalls wertvolle Werkzeuge. Sie helfen uns, den Lärm der äußeren Welt zu reduzieren und uns auf unsere inneren Gedanken und Gefühle zu konzentrieren. Auch das Lernen und das Streben nach Wissen ist ein Teil des inneren Wachstums sind. Neue Ideen und Perspektiven können unsere Sicht auf die Welt erweitern.

https://wiki.yoga-vidya.de/Inneres_Wachstum
F: Welche Vorteile ergeben sich für den Sadhaka, wenn er zu Brahmamuhurta meditiert? A: Zu Brahmamuhurta ist der Geist ruhig und gelassen. Er ist frei von weltlichen Gedanken, Sorgen und Beunruhigungen. Der Geist ist wie ein weißes Blatt Papier und relativ frei von weltlichen Samskaras. Er kann zu dieser Zeit sehr leicht geformt werden, bevor weltliche Ablenkungen in den Geist gelangen. Weiters ist auch die Atmosphäre gerade zu dieser Zeit mit mehr Sattva geladen. Es herrscht draußen kein großes Getue und nicht viel Lärm.

https://wiki.yoga-vidya.de/Sivananda_-_Fragen_und_Antworten
Brahmamuhurta: (Sanskrit: brāhmamuhūrta m. und n.) die Stunde Brahmans; die Zeit der Morgendämmerung zwischen 3:30 und 5:30 Uhr, die besonders für die Meditation geeignet ist.

https://wiki.yoga-vidya.de/Brahmamuhurta
In unserem Abenteuer von Vairagya und Abhyasa - Rückzug und Vereinigung - steigen wir zu einem über-normalen Grad des Verstehens auf. Wovon ziehen wir uns zurück, und womit vereinen wir uns? Wie ich schon sagte, ziehen wir uns nicht von der Substanz der Personen und Dinge oder den fünf Elementen zurück, sondern von der Art und Weise, wie sie von den Sinnen, dem Geist und dem Intellekt wahrgenommen werden. Unsere Meinung über die Dinge ist das, was wichtig ist, und nicht die Dinge selbst. Unser Verständnis ist das, was uns beschäftigt, und nicht das, was wir verstehen - die Sache als solche. Die Welt, physisch gesprochen, ist nicht so sehr unser Anliegen im Yoga als vielmehr die Art und Weise, wie wir sie verstehen und wie wir auf sie reagieren.

Der Prozess der Vairagya, des Loslösens, ist also eher eine psychologische Aktivität als eine körperliche Leistung. Es ist etwas, das im Inneren des Geistes geschieht. So können wir uns sogar inmitten der Dinge von ihnen lösen. Selbst inmitten der Hektik der Menschen und des Lärms der Welt können wir losgelöst sein, denn die Hektik und die Eile, die Bewegung und der Lärm sind nicht die Dinge, die uns stören; der Ärger entsteht durch unsere Reaktion darauf. Die Welt ist so, wie sie war, und vielleicht wird sie so bleiben, wie sie war - niemand kann sie ändern, und vielleicht besteht auch keine Notwendigkeit, sie zu ändern; aber es besteht die Notwendigkeit, unser Verständnis von ihr zu ändern. Es ist möglich, sich von der Sorge um das äußere Geschehen in der Welt zu befreien, indem wir unsere Lebenseinstellung oder -Perspektive ändern, selbst inmitten intensiver Aktivität. Hier kommt das Prinzip des Karma Yoga wieder zum Tragen: Inmitten intensiver Aktivität kann man sich in einem Zustand tiefer Verbundenheit mit der Letztendlichen Wirklichkeit befinden, weil sich der Geist im Zustand von Vairagya befindet - völlig zurückgezogen von irrtümlichen Assoziationen mit den Ereignissen, die mit Personen, Dingen und Aktivitäten stattfinden. Andererseits kann man sich auf dem Gipfel des Mount Everest befinden und dennoch in den Weltprozess involviert sein. Das Dickicht des Dschungels ist nicht unbedingt ein sicherer Ort für die Yogapraxis, denn die Abwesenheit der Gegenwart von Dingen ist zwar wichtig, aber in Anbetracht unserer Einstellung zu ihnen zweitrangig. Ein tief involvierter Mensch kann selbst im dichtesten Wald involviert sein - und ein innerlich losgelöster Mensch kann sogar in der dichten Straße einer Großstadt losgelöst sein. Wenn wir ehrlich darauf bedacht sind, wahren Erfolg in dem zu erreichen, was "Yoga" genannt wird, sollten wir uns nicht einfach auf die Schulter klopfen und uns einbilden, dass wir uns in einem Zustand von Yoga oder religiöser Aktivität befinden, nur weil es so scheint und die Leute das auch sagen. Die Menschen mögen alles Mögliche sagen - das, was die Menschen sagen, spielt für uns keine Rolle; es ist etwas ganz anderes, was uns beunruhigt und was vielleicht unsere Sorge ist.

Der Yoga, das Opfer - die Kontrolle der Sinne, die Beherrschung des Verstandes und die Stabilisierung des Denkprozesses, also das Yajna, die verschiedenen Arten von Yajna, die im vierten Kapitel erwähnt werden: Prana, Manas, Indriya und so weiter - all dies deutet auf eine einzige Handlung unseres Bewusstseins hin, nämlich das Erwachen zu einem höheren Selbst. Wir mögen uns fragen, warum wir immer wieder das Wort "Selbst" verwenden, als ob es nichts anderes gäbe und kein anderes Wort das ausdrücken könnte, was unsere Absicht ist. Das Wort "Selbst" ist eine sehr wichtige Sache, weil es auf die wahre Natur der Dinge hinweist. Wir sind nicht in der Lage, die Bedeutung dieses Wortes zu verstehen, weil wir gewohnt sind, das Selbst mit unserer Persönlichkeit zu identifizieren: "sich selbst", "mich selbst", "sich selbst", "sich selbst", "selbst". Diese grammatikalischen Wörter, die wir verwenden, suggerieren eine falsche Bedeutung des Begriffs "Selbst". Das Selbst bedeutet weder eine Person noch eine Sache, obwohl es mit einer Beschreibung von Personen und Dingen, von sich selbst und anderen, verbunden ist. Das Wort "Selbst" bedeutet eigentlich den nicht-objektiven Status, den alles in der Welt einnimmt. Hier ist ein Satz, über den wir tief nachdenken müssen. Ein nicht-objektiver Status, den jeder genießt und den alles genießt - das wird das Selbst genannt. Das Selbst ist das, was nicht externalisiert werden kann, nicht objektiviert werden kann, nicht anders werden kann als das, was es ist; es kann sich nicht als ein "Anderes" erkennen. Es ist kein "Anderer" - es ist einfach das, was es ist. Das wirkliche "Du" oder das "Ich" ist das, was wir das "Selbst" nennen. Dieses 'Ich' kann nicht zu einem 'Du', einem 'Er', einer 'Sie', einem 'Es' werden - es ist einfach, was es ist. Da dies der Zustand von allem und jedem ist, können wir in gewisser Weise sagen, dass das ganze Universum nur das Selbst ist. Das ganze Universum ist ein Selbst, das nur in seiner eigenen Bedeutung verstanden werden muss. Wenn das ganze Universum ein Selbst ist und nicht objektiviert werden kann, weil ein Selbst ein nicht-objektivierter Zustand ist, würde das bedeuten, dass das Universum ein intensives Selbstbewusstsein ist; tatsächlich ist das, was ihr Gott nennt, nichts anderes als das. Es ist ein hochgradig erweiterter Zustand des universellen Selbstbewusstseins.

https://wiki.yoga-vidya.de/Die_Lehren_der_Bhagavad_Gita_-_Kapitel_5_-_Das_Leben_als_Yajna_oder_Opfergabe

Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Fr 23. Feb 2024, 11:49

Würdest du bitte über Widrigkeiten und Probleme in unserem Leben sprechen?

Sri Chinmoy:
Widrigkeiten machen dich dynamisch. Widrigkeiten zwingen dich, deine Augen weit offen zu halten. Widrigkeiten lehren dich die Bedeutung von Geduld. Widrigkeiten verleihen dir Glauben an dich selbst. Widrigkeiten führen uns nach innen, um unseren Lebensweg zu korrigieren und zu vervollkommnen. Wohlergehen führt uns vorwärts, um unsere menschliche Geburt zu erleuchten und unsterblich zu machen.

Im Wohlergehen bleibt unsere innere Stärke statisch. Durch Widrigkeiten und Not wird unsere innere Stärke dynamisch.

Niemand kann bestreiten, dass jeder Fortschritt, den die Welt gemacht hat, sowohl vom Lächeln des Wohlergehens als auch von den Tränen der Not gekommen ist. Not ist – wie Armut – keine Sünde. Einen Vorzug der Not kann niemand bestreiten: Sie hilft uns, innerlich stärker zu sein. Je stärker wir im Innern sind, desto strahlender sind wir nach außen. „Ohne Leiden keine Erlösung“, so sagt der Lehrer Not zu seinem Schüler, dem Menschen. „Ohne Wonne der Seele keine Erlösung“, so sagt der Lehrer Wohlergehen zu seinem Schüler, dem Menschen.

Die Welt ist von Schwierigkeiten übersät. In gewissem Sinne ist sie voller Dornen. Aber wenn du Schuhe anziehst, kannst du über die Dornen gehen. Woraus sind diese Schuhe gemacht? Sie sind aus Gottes Gnade gemacht.

Probleme sind kein Zeichen für die Unfähigkeit des Menschen, Probleme sind kein Zeichen für die Unzulänglichkeit des Menschen. Probleme sind ein Zeichen für das bewusste Bedürfnis des Menschen nach Selbsttranszendenz in der inneren Welt und sein bewusstes Bedürfnis nach Selbstvervollkommnung in der äußeren Welt.

Du hast ein Problem, er hat ein Problem, sie hat ein Problem. Dein Problem ist, dass die Welt deine Füße nicht berührt. Sein Problem ist, dass die Welt ihn nicht liebt. Ihr Problem ist, dass sie das Gefühl hat, Gott in der Welt nicht angemessen zu helfen. Um dein Problem zu lösen, musst du deinen Stolz überwinden. Um sein Problem zu lösen, muss er seine Gier überwinden. Um ihr Problem zu lösen, muss sie ihr eigenwilliges und selbstverherrlichendes, verlangendes Ego überwinden.

Jedes Problem ist eine Kraft. Aber wenn wir das Problem sehen, fühlen wir in uns eine noch größere Kraft. Und wenn wir uns dem Problem stellen, beweisen wir dem Problem, dass wir nicht nur die größte Kraft haben, sondern tatsächlich die größte Kraft auf Erden sind.

Ein Problem wächst, wenn das Herz zögert und der Verstand berechnet. Ein Problem verringert sich, wenn das Herz dem Problem die Stirn bietet und der Verstand das Herz unterstützt. Ein Problem verschwindet, wenn der Verstand sein Such-Licht und das Herz sein Erleuchtungs-Licht gebraucht.

Wenn Angst unser Problem ist, müssen wir fühlen, dass wir die auserwählten Soldaten von Gott dem Allmächtigen sind. Wenn Zweifel unser Problem ist, müssen wir fühlen, dass wir tief in uns das Meer von Gottes Licht haben. Wenn Eifersucht unser Problem ist, müssen wir fühlen, dass wir das Einssein von Gottes Licht und Wahrheit sind. Wenn Unsicherheit unser Problem ist, müssen wir fühlen, dass Gott nichts anderes ist und sein kann als die beständige und unaufhörliche Versicherung, dass Er uns ganz als Sein eigen beanspruchen wird.

Wenn unser Körper das Problem ist, dann können unsere beständige Wachsamkeit und Aufmerksamkeit dieses Problem lösen. Wenn das Vitale das Problem ist, dann kann unsere sich emporschwingende Vorstellungskraft dieses Problem lösen. Wenn der Verstand das Problem ist, dann kann unsere erleuchtende Inspiration dieses Problem lösen. Wenn das Herz das Problem ist, dann kann unser vervollkommnendes Streben das Problem lösen. Wenn Leben das Problem ist, dann kann unsere erfüllende Selbst-Entdeckung dieses Problem lösen.

http://www.weisheitsrichinmoys.com/themen/probleme-und-widrigkeiten
Gott hätte den Menschen von Anfang an vollkommen machen können. Was war Sein Grund, uns in all diese Schwierigkeiten zu bringen, die wir durchstehen müssen, um Vollkommenheit zu erlangen?

Sri Chinmoy:
Gott hätte Seine Schöpfung mit Vollkommenheit beginnen können. Doch leider oder zum Glück war dies nicht Seine Absicht. Was Gott wollte, war durch Unwissenheit zum Wissen, durch Begrenzung zur Fülle und durch Tod zur Unsterblichkeit zu gehen.

In der äußeren Welt sehen wir Begrenzung, Unvollkommenheit, Zweifel, Angst und Tod. Doch in der inneren Welt sehen wir Licht, Frieden, Glückseligkeit und Vollkommenheit. Wenn wir in Gottes Bewusstsein leben, gibt es keine Unvollkommenheit. Alles ist Vollkommenheit.

Gott ist ein göttlicher Spieler. Er spielt Sein göttliches Spiel und Er kennt das letztendliche Ziel. In jedem Moment enthüllt Er sich Selbst in und durch uns, trotz der Tatsache, dass wir einen tiefen Abgrund zwischen uns und Gott sehen, nein, erschaffen. Hinzu kommt, dass wir fühlen, dass Gott im Himmel ist und wir auf der Erde sind. In der physischen Welt sind die Nöte und Schwierigkeiten, die Frustration und Verzweiflung, durch die wir hindurch gehen, nichts als Erfahrungen auf unserem Weg zum letztendlichen Ziel.

Wer macht schließlich all diese Erfahrungen? Es ist Gott, Gott allein. Wenn wir uns bewusst mit Gottes Bewusstsein identifizieren, sehen wir, dass es keine Unvollkommenheit gibt, weil Gott vollkommene Vollkommenheit ist. Aber wenn wir nicht im göttlichen Bewusstsein leben, wenn wir fühlen, dass wir die Handelnden sind, werden wir natürlich der Unvollkommenheit der äußeren Welt unterworfen sein. Was tatsächlich geschieht, ist die Selbstenthüllung Gottes in Seiner manifesten Schöpfung. Ein Sucher des Höchsten, der im Höchsten lebt, der eins ist mit dem Bewusstsein des Höchsten, sieht und fühlt, dass sein Bewusstsein, sein inneres wie sein äußeres Leben, die Projektion von Gottes sich ewig transzendierender Vollkommenheit ist, die in vollkommene Vollkommenheit wächst.


Was hält uns davon ab, Vollkommenheit zu erreichen?

Sri Chinmoy:
Was hält uns davon ab, Vollkommenheit zu erreichen? Unsere Selbstnachgiebigkeit und Vergnügungssucht. Wenn wir nachgiebig gegen uns selbst sind, fühlen wir, dass es in unserem Leben etwas absolut Notwendiges gibt, und das ist Vergnügen. Wenn wir uns nach Vergnügen sehnen und im Vergnügen bleiben wollen, um zum Vergnügen selbst zu werden, dann bleibt Vollkommenheit in weiter Ferne. Aber wenn wir uns nach göttlicher Freude, Wonne und Glückseligkeit sehnen, dann treten wir in den Ozean der Vollkommenheit ein. Wenn wir uns unaufhörlich danach sehnen, lernen wir, im Meer der Vollkommenheit zu schwimmen.

Wenn wir eine intensive innere Sehnsucht nach Wonne haben, springen wir in das Meer der Vollkommenheit. Das ist der erste Schritt. Und wenn diese innere Sehnsucht beständig wird, schwimmen wir im Meer der Vollkommenheit. Wenn wir Freude und Wonne als unser Ziel haben, wächst Vollkommenheit automatisch in uns heran, und allmählich werden wir zum Meer der Vollkommenheit. Doch was uns jetzt von der Vollkommenheit abhält, ist unsere Liebe zum Leben des Vergnügens und unser Schwelgen im Leben des Vergnügens.

http://www.weisheitsrichinmoys.com/themen/vollkommenheit
Wenn ich an all die Schwächen und ungöttlichen Eigenschaften in mir selber und in meinen spirituellen Gefährten denke, scheint die Erleuchtung Millionen von Meilen entfernt zu sein.

Sri Chinmoy: Wenn jemand wirklich erleuchtet ist, sieht er andere nicht als unvollkommene oder hoffnungslose Menschen. In dem Moment, wo jemand erleuchtet ist, wird er sein wahres Einssein mit anderen fühlen und die so genannten Unvollkommenheiten anderer als eine Erfahrung sehen, die Gott in ihnen und durch sie macht.

Da du mein Schüler bist, möchte ich dir sagen, dass du in dir selbst mehr Unvollkommenheit, mehr Begrenzung, mehr wachsende Nacht siehst als ich mir je vorstellen kann. Für mich bist du absolut normal und natürlich; du bist Gottes Kind, und du hast jede Möglichkeit und Fähigkeit, das Göttliche hier auf Erden zu verwirklichen, zu manifestieren und zu erfüllen. Erleuchtung ist etwas, das du einst hattest, aber jetzt vergessen hast; es ist nichts völlig Neues. Jemand, der wirklich nach Erleuchtung strebt, sollte fühlen, dass er von Licht zu mehr Licht zu unermesslichem Licht wächst. Wenn der Sucher immerzu glaubt, dass er sich tief im Meer der Unwissenheit befindet, dann möchte ich sagen, dass er nie, nie aus der Unwissenheit herauskommen wird, weil das Unwissenheitsmeer kein Ende hat. Doch wenn man fühlt, dass man von einem Funken Licht zum alldurchdringenden höchsten Licht wächst, dann erscheint Erleuchtung sofort leichter und spontaner.


Kannst du uns bitte etwas über Erleuchtung erzählen?

Sri Chinmoy: In dieser Welt gibt es nur eines, das sich zu besitzen lohnt, und das ist Erleuchtung. Um Erleuchtung zu erhalten, brauchen wir Aufrichtigkeit und Demut. Leider ist in dieser Welt Aufrichtigkeit schon längst gestorben und Demut muss erst noch geboren werden. Lasst uns versuchen, unsere Aufrichtigkeit wieder zu beleben, und lasst uns versuchen, durch unser inneres Streben die Geburt unserer Demut zu beschleunigen. Nur dann werden wir fähig sein, Gott zu verwirklichen.

Erleuchtung liegt keineswegs in weiter Ferne. Sie ist sehr nahe, sie ist unmittelbar in uns. In jedem Moment können wir durch unseren inneren Fortschritt bewusst in die Erleuchtung hineinwachsen. Innerer Fortschritt erfolgt durch beständiges Opfer. Was opfern wir? Wir opfern falsche, schlechte Gedanken und ein falsches Verständnis der Wahrheit. Opfer und Entsagung gehen Hand in Hand. Wem entsagen wir? Dem physischen Körper, der Familie, den Freunden, den Verwandten, unserem Land, der Welt? Nein! Wir müssen unserer eigenen Unwissenheit entsagen, unseren eigenen falschen Vorstellungen von Gott und der Wahrheit. Außerdem müssen wir Gott das Ergebnis jeder unserer Handlungen opfern. Die göttliche Schau bleibt nicht länger in weiter Ferne, wenn wir das Ergebnis unserer Handlungen dem Inneren Führer darbringen.

In unserem täglichen Leben sprechen wir oft von Bindung und Freiheit. Doch Verwirklichung sagt, dass es so etwas wie Bindung und Freiheit nicht gibt. Was wirklich existiert ist Bewusstsein – Bewusstsein auf verschiedenen Ebenen, Bewusstsein, das sich in seinen vielfältigen Manifestationen seiner selbst erfreut. Im Bereich der Manifestation hat Bewusstsein verschiedene Stufen. Warum beten wir? Wir beten, weil uns unser Gebet von einer niedrigeren Stufe der Erleuchtung zu einer höheren Stufe führt. Wir beten, weil uns unser Gebet näher zu etwas Reinem, Schönem, Inspirierendem und Erfüllendem führt. Die höchste Erleuchtung ist Gottverwirklichung. Diese Erleuchtung muss nicht nur in der Seele, sondern auch im Herzen, im Verstand, im Vitalen und im Körper stattfinden. Gottverwirklichung ist bewusste, vollständige und vollkommene Vereinigung mit Gott.

Wir wollen die Welt lieben; die Welt will uns lieben. Wir wollen die Welt erfüllen; die Welt will uns erfüllen. Aber es gibt kein Bindeglied zwischen uns und der Welt. Wir haben das Gefühl, dass unsere Existenz und die Existenz der Welt zwei völlig verschiedene Dinge sind. Wir glauben, dass die Welt etwas völlig Getrenntes von uns ist. Aber hier machen wir einen bedauerlichen Fehler. Was ist das Bindeglied zwischen uns und der Welt? Gott. Wenn wir uns zuerst an Gott wenden und Gott in der Welt sehen, dann wird uns die Welt nicht nur unsere Fehler nachsehen, egal wie viele Millionen von Fehlern wir auch begehen, sondern wird uns auch seelenvoll lieben. Genauso werden wir, wenn wir die Fehler, Schwächen und Unvollkommenheiten der Welt sehen, der Welt vergeben können und sie dann inspirieren, beleben und erleuchten, weil wir Gottes Dasein in ihr fühlen.

Wenn wir Gott nicht in all unseren Aktivitäten sehen können, wird sich Frustration in unserem täglichen Leben breit machen. Wie aufrichtig wir auch versuchen mögen, die Welt zufrieden zu stellen, wie aufrichtig die Welt auch versuchen mag, uns zufrieden zu stellen, es wird immer Frustration zwischen unserem Verständnis und dem Verständnis der Welt liegen. Die Quelle der Frustration ist Unwissenheit. Unwissenheit ist die Mutter von verheerender Frustration, zerstörender Frustration und erwürgender Frustration. Wenn wir tiefer in die Unwissenheit eintreten, sehen wir, dass alles ein Spiel der Unbewusstheit ist. Frustration kann aus unserem Leben nur dann vollkommen beseitigt werden, wenn wir in die Quelle allen Daseins eintauchen. Wenn wir in die Quelle unseres eigenen Daseins und des Daseins der Welt eintauchen, nähern wir uns der Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit ist unsere beständige Wonne, und Wonne ist der Atem Gottes.

Diese Welt gehört weder mir noch dir noch irgendjemandem. Niemals. Sie gehört Gott und Gott allein. Daher müssen wir wahrhaft weise sein. Wir müssen zuerst zum Besitzer gehen und nicht zum Besitz. Der Besitz ist hilflos, er kann nichts aus sich selbst heraus tun. Der Besitzer jedoch kann mit dem Besitz tun, was er möchte. Deshalb müssen wir zuerst eins mit Gott werden, und dann werden wir automatisch eins mit Gottes Besitztümern. Wenn wir mit Gott und Seinen Besitztümern eins werden, können wir sicher und unmissverständlich fühlen, dass die Welt uns gehört und wir der Welt.

Unwissenheit und Erleuchtung sind wie Nacht und Tag. Wir müssen zuerst in die Erleuchtung eintreten und dann die Erleuchtung in die Unwissenheits-Nacht tragen. Wenn wir versuchen, die Unwissenheit andersherum zu erleuchten, wird die Verwandlung der Unwissenheit schwierig, langsam und ungewiss sein. Das Reich der Unwissenheit zu betreten, heißt einen negativen Weg zu gehen. Wenn wir den Weg der Dunkelheit einschlagen und versuchen das Licht in der Dunkelheit zu finden, wählen wir den negativen Weg. Die beste Weise, die positive Weise, Licht zu finden, besteht darin, dem Pfad des Lichts zu folgen – dem Pfad von mehr Licht, unermesslichem Licht, unendlichem Licht. Wenn wir dem Pfad des Lichts folgen, wird Erleuchtung unweigerlich in uns erwachen.

Lasst uns nach oben schauen und das Licht von oben herab bringen. In dem Moment, da wir nach oben schauen, kommt Gottes Gnade herab. Es ist das Wesen von Gottes Gnade, auf jeden einzelnen Menschen auf Erden herabzuströmen. Wenn wir mit der Unwissenheit zu Gott hinauf steigen wollen, so ist es, als wollten wir einen Berg mit einem schweren Gewicht auf unseren Schultern erklimmen. Das ist natürlich eine schwierige Aufgabe. Stattdessen können wir am Fuße des Berges bleiben und nach Gottes Gnade rufen, die bereit ist und nur darauf wartet, zu uns vom Höchsten herab zu kommen. Für Gott ist es natürlich unendlich viel leichter, zu unserer Unwissenheit herab zu steigen, als es für uns ist, unsere Unwissenheit hinauf zu Gott zu tragen.
Erleuchtung ist das bewusste Gewahrsein der Seele. Erleuchtung ist die bewusste Schau der Wirklichkeit, die dabei ist, manifestiert zu werden. Erleuchtung ist Möglichkeit in Durchführbarkeit verwandelt. Erleuchtung ist wie der göttliche Zauberstab Gottes. In dieser Welt benutzt ein Zauberer seinen Zauberstab, um einen Gegenstand in einen anderen zu verwandeln. Wenn Gott in der Welt Erleuchtung benutzt, tritt das endliche Bewusstsein der Erde augenblicklich in das Unendliche ein und wird zum Unendlichen.

Erleuchtung ist die erste Erkenntnis oder Verwirklichung der Menschheit von Gottes allmächtiger Kraft, Gottes grenzenlosem Mitleid, Seinem unendlichen Licht und Seiner vollkommenen Vollkommenheit. Unsere Erleuchtung lässt uns erfahren, wer Gott wirklich ist. Vor der Erleuchtung ist Gott theoretisch, nach der Erleuchtung wird Gott praktisch. Erleuchtung ist also die göttliche Zauberkraft, die uns die Wirklichkeit sehen lässt, die zuerst nur Vorstellung war. Wenn Erleuchtung in einem Menschen erwacht, ist Gott nicht länger ein Versprechen, sondern eine tatsächliche Errungenschaft.

Erleuchtung findet im Verstand und im Herzen statt. Wenn der Verstand erleuchtet ist, werden wir zu Gottes Wahl. Wenn das Herz erleuchtet ist, werden wir zu Gottes Stimme. Hier in der physischen Welt hat sich der Verstand sehr stark herausgebildet. Weil der Mensch seinen intellektuellen Verstand entwickelt hat, ist er den Tieren überlegen geworden, denn die Ebene des Verstandes ist höher als die Ebene des Physischen oder des Vitalen. Zwar hat der Mensch die Fähigkeit des Verstandes kultiviert, aber die Fähigkeit des Herzens hat er noch nicht kultiviert. Wenn wir die Fähigkeit des Herzens entwickeln, werden wir sehen, dass seine Fähigkeit viel größer ist als wir uns vorgestellt haben. Wenn wir in unserem Herzen das einzigartige Gefühl dafür entwickeln, dass wir von Gottes höchster Vision stammen und für Gottes vollkommene Manifestation bestimmt sind, wird Erleuchtung stattfinden.

http://www.weisheitsrichinmoys.com/themen/erleuchtung
Könntest du bitte den Unterschied zwischen der Körper-Wirklichkeit und der Seelen-Wirklichkeit erklären?

Sri Chinmoy:
Einmal ging Troilanga Swami in der Nähe des Palastes eines indischen Königs die Straße entlang. Dieser König war ein großer Verehrer von ihm. Als der König hörte, dass Troilanga Swami in der Nähe war, lief er persönlich hinaus und holte ihn in seinen Palast. Der Meister war nackt, deshalb zogen ihm die Diener des Königs edle, kostbare Kleider an und er sah außerordentlich gut darin aus. Dann servierten sie ihm die köstlichsten Speisen. Der König und sein Hofstaat wurden vom Meister gesegnet und dann führten sie eine lange Unterhaltung mit ihm, obwohl er gewöhnlich kein Mann vieler Worte war. Manchmal sprach er viele Monate lang nicht.

Als Troilanga Swami den Palast verließ, um zu seiner Hütte zurückzukehren, beobachteten ihn einige der Palastwächter aus der Ferne. Als er fast außer Sichtweite war, griffen ihn drei Vagabunden an und nahmen ihm all die wertvollen Kleider weg, die ihm der König geschenkt hatte. Da liefen die Wachen herbei und verhafteten die Vagabunden. Dann baten sie Troilanga Swami, zum Königspalast zurück zu kommen und er willigte ein.

Als der König hörte, was passiert war, wollte er die Vagabunden bestrafen und ins Gefängnis werfen. Aber Troilanga Swami sagte: „Nein, tu das nicht. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich diese Kleider habe oder nicht. Meine Seele wird in keiner Weise davon berührt, wenn ich keine Kleider habe. Lange bevor du mir die Kleider gabst, hatte ich meine Seele in meinem Körper, und das ist das einzig Wirkliche. Was soll ich mit den Dingen, die kein Bedürfnis meiner Seele erfüllen?“ Und so wurden die Vagabunden frei gelassen und der Meister ging friedlich seiner Wege.

Die Körper-Wirklichkeit braucht für ihre Zufriedenheit Dekoration, Schmuck und Verschönerung. Die Seelen-Wirklichkeit braucht für ihre ewige Zufriedenheit nur ihr Einssein mit der Unsterblichkeit der Unendlichkeit.


Der Körper ist sterblich, während die Seele ewig ist. Welche Bedeutung hat es, einen Körper zu haben?

Sri Chinmoy:
Die Seele ist ewig und der Körper ist vergänglich, das ist wahr. Doch wir müssen uns der höchsten Bedeutung dreier Dinge bewusst sein. Diese sind erstens die Verkörperung der Wahrheit, zweitens die Enthüllung der Wahrheit, drittens die Manifestation der Wahrheit. Hier auf der Erde und durch den physischen Körper kann die Seele ihre eigene Göttlichkeit manifestieren, welche unendlicher Frieden, unendliches Licht und unendliche Glückseligkeit sind. Diese Erde ist das Feld der Manifestation und gleichzeitig ist diese Erde das Feld der Verwirklichung. Gott-Verwirklichung kann nur hier auf Erden erlangt werden und nicht in anderen Sphären, nicht auf anderen Planeten, nicht in anderen Welten. Daher müssen diejenigen, die Gott-Verwirklichung wollen, in diese Welt kommen. Die Seele muss den Körper annehmen, weil der Körper hier auf der Erde absolut notwendig ist, um die Göttlichkeit der Seele zu manifestieren.

Auf der einen Seite kann der Körper nicht mehr funktionieren, wenn die Seele den Körper verlässt; der Körper stirbt. Auf der anderen Seite, wenn die Seele manifestieren will, muss dies im Körper und mit dem Körper geschehen. Deshalb müssen wir wissen, was wir tatsächlich wollen. Wenn wir den Körper ablehnen, den Körper zerstören wollen, was kann dann die Seele tun? Sie muss den Körper verlassen. Doch wenn wir hier auf Erden etwas erreichen wollen und wir die Notwendigkeit fühlen, das Königreich des Himmels hier auf Erden zu begründen, dann muss dies mit der bewussten Hilfe des Körpers geschehen. In der Katha Upanishad heißt es: „Die Seele ist der Meister, der Körper ist der Wagen, die Vernunft oder der Intellekt ist der Wagenlenker und der Verstand die Zügel.“ Der Körper braucht die Seele, die Seele braucht den Körper. Für die Verwirklichung der höchsten und tiefsten Wahrheit braucht der Körper die Seele; für die Manifestation der höchsten und tiefsten Wahrheit braucht die Seele den Körper.

http://www.weisheitsrichinmoys.com/themen/koerper

Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Fr 23. Feb 2024, 12:27

Sri Chinmoy hat geschrieben:Widrigkeiten machen dich dynamisch. Widrigkeiten zwingen dich, deine Augen weit offen zu halten. Widrigkeiten lehren dich die Bedeutung von Geduld. Widrigkeiten verleihen dir Glauben an dich selbst. Widrigkeiten führen uns nach innen, um unseren Lebensweg zu korrigieren und zu vervollkommnen. Wohlergehen führt uns vorwärts, um unsere menschliche Geburt zu erleuchten und unsterblich zu machen.

Im Wohlergehen bleibt unsere innere Stärke statisch. Durch Widrigkeiten und Not wird unsere innere Stärke dynamisch.

Da könnte dann die Frage gestellt werden: Bezieht sich das auch auf "Vollkommene"? Wenn ja, dann dürfte daraus gefolgert werden können auch "Vollkommene" würden in irgendeiner Weise Widrigkeiten empfinden? Und er vertritt die Auffassung, die Entwicklung von Seelen höre nie auf.
Ein Problem wächst, wenn das Herz zögert und der Verstand berechnet. Ein Problem verringert sich, wenn das Herz dem Problem die Stirn bietet und der Verstand das Herz unterstützt. Ein Problem verschwindet, wenn der Verstand sein Such-Licht und das Herz sein Erleuchtungs-Licht gebraucht.

"Herz" wird hier offenbar mal wieder als "bestimmte Energie" verstanden. Ob äußerer Lärm und so weiter auch als ein derartiges Problem betrachtet würde?
Wenn unser Körper das Problem ist, dann können unsere beständige Wachsamkeit und Aufmerksamkeit dieses Problem lösen. Wenn das Vitale das Problem ist, dann kann unsere sich emporschwingende Vorstellungskraft dieses Problem lösen.

Hm.
Gott hätte Seine Schöpfung mit Vollkommenheit beginnen können. Doch leider oder zum Glück war dies nicht Seine Absicht. Was Gott wollte, war durch Unwissenheit zum Wissen, durch Begrenzung zur Fülle und durch Tod zur Unsterblichkeit zu gehen.

Oder dieser "gefallene" Zustand entstand halt erst nach einem Beginn der (eigentlichen geistigen) Schöpfung in Vollkommenheit.
Gott ist ein göttlicher Spieler. Er spielt Sein göttliches Spiel

Wer macht schließlich all diese Erfahrungen? Es ist Gott, Gott allein.

Oder auch nicht ...
Wenn wir uns bewusst mit Gottes Bewusstsein identifizieren, sehen wir, dass es keine Unvollkommenheit gibt, weil Gott vollkommene Vollkommenheit ist. Aber wenn wir nicht im göttlichen Bewusstsein leben, wenn wir fühlen, dass wir die Handelnden sind, werden wir natürlich der Unvollkommenheit der äußeren Welt unterworfen sein.

"Identifizieren" ist hier in diesem Kontext sicherlich eine spannende Wortwahl.
Was hält uns davon ab, Vollkommenheit zu erreichen? Unsere Selbstnachgiebigkeit und Vergnügungssucht. Wenn wir nachgiebig gegen uns selbst sind, fühlen wir, dass es in unserem Leben etwas absolut Notwendiges gibt, und das ist Vergnügen. Wenn wir uns nach Vergnügen sehnen und im Vergnügen bleiben wollen, um zum Vergnügen selbst zu werden, dann bleibt Vollkommenheit in weiter Ferne. Aber wenn wir uns nach göttlicher Freude, Wonne und Glückseligkeit sehnen, dann treten wir in den Ozean der Vollkommenheit ein. Wenn wir uns unaufhörlich danach sehnen, lernen wir, im Meer der Vollkommenheit zu schwimmen.

Wenn wir eine intensive innere Sehnsucht nach Wonne haben, springen wir in das Meer der Vollkommenheit. Das ist der erste Schritt. Und wenn diese innere Sehnsucht beständig wird, schwimmen wir im Meer der Vollkommenheit. Wenn wir Freude und Wonne als unser Ziel haben, wächst Vollkommenheit automatisch in uns heran, und allmählich werden wir zum Meer der Vollkommenheit. Doch was uns jetzt von der Vollkommenheit abhält, ist unsere Liebe zum Leben des Vergnügens und unser Schwelgen im Leben des Vergnügens.

"Selbstnachgiebigkeit", das wirkt ja in gewisser Art wie ein Gegensatz zur "Selbststärke" auf der Gutshomepage? Interessant, war mir so beim übersetzten Chinmoy bislang noch nicht aufgefallen.

"Nachgiebig gegen uns selbst", das würde wohl wieder den Punkt berühren, wie das innerste Sehnen und Wollen in einem Menschen ("uns selbst") denn geartet wäre. Und wieso sollte "Sehnen nach göttlicher Wonne" nicht "uns selbst" sein? Er bezieht sich auf innere Sehnsucht, hat das dann aber nicht konsequent zuendegefolgert in seiner Lehrausdrucksweise?

Vergnügen wird als Gegensatz zu "göttlicher Wonne" dargestellt? Wieso denn?

Ansonsten geht es dann wohl eher wieder um diese in derartigen Lehren recht übliche Illusion einer Art von "Erlöschen" in einem Zustand des Angestrahltwerdens, vermute ich.

Agape
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Agape » Fr 23. Feb 2024, 15:18

Marsianer hat geschrieben:
Sri Chinmoy hat geschrieben: Im Wohlergehen bleibt unsere innere Stärke statisch. Durch Widrigkeiten und Not wird unsere innere Stärke dynamisch.

Da könnte dann die Frage gestellt werden: Bezieht sich das auch auf "Vollkommene"? Wenn ja, dann dürfte daraus gefolgert werden können auch "Vollkommene" würden in irgendeiner Weise Widrigkeiten empfinden?

Ja, es bezieht sich vermutlich auch auf „Vollkommene“:
Doch selbst wenn wir nichts falsch machen, kann die Unwissenheit der Welt uns angreifen und uns quälen. Denke nur an Jesus Christus. Er war ein großer spiritueller Meister. Er hatte keinerlei schlechtes Karma. Er tat überhaupt nichts Falsches. Aber die Unwissenheit der Welt kreuzigte ihn.

http://www.weisheitsrichinmoys.com/themen/probleme-und-widrigkeiten

Marsianer hat geschrieben:
Sri Chinmoy hat geschrieben:Was hält uns davon ab, Vollkommenheit zu erreichen? Unsere Selbstnachgiebigkeit und Vergnügungssucht. Wenn wir nachgiebig gegen uns selbst sind, fühlen wir, dass es in unserem Leben etwas absolut Notwendiges gibt, und das ist Vergnügen. Wenn wir uns nach Vergnügen sehnen und im Vergnügen bleiben wollen, um zum Vergnügen selbst zu werden, dann bleibt Vollkommenheit in weiter Ferne. Aber wenn wir uns nach göttlicher Freude, Wonne und Glückseligkeit sehnen, dann treten wir in den Ozean der Vollkommenheit ein. Wenn wir uns unaufhörlich danach sehnen, lernen wir, im Meer der Vollkommenheit zu schwimmen.

Vergnügen wird als Gegensatz zu "göttlicher Wonne" dargestellt? Wieso denn?

Hm - ich verstehe es eher so, als wäre damit die „Sucht nach Vergnügen“, wie sie in der Vergänglichkeit der Welt anzutreffen ist, gemeint. Göttliche Wonne würde im Gegensatz dazu etwas darstellen, das zum „ewigen Leben“ gehört.

Edit: Wäre anstatt "Vergnügen" vielleicht "Vergnügung" ein passenderer Begriff?
"Schreiben ist der direkte Weg zum Herzen"
http://jakobgut.de/erdnuss.htm

Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Fr 23. Feb 2024, 19:16

Agape hat geschrieben:Ja, es bezieht sich vermutlich auch auf „Vollkommene“

Unter Berufung auf Chinmoy gibt es auf etlichen Internetseiten Listen von Menschen, die Chinmoy als Erleuchtete anerkannte. Jesus findet sich darauf, der aus der Perspektive Chinmoys wohl ein spiritueller Meister unter anderen gewesen war. Manche Hindus sollen ihn aber ja als Verkörperung Gottes anerkennen, wie Krishna, Buddha und andere. Er wird das was Jesus offenbar auch seiner Meinung nach geschah entsprechend deuten und vielleicht ungefähr meinen, soetwas könne quasi jedem Erleuchteten geschehen?

Auf einer solchen Liste fand ich auch den Namen Vivekananda und auf einer anderen Seite eine Erzählung, dieser habe während einer Meditation Sinneslust verspürt, die ihn wohl in eine gewisse Unruhe gebracht hatte. Diese Seite ist aber irgendwie nicht richtig abrufbar gewesen, also hatte ich versucht ein andere Beispiel zu finden, fand aber erstmal nichts dergleichen. Es sollte aber Ähnliches zu finden sein, das auch solide verlinkbar wäre?

Was wäre also daraus zu folgern, war Vivekananda nicht wirklich ein Erleuchteter? Von Budda ist überliefert, er habe gefastet auf dem Weg zur Erleuchtung. Danach nicht mehr? Ich könnte mir vorstellen, so einige "anerkannt Erleuchtete" hatten gefastet? Es könnte dazu gefragt werden, wieso eigentlich, wenn sie doch erleuchtet waren und nichts sie in Unruhe oder schwächen bringen hätte können?
Hm - ich verstehe es eher so, als wäre damit die „Sucht nach Vergnügen“, wie sie in der Vergänglichkeit der Welt anzutreffen ist, gemeint.

Vermutlich etwas in der Art. "Lärm" statt "Stille"?
Wäre anstatt "Vergnügen" vielleicht "Vergnügung" ein passenderer Begriff?

Weiß nicht, "Zerstreuung" wäre wohl begrifflich auch nicht wirklich klar, überlegte ich. Man könnte sich auch in "göttlicher Wonne" "zerstreuen"?


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