Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

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Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Sa 28. Mär 2026, 10:08

Heilige Therese von Lisieux, Selbstbiographie, Johannes-Verlag 2009 (1. Auflage 1958), Handschrift A (An Mutter Agnes de Jesus), Erste Erinnerungen hat geschrieben:[Zitat aus einem Brief der leiblichen Mutter vom 5.12.1875:] "Die Kleine ist ein unglaublicher Schelm. Soeben hat sie mich liebkost und mir dabei den Tod gewünscht: - <Oh! wie gern möchte ich, daß du stirbst, mein armes Mütterchen! ...> man weist sie zurecht, da sagt sie: - <Es ist ja nur, daß du in den Himmel kommst; du hast doch gesagt, man müsse sterben, um hineinzukommen.> Auch ihrem Vater wünscht sie den Tod, wenn sie einen ihrer Liebesanfälle hat!"

[...]

[Zitat aus einem Brief der leiblichen Mutter vom 14.5.1876:]"Meine kleine Celine [Thereses 3,5 Jahre ältere Schwester] neigt sehr zur Tugend, so gehört es zu ihrem innersten Wesen, sie ist offenherzig und verabscheut das Böse. Was unseren kleinen Wildfang [Therese] angeht, weiß man nicht recht, wie er sich machen wird, er ist noch ein so winziges, unbesonnenes Ding! Ihr Geist ist dem Celines überlegen, aber sie ist viel weniger sanft und vor allem besitzt sie einen fast unüberwindlichen Eigensinn, wenn sie <nein> sagt, kann nichts sie zum Nachgeben bringen, sperrte man sie einen Tag lang in den Keller, sie schliefe lieber dort, als <ja> zu sagen...
Sie hat jedoch ein goldenes Herz, sie ist sehr zärtlich und sehr aufrichtig; merkwürdig ist es, wie sie mir nachläuft, um mir ihre Vergehen zu beichten: - Mama, ich habe Celine nur einmal gestoßen, einmal habe ich sie geschlagen, aber ich will es nicht mehr tun. - (So ist es bei allem, was sie tut)."

Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Mi 1. Apr 2026, 14:42

Laut dem dort Beschriebenen änderte Therese ihr Wesen (vom Wildfang zu "lieb" und ständig in für mich ziemlich fragwürdger Weise zuwendungsbedürftig), als ihre leibliche Mutter starb. Ab dieser Zeit hätte ich mich nach meinem Eindruck mit Therese zunächt für Jahre kaum gut verstanden und diese Seiten zu lesen fand ich auch nicht angenehm. Eine Art selbstgewählte Ersatzmutter, Pauline, trat dann ins Kloster ein und wurde für Therese ebenfalls nahezu unerreichbar, wonach Therese dann erkrankte.
Leidvolle Jahre hat geschrieben:Es ist nicht verwunderlich, daß ich fürchtete, krank geschienen zu haben, ohne es wirklich zu sein, denn ich sagte und tat Dinge, die ich gar nicht dachte, fast ständig schien ich in einem Wahn befangen und sagte Worte, die keinen Sinn hatten, und doch bin ich sicher, daß ich keinen einzigen Augenblick des Gebrauchs meiner Vernuft beraubt war... Ich schien oft in Ohnmacht zu liegen und machte nicht die leisteste Bewegung, ich hätte dann mit mir vornehmen lassen, was immer man wollte, sogar mich töten, und doch hörte ich alles, was um mich herum gesprochen wurde, und kann mich auch noch an alles erinnern...
Einmal kam es vor, daß ich lange Zeit außerstand war, die Augen aufzutun, um sie dann einen Augenblick zu öffnen, als ich gerade allein war...

Zumindest in deren Umfeld war es wohl üblich das Erdendasein als "Verbannung" zu bezeichnen soweit ich es hier verstehe, verbunden mit der Auffassung währenddessen könne vom Menschen irgendwie weniger "geschützt und gesegnet" werden?.
Später konnte er [Thereses leiblicher Vater] die Erfahrung machen, daß er sich nicht getäuscht hatte, und jetzt schützt und segnet er gewiß jene, die ihm so hingebende Pflege angedeihen ließen... Ich selbst bin ja noch in Verbannung und da ich meine Dankbarkeit nicht beweisen kann, gibt es nur ein Mittel, mein Herz zu erleichtern: für die geliebten Verwandten zu beten, die mir gegenüber so gut waren und es noch sind!
[...]
Zum Glück habe ich den Himmel, um mich zu rächen; mein Bräutigam ist sehr reich, und aus seinen Liebesschätzen werde ich schöpfen, um euch hundertfach zu vergelten, was ihr um meinetwillen gelitten habt...
[...]
Wie gern hätte ich ihm [dem leiblichen Vater] sagen wollen, ich sei geheilt, aber ich hatte ihm schon genug trügerische Freuden bereitet, nicht meine Wünsche konnten ein Wunder bewirken, den ein solches war nötig, um mich zu heilen. [...] Da sie auf Erden keine Hilfe fand, hatte sich auch die kleine Therese ihrer himmlischen Mutter zugewandt, und bat sie von ganzem Herzen, sie doch endlich ihrer zu erbarmen... Plötzlich erschien mir die Muttergottes schön. so schön, daß ich nie Schöneres gesehen hatte, ihr Antlitz atmete unaussprechliche Güte und Zärtlichkeit; was mir aber bis ins Innerste der Seele drang, das war das bezaubernde Lächeln der seligen Jungfrau. Da zerstoben alle meine Leiden, [...]

Marsianer
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Do 2. Apr 2026, 19:51

Agape hat geschrieben:2. Hat die Heilige Therese von Lisieux auf ihre Frage letztendlich eine Antwort gefunden?

Zumindest eine weitere Vermutung:
Leidvolle Jahre, S. 80-81 hat geschrieben:Ach! ich sehe ein, Jesus wußte, daß ich zu schwach war, um der Versuchung ausgesetzt zu werden;

[...]

ich weiß aber auch, daß Jesus mir mehr vergeben hat als der Hl. Magdalena, denn er hat mir im voraus vergeben, indem er mich vor dem Fall bewahrte. Ach! könnte ich nur ausdrücken, was ich empfinde!... Hier ein Beispiel, das meinen Gedanken in etwa wiedergibt. - Angenommen, der Sohn eines geschickten Arztes stößt auf seinem Wege an einen Stein, der ihn zu Fall bringt, und in diesem Sturz bricht er sich ein Glied; sofort eilt sein Vater herbei, hebt ihn liebevoll auf, pflegt seine Wunden, er bedient sich dabei aller Hilfsmittel seiner Wissenschaft, bald ist der Sohn vollkommen hergestellt und bezeugt dem Vater seine Dankbarkeit. Zweifellos hat dieses Kind allen Grund, seinen Vater zu lieben! Doch ich will noch einen anderen Fall setzen. - Der Vater, der wußte, daß sich auf dem Wege seines Sohnes ein Stein befand, eilt ihm voraus und entfernt, ohne daß jemand ihn sieht, den Stein. Gewiß wird der Sohn, der Gegenstand dieser vorausschauenden Liebe, der aber nicht weiß, welchem Unheil er dank dem Vater entrann, diesem keinen Dank bezeugen und ihn weniger lieben, als wenn er vom Vater geheilt worden wäre, wenn er jedoch von der Gefahr erfährt, der er soeben entronnen ist, wird er ihn da nicht mehr lieben?

Marsianer hat geschrieben:in für mich ziemlich fragwürdger Weise zuwendungsbedürftig

Späteres Beispiel:
S. 88 hat geschrieben:Marie (Guerin), die fast immer leidend war, jammerte oft; dann hätschelte sie meine Tante und gab ihr die zärtlichsten Kosenamen; mein liebes Kusinchen aber fuhr trotzdem fort, mit weinerlicher Stimme zu sagen, sie habe Kopfweh. Da auch ich fast täglich Kopfschmerzen hatte, mich aber darüber nicht beklagte, wollte ich es nun Marie eines Abends nachmachen, ich setzte mich also jammernd auf einen Sessel in die Ecke des Salons. Bald kamen Jeanne und meine Tante besorgt zu mir geeilt und fragten, was mir fehle. Ich antworte wie Marie: "Ich habe Kopfweh." Offenbar stand mir das Jammern nicht zu Gesicht, in keiner Weise konnte ich sie überzeugen, daß ich wegen der Kopfschmerzen weinte, statt mich zu streicheln, sprach man zu mir wie zu einer erwachsenen Person, und Jeanne warf mir sogar Mangel an Vertrauen meiner Tante gegenüber vor, da sie dachte, ich hätte irgendetwas auf dem Gewissen... kurz, ich kam nicht auf meine Rechnung

Aber:
S. 85 hat geschrieben:Aber war Jesus nicht mein einziger Freund?... Nur mit ihm wußte ich zu reden; die Gespräche mit den Geschöpfen, selbst fromme Unterhaltungen, ermüdeten mir die Seele... Ich fühlte, daß es besser war mit Gott zu reden als über ihn, denn in die geistlichen Gespräche mischt sich soviel Eigenliebe!

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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Agape » Fr 3. Apr 2026, 10:29

Marsianer hat geschrieben:
S. 85 hat geschrieben:Aber war Jesus nicht mein einziger Freund?... Nur mit ihm wußte ich zu reden; die Gespräche mit den Geschöpfen, selbst fromme Unterhaltungen, ermüdeten mir die Seele... Ich fühlte, daß es besser war mit Gott zu reden als über ihn, denn in die geistlichen Gespräche mischt sich soviel Eigenliebe!

Ja, ich empfinde dies oft wohl ähnlich.
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Fr 3. Apr 2026, 16:02

Gerade in letzter Zeit war allerdings sinngemäß ja immer wieder die Frage, zu welcher Art mystischer Erfahrungen wieviele Menschen überhaupt wie aktiv Zugang besitzen.

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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Agape » Sa 4. Apr 2026, 09:51

Marsianer hat geschrieben:Gerade in letzter Zeit war allerdings sinngemäß ja immer wieder die Frage, zu welcher Art mystischer Erfahrungen wieviele Menschen überhaupt wie aktiv Zugang besitzen.

Aber jemand ganz ohne solchen Zugang würde vermutlich gar nicht fühlen können, dass es besser sei, "mit" Gott zu reden als "über" ihn?
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Sa 4. Apr 2026, 15:21

S. 79-80 hat geschrieben:Wie vermag sich ein in geschöpflicher Liebe verfangenes Herz innig mit Gott zu vereinen?... Ich fühle, daß dies nicht möglich ist.

viewtopic.php?p=10252#p10252

Ja, ich dachte daran, was "den vielen Menschen" wohl offenstünde. Ich fände es auch hart, Menschen auf etwas zu verweisen, das ihnen vielleicht kaum offensteht, auch wenn das im Hintergrund an ihrer eigenen änderbaren Ausrichtung läge?

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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » Sa 4. Apr 2026, 19:29

Vielleicht wäre soherum die Frage sinnvoll:

Kann ein Mensch ohne eigenes mystisches Erfahren uneitel über Glaubensdinge sprechen?

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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » So 5. Apr 2026, 05:34

Dem Karmel entgegen hat geschrieben:Der Liebe Gott mußte ein kleines Wunder wirken, um mich in einem Augenblick wachsen zu lassen, und er wirkte dieses Wunder am unvergeßlichen Weihnachtsfest [Fußnote: Die Nacht vom Freitag, den 24., auf Samstag, den 25. Dezember 1886]; in jener lichten Nacht, die die Wonnen der Dreifaltigkeit bescheint, wandelte Jesus, das liebliche, kleine neugeborene Kind die Nacht meiner Seele in Sturzbäche von Licht... In jener Nacht, in der Er sich schwach und leidend machte aus Liebe zu mir, machte Er mich stark und mutig. Er legte mir seine Waffenrüstung an, und seit jener gesegneten Nacht wurde ich in keinem Kampf mehr besiegt, [...] Zum Glück aber war es süße Wirklichkeit, die kleine Therese hatte ihre Seelenstärke wiedergefunden, die sie im Alter von viereinhalb Jahren verloren hatte, und die sie sich nunmehr für immer bewahren sollte!...
In dieser lichtdurchstrahlten Nacht begann mein dritter Lebensabschnitt [...] Er machte mich zum Seelenfischer, ich spürte großes Verlangen, an der Bekehrung der Sünder zu arbeiten, ein Verlangen, das ich vorher nicht so lebhaft empfunden hatte... Ja, ich fühlte die Liebe in mein Herz einziehen, das Bedürfnis mich selbst zu vergessen, um Freude zu machen, und von da an war ich glücklich!... [...] Noch waren es nicht Priesterseelen, zu denen es mich hinzog, sondern die der großen Sünder, ich brannte vor Verlangen sie den ewigen Flammen zu entreißen.
Um meinen Eifer anzuspornen, zeigte mir der Liebe Gott, daß ihm mein Verlangen wohlgefällig sei.

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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Agape » So 5. Apr 2026, 11:59

Marsianer hat geschrieben:Vielleicht wäre soherum die Frage sinnvoll:

Kann ein Mensch ohne eigenes mystisches Erfahren uneitel über Glaubensdinge sprechen?

Kann ein Mensch, der "wahrhaftig aus Gott(es) Geist" spricht, "eitel" über Glaubensdinge sprechen (unabhängig davon, ob dabei eigenes mystisches Erfahren eine Rolle spielt oder nicht)?
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Marsianer » So 5. Apr 2026, 12:28

Wahrhaftig aus Gottes Geist sprechen könnte bedeuten, daß wenigstens ein Funke des Ansatzes im Menschen dahingehend wahrhaftig wäre. Und wenn ein Mensch sich mit Gott entsprechend befasst, dann ist für mich die Frage, was ihn dazu antreiben würde. Zieht es ihn zu leeren Traditionen oder Formdiskussionen über eher äußere Sachverhalte und meint er vielleicht Glaubenslehren ins Zeitgeistige umdeuten zu wollen, dann ist solche Wahrhaftigkeit vielleicht nicht vorhanden oder zumindest nur recht schwach.

Agape
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Re: Körperidentifikation und Zugänglichkeit oadischer Kultur

Beitragvon Agape » So 5. Apr 2026, 12:41

Mit "wahrhaftig aus Gottes Geist sprechen" meinte ich, dass jemand aus Liebe zu Gottes Geist (und infolgedessen aus einem gewissen Grad an Identifikation mit seinem göttlichen Ursprung) "über" Gott spricht. Also sozusagen aus dem "göttlichen Selbst" heraus, welches Traditionen, Glaubenslehren und äusseren Sachverhalten übergeordnet ist.
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