Sühneseelen

Ein maximal zensurfreies Gesprächsangebot im Rahmen oadischer Entwicklungszusammenarbeit: Zufriedenwerden, Yoga, Xenographie, Wissenschaft(skritik), Verstehenlernen, Umweltschutz, Träume, Spiritualität, Religion, Quantenwelt, Permakultur, Oadischsein, Nachrichten, Minimalismus, Liebeleben, Konsumsekte, Jesus, Inspiration, Heimat, Gott, Freidenker, Esoterik, Denken, Christenheit, Buddhismus, Aussteigen ~ (Gastzugang unter Name & Passwort = Anonym)
Agape
Beiträge: 2307
Registriert: Fr 24. Jul 2020, 19:40

Re: Sühneseelen

Beitragvon Agape » Fr 19. Jun 2026, 13:15

Und im Vergleich dazu die heilige Faustyna?
"Schreiben ist der direkte Weg zum Herzen"
http://jakobgut.de/erdnuss.htm

Marsianer
Beiträge: 4756
Registriert: Sa 3. Okt 2015, 11:42

Re: Sühneseelen

Beitragvon Marsianer » Fr 19. Jun 2026, 14:02

In der Hinsicht dazwischen und näher bei den Letzteren zwei.

Marsianer
Beiträge: 4756
Registriert: Sa 3. Okt 2015, 11:42

Re: Sühneseelen

Beitragvon Marsianer » Sa 27. Jun 2026, 17:31

P. Germano di S. Stanislao C.P.; GEMMA GALGANI; Das Leben der Jungfrau von Lucca; S. 48 hat geschrieben:Einmal erkrankte die Hausmutter Giustina Giannini und hatte so furchtbare innere
Schmerzen zu erdulden, dass die Ärzte das äußerste befürchteten. Gemma ward vom Mitleid
ergriffen und bat Gott, er möge ihr jene Schmerzen senden, welche die Hausfrau befallen hatten.
Gott erhörte ihre großmütige Bitte. Die Dame ward zur Stunde geheilt; Gemma hingegen musste
Monate hindurch jene grausamen Schmerzen ertragen, die sie fast an den Rand des Grabes
brachten.

Marsianer
Beiträge: 4756
Registriert: Sa 3. Okt 2015, 11:42

Re: Sühneseelen

Beitragvon Marsianer » So 28. Jun 2026, 16:01

S. 61-62 hat geschrieben:Die Tugend der Losschälung von allen Geschöpfen übte sie auch ihrem Seelenführer gegenüber; sie
beklagte sich nie darüber, dass er selten nach Lucca kam oder ihre Briefe nicht sofort beantwortete.
Dieser reinen Taube war das Erdenleben zum Ekel geworden. Da ihr Sinnen und Trachten eine
andere Richtung eingeschlagen, kam sie sich in der Welt vor wie eine Fremde, die niemanden kennt
und selber allen unbekannt ist und mit niemand etwas zu tun hat. Bei dieser Lebensauffassung
Gemmas wird es verständlich, wenn sie gleich bereit war, ihre Lebensfrist andern abzutreten.
Erkrankte eine ihr befreundete Person auf den Tod, wandte sich Gemma schleunigst an ihren
Seelenführer, um die Erlaubnis zu erhalten, der betreffenden Kranken ein, zwei, drei Jahre ihres
eigenen Lebens zu überlassen. „Sie werden sehen, Pater, Jesus wird den Tausch annehmen, sofern
Sie Ihre Zustimmung geben." Um meine Einwilligung sicherer zu bekommen, brachte sie ihre
bestimmten Gründe vor und entwickelte dieselben so gewandt, dass man schon gehörig auf der Hut
sein musste, wollte man sich nicht der Gefahr der „Überrumpelung" aussetzen. Schließlich ließ ich
selber mich von dieser liebenswürdigen und überzeugenden Beredsamkeit bestimmen und gab die
Erlaubnis. Gott nahm den Tausch an und Gemma starb wirklich, als der im Vertrag, d. h. beim
Tausch genannte Zeitpunkt gekommen war, in der schönsten Blüte ihrer Jugend und gegen alles
menschliche Erwarten.

Marsianer
Beiträge: 4756
Registriert: Sa 3. Okt 2015, 11:42

Re: Sühneseelen

Beitragvon Marsianer » Sa 4. Jul 2026, 14:22

S. 125-130 hat geschrieben:Ich führe eine andere Tatsache an, wie sie mir von einem durchaus glaubwürdigen Zeugen berichtet
wurde. „Von einer Dame meiner Bekanntschaft wurde ich gebeten, Gemma ihren Bruder zu
empfehlen, der ein großer Sünder war. Ich sprach zu Gemma davon. Sie begab sich sofort ins Gebet
und war bald in Ekstase. Jesus erklärte aber, wohl um ihren Glauben zu prüfen, er kenne jenen
Sünder nicht. „Wie, mein Jesus, du kennst ihn nicht, da er doch dein Sohn ist?" Hierauf wandte sie
sich an Maria, als sie aber sah, dass auch sie schwieg und weinte, betete sie zum sel. Gabriel von
der schmerzhaften Mutter. Selbst dieser schien sie nicht zu beachten. Gemma verlor den Mut nicht,
sondern verdoppelte ihr Gebet. Sie gestand mir aber doch: „Dieser Mensch muss wirklich ein
großer Sünder sein; denn Jesus erklärt, er kenne ihn nicht, die Himmelsmutter weint, der sel.
Gabriel gibt mir keine Antwort." Ein Jahr lang mochte Gemma beharrlich gebetet haben, als ich
eines Tages auf dem Wege zur Kirche das Dienstmädchen jener Dame traf, das ganz bestürzt die
Kunde brachte, der Bruder ihrer Herrin sei dem Tode nahe. Dies war für uns eine betrübliche
Nachricht. Wir hatten aber noch nicht zwanzig Schritte zurückgelegt, da ruft Gemma plötzlich: „Er
ist gerettet, er ist gerettet!" Ich fragte: „Wer?" Sie erwiderte: „Der Bruder der Dame." Später erfuhr
ich, jener Herr sei, die Hand des Priesters drückend, gerade in jenem Augenblicke verschieden, als
das Dienstmädchen ins Haus zurückgekehrt war, somit genau in jenem Moment, als Gemma
ausgerufen: „Er ist gerettet, er ist gerettet!"

Wie wir aus obiger Darstellung ersehen, wurden diese armen Sünder Gemma von befreundeten
Personen empfohlen. Der letzte Sünder, den sie, wie sie sich ausdrückte, zur Hand hatte, auf ihrer
Achsel trug, war ein Herr aus Lucca, ein stadtbekannter und verstockter Sünder, den sie aber nicht
persönlich kannte. Gemma mühte sich lange und schwer ab, um seine Bekehrung zu erlangen,
machte immer wieder einen neuen Versuch, ohne je den Mut zu verlieren. In ihrer letzten Krankheit
sagte sie: „Ich behalte ihn noch auf meiner Schulter während dieser Fastenzeit (1903), dann lasse
ich ihn fallen." Am Gründonnerstag (9. April 1903) berichtete mir der seeleneifrige Priester, der
jenen Herrn Gemma empfohlen hatte, ein großer Sünder habe sich bekehrt: es war der Sünder
Gemmas. Zwei Tage darauf, nachdem jene Last abgelegt war, flog die reine Jungfrau mit dieser
neuen Palme in der Hand dem Himmel zu.

[...]

War ein Sünder ihr feindlich gesinnt, so betete sie noch viel eifriger für ihn. „Erweise ihm recht viel
Gutes, doppelt so viel, als er mir Böses zufügen wollte, du verstehst mich, Jesus! Um dir zu zeigen,
dass ich ihn liebe, will ich morgen die Kommunion für ihn aufopfern. Er denkt vielleicht daran, uns
Böses zu tun, wir aber lieben ihn aufrichtig."

Es schien geradezu, sie könne weder Frieden noch Ruhe haben, weil sie sah, dass bei den Christen
ihrer Tage, lebten sie in der Welt oder im Kloster, solche Gleichgültigkeit herrschte. Abgesehen von
dem Gebet, das sie stets für sie aufopferte, benützte sie jede sich darbietende Gelegenheit, um zu
raten, zu ermahnen, zu tadeln und, sofern es nötig war, im Namen Jesu zu drohen und auf Ordnung
zu dringen. So sagte sie zu einem: „Wissen Sie, das und das gefällt Jesu nicht; Sie sollten es bleiben
lassen." Zu einem andern: „Wollen Sie Jesus gefallen, dann sollten Sie es so und so machen." Ein
ehrwürdiger Prälat kam einmal, um sich mit ihr zu beraten. Während der Unterredung, der auch ich
beiwohnte, stellte der Besucher die Frage, ob er sein Amt richtig verwalte. Gemma, die wusste, dass
der Prälat in seinem Handeln etwas unbesonnen war und gegen seine Untergebenen hart verfuhr,
erwiderte freimütig: „Ehrwürdiger Vater, Sie sollten etwas behutsamer vorgehen und die
Angelegenheiten mit Vorsicht behandeln, sonst werden Sie niemand befriedigen." Das einfache
Mädchen sprach sich, ohne gegen die Bescheidenheit und Demut zu verstoßen, rückhaltlos aus.
Selbst ihrem Seelenführer gegenüber bediente sie sich eines heiligen Freimuts und traf dabei den
Nagel stets auf den Kopf.

Manchmal wurde sie von Gott selber als seine Gesandte vorausgeschickt, um selbst hochstehende
Persönlichkeiten zu ermahnen. Sie beeilte sich dann, ihre Aufgabe auszuführen, holte aber stets die
Gutheißung ihres Beichtvaters oder Seelenführers dazu ein; denn auf ihre eigene Einsicht wollte sie
sich nie verlassen. „Es sind schon einige Tage her", schrieb sie mir in einem dieser Briefe, „dass
Jesus mir folgende Worte wiederholt: ,Geh zur Oberin (eines bestimmten Frauenklosters) und sage
ihr, wenn sie noch ferner meinen Einsprechungen sich widersetze, wenn sie hartnäckig auf ihrem
Willen bestehe und in ihrem Eigensinn den Befehlen ihrer Vorgesetzten nicht gehorchen wolle, so
werde sie sehen, was ihr bevorstehe; denn ich habe die Strafe schon bereit. Wehe ihr, wenn sie auf
diese letzte Mahnung nicht achtet. Sage ihr, alles hänge von ihr ab.'"

Um seiner Dienerin eine solche Aufgabe zum Heile der Seelen zu erleichtern, wollte der Herr sie
mit außerordentlichen Gaben ausstatten, z. B. mit der Unterscheidung der Geister, mit der
Erkenntnis verborgener und zukünftiger Dinge. Gemma stand im geistigen und brieflichen Verkehr
mit einigen großen Seelen, die sie noch nie gesehen hatte, und doch kannte sie dieselben so
gründlich, dass selbst deren langjährige Beichtväter darüber staunen mussten. Stellten sich ihr
erstmals Personen vor, so merkte sie an gewissen Eindrücken in ihrem Inneren meistens, ob es
Seelen waren, an denen Gott Freude haben konnte oder nicht; insbesondere fühlte sie jene heraus,
die sich im Stande der Todsünde befanden. Man konnte dann selbst an ihrem Äußeren wahrnehmen,
dass es ihr schwerfiel, in deren Gegenwart sich aufhalten zu müssen; so groß war der Abscheu, den
sie vor ihnen empfand. Gleichwohl unterließ sie es niemals, sofern es immer anging, ihnen ins
Gewissen zu reden. Sie wusste von dieser Erleuchtung, die Gott ihr zuteilwerden ließ, einen
trefflichen Gebrauch zu machen zum Wohle von manchen armen Sündern.

Ich selbst, der ich grundsätzlich andern nicht leicht traue, bevor ich ihre Denkungsart und
Gesinnung genügend erprobt habe, beriet mich, da ich über einige Personen im Unklaren war, mit
Gemma und sie gab mir nach einigen Tagen Antworten wie: „Glauben Sie, mein Pater, ich kann
zwar irren, allein jene Person hat keine gute Absichten. Es tut mir leid, Ihnen dies zu sagen; aber Sie
werden bei dieser Person nichts erreichen. Sie täten also gut daran, sich nicht weiter mit ihr
abzugeben. Ach, wie hässlich habe ich jene Seele vor Gott erblickt!" Dass dem wirklich so war,
bewiesen die Tatsachen gar bald. Ich musste Gemma danken, dass sie mich bei Zeiten gewarnt
hatte. Ein anderes Mal trat sie für Seelen ein, über die ich, nach dem Äußeren zu schließen, starke
Zweifel hegte, und die ich deshalb aufgeben wollte; jedes Mal hatte Gemma Recht behalten.

Auch einer von mir in Rom und in anderen Städten gegründeten Vereinigung von Seelen, die
besonders das innere Leben in sich zu pflegen suchen, brachte sie Verständnis und Wohlwollen
entgegen, nahm regen Anteil daran und bemühte sich eifrig um die Verbreitung der Idee.

Gemma vergaß aber auch die leidenden Seelen im Fegfeuer nicht. Sie kam ihnen zu Hilfe durch ihr
beständiges Gebet, durch ihre Bußübungen, durch Aufopferung ihrer großen inneren und äußeren
Leiden. Doch hatte sie – wie bei den Sündern – immer die eine oder andere Seele sich besonders
gemerkt. Gott in seiner Güte, der sich so sehr danach sehnt, jene gerechten Seelen zu sich in den
Himmel zu ziehen, spornte seine Dienerin zu neuem Eifer an und bot ihr immer wieder Gelegenheit
zur Sühne für dieselben. Der Himmel nahm die hochherzige Sühne Gemmas an und jene Seelen
fühlten, wie ihre Qual von Tag zu Tag abnahm und die Zeit ihrer Verbannung abgekürzt wurde.

Ich will einen bestimmten Fall anführen. Vom Himmel erleuchtet, erkannte Gemma, dass im
Kloster der Passionistinnen zu Corneto eine Klosterfrau, die Gott sehr teuer war, todkrank
darniederlag, und fragte mich, ob dem so sei. Auf meine bejahende Antwort hin fing sie an, Jesus zu
bitten, er möge diese Klosterfrau auf dem Krankenlager die Sünden vollständig abbüßen lassen,
damit sie nach dem Tode gleich in den Himmel eingehen könnte. Gemmas Gebet wurde auch,
wenigstens zum Teil, erhört. Die Nonne litt schwer und starb nach einigen Monaten. Gemma teilte
ihren Hausgenossen diesen Todesfall mit, um sie zur Fürbitte für die Verstorbene zu bewegen; sie
gab auch den Vor- und Zunamen derselben genau an: Maria Theresia vom Kinde Jesu, eine Person,
die in Lucca gänzlich unbekannt war. Jene Seele war ihr ganz betrübt erschienen und hatte sie um
Hilfe gebeten, denn sie leide wegen gewisser Fehler im Fegfeuer große Qualen. Mehr brauchte es
nicht, um alle Fasern ihres liebevollen Herzens in Bewegung zu setzen. Von jenem Tage an gönnte
sie sich kaum mehr Ruhe: Gebete, Tränen, liebevolles Ringen mit ihrem Heiland, als hätte sie keine
andere Aufgabe, alles setzte sie daran. Durch volle 16 Tage hatte Gemma schwer zu leiden, nach
Verlauf dieser Frist hatte sie aber der Gerechtigkeit Gottes Genüge getan: jene Seele war wirklich
erlöst.

S. 132-133 hat geschrieben:Als ihr der Heiland wieder einmal erschien und erklärte, die Gerechtigkeit
des himmlischen Vaters verlange Sühnopfer, fügte er bei: „Wie manches Mal habe ich diese
Gerechtigkeit zurückgehalten, indem ich meinem Vater eine Anzahl teurer Seelen und bereitwilliger
Sühnopfer darstellte. Ihre Bußübungen, ihre Entbehrungen, ihre heroischen Tugendwerke haben ihn
zurückgehalten. Auch jetzt habe ich, um ihn zu besänftigen, ihm solche Opfer vorgestellt; aber es
sind wenige." Gemma fragt, wer sie wären, und Jesus erwidert: „Die Töchter meiner Passion (die
Passionistinnen). Wenn du wüsstest, wie oft schon mein himmlischer Vater sich besänftigen ließ,
wenn ich ihm diese vorstellte!"

Durch höhere Erleuchtung belehrt, zweifelte Gemma nicht am glücklichen Ausgang des Werkes.
Sie hatte vorausgesagt: „Die Gründung wird bald nach der Seligsprechung des ehrw. Gabriel
Possenti erfolgen. Man entscheide sich einmal, denn in kurzem ist keine Zeit mehr dazu. Jesus
wartet nicht länger, er hat erklärt, er nehme mich zu sich, wenn innerhalb sechs Monate nicht mit
dem Werke begonnen werde." Endlich ließ Gott sie erkennen, dass die gewollten Bedingungen oder
Voraussetzungen unerfüllt blieben. Gemma musste sich darein schicken, sie tat es mit Ergebung.

Das „Fiat, es geschehe!" war ausgesprochen. Gemma dachte nicht mehr daran, ins Kloster zu
gehen; sie regte sich darüber auch nicht weiter auf, sie bereitete sich nur mehr auf einen guten Tod
vor, der nach ihrer Angabe in sechs Monaten eintreten würde. Gott hatte sich begnügt mit ihrem
Verlangen und mit dem verdienstvollen Opfer, das ihm seine Dienerin so bereitwillig gebracht hatte.
Die Gelübde der Ordensprofess hatte sie als Privatandacht abgelegt, Passionistin war sie mit Geist
und Herz, trug sie doch den Gekreuzigten - in ihrem Herzen eingegraben und die Wundmale seines
Leidens am eigenen Leibe aufgedrückt. Sie konnte darum befriedigt aus dieser Welt scheiden und
sich dabei freuen, dass sie das Ziel erreicht, das Gott ihr gesetzt hatte.

Als Gemma gestorben war, begannen auch schon die Vorwürfe des Gewissens, sie waren nicht
unberechtigt. Dadurch kam wieder Leben in die Sache und unverzüglich schritt man ans Werk.

Nachdem alle Schwierigkeiten überwunden waren, kamen zwei Chorfrauen und eine
Laienschwester von Corneto nach Lucca; es war im März 1905, etwa zwei Jahre nach dem Tode
Gemmas. Zuerst mussten sich die neu angekommenen Nonnen mit einer provisorischen Wohnung
begnügen bis sie am 31. Juli 1907, also zwei Monate nach der feierlichen Seligsprechung des ehrw.
Gabriel von der schmerzhaften Mutter vom neuen Kloster Besitz ergreifen konnten.

S. 134-136 hat geschrieben:Dieser blühende Zustand ihrer Gesundheit dauerte bis zum Pfingstfeste 1902.
An diesem Festtage erfreute sie sich ganz ungewöhnlicher himmlischer Mitteilungen, ihre
Sammlung war tiefer, ihr Gesicht erstrahlte in außerordentlichem Glanze, in ihrer Brust pochte das
Herz, als wollte es zerspringen.

In solch gehobener Geistesverfassung ward sie zur höchsten Ekstase entrückt, diese dauerte sehr
lange, sie erfuhr dabei, welch große Dinge ihrer harrten. Der göttliche Bräutigam sagte zu ihr: „Ich
bedarf einer großen Sühne, insbesondere für die Sünden und Sakrilegien, wodurch ich sogar von
den Dienern des Heiligtums beleidigt werde." Gemma sagte hochherzig: „Lass mich dir Sühne
bieten und verherrliche dich in diesem deinem armseligen Geschöpfe!"

Der Heiland ging auf den mutigen Vorschlag ein und Gemma erkrankte schwer. Ihr Magen begann
sich zu schließen, sie konnte keine festen Speisen mehr genießen. Mochte man ihr auch nur das
Allergeringste zum Essen reichen, es ließ ihr keine Ruhe, bis sie es wieder von sich gegeben hatte.

Mit Not konnte sie den einen oder anderen Schluck Wein ertragen; dieser bildete für volle zwei
Monate fast ihre ganze Nahrung und es sieht einem Wunder gleich, dass sie damit ihr Leben zu
fristen vermochte. Niemand wusste anzugeben, was für ein Übel vorliege oder was die Ursache der
ganz eigentümlichen Begleiterscheinungen war. Da ich über diese Angelegenheit vollständig
unterrichtet war und nicht wollte, dass Gemma sich in ärztliche Behandlung begebe, schrieb ich ihr,
sie solle im Gehorsam den Heiland um Genesung von jenem Übel bitten. Mit gewohnter
Gelehrigkeit ging sie darauf ein, tat sich selbst Gewalt an und betete darum. Jesus gab ihr zu
verstehen, dass er aus Achtung vor dem Gehorsam, sowie um zu zeigen, dass wirklich Er Urheber
jenes Zustandes sei, sie ohne weiteres genesen lasse, aber nur für kurze Zeit. In der Tat ward
Gemma plötzlich gesund und nahm die gewohnte Nahrung zu sich. Nach Verlauf von acht Tagen
kehrten die Kräfte wieder, ihr Aussehen und Befinden waren wie früher; dies alles nachdem sie
infolge sechzigtägiger Enthaltung von Speisen fast zum Skelett geworden war. Allein der Wille
Gottes musste in Erfüllung gehen. Etwa zwanzig Tage (bis zum 9. Sept. 1902) hatte dieser gute
Zustand angedauert, dann fiel sie dem alten Übel anheim. Bereits am 21. September hatte sie Fieber
und Lungenblutungen.

Damit dieses Martyrium sich noch schmerzvoller gestalte, wollte der Heiland, dass bei dem ihm so
teuren Sühnopfer auf einmal die Süßigkeiten der Kontemplation, die lieblichen Regungen des
Herzens sowie – seltene Ausnahmen abgerechnet – jede geheimnisvolle Offenbarung
außergewöhnlicher Dinge wie etwa Visionen, Entrückung u. dergl. vollständig aufhörten. So blieb
Gemma allein und vereinsamt, ohne Tröstungen und verzehrte sich im reinen Schmerz.

Ich war über diesen Zustand unterrichtet und gebeten worden, die Kranke zu besuchen. Im Oktober
1902 begab ich mich nach Lucca. Gemma war über die Ankündigung meines Eintreffens so erfreut,
dass sie aufstehen wollte, um mich zu begrüßen. Ich selber war schmerzlich berührt, als ich sie in
jenem Zustande antraf und sofort merkte, dass Gott diesmal Ernst machen wolle. Ich gab ihr den
Segen und befahl ihr, gleich wieder zu Bett zu gehen. Ich setzte mich dann neben sie und fragte:
„Was tun wir nun Gemma?" „Wir gehen zu Jesus, Pater!" erwiderte sie im Tone unaussprechlicher
Freude. „Wirklich?" „Ja, Pater, dieses Mal hat es mir Jesus ganz deutlich gesagt. In den Himmel,
mein Pater, zu Jesus, mit Jesus im Himmel!" „Aber die Sünden, wann werden wir die abbüßen? Das
wäre ein schöner Handel!" „Dafür hat Jesus gesorgt. Er lässt mich die Zeit, die ich noch zu leben
habe, so viel leiden, dass er, meine Qualen und Schmerzen durch die Verdienste seines Leidens
heiligend, sich für befriedigt erklärt und mich zu sich in den Himmel nimmt." „Aber ich will nicht,
dass du jetzt stirbst." „Wenn aber Jesus wollte, was dann?"

Marsianer
Beiträge: 4756
Registriert: Sa 3. Okt 2015, 11:42

Re: Sühneseelen

Beitragvon Marsianer » So 5. Jul 2026, 11:47

Auch ich sehe, daß Jesus für sein Erlösungswerk schwer gelitten hat (auch bereits vor seiner Hinrichtung). Ein Zusammenhang zwischen Eröffnung von Erlösungsmöglichkeit, der Auslösung und Leid des Wohltäters ist aus meiner Sicht also vorhanden.

Dieser öfters hier und da beschriebene Impuls mit Jesus, für das Heil anderer Seelen leiden zu mögen, bleibt mir bislang jedoch fremd. Ich kann ihn eigentlich nicht nachvollziehen. Nicht den Impuls Jesus von etwas Leid zu entlasten (?), nicht den Impuls selbst leiden zu wollen und damit anderen Seelen in solcher Art Heil zukommen zu lassen. Mir stellt sich die Frage, ob ein solcher Wunsch am Erlösungswerk mit Jesus in solcher Weise teilzunehmen eventuell aus einer Art Eitelkeit herrührt? Ich betrachte das Auslösungswerk als etwas, das grundsätzlich quasi geschlossen durch Jesus gewirkt wird.

Das berührt aus meiner Sicht nicht das Gebet zu dem Christen ja auch aufgerufen sind, weil es wirksam sein kann (ist, wenn der seelische Zustand dementsprechend ist). Aber zu beten, bedarf aus meiner Sicht kein eigenes menschliches Leiden quasi als einer Art "Bezahlung".

Auch auf Seiten zu solchen Heiligen ist wohl immer mal die Rede davon, daß deren blutige Stigmata und so weiter viele Menschen abschrecken würden, die Leiden furchtbar finden würden. Auch das ist für mich nicht der Punkt, ich betrachte Leiden wohl nicht wie diese, finde es nicht in solcher Weise abschreckend. Ich frage mich nur noch immer, was da für seelische Wirkungen hinterstecken sollen, wenn "für andere" in solcher Weise gelitten wird.

Der Begriff der Sühneseele trägt ja "Sühne" in sich, also wohl eine Vorstellung, nach der Gott nach Sühne "für begangene Sünden" verlangen würde. In den Niederschriften solcher Heiligen finden sich teils auch Aufforderungen durch Jesus in diesem Sinne solches zu sühnen. Ich zweifle das so auch nicht als stattgefunden an. Aber Sünde ist für mich ja vor allem der seelische Zustand, weniger aus diesem folgende Handlungen. Ist der seelische Zustand anders geworden durch verändertes "Geist ergreifen" (Folge: Lebendige Frucht des Geistes aus innerstem eigenen Wollen), mag schon Altes noch etwas nachwirken, wenn "der Griff" noch etwas locker wäre, aber das Problem wäre damit (soweit teilweise meist) beseitigt. Vielleicht gäbe es noch bestehende Folgen von früherem Verhalten bei anderen Seelen, das eventuell gut gemacht werden könnte, sollte soweit möglich (wenn mal eine gewisse Gefasstheit vorhanden wäre).

Marsianer
Beiträge: 4756
Registriert: Sa 3. Okt 2015, 11:42

Re: Sühneseelen

Beitragvon Marsianer » Do 9. Jul 2026, 10:45

Mother M. Theresia, St. Joseph's Monastery at Poor Clares in Oakland, BKR III Abt. CAS K19 Nr. 20: 10.07.1923 Oakland: Äbtissin St. Theresia an Anna Schäffers Seelenführer Rieger - zitiert in Emmeram H. Ritter, Anna Schäffer Eine Selige aus Bayern, S. 158 hat geschrieben:Es wundert mich nicht, daß der liebe Gott in dieser schlimmen Zeit sich Sühnopfer erwählt, um seiner Gerechtigkeit Genugtuung zu leisten für die Sittenlosigkeit und Grausamkeit der Welt.

Marsianer
Beiträge: 4756
Registriert: Sa 3. Okt 2015, 11:42

Re: Sühneseelen

Beitragvon Marsianer » Fr 10. Jul 2026, 09:28

Nun kam ich gedanklich darauf, daß dieser Ansatz der "Sühne" vielleicht mit einem bestimmten Verständnis dessen einhergehen könnte, wie Jesus die Menschen erlöste. Es gibt ja das Bild des Opferlamms, das im Alten Bund zur Sühne der menschlichen Sündhaftigkeit geschlachtet worden war. Etliche Christen erklären es sich ja wohl damit, daß dem Zorn Gottes über die Sünde damit Genüge getan werde. Ich halte das als grobes Bild durchaus für geeignet, verstehe es jedoch dann genau betrachtet wohl noch anders, was da wirklich in der Auslösung, in der Zahlung von Lösegeld geschehen war. Und wegen diesem meinen Verständnis zur Sache wirkt die Logik der "Sühneseelen" auf mich vielleicht nicht so wirklich plausibel? Wobei es wohl der gute Wille ist, der dabei erstmal zählen würde.

Marsianer
Beiträge: 4756
Registriert: Sa 3. Okt 2015, 11:42

Re: Sühneseelen

Beitragvon Marsianer » Sa 11. Jul 2026, 13:36

Heilige Gemma in Brief I,4 an Beichtvater Giovanni Volpii (später Bischof) hat geschrieben:Manchmal, wenn ich mich ins Gebet begeben soll (besonders am
Freitag), scheint es mir, ich habe keine Lust dazu. Jesus sagt mir: „Umfange das Kreuz,
meine Tochter; sei versichert, während du dich am Leiden sättigst, bietest du auch
meinem Herzen Sättigung; bedenke auch, je bitterer das Kreuz deinem Herzen
erscheint, desto mehr gleicht es dem meinigen. Siehe, ich habe Mitleid mit deiner
Schwäche, ich reiche dir den Kelch meines Leidens tropfenweise und suche dich jeweils
nur mit einem bescheidenen Maß von Leiden heim." Handle ich unrecht, da ich keine
Lust verspüre, wenn Jesus mich ruft? Auch jetzt am Donnerstagabend bin ich in einer
ganz sonderbaren Stimmung, ich möchte nicht leiden heute Abend; aber wissen Sie,
mein Schutzengel sagt mir, ich solle ruhig mich bescheiden, denn „das Leiden richtet
sich im Maße nach dem Gewicht, das ihm die Hand Jesu verleiht im Verhältnis zu dem,
was er dich davon fühlen lassen will; und so ordnet er die Umstände der Sache und
bereitet dein Herz darauf vor, das Leiden entgegenzunehmen." Ferner ist es durchaus
nicht der Schmerz, der sich nach uns richten muss, vielmehr müssen wir uns nach dem
Schmerze richten.

https://www.gemmagalgani.de/schriften/briefe-band-3


Zurück zu „Alles und Nichts - Miteinander reden in einer fanatisierten Welt“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Ahrefs [Bot], claudebot [Bot], Opensiteexplorer [Bot] und 0 Gäste