"Çatalhöyük"

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Marsianer
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"Çatalhöyük"

Beitragvon Marsianer » So 31. Okt 2021, 09:30

Zu seiner Blütezeit muss Çatalhöyük eine regelrechte Metropole gewesen sein: Bis zu 8000 Menschen wohnten hier in kleinen, eng aneinander gebauten Lehmhäusern, sie jagten, sie sammelten, vor allem aber bestellten sie unweit des Dorfs ihre Äcker und versuchten sich in der Zucht von Schafen und sogar Rindern. Ihre Siedlung, die etwa zwischen 7100 und 5950 vor Christus bestand, zählt zu den ältesten dauerhaft bewohnten Orten der Welt – und ist in vielfacher Hinsicht bemerkenswert. Es fehlen hier beispielsweise jegliche Gebäude, die auf eine soziale Hierarchie hindeuten würden. Paläste, Tempel, Herrschaftshäuser – all diese Einrichtungen, ohne die in späterer Zeit kaum eine Ortschaft auskommen wird, sucht man in Çatalhöyük vergebens. Genau wie Friedhöfe: Die Einwohner begruben ihre Toten unter den Fußböden ihrer Häuser.

Jedes dieser rechteckigen Gebäude bot für sich genommen nur einer Handvoll Menschen Platz. Nichts sprach also dagegen, in dem Ort eine große Dorfgemeinschaft zu sehen, die aus vielen kleinen Familienhaushalten bestand. Davon waren auch die Archäologinnen und Archäologen überzeugt, die dort Ausgrabungen machten. »Wir waren eigentlich alle davon ausgegangen, dass diejenigen, die zusammen in einem Haus bestattet wurden, in irgendeiner Weise zur selben genetisch verwandten Familie gehörten, wie groß die Gruppe auch sein mochte«, schreibt Ian Hodder, der über viele Jahre die Ausgrabungen unweit der modernen anatolischen Stadt Konya geleitet hat.

[...]

Waren die Verhältnisse in Çatalhöyük eine Ausnahme? Oder ließen sie sich auf ganz Anatolien übertragen? In Westasien gab es damals eine Vielzahl von Gemeinschaften, in denen die Menschen wie in Çatalhöyük von Ackerbau und Viehzucht lebten; als Jungsteinzeit oder Neolithikum bezeichnen Fachleute diese Epoche. Das Erbgut aus 59 Skeletten aus Hausbestattungen sollte nun Auskunft darüber geben, in welchen Sozialverbänden die Menschen jener Zeit lebten. Neben Funden aus Çatalhöyük wurden Genproben aus dem nordwestanatolischen Barcın Höyük einbezogen. Beide Orte werden dem keramischen Neolithikum zugerechnet, das heißt, dort wurden bereits Keramikgegenstände hergestellt. In diesen Gemeinschaften hatten sich Landwirtschaft und Viehzucht als Hauptnahrungsquellen weitgehend durchgesetzt.

Noch älter, nämlich aus der Zeit zwischen dem 9. und dem 8. Jahrtausend v. Chr., und damit aus dem akeramischen Neolithikum, waren die Proben aus dem zentralanatolischen Aşıklı Höyük und dem zehn Kilometer östlich von Çatalhöyük liegenden Boncuklu Höyük. Ihre Bewohner lebten noch hauptsächlich vom Jagen und Sammeln.

An der Studie wirkten Fachleute aus Archäologie, Genetik, Biologie und Anthropologie mit. Sie nutzten die neuesten Methoden der Analyse alter DNA, um Skelette, die in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander lagen, verwandtschaftlich zuzuordnen. Im Juni 2021 veröffentlichten sie dann die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der Fachzeitschrift »Current Biology«.

Was Çatalhöyük anging, bestätigte sich das nun schon bekannte Bild: Unter den 14 Bestatteten fand sich lediglich in einem Haus ein Schwesternpaar, das gemeinsam begraben wurde. Die übrigen Personen waren nicht miteinander verwandt. Das Gleiche galt für die Skelette aus dem zeitgleich bewohnten Barcın Höyük. Auch hier wurde ein Schwesternpaar gefunden, außerdem zwei Jugendliche, die Verwandte zweiten oder dritten Grades waren. Die Mehrzahl der 23 Bestatteten hatte jedoch keine gemeinsamen biologischen Wurzeln. Dass hier, über 500 Kilometer weit weg von Çatalhöyük, offenbar dieselben Gepflogenheiten herrschten wie in der anatolischen Metropole, mag auf den ersten Blick verwundern. Allerdings ist die natürliche Umgebung des Dorfs am Marmarameer mit der in Zentralanatolien nahezu identisch.

https://www.spektrum.de/news/Catalhoeyu ... ie/1937062

Aus oadischer Sicht natürlich "äußerst erstaunlich". ;)

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