Wissenschaft und Wissenschaftsreligion

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Marsianer
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Wissenschaft und Wissenschaftsreligion

Beitragvon Marsianer » Fr 7. Jan 2022, 14:34

Kersti hat geschrieben:3.2 Randgebiete der Wissenschaft sind oft wissenschaftlicher als Kerngebiete
Ich habe im Zuge meiner Bibliotheks- und vor allem Internetrecherchen in sehr viele wissenschaftliche Bereiche reingeschnuppert, so daß ich einen Vergleich habe, wie gut oder schlecht Wissenschaft in verschiedenen Bereichen funktioniert. Meiner Erfahrung nach entspricht Wissenschaft in Bereichen die weder besonders emotional aufgeladen sind noch besonders wichtig sind, wie beispielsweise flugunfähige Vögel auf abgelegenen Inseln und Fellfarben von Tieren3. weitgehend dem wissenschaftlichen Ideal.
O5.8 Flugunfähige Inselvögel
Je wichtiger und emotional belasteter ein Thema ist, desto unzuverlässiger und auch falscher ist das, was jeweils als Stand der Wissenschaft gilt. So ist die Medizin im Alltag wirklich für jeden einzelnen Menschen wichtig. Man kann an ihr genau deshalb sehr viel Geld verdienen. Die Nutznießer der Leistungen in Industriestaaten sind zur Hälfte unterdurchschnittlich gebildet, zur Hälfte deshalb, weil der Durchschnitt natürlich bei der 50%-Marke liegt, während Forscher und Manager in der Pharmaindustrie im Schnitt sowohl intelligenter als auch gebildeter sind als die Durchschnittsbevölkerung. Außerdem lohnt sich erfolgreicher Betrug wirtschaftlich durchaus sehr, da es um enorme Summen geht. In jedem wissenschaftlichen Bereich habe ich Irrtümer gefunden, da Forscher nicht unfehlbar sind und auch nicht auf jeden Gedanken kommen, der vielleicht wichtig sein könnte. Aber nur in der Medizin finde ich so regelmäßig in wissenschaftlichen Fachzeitschriften Dinge, die mit Wissenschaft so gar nicht zu vereinbaren sind, daß die medizinische Forschung insgesamt nicht zu den Ergebnissen kommt, die, wenn man sich alle Forschungsarbeiten ansieht, belegbar richtigen wären. Bei diversen Autoren erntet die Medizin massive Betrugsvorwürfe4.; 5.; 6.; 7..
VA21. Kersti: Beispiel für die Argumentation der Impfbefürworter
VA294. Kersti: Inwieweit ist Homöopathie bewiesen und beweisbar?
Auch in anderen Bereichen gibt es Fälschungen und frisierte Forschungsergebisse, aber die falschen Ergebnisse werden häufiger als falsch erkannt. Das läuft in vielen Fällen so, daß nicht die Fälschung an sich als Fälschung erkannt wird, aber die Mehrheit der Forscher zu einem anderen Bild kommt, daher gehen die Fälschungen letztlich unter, selbst wenn sie nicht als solche erkannt werden, da die Rate des Wissenschaftsbetrugs gering genug ist, daß die jeweilige Wissenschaft als Ganzes noch funktioniert8.; 9.. Hier findet die Verfälschung der Gesamtergebnisse der Forschung gewöhnlich zum größten Teil außerhalb der jeweiligen Wissenschaft statt. Die Dinge, die außerhalb des Fachgebiets als wissenschaftlich erwiesen gelten, sind dann oft nicht die, die innerhalb dieses Bereiches als erwiesen gelten. Wikipedia ist, als Versuch gemeinschaftlich eine Enzyklopädie zu schreiben, die die gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse weitgehend anhand von zusammenfassender Sekundärliteratur darstellt, noch weit anfälliger für dieses Phänomen als wissenschaftliche Fachzeitschriften. Doch auch in wissenschaftlichen Fachzeitschriften werden oft Aussagen zu den Ergebnissen anderer Fächer gemacht, die weit vom Stand der Forschung entfernt sind.

In der Parapsychologie war es eher so, daß in den jeweiligen Fachzeitschriften die Forscher über Jahre hinweg zu einem vernünftigen Forschungsergebnis kamen, während die Verfälschungen außerhalb der zum Fach gehörenden wissenschaftlichen Zeitschriften verbreitet wurden. In parapsychologischen Fachzeitschriften sind die meisten Autoren der Ansicht, daß Nahtoderfahrungen eine realen spirituellen Hintergrund haben, daß die Realität von Reinkarnation erwiesen ist und Ähnliches. Gezeigt habe ich das am Beispiel der Nahtoderfahrungen.
O7.A8 Kersti: Wer Ahnung von Reinkarnationserinnerungen, Nahtodeserfahrungen und Ähnlichen Erfahrungen hat, hat meist irgendein spirituelles Weltbild
In den medizinischen und psychologischen Fachzeitschriften wurden die Ergebnisse der parapsychologischen Forschung insofern in tendenziöser Weise veröffentlicht, daß parapsychologisch unerfahrene Mediziner und diejenigen in der Parapsychologie arbeitenden Fachleute, die kein sofort erkennbares spirituelles Weltbild haben, denen vorgezogen wurden, die eine erkennbar spirituelle Meinung vertreten und die mit handfesten Beweisen belegen können. Dabei ist es so, daß betreffende Wissenschaftler innerhalb der Parapsychologie den Advokatus Diaboli spielen, der die vorhandene Forschungsergebnisse auf Schwachstellen prüft, außerhalb werden sie aber fälschlicherweise als die Fachleute wahrgenommen, die den Stand der parapsychologischen Wisssenschaft ausgewogen darstellen würden.

Eine weitere Fehlerquelle der Wissenschaft hat damit zu tun, daß viele Wissenschaftler sich zwar formal an die Anforderungen der Wissenschaft halten, aber die Grundprinzipien der Wissenschaft nicht tiefgreifend genug verstanden haben12..
VB136.3.2 Kersti: Wissenschaft: Weltbildstufe fünf wäre angemessen, tatsächlich ist's jedoch oft nur vier
Die Beschäftigung mit Außenseiterthemen und Außenseitermeinungen bewirkt, daß diejenigen Leute die sich erfolgreich in einem solchen Feld halten können, besser informiert sind und ein tiefergehendes Verständnis der Prinzipien der Wissenschaftlichkeit haben als Vertreter weit verbreiter Meinungen und Forscher in etablierten Gebieten.
V244. Kersti: Warum Vertreter von Außenseitermeinungen besser informiert sind, als Vertreter weit verbreiteter Meinungen
VB136.3.3 Kersti: Parapsychologie und andere Parawissenschaften: Beschäftigung mit ungewöhnlichen Themen fördert die Entwicklung zu Weltbildstufe fünf und sechs (Niveau 3)

Insgesamt üben die Skeptikervereine und die nicht einschlägig organisierten Wissenschaftler mit ähnlicher Einstellung offensichtlich einen deutlich zu starken Druck auf die parapsychologische Forschung aus. So schrieb Autor: Ian Stevenson einmal, daß die Society for Psychical Research, die älteste noch existierende wissenschaftliche Gesellschaft zur Erforschung der Parapsychologie gelegentlich mögliche Mitglieder aus Gründen abgelehnt hätte, die wirken, als würden die anonymen Alkoholiker potentielle Mitglieder ablehnen, weil sie Säufer sind26.. Für meine Begriffe krankt die Parapsychologie daran, daß sie sich zu sehr darauf beschränkt, zu beweisen, daß ihre Phänomene existieren und zu wenig erforscht, wie sie funktionieren und um was es sich dabei eigentlich handelt. Darüber hinaus ist die einschlägige wissenschaftliche Literatur zu schlecht in wissenschaftlichen Bibliotheken repräsentiert.


3.3 Fehlerquellen in der Parapsychologischen Forschung
Die Parapsychologie beschäftigt sich bis heute überwiegend damit, zu beweisen, daß die von ihr untersuchten Phänomene real und nicht nur Einbildung, Betrug und Halluzinationen sind. Daher wird sich ausführlich mit den verschiedenen Verwechslungsmöglichkeiten und Fehlerquellen in der Forschung beschäftigt.

Eine häufige Erklärung für Spirituelle Wahrnehmungen ist, daß es sich um eine Halluzination handeln könnte.
O7.4 Kersti: Halluzinationen, Illusionen und Irrtümer
Dabei muß man aber auch bedenken, daß es sich im Einzelfall ebenso gut um so etwas Ähnliches wie Synästhesie handeln kann, bei dem auf spirituelle Informationsquellen zurückgegriffen wird.
V74. Kersti: Feinstoffliche Wahrnehmung als Synästhesie
Wer also die Ähnlichkeit einer vermeintlich spirituellen Erfahrung mit einer Halluzination nachweist, hat damit nicht widerlegt, daß es sich um eine paranormale Erfahrung handelt. Es gibt unzweifelhaft viele als feinstoffliche Wahrnehmung bezeichnete Erfahrungen, für die sich nicht im Einzelfall nachprüfen läßt, ob es sich um Halluzinationen oder synästhetische Wahrnehmungen von feinstofflichen Phänomenen oder weit entfernten Orten handelt. Wenn aber der Betroffene durch diese Wahrnehmung etwas zutreffendes erfahren hat, bei dem zumindest erstaunlich ist, wie er das wissen kann, reicht es nicht, zu erklären, wie das Bild im Gehirn dargestellt wird. Das einzig Wesentliche für die Frage, ob es tatsächlich eine paranormale Erfahrung handelt, ist es, wie der Betreffende an die Informationen gekommen ist.

Es gibt eine ganze Reihe Erklärungen dafür, wie Menschen an Informationen gekommen sein könnten, für die zunächst kein konventioneller Weg des Informationsgewinns offensichtlich war.
V239.2.1 Kersti: Der kluge Hans
VB191. Kersti: Gestützte Kommunikation bei Menschen, die nicht sprechen können: wer ist der Urheber der Worte?
VB165. Kersti: Muskellesen
VB132. Kersti: Cold Reading? - Was an der diesbezüglichen Argumentation der Skeptikervereine daneben ist
VB162. Kersti: Spiegelungen in den Augen und auf anderen spiegelnden Oberflächen als eine mögliche Quelle des Betrugs oder unbewußten Selbstbetrugs in der Parapsychologie
VB160. Kersti: Blindes sehen
Für den direkten Beweis der Existenz von Telepathie, Reinkarnation und anderen parapsychologischen Phänomenen müssen die Beispiele ausgewählt werden, in denen konventionelle Kommunikation ausgeschlossen werden kann. Zu behaupten, daß keine Telepathie vorliegen kann, wenn man dieselbe Information auch irdisch durch das Gespräch erfahren hat oder erfahren haben könnte, ist aber schlicht falsch. Genau wie man eine Information erfahren haben kann, indem man etwas an der Tafel gesehen hat, das man gleichzeitig auch im Vortrag gehört hat, kann man auch telepathisch etwas empfangen, über das man sich gleichzeitig unterhält.

Wenn es nicht mehr darum geht die Existenz von parapsychologischen Phänomenen zu beweisen, da diese längst bewiesen sind, sondern darum die Richtigkeit einer Information möglichst gründlich abzusichern, ist es wesentlich, möglichst viele normale und paranormale Sinneskanäle vergleichend zu nutzen und möglichst viele möglichst unterschiedliche Arten der Informationsquellen zu vergleichen, sowie Untersuchungsmethoden zu verwenden, die möglichst unterschiedlich aufgebaut sind, um mögliche Fehler so sicher wie möglich als Fehler erkennen zu können. Jeder Sinneskanal, jede Untersuchungsmethode hat eingebaute systematische Fehler, jede Kultur, jede Organisation, jeder Mensch, der Informationen sammelt, hat einen kulturell, organisatorisch oder persönlich bedingten Bias, der zur Verfälschung der Information beiträgt. Wer sich zu einseitig informiert und zu einseitig forscht, setzt auf seinen eigenen persönlichen Bias, den man nicht auf null reduzieren kann, auch den den Bias anderer Menschen und Organisationen drauf.

Andere spirituelle Erfahrungen werden als false Memories, Erinnerungen an Ereignisse, die so nicht stattgefunden haben, erklärt. Zunächst einmal gibt es offensichtlich solche falschen Erinnerungen:
VB167. Kersti: False Memories - falsche Erinnerungen und wie sie entstehen
Gelegentlich stellt sich etwas, was wie eine paranormale Erfahrung wirkt, letztlich als etwas heraus, was sich konventionell durchaus gut erklären läßt.
VB167.2.2.b1 Kersti: Blanche Poynings: Falsche Lebenserinnerungen aus einer vergessenen Buchlektüre
Allerdings kann etwas, das ganz klar als false Memory entlarvt scheint, doch paranormale Vorgänge beinhalten, beispielsweise, wenn sich andere unabhängig an dieselbe falsifizierte Vergangenheit erinnert haben.
VB34.7.3 Kersti: Der Mandela-Effekt
False Memories aber auch andere spirituelle Erfahrungen könnten Träume gewesen sein, die man mit Erinnerungen verwechselt hat.
VA169. Kersti: Bedeutung von Träumen, Klarträumen und Traumdeutung
Allerdings kann etwas ein Traum sein, dessen Gesamtheit von uns selbst aus vorher bekannten Informationen und Bildern konstruiert wurden - und trotzdem eine paranormale Erfahrung beinhalten, so beispielsweise bei meinen telepatischen Traum.
V249. Kersti: Ein telepathischer Traum

Wenn jemand etwas als Forschung veröffentlichen möchte, besagt allein diese Absicht nicht, daß die Person weder ein Betrüger noch ein Wahnsinniger ist. Jemanden aber Betrug vorzuwerfen oder zum Wahnsinnigen erklären, ohne dafür einen hieb- und stichfesten Beweis zu haben, ist selber ein Verbrechen, ob man dafür nun ins Gefängnis kommen kann oder nicht, denn damit kann man einem Menschen sein Leben kaputt machen. Daher muß man mit solchen Vorwürfen sehr vorsichtig sein, weil man sonst ein Angstklima erzeugt, in dem sinnvolle Forschung nicht mehr möglich ist. Umgekehrt hat man auch ein Problem, wenn Wissenschaft sich nicht ausreichend gegen Betrug und Fehler aufgrund von bewußt nicht kontrollietrten psychischen Mechanismen absichert.

Angemessen organisierte Wissenschaft muß also Mechanismen haben, die Betrug und Verfälschung durch psychische Mechanismen so selten werden lassen, daß davon keine schwerwiegende Verfälschung der Forschung mehr ausgeht. Gleichzeitig muß sichergestellt sein, daß sich die Forscher auch ausreichend sicher fühlen können, um noch sinnvoll forschen zu können.
VB176. Kersti: Die Fantasy-Prone Personality und der Unterschied zwischen spirituellen Erfahrungen und Fantasieprodukten
VB164. Kersti: Einfluß der Überzeugungen auf Ergebnisse von PSI-Experimenten
Neben den Fehlerquellen die in der parapsychologischen Forschung intensiv diskutiert werden, gibt es auch Fehlerquellen, zu deren Entlarvung man selber intensive praktische Erfahrungen mit spirituellen Erlebnissen braucht und die deshalb in der parapsychologisch Forschung zu kurz kommen. Diese sind von mir vorwiegend in folgenden Artikeln behandelt.
V12. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Erinnerungen an frühere Leben.
VB121. Kersti: Hauptfehlerquellen bei Channelings und anderen Methoden, Wissen aus der geistigen Welt und höheren feinstofflichen Welten zu erhalten

https://kersti.de/VA306.HTM
3.2 Wissenschaft: Weltbildstufe fünf (Niveau 3) wäre angemessen, tatsächlich ist's jedoch oft nur vier (Niveau 2)
Wissenschaftliche Forschung dient dazu, ein Weltbild zu verbessern.
VA136. Kersti: Was ist eine Wissenschaft?

In den Schulwissenschaften liegt gewöhnlich ein beträchtlicher Schatz an sogenanntem "gesichertem Wissen" vor, bei dem die Gedanken, Fallsammlungen und die Beobachtungen, auf denen die wissenschaftlichen Erkenntnisse beruhen, immer noch durch den Originalautor in eigenen Worten niedergelegt in Bibliotheken verfügbar gehalten werden. Das wird wissenschaftstheoretisch auch explizit gefordert und im Falle umstrittener Forschung wird eine saubere Dokumentation der Forschungsmethoden zur Überprüfung der Ergebnisse von anderen Forschern auch immer wieder eingefordert. Diese Forderung entspricht der Weltbildstufe fünf.

Das diese Forderung gestellt wird, heißt jedoch nicht, daß alle Menschen, die in der Wissenschaft arbeiten, tatsächlich mindestens auf Weltbildstufe fünf wären. Laut Thomas S. Kuhn ist normale Wissenschaft, wenn man von einem Weltbild oder Teil-Weltbild (Paradigma) ausgeht und davon ausgehend Detailfragen erforscht12. S.38 . Für ein solches Vorgehen ist es nicht zwingend erforderlich, daß der Wissenschaftler in der Lage ist, sich ein eigenes unabhängiges Weltbild zu konstruieren, es reicht wenn er sich auf das "gesicherte Wissen" - also ein vorgegebenes Weltbild - verläßt, davon ausgehend nach Schema F Detailfragen klärt, beispielsweise: "wo befindet sich Gen AB im Genom des Pferdes" und diese Details dann einfügt. Das ein erheblicher Anteil der Wissenschaftler nur auf Weltbildstufe vier steht, zeigt sich im Falle eines Paradigmenwechsels. Personen auf Weltbildstufe fünf und darüber wären sich bewußt, daß ein Weltbild ein Konstrukt ist - eine selbst gebastelte Modellvorstellung, die zwar gute Dienste leistet, um die eigenen Beobachtungen zu verstehen und zu sortieren, daß es aber nicht mit der Welt identisch ist, sondern nur ein vereinfachtes Modell. Solche Wissenschaftler sind in der Lage, ihr Paradigma so weit zu verlassen, daß sie die Vorhersagen von zwei verschiedenen Paradigmen zu ein und derselben Frage explizit ausformulieren und nebeneinanderstellen können, um dann zu überprüfen, zu welchem Weltbild Forschungergebnisse besser passen. Ein Beispiel für ein solches Vorgehen findet sich in "Buch: Der Tod, ein neuer Anfang." von Autor: Karlis Osis und Autor: Erlendur Haraldson.

Die neuen erkenntnisse von Nobelpreisträgern wurden von Kollegen oft zunächst abgelehnt und nicht veröffentlicht26.. Tatsächlich verwendet in Zeiten großer wissenschaftlicher Umbrüche normalerweise jede Gruppe ihr eigenes Paradigma zur Verteidigung eben dieses Paradigmas12. S.106. Ein erheblicher Teil der Wissenschaftler ist also der Ansicht aus Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung mit dem eigenen Weltbild könne man verläßliche Angaben über dem Wert eines anderen Weltbildes ableiten, statt, was die einzig rationale Möglichkeit ist, auf die originalen Beobachtungsdaten zurückzugreifen und beide Weltbilder daran zu prüfen. Damit befindet sich ein erheblicher Teil der Wissenschaftler noch auf Weltbildstufe vier. Sie verwendet das Weltbild das ihnen zu irgendeinem Zeitpunkt als "stand der Wissenschaft" präsentiert wurde, wie man bisher Religionen verwendet hat und lernte es einfach auswendig, ohne bei Bedarf zu prüfen, ob seine Grundlagen überhaupt tragen.
VA16. Kersti: Wissenschaft als Sekte


3.3 Parapsychologie und andere Parawissenschaften: Beschäftigung mit ungewöhnlichen Themen fördert die Entwicklung zu Weltbildstufe fünf und sechs (Niveau 3)
In von Nicht-Fachleuten verfaßten Texten über die Parapsychologie wird oft leichtfertigerweise angenommen, Wissenschaft stände für Rationalität und Religion für Irrationalität. Da die Parapsychologie sich mit den traditionell den Religionen zugeordneten Themen beschäftigt, wird diese Annahme oft auch auf sie übertragen.

Dabei werden teilweise auch falsche Behauptungen aufgestellt.

Hingegen haben westliche Parapsychologie wie auch sogenannte Geheimwissenschaften als methodisches und erklärendes Grundprinzip die metaphysische Überzeugung gemeinsam, daß unabhängig von jeder physiologisch-physikalischen Basis geheime Kräfte wirken - also Dualismus oder gar objektiver Idealismus - als Prämisse. Empirisch-analytische, phänomenologische, aber auch dialektische und funktionalistisch-systemtheoretische Humanwissenschaftler gehen üblicherweise nicht von derartigen Grundsatzbekenntnissen aus, sondern von Theorien und Methoden, deren Ergebnisse dann unterschiedlich interpretiert werden können.6.

Zum ersten ist die metaphysischen Überzeugung keine Methode sondern ein Glaubenssatz. Zum zweiten herrscht in den Parawissenschaften gewöhnlich keine Einigkeit darüber, wie die Ergebnisse der bisher gemachten Experimente und die Beobachtungen in den Fallsammlungen zu deuten seien. Während spirituelle Erfahrungen7., 8. und spirituelle Interessen9. durchaus eine erhebliche Bedeutung bei dem Wunsch haben, parapsychologische Forschung zu betreiben, heißt das nicht, daß damit das Ergebnis der Forschung schon vorweggenommen wäre. Die Mehrheit der bekanntesten Nahtodforscher waren zu Beginn ihrer einschlägigen Forschung der Überzeugung, bei den Nahtoderfahrungen würde es sich um Halluzinationen oder Träume handeln und änderten erst nach einigen Jahren der Forschung nach und nach ihre Meinung.
O7.A8 Kersti: Wer Ahnung von Reinkarnationserinnerungen, Nahtodeserfahrungen und Ähnlichen Erfahrungen hat, hat meist irgendein spirituelles Weltbild
Dennoch hat die Parapsychologie einen beträchtlichen Anteil an wissenschaftlichen Skeptikern, die kein eindeutig spirituelles Weltbild vertreten, sondern jedes Weltbild skeptisch betrachten. Prominente Beispiele hierfür sind Autor: Susan Blackmore, Autor: Michael A. Persinger, Autor: Christopher C. French, Autor: George P. Hansen, Autor: Marcello Truzzi.

Darüberhinaus sind die "Geheimwissenschaften" von denen beispielsweise Autor: Rudolf Steiner und Autor: Max Heindel Vertreter sind, kein Teil der parapsychologischen Wissenschaft und zumindest die frei verfügbare "geheimwissenschaftliche" Literatur ist keine wissenschaftliche Literatur. Die "Geheimwissenschaften" sind keine Wissenschaft, da sie zentrale wissenschaftliche Forderungen wie die nach Quellenangaben und ausführlicher Dokumentation der Forschungsmethodik und der Beobachtungen nicht erfüllen.
VA137. Kersti: Esoterik ist keine Wissenschaft

Autor: Marie-Catherine Mousseau untersucht statistisch, wie sich wissenschaftliche Fachzeitschriften, die sich mit Außenseiterthemen beschäftigen (fringe Journals) von Fachzeitschriften, die konventionellere Forschungsgebiete behandeln, unterscheiden. Sie kommt zu dem Schluß, daß man nach allen üblichen Kriterien die Parapsychologie und ähnlich abgelegene Wissensgebiete als Wissenschaften bezeichnen muß. In Fachzeitschriften die Außenseiterthemen gewidmet sind, werden häufiger negative Ergebnisse abgedruckt, die Wissenschaftler sind offener für Kritik, es gibt dort Artikel die den Forschungsfortschritt diskutieren und vorhandene Probleme überdenken, die es so in Fachzeitschriften zu konventionellen Wissensgebieten nicht gibt. Literatur von außerhalb des eigenen Fachgebietes wird häufiger in Fachzeitschriften zu Außenseiterthemen zitiert. Nicht in allem sind die Zeitschriften für Außenseiterthemen besser, beispielsweise enthalten wissenschaftliche Artikel in Zeitschriften zu Außenseiterthemen weniger Quellenangaben, die häufiger aus Büchern und seltener aus wissenschaftlichen Fachzeitschriften stammen, da im allgemeinen weniger Literatur zum jeweiligen Forschungsbereich existiert. Doch gerade in den Punkten, die für höhere Weltbildstufen stehen, sind sie es.25.

Die Randstellung der Parapsychologie und die konzeptionelle Uneinigkeit der einschlägigen Forscher führt also dazu, daß in den entsprechenden Fachzeitschriften und Büchern sehr viel häufiger wissenschaftstheoretische Fragestellungen diskutiert werden und daß in diesen Bereichen ein Verständnis nötig ist, das mindestens Weltbildstufe fünf entspricht. Außerdem wird dort auch sehr darüber nachgedacht, wie man derartiges wissenschaftliches Denken anderen vermitteln kann, was der Weltbildstufe sechs entspricht. Das eigene Wissen wird auch häufiger kritisch hinterfragt.

Selbst eindeutig nicht auf Wissenschaftler sondern auf das allgemeine Puplikum ausgerichtete Magazine wie das Fate-Magazin veröffentlichen durchaus auch vollständige Artikel von Wissenschaftlern, die dem Paranormalen gegenüber skeptisch eingestellt sind.


3.4 Skeptikervereine - oder - wenn man die Wissenschaft (Niveau 3) als Religion (Niveau 2) mißbraucht
Ein Skeptiker hinterfragt im Privaten sein eigenes augenblickliches Weltbild und ist sich bewußt, daß Weltbilder nur nicht perfekte Modellvorstellungen sind. Im Unterricht findet er es wesentlich, daß den Schülern bewußt gemacht wird, daß es neben der wichtigsten Lehrmeinung noch andere Ansichten gibt, die durchaus gleichermaßen gut belegt sein können, weil er der Ansicht ist, daß man dadurch eigenständiges Denken lernt. In der Wissenschaft hält er es für wesentlich, daß auch gut begründete Außenseitermeinungen dargestellt werden, damit andere Wissenschaftler ebenfalls immer wieder Grund finden, ihr eigenes Weltbild infrage zu stellen.

In der Parapsychologie sind unter den Fachwissenschaftlern, die seit Jahren in diesem Gebiet forschen, spirituelle Interessen weit verbreitet21.; 22.; 23. und spirituelle Standpunkte herrschen unter den renommierten Nahtodforschern vor. Nicht weil die Forscher von vorneherein mit dieser Meinung begonnen hätten oder diesen Meinungen aus dem Weg gehen würden, sondern weil die bisherigen Forschungsergebnisse solche Standpunkte nahelegen. Das habe ich einmal am Beispiel der mir zu dem Zeitpunkt bekannten Nahtodforscher gezeigt.
O7.A8 Kersti: Wer Ahnung von Reinkarnationserinnerungen, Nahtodeserfahrungen und Ähnlichen Erfahrungen hat, hat meist irgendein spirituelles Weltbild
VB172.1.2.2 Kersti: Statistische Daten zur Häufigkeit spiritueller und religiöser Überzeugungen unter Parapsychologen
Da das so ist, spielen Leute, die atheistische, agnostische und materialistische Standpunkte vertreten, sofern sie innerhalb der einschlägigen Fachzeitschriften veröffentlichen, eine wesentliche Bereicherung der Diskussion, die immer wieder zu tieferen und sorgfältigerem Forschen anregt.
Buch: B145. Wissenschaftliche Fachzeitschriften zur Parapsychologie

Allgemein sind Wissenschaftler, die nicht gerade Fachleute für das Themengebiet Parapsychologie sind, und Mediziner die Bevölkerungsgruppen, die am materialistischten eingestellt sind19. S.187; 20. S.373. Das oft zu beobachtetende Vermeidungsverhalten27., 28., 29., die Aggressivität gegen Andersdenkende24., 30. und das erstaunliche Ausmaß der Unwissenheit über die einschlägige Forschung31. deuten darauf hin, daß es sich um Verdrängung handelt.
VB172.1.2 Kersti: Statistische Daten zur Häufigkeit spiritueller und religiöser Überzeugungen bei Wissenschaftlern
Daher wären, damit diese regelmäßig die Richtigkeit und Vollständigkeit ihres Weltbildes prüfen und hinterfragen, vor allem wissenschaftliche Artikel über spirituelle Standpunkte zur Parapsychologie hilfreich. Der Skeptiker würde also darauf achten, spirituelle Standpunkte auch zu Wort kommen zu lassen, damit die Leser wissenschaftlicher Fachzeitschriften aus Medizin und anderen Wissenschaften, wo die Mehrheit der Wissenschaftler materialistische oder atheistische Sichtweisen vertritt, immer wieder zu kritischem Denken angeregt werden.

Fast das Gegenteil der philosophischen Richtung des Skeptizismus machen die Vertreter der sogenannten Skeptikervereine. Ein hoher Anteil der Mitglieder der SCICOP sind im wissenschaftlichen Bereich tätig. Denoch gehört es zu den Grundsätzen der SCICOP keine wissenschaftliche Forschung zu betreiben. Die verbandseigene Zeitschrift veröffentlicht Karikaturen über die wissenschaftlichen Vertreter spiritueller Meinungen und ihre empirischen Forschungsarbeiten und sie machen eher Werbekampagnen gegen das Paranormale als logisch dagegen zu argumentieren. Sofern sie nur das eigene Weltbild stützen werden auch Fehler nicht korrigiert.24. Ähnlich problematisch ist die GWUP oder Esowatch/Psiram.

VB57. Kersti: Die Fehler der GWUP am Beispiel von Sitchin
VB108. Kersti: Esowatch (heute Psiram) - ungenaues Formulieren, unsaubere Recherche und Verleumdung in anonym
Skeptikervereine verwechseln Wissenschaftlichkeit mit dem Glauben an ihr augenblickliches materialistisches Weltbild und das ergebisoffene kritisches Denken der philosophischen Richtung des Skeptizismus mit der abwertenden Kritik abweichender Meinungen und damit letztlich Skeptizismus mit Verdrängung. Sie bezeichnen sich deshalb fälschlicherweise als Skeptiker.
VA198.3.2 Kersti: Ergebnisoffenes kritisches Denken versus abwertende Kritik
VA198.5 Kersti: Verwechslung des Skeptizismus mit der kollektiven Verdrängung in der wissenschaftlichen Forschung zur Parapsychologie


3.5 Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion: Wissenschaft ist eine Weltbildebene höher einzuordnen als Religion
Insgesamt ist also die Religion ein Überrest der vorigen Entwicklungsstufe unserer Gesellschaft. In einer Gesellschaft mit Hochreligion aber ohne Wissenschaft sind religiöse Schulen die wesentlichen Zentren der Gelehrsamkeit. Alles tiefere Wissen der Gesellschaft, das nicht reines Handlungswissen ist, sei es über Physik oder Astronomie, über übersinnliche Dinge oder die Heilkünste, wird als Teil der Religion betrachtet.

Mit der Entstehung der Wissenschaft wurden zunächst die leichter verständlichen Themenbereiche wie Physik, Chemie und Biologie, etwas später die Gesellschaftswissenschaften der Wissenschaft zugesprochen, während schwer deutbare und schwer erforschbare Themen als Gebiete des Glaubens der Religion zugerechnet wurden18. S.48.

Der tatsächliche Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion liegt jedoch nicht in den erforschten Themen sondern im wissenschaftlichen oder unwissenschaftlichen Umgang mit diesem Themen. Wer das "gesicherte Wissen" der Wissenschaft einfach nur auswendig lernt, benutzt die Wissenschaft, wie man früher Religionen benutzte, entsprechend Weltbildstufe drei. Wer Lehrer auswählt, weil sie als "Fachleute", "klug", "weise", "gebildet", "Koryphäen auf ihrem Gebiet" gelten, ebenfalls. Wer fordert vorrängig bestimmtes Wissen auswendigzulernen (z. B. im Rahmen von Lehrplänen) und vorrangig das Fachwissen lehrt, arbeitet von der Position der Weltbildstufe vier aus, wie früher die Lehrer in religiösen Schulen. Viele Wissenschaftler erfüllen zwar formal die Anforderungen, die Wissenschaft an sie stellen muß, um eine zu sein, jedoch ohne den tieferen Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion verstanden zu haben.

Insgesamt kann man sagen, daß Religionen auf Niveau zwei "Übernehmen vorgegebener Weltbilder" mit den Weltbildstufen 3 und 4 der Entwicklung des Weltbildverständnisses einzuordnen sind, während Wissenschaft entsprechend dieses Anspruches auf Niveau drei "Das Erschaffen neuer Weltbilder" mit den Stufen fünf und sechs dieser Entwicklung einzuordnen ist.

Ein erheblicher Teil der in der Wissenschaft arbeitenden Forscher bleibt aber hinter diesem Verständnis zurück und befindet sich nur auf Weltbildstufe vier. Dadurch kommt zustande, daß die Wissenschaft zwar mehrfach das Verständnis dieser Welt revolutioniert hat, aber die meisten der jeweils fertig ausgebildeten Wissenschaftler diese Revolutionen nicht ohne weiteres mitgemacht haben sondern bis zum Tod bei ihrem alten Weltbild blieben.

https://kersti.de/VB136.HTM

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Re: Wissenschaft und Wissenschaftsreligion

Beitragvon Marsianer » So 9. Jan 2022, 13:29

Vielleicht ist es etwas subjektiv gefärbt, wenn ich hier mal auf diese TV-Doku zurückkomme:

https://www.arte.tv/de/videos/101371-00 ... der-steine

Sie macht zunächst damit auf, daß es ja eine Überlieferung gebe, wonach Merlin einst mit einer Armee die älteren Stonehenge-Steine aus Irland geklaut hätte. Beutekunst quasi. Und daß der dort vordergründiger präsentierte Forscher eben nicht nur nach den genauen Steinbruch suchte, sondern auch nach einer Stelle, an der Stonehenge ursprünglich mal gestanden hatte.

Es sei wohl so gewesen, daß schon länger davon ausgegangen wurde, daß diese Steine aus einem Steinbruch in Westwales stammten (vor 5000 Jahren zählte das wohl mal zu einem Kulturraum mit der irdischen Insel). Und laut Doku wurde der exakte Steinbuch dann auch tatsächlich gefunden. Und nach weiterer schwieriger Suche habe man dann auch eine Stelle gefunden, an der die Stonehenge-Steine mal gestanden haben könnten. Man fand passende Löcher, in denen keine Steine mehr stehen. Und man hätte laut Doku mit einer Methode datiert, wann diese Löcher zuletzt von direktem Sonnenlicht beschienen worden waren.

Und was kommt dann in der Doku? Irgendwelche Spekulationen, nach denen die Überlieferung wieder teils Quatsch sein könnte und es eigentlich ein friedlicher Umzug gewesen sein soll. Da frage ich mich schon manchmal ...

Ein Artikel zu diesen Funden:
Es wäre eine fantastische Entdeckung, über die Parker Pearson im Fachmagazin »Antiquity« berichtet. Die ersten Bauern Britanniens hätten demnach um 3400 v. Chr. damit begonnen, aus rund 50 jeweils gut zwei Tonnen schweren Dolerit-Blöcken, die wegen ihres Farbtons auch Blausteine genannt werden, einen Steinkreis zu errichten. Der Durchmesser der Anlage in den Preseli-Bergen betrug 110 Meter. Nach einigen Jahrhunderten bauten sie den Ring ab, transportierten die meisten Steine rund 280 Kilometer Richtung Südosten in die Salisbury Plain und richteten sie dort wieder auf – als Stonehenge. Mike Parker Pearson ist sich sicher: Die erste Phase des berühmten Steinkreises war eine Kopie von Waun Mawn, jener zwar größer und eindrucksvoller angelegt, in seinen Grundzügen jedoch quasi identisch.

[...]

Parker Pearson ist von einem Detail besonders begeistert, das seiner Einschätzung nach die Verbindung von Waun Mawn zu Stonehenge klar belegt: Ein Blaustein in Stonehenge, Nummer 62, weist einen ungewöhnlichen fünfeckigen Umriss auf, der mit einem der sechs frei gelegten Löcher in Waun Mawn übereinstimmt. »Im entsprechenden Steinloch fanden wir sogar einen Splitter aus nicht fleckigem Dolerit, der geologisch zum Stein 62 passt. Das hat mich sehr überrascht.« Die meisten Blausteine in Stonehenge bestehen aus Dolerit, der an der Oberfläche fleckig erscheint, einige wenige sind gleichmäßiger gefärbt.

[...]

Dass es um nichts weniger als das weltberühmte Stonehenge geht, macht die nüchterne wissenschaftliche Auswertung neuer Daten vermutlich nicht leichter. Parker Pearson etwa beginnt seine Studie im Fachmagazin »Antiquity« mit der ältesten bekannten Erzählung über die Ursprünge von Stonehenge. Geoffrey von Monmouth überliefert sie in seiner »Geschichte der Könige Britanniens« aus dem 12. Jahrhundert. Es ist eine Legende über den Zauberer Merlin, der eine Armee nach Irland führt, um einen magischen Steinkreis, den Tanz der Riesen, zu erobern und ihn als Stonehenge wieder aufzubauen. »Könnte die Geschichte nicht ein Körnchen Wahrheit enthalten?«, fragt Parker Pearson. Solche Überlegungen gelten womöglich vor allem den Zuschauern einer BBC-Dokumentation, die parallel zur Veröffentlichung in »Antiquity« ausgestrahlt wird und an der der Forscher mitgewirkt hat.

https://www.spektrum.de/news/steinzeit- ... rs/1834189

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Re: Wissenschaft und Wissenschaftsreligion

Beitragvon Marsianer » Mi 23. Feb 2022, 13:00

Als Szientismus bezeichnet man die unangemessene Überhöhung der Naturwissenschaften – eine Haltung, die oft mit der Überdehnung des vermeintlichen Geltungsbereichs einhergeht. Was auf den ersten Blick vielleicht aussieht wie eine zwar übertriebene, aber harmlose Anhänglichkeit, kann der Gesellschaft durchaus Schaden zufügen.

Von der in England geborenen Philosophin Susan Haack, die an der University of Miami tätig ist, stammt eine nützliche Liste mit Anzeichen für Szientismus (abgedruckt 2012 in der Fachzeitschrift «Logos and Episteme»). Charakteristisch für diese Denkweise sind demnach sechs Merkmale:

1. Jemand verwendet den Begriff «Wissenschaft» (oder Ableitungen davon) auf verehrende, preisende Art und Weise.
2. Jemand übernimmt die Umgangsformen der Naturwissenschaften, ihre äusseren Zeichen, die Fachsprache oder Ähnliches, ohne den eigentlichen Zweck zu berücksichtigen.
3. Jemand befasst sich übermässig mit der Abgrenzung der «echten» Wissenschaft von Pseudowissenschaft.
4. Jemand beschäftigt sich übermässig damit, die «wissenschaftliche Methode» zu identifizieren, als gäbe es Alleinstellungsmerkmale. Dabei lassen sich alle Kennzeichen wissenschaftlichen Vorgehens auch in anderen Bereichen antreffen, wenn auch nicht in der gleichen Intensität und Dichte.
5. Jemand sucht in den Naturwissenschaften nach Antworten auf Fragen, die ausserhalb ihres Kompetenzbereichs liegen.
6. Jemand leugnet oder verunglimpft die Legitimität oder den Wert anderer Arten von Untersuchungsmethoden jenseits der naturwissenschaftlichen. Jemand leugnet oder verunglimpft den Wert von menschlichen Aktivitäten ausserhalb der Forschung, etwa Dichtung oder Kunst.

Diese Liste sollte man gewiss nicht überbewerten. Es handelt sich eher um eine Aufstellung von Indizien als von harten Distinktionsmerkmalen. Es sei ausdrücklich davor gewarnt, die Liste für Denunziationszwecke zu missbrauchen. Wer sich etwa mit Feuereifer gegen Pseudowissenschaft einsetzt, ist deshalb nicht automatisch ein Wissenschaftsfanatiker. Doch wenn mehrere der aufgelisteten Anzeichen auftreten, liegt es zumindest nahe, eine Spielart des Szientismus’ zu vermuten.

Eines der Probleme bei dieser Denkweise sieht Haack in der «Unfähigkeit oder dem Widerwillen, die Fehlbarkeit, Grenzen und möglichen Gefahren der Wissenschaft» wahrzunehmen.

https://www.nzz.ch/meinung/szientismus- ... ld.1665688

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Blinde sehen in Nahtoderfahrungen

Beitragvon Marsianer » Do 16. Jun 2022, 13:49

Tara MacIsaac hat geschrieben:Blinde sehen bei Nahtoderfahrungen zum ersten Mal
16. Juni 2022

Es sei wunderbar gewesen, „draußen zu sein und sich frei zu fühlen und sich keine Sorgen zu machen, gegen etwas zu stoßen“, erzählte eine blinde Frau über ihre Nahtoderfahrung.

Menschen, die von Geburt an blind sind, haben keine visuellen Eindrücke, wenn sie träumen. Bei Nahtoderfahrungen sieht es jedoch anders aus, heißt es in verschiedenen Studien.

Viele Menschen haben während einer Nahtoderfahrung (NTE) das Gefühl, ihren Körper zu verlassen. Auch Menschen, die von Geburt an blind sind, erleben das. Das erstaunliche ist jedoch, dass sie während einer NTE auch zum ersten Mal sehen können. Für einige fühlt es sich ganz natürlich an, für andere ist e…

https://www.epochtimes.de/wissen/blinde ... 26504.html
(Bezahlschranke, daher noch ergänzend auf Englisch - mehr Artikel unter https://www.theepochtimes.com/author-tara-macisaac )
Tara MacIsaac hat geschrieben:For example, one study on how blind people dream was led by Amani Meaidi at the University of Copenhagen and published in the journal Sleep Medicine in 2014. They found that none of the participants who were blind from birth reported visual impressions in their dreams.

For participants who could see earlier in their lives, the more time that had passed since they had lost their sight, the less likely they were to report visual impressions in dreams.

A study of blind NDEers led by Kenneth Ring at the University of Connecticut in the 1990s found that 15 out of 21 blind participants reported some kind of sight, three were not sure if they had visual perception, and the remaining three did not see anything. Half of those who were blind from birth said they saw something.

The uncertainty of some may have had to do with the unfamiliar nature of vision for those who have never experienced it, combined with other unusual qualities of NDEs. Even NDEers who are not blind sometimes have trouble explaining the experience, which seems to transcend ordinary life in many ways.

One man, blind from birth, told Ring that he found himself in a library with “thousands and millions and billions of books, as far as you could see.” Asked if he saw them visually he said, “Oh, yes!” Did he see them clearly? “No problem.” Was he surprised at being able to see thus? “Not in the least. I said, ‘Hey, you can’t see,’ and [then] I said, ‘Well, of course I can see. Look at those books. That’s ample proof that I can see.'”

Vicki Umipeg, whom Ring interviewed and who has also spoken of her experience in various media interviews, had an overall pleasant NDE, but did describe being suddenly able to see as “frightening.”

She was 22 years old, working as a singer at a nightclub in Seattle. She couldn’t get a cab after work one night, so she accepted a ride from some intoxicated patrons. The car crashed while she was in it. She suffered serious injuries, including a fractured skull.

She felt that she had left her body and floated up toward the ceiling in Harborview Hospital. She heard a doctor talking about the possibility that damage to her eardrum could make her deaf as well. She could see a doctor leaning over what she realized must be her body below. She had never seen her own body.

Pulled through a tunnel, she emerged in a place with grass and people of light, she said. In an interview for the BBC Documentary “The Day I Died,” Umipeg said, “I felt overwhelmed by that experience, because I couldn’t really imagine what light was like.”

Umipeg was born prematurely and became blind as a result of too much oxygen in the incubator. She said that, during her NDE, “It was wonderful to be out there and be free, to not worry about bumping into anything.” If she wanted to know something, the knowledge would come to her. When she returned to her body, she said, “It was excruciatingly painful and very heavy.”

https://www.theepochtimes.com/in-near-d ... 28726.html

Marsianer
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Re: Wissenschaft und Wissenschaftsreligion

Beitragvon Marsianer » Mo 29. Aug 2022, 13:02

Cynthia Chung hat geschrieben:Obwohl Aldous zitiert wird, dass er Wells als „schrecklichen, vulgären kleinen Mann“ bezeichnete (Wells war in der Tat keine sehr sympathische Person), geschah dies nicht aus Gründen, die man zunächst vermuten könnte. Aldous teilte die Wells’sche Sichtweise, dass die Gesellschaft auf der Grundlage eines Kastensystems organisiert werden sollte. Vielleicht war dies einer der Gründe, warum Aldous so fasziniert davon war, mehr über die religiösen Überzeugungen und Praktiken der Hindus in Indien zu erfahren, die jahrhundertelang mit einem tief verwurzelten Kastensystem koexistiert hatten, von dem sich Indien bis heute nur schwer befreien kann. Das soll nicht heißen, dass das eine das andere verursacht hat oder dass der Hinduismus nicht eine Fülle großartiger Werke und Einsichten hervorgebracht hat, aber dass er irgendwann korrumpiert und gründlich mit der Aufrechterhaltung des indischen Kastensystems verflochten war, kann man nicht leugnen; dass er zur Rechtfertigung eines Hierarchiesystems vom Sklaven bis zum gottähnlichen Status eines Brahmanen benutzt wurde und dass die britischen Imperialisten von dieser Form der sozialen Organisation immer sehr fasziniert waren, ebenfalls nicht.

Aldous interessierte sich schon immer für das Thema Religion, aber mehr noch für deren Einsatz im Behaviorismus und in der mentalen Konditionierung, die durch Techniken wie den Eintritt in Trancezustände, in denen die Suggestibilität eines Menschen manipuliert werden kann, erreicht wird. Hypnopædia war nicht nur ein schrulliges Science-Fiction-Gebräu. Das ist auch der Grund, warum sich Aldous so sehr für die Arbeit von Dr. William Sargant interessierte, auf den Aldous in seinen Schriften und Vorträgen immer wieder Bezug nimmt und der mit dem Tavistock-Institut und MKUltra zu tun hatte. Mehr dazu im zweiten Teil.

Diese spirituellen/religiösen Studien bildeten die Kernthese von Aldous‘ Buch „Doors of Perception“ (Türen der Wahrnehmung), das als Gebrauchsanweisung für den Beginn der Gegenkulturbewegung gilt. Der Titel ist von dem Dichter William Blake beeinflusst, der 1790 in seinem Buch „The Marriage of Heaven and Hell“ schrieb:

„Wenn die Türen der Wahrnehmung gereinigt würden, dann würde dem Menschen alles so erscheinen, wie es ist, nämlich unendlich. Denn der Mensch hat sich selbst verschlossen, bis er alles durch die engen Ritzen seiner Höhle sieht.“

Ein weiterer wichtiger Einfluss für „Doors of Perception“ war wiederum H.G. Wells mit seinem Buch „The Door in the Wall“, in dem es um den Gegensatz zwischen Ästhetik und Wissenschaft und die Schwierigkeit geht, sich zwischen beiden zu entscheiden. Der Protagonist Lionel Wallace ist nicht in der Lage, die Kluft zwischen seiner Phantasie und seiner rationalen, wissenschaftlichen Seite zu überbrücken, was zu seinem Tod führt.

[...]

Jaja, wir haben es verstanden. Dies alles ist als „Warnung“ an die Öffentlichkeit zu verstehen, eine schreckliche Notwendigkeit, die eintreten wird, wenn die Überbevölkerung nicht bekämpft wird (wie er in „Brave New World Revisited“ deutlich macht). Mit der Überbevölkerung geht eine Überorganisation einher, die wiederum zu wissenschaftlichen Fortschritten in der Technologie führt, von denen uns Aldous sagt, dass sie nur zum Totalitarismus führen können. Bevölkerungswachstum und wissenschaftlicher Fortschritt sind also die größte Bedrohung für die Menschheit. Moment, das hört sich seltsamerweise sehr nach den Überlegungen von Mustapha Mond an. Schließt sich hier der Kreis? Womit genau ist Aldous einverstanden und womit nicht? Sollen wir eine wissenschaftliche Diktatur haben, um ein totalitäres System in Form einer wissenschaftlichen Diktatur zu vermeiden?

H.G. Wells‘ beschreibt in seinem Buch „Open Conspiracy: Blueprints for a World Revolution“ seine Vision einer modernen Religion:

„…wenn die Religion in der gegenwärtigen Verwirrung der menschlichen Angelegenheiten eine vereinigende und richtungsweisende Kraft entwickeln soll, muss sie sich dieser zukunftsorientierten, individualitätsanalytischen Geisteshaltung anpassen; sie muss sich ihrer heiligen Geschichten entledigen … Der Wunsch zu dienen, nach Unterordnung, nach dauerhafter Wirkung, nach einer Flucht aus der leidvollen Belanglosigkeit und Sterblichkeit des individuellen Lebens ist das unsterbliche Element in jedem religiösen System. Es ist an der Zeit, die Religion bis auf das zu reduzieren [Dienen und Unterordnung ist alles, was Wells von dem alten Relikt der Religion behalten will] … Die Erklärung, warum die Dinge so sind, ist eine unnötige Anstrengung … Die wesentliche Tatsache …ist der Wunsch nach Religion und nicht, wie sie zustande gekommen ist … Der erste Satz im modernen Glaubensbekenntnis muss nicht lauten „Ich glaube“, sondern „Ich gebe mich hin.“

Hmm, ist das die gleiche Revolution, von der Aldous spricht? Immerhin gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen H.G. Wells‘ Beschreibung seiner „Modernen Religion“ und dem, was Aldous in seinen „Doors of Perception“ predigt, auf die Wells zweifellos einen großen Einfluss hat. Der Wunsch, der leidvollen Belanglosigkeit und Sterblichkeit des individuellen Lebens zu entfliehen; dass die Erklärung, warum man etwas tut, nicht wichtig ist, sondern nur von dem Wunsch nach Befreiung, nach einer vollständigen Katharsis motiviert wird, die nur die Inbrunst einer „religiösen“, einer „spirituellen“ Erfahrung bewirken kann.

Es ist das Verlangen danach, nicht die Sorge um das Warum. Zu glauben ist nicht einmal akzeptabel, denn zu glauben gehört zum Denken; es ist lediglich eine Frage des Sich-Hingebens, die man sich selbst auferlegt. Es geht nicht darum, mit der Vernunft zu handeln, sondern von ihrem Gegenteil besessen zu sein; sich in einem Daseinszustand zu befinden, in dem es keine Worte und somit auch keine Gedanken gibt, sondern nur direkte Sinnesempfindungen.

Die ultimative Errungenschaft ist die völlige Hingabe an die Außenwelt, vielleicht an eine Diktatur ohne Tränen …

Der Leser sollte sich darüber im Klaren sein, dass Wells 1940 ein Buch mit dem Titel „Die neue Weltordnung“ geschrieben hat und meines Wissens der erste ist, der diesen heute berühmten Begriff geprägt hat. Der Leser sollte auch wissen, dass Julian Huxley (der Bruder von Aldous Huxley) Mitverfasser von „The Science of Life“ war, einem Teil von Wells‘ Trilogie „The Outline of History“ (1919), „The Science of Life“ (1929) und „The Work, Wealth, and Happiness of Mankind“ (1932), die Wells ohne zu zögern als die neue Bibel bezeichnete. Julian war auch ein prominentes Mitglied der „British Eugenics Society“, deren Vizepräsident er von 1937 bis 1944 und deren Präsident er von 1959 bis 1962 war. Interessante Lebensentscheidungen der Autoren der „neuen Bibel“.

https://axelkra.us/wer-wird-in-huxleys- ... thia-chung
Cynthia Chung hat geschrieben:Für diejenigen, die mit den Ansichten von H.G. Wells nicht allzu vertraut sind, halte ich es für angebracht, ein Zitat aus einem Teil seiner „neuen Bibel“-Trilogie, „Anticipations of the Reaction of Mechanical and Scientific Progress upon Human Life and Thought“ [Vorhersagen zur Reaktion des mechanischen und wissenschaftlichen Fortschritts auf das menschliche Leben und Denken, Anm. d. Übersetzers], die 1901 veröffentlicht wurde, zu zitieren:

Es hat sich gezeigt, dass ganze Massen der menschlichen Bevölkerung in ihrem Anspruch auf die Zukunft anderen Massen unterlegen sind, dass man ihnen keine Chancen geben und ihnen keine Macht anvertrauen kann wie den höheren Völkern, dass ihre charakteristischen Schwächen ansteckend und dem zivilisatorischen Gefüge abträglich sind und dass ihre Bandbreite an Unfähigkeit die Starken verführt und demoralisiert. Ihnen Gleichheit zu gewähren bedeutet, sich auf ihr Niveau zu begeben; sie zu schützen und zu pflegen bedeutet, in ihrer Fruchtbarkeit zu ertrinken.

Ich versichere Ihnen, es gibt darin noch viel mehr solcher Äußerungen.

„The Science of Life“, das auch Teil von Wells‘ „neuer Bibel“-Trilogie war, sollte eine populäre Darstellung aller wichtigen Aspekte der Biologie geben, wie sie in den 1920er Jahren bekannt waren. Es wird als Einführung moderner ökologischer Konzepte gewertet und unterstreicht die Bedeutung des Behaviorismus und der Jungschen Psychologie.

Ganz am Ende des 900 Seiten starken Werks heißt es:

Eine Welt, die eine Zeit lang mit einem Übermaß an sterilen Jazztänzern und Freudenreitern belastet ist, kann ein angenehmerer Weg zur Beseitigung sein als Not und Tod. Das Vergnügen kann erreichen, was Gewalt und Schwert nicht geschafft haben. Die Welt kann es sich leisten; es ist keine Sache, über die man sich aufregen muss. Es ist nur eine Modeerscheinung im großen Stil, diese Phase des sterilisierten „Vergnügens“. Großartig ist daran, dass sie fähig und willens sein sollte, sich selbst zu sterilisieren … Die Typen, die sich um ihre Nachkommenschaft und die Aussichten der Rasse kümmern, werden natürlich die Typen sein, denen die Zukunft gehören wird.

Das ist, ob Sie es glauben oder nicht, H.G. Wells in seiner besten Form, um es sehr diplomatisch auszudrücken. Für Wells ist dies ein ziemlich humaner Vorschlag, da diejenigen, die als biologisch minderwertig gelten, einfach sterilisiert werden, sich aber ansonsten frei in der Gesellschaft bewegen können; frei sind, ein bequemes Leben des Vergnügens in all seinen „Entartungen“ zu leben, ohne dass die Gefahr besteht, dass solche „Verunreinigungen“ in den zukünftigen Rassen der Menschheit weiterleben.

So wird das Zeitalter des Vergnügens effektiver sein als das Zeitalter des Schwertes (wie der Erste Weltkrieg), um die unteren Kasten auf eine „überschaubare“ Anzahl zu reduzieren. Innerhalb einer Generation wird der Menschenbestand geläutert sein und ein „Modernes Utopia“ – ein weiterer Buchtitel von H.G. Wells – kann endlich beginnen. Die Erde wird ein Paradies im Überfluss werden, das größtenteils aus einer höheren Kaste vernünftiger, intelligenter, gesunder und attraktiver Individuen besteht, und wir werden endlich Weltfrieden und Harmonie erlangen, vielleicht bis zur nächsten Säuberung …

Julian Huxley war nicht nur von 1937 bis 1944 Vizepräsident und von 1959 bis 1962 Präsident der „Britischen Eugenischen Gesellschaft“, sondern 1946 auch der erste Generaldirektor der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur), für die er im selben Jahr die Schrift „UNESCO: Its Purpose and Its Philosophy“ verfaßte.

Darin legt Julian die Notwendigkeit einer Weltregierung als einziges Mittel zur Vermeidung von Kriegen dar, und dass die volle Souveränität der einzelnen Nationalstaaten dieser Weltregierung unter einer politischen Einheit übertragen werden sollte, worauf er noch näher eingeht:

Gegenwärtig ist es wahrscheinlich, dass die indirekte Wirkung der Zivilisation eher dysgenisch als eugenisch ist, und in jedem Fall scheint es wahrscheinlich, dass das tote Gewicht der genetischen Dummheit, der körperlichen Schwäche, der geistigen Instabilität und der Krankheitsanfälligkeit, die bereits in der menschlichen Spezies vorhanden sind, sich als zu große Last erweisen wird, um einen wirklichen Fortschritt zu erreichen. Obwohl es also stimmt, dass eine radikale eugenische Politik für viele Jahre politisch und psychologisch unmöglich sein wird, ist es wichtig, dass die UNESCO dafür sorgt, dass das eugenische Problem mit größter Sorgfalt untersucht wird und dass die Öffentlichkeit über die auf dem Spiel stehenden Fragen informiert wird, damit vieles, was heute undenkbar ist, zumindest denkbar wird.

1928 veröffentlicht H.G. Wells sein Buch „The Open Conspiracy: Blue Prints for a World Revolution“ [Die offene Verschwörung: Blaupausen für eine Weltrevolution, Anm. d. Übersetzers], in dem er dazu aufruft, die Religion zu einer „modernen Religion“ zu reformieren, was nur angemessen sei, da die Wissenschaft auch zu einer „modernen Wissenschaft“ geworden sei. In seinem Konzept der modernen Religion erklärt er, dass es notwendig sein wird, die Religion auf ihre rohen Elemente des Dienens und der Unterordnung zu reduzieren. Wells schrieb 1940 auch „The New World Order“ und hatte zweifellos einen maßgeblichen Einfluss auf Julians Ansichten, als dieser das Manifest für die UNESCO verfasste.

Der Leser sollte auch wissen, dass T.H. Huxley der Mentor von H.G. Wells war und ihn mit den Schriften von Thomas Malthus und Charles Darwin bekannt machte.

[...]

Aldous Huxley pflegte eine lose Verbindung zur Bloomsbury-Gruppe. Es scheint, dass Aldous eine ähnliche Einstellung zu Russell hatte wie zu Wells. Obwohl er eine ernsthafte Abneigung gegen beide Männer zu haben schien, wurde er dennoch stark von ihren Werken beeinflusst. 1932 erklärte Russell in einem Brief an seinen Verleger, dass „Brave New World“ „lediglich eine Erweiterung der beiden vorletzten Kapitel seines Werks ‚The Scientific Outlook'“ sei und fügte hinzu, dass „die Parallelität in vielen Details zutrifft, z. B. das Verbot von Shakespeare und das Rauschmittel, das keine Kopfschmerzen verursacht.“ Russell erwog sogar, Aldous des Plagiats zu bezichtigen, wovon ihm sein Verleger jedoch abriet.

In Russells „The Scientific Outlook“, das 1930 veröffentlicht wurde, beschreibt er ein Kastensystem mit der Notwendigkeit zweier getrennter Erziehungsformen, eine für die Elite der herrschenden Klasse und die andere für die Sklavenklasse. Die herrschende Klasse soll sich mit der Verbesserung der wissenschaftlichen Technik befassen, während „die Arbeiter durch immer neue Vergnügungen zufriedengestellt werden [sollen].“

Aldous greift diesen Gedanken in seiner „Brave New World Revisited“ auf, wo er schreibt:

Die alten Diktatoren sind gestürzt, weil sie ihre Untertanen nicht mit genügend Brot, genügend Zirkus, genügend Wundern und Mysterien versorgen konnten.

Obwohl behauptet wird, Aldous habe „Brave New World“ als Satire auf die Werke von H.G. Wells und anscheinend auch auf die Werke von Russell geschrieben, ist dies, wie bereits in Teil 1 gezeigt, nicht wahr. Aldous nimmt die Ideen von Wells und Russell in seine Werke auf, und obwohl er diese Männer nicht leiden konnte, widerspricht er ihren Ansichten in keiner seiner Schriften oder Vorträge. Die gesamte Prämisse seines 1958 veröffentlichten „Brave New World Revisited“ bekräftigt vielmehr genau diese Ansichten.

Aldous macht unmissverständlich klar, dass er die Welt für überbevölkert hält; dass dies eine Krise sei, die eingedämmt werden müsse, und dass Wissenschaft und Fortschritt nicht unbegrenzt fortschreiten dürften. Auch in seinem letzten Roman „Das Eiland“ greift er genau diese Themen wieder auf.

In „Brave New World Revisited“ schreibt er:

Der jährliche Anstieg der Zahlen sollte reduziert werden. Aber wie? Wir haben zwei Möglichkeiten – Hungersnot oder Pest und Krieg auf der einen Seite, Geburtenkontrolle auf der anderen … Wie kann man diejenigen, die die Pille nehmen sollten, aber nicht wollen, davon überzeugen, ihre Meinung zu ändern?… Indem man die Geburtenrate in den industriell rückständigen Gesellschaften reduziert, wo eine solche Reduzierung am dringendsten notwendig ist?… Oder denken Sie an die rückständigen Gesellschaften, die jetzt versuchen, sich zu industrialisieren. Wenn sie Erfolg haben, wer soll sie dann daran hindern, in ihrem verzweifelten Bemühen, aufzuholen und mitzuhalten, die unersetzlichen Ressourcen des Planeten so dumm und mutwillig zu verschwenden, wie es ihre Vorläufer getan haben und immer noch tun?

Hier brauchen wir nur das Wort „Pille“ durch „Sterilisation“ zu ersetzen, und es hat sich nicht viel geändert.

Wie im „Guardian“ veröffentlicht, „war Huxley für genetische Zuchtprogramme, um die Vermehrung der Untauglichen zu stoppen. In einem besonders unappetitlichen Artikel, der 1930 im Evening Standard veröffentlicht wurde, gestand er seine Besorgnis über die Vermehrung von Geisteskranken und forderte deren Zwangssterilisation.“

„Brave New World“ wurde ein Jahr später, 1931, geschrieben.

https://axelkra.us/der-krieg-gegen-die- ... thia-chung

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Re: Wissenschaft und Wissenschaftsreligion

Beitragvon Marsianer » Do 1. Dez 2022, 11:44

Jochen Kirchhoff hat geschrieben:In der Psychologie wird gewöhnlich nur der „normale“ Bewusstseinszustand untersucht, in dem jemand im Alltag gut funktionieren kann. Negative Abweichungen davon heißen dann „Krankheit“, und die Therapie soll nichts anderes bewirken, als die Normalität wieder herzustellen. Nur selten werden „höhere“ Erfahrungszustände betrachtet, Ekstase, Entrücktheit oder die Alltagswahrnehmung überschreitende Erlebnisse. Berichte über Letztere werden häufig als „unseriös“ in den Bereich des esoterischen Wahns verwiesen. Drogenerfahrungen, Traum, Rausch und „Flow“, aber auch spontane mystische Durchbrüche gewähren oft Einblicke in eine sonst unzugängliche Welt „dahinter“. Zu beweisen sind diese in der Regel nicht, für Menschen, die dergleichen erlebt haben, sind sie aber mitunter lebensverändernd. Ist die Welt, die wir im Alltagsbewusstsein wahrnehmen, wirklich alles, was existiert? Der Autor erforscht in seinem zweiteiligen Aufsatz jene Anderswelt, die unsere gewöhnliche durchdringt und auf viele Arten beeinflusst — zugleich höher und tiefer als diese. An keltische Erzählungen über Feen und Elfen muss man dabei nicht unbedingt denken. Auch nicht an ein „Jenseits“, wie es in einigen religiösen Traditionen genannt wird. Die andere Wirklichkeit ist ebenso real wie die „normale“. Sie ist nicht „dort drüben“, sondern mitten unter uns — hier und jetzt —, nur nicht für jeden jederzeit sichtbar. Wissenschaftlich verbildet, haben wir jedoch verlernt, sie wahrzunehmen, oder leugnen sogar ihre Existenz. Wenn wir die Tore zu dieser anderen Wirklichkeit öffnen wollen, müssen wir damit beginnen, sie vorurteilsfrei zu erforschen.

Es gibt starke Indizien dafür, dass die uns so vertraute physisch-sinnliche Realität von einer anderen, wohl als „höher“ zu bezeichnenden Wirklichkeit durchdrungen, überwölbt oder getragen wird, einer Wirklichkeit, die ständig anwesend und mitwesend ist, obwohl gemeinhin verborgen, und dies nicht nur für unsere Sinnesorgane, sondern auch für die „Rasterfahndung“ des forschenden und wissenschaftlich beflügelten Geistes. „Anderswelt“ (otherworld) ist ein Wort für diese verborgene und höhere Wirklichkeit, das als Chiffre und Werkzeug taugt, wenn man sich seiner Unzulänglichkeit bewusst bleibt, die nicht aufhebbar ist, da sie an das Problem der Sprache überhaupt rührt.

[...]

Viele in der sogenannten westlichen Welt, die sich areligiös, agnostisch und skeptisch geben oder deren Fundamentalreligion (neben Bankkonto und Ego) die Naturwissenschaften sind, haben sich zynisch und klammheimlich darauf geeinigt, dass im metaphysischen Verständnis niemand etwas wisse und wissen könne, dass alle Wissensansprüche hier Trug und Wahn seien: „ … und weiß doch, dass wir nichts wissen können“, heißt im ersten großen Faust-Monolog.

Der immense Erfolg des Films „Matrix“ (1999) ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass im Untergrund der kollektiven Psyche der Verdacht lebt, dass die empirische Realität gar nicht das ist, als was sie sich so massiv darbietet. Dass sie vielmehr eine Welt des Trugs und des Scheins darstellt, die uns rätselhaft zum Narren hält und von der es sich zu befreien gilt, um derart zur eigentlichen Wirklichkeit vorzustoßen. Die abendländische Philosophie hat sich über zweieinhalbtausend Jahre lang an der nie gelösten Frage abgearbeitet, welcher Wirklichkeitsstatus oder welche ontologische Realität der Sinnenwelt zuzuordnen sei und ob man dem, was sich unseren Sinnesorganen zeigt, trauen könne. In anderer Konstellation und von anderen Voraussetzungen aus gilt dasselbe übrigens auch für das indische Denken.

[...]

Alles spricht dafür, dass der Mensch ein Doppelwesen ist; er ist Angehöriger oder Bewohner der Welt der Erscheinungen (wie Kant die Sinnenwelt nannte) und zugleich der Anderswelt, der zugleich tieferen und höheren, umfassenderen Wirklichkeit.

Und er weiß das auch in wachen Momenten, die sich einstellen können, wenn einschneidende Erlebnisse an den Koordinaten seiner Alltagserfahrung rütteln oder diese wegbrechen lassen. Von der Erscheinungswelt aus ist die Anderswelt eine „übersinnliche Welt“. Der Begriff „übersinnlich“ ist vielfältig belastet, ja fast kontaminiert, sodass man sich scheut, ihn überhaupt zu verwenden — dennoch greift er hier. Für „übersinnlich“ könnte man vielleicht auch „höhersinnlich“ sagen; ich erinnere an die angesprochenen „höheren Organe“.

Wenig beachtet wird, dass es zugleich so etwas wie das „Untersinnliche“ gibt, um einen Begriff von Schelling zu adaptieren, auf den gelegentlich auch Anthroposophen rekurrieren. Damit soll jene Dunkelzone in der Materie vor aller Gestaltenformung angesprochen werden, die nur der abstrakte Formalismus der Mathematik erreicht. Es ist eine Art von „schwarzer Anderswelt“, vielleicht gar ein Dämon, den man besser in der Flasche lässt. Der abstrakte Geist, wie er in der modernen Physik dominiert, fühlt sich in der Untersinnlichkeit seltsam heimisch.

[...]

Wie anders ist die Anderswelt? Damit hat auch die Frage zu tun, ob es eine „Wissenschaft der Anderswelt“ geben kann. Was ist Wissenschaft? Bezogen auf die Naturwissenschaften idealiter das Bemühen, weitgehend subjektfrei und damit objektivierend, am Leitfaden strenger Methoden den formalen Zusammenhang der Welt der Erscheinungen immanent zu beschreiben, das heißt ohne metaphysische oder gar göttliche Prinzipien heranzuziehen. Jeder Wissenschaftler, auch wenn er sich selbst als gläubig versteht, muss in methodischer Hinsicht Atheist sein. Hinzu kommt das Kriterium der Reproduzierbarkeit: Was Forscher A an Ergebnissen vorlegt, muss auch Forscher B, wenn die Ausgangslage vergleichbar oder identisch ist (etwa eine bestimmte experimentelle Anordnung), reproduzieren können.

Gelten diese Punkte in der Grundrichtung auch für die Anderswelt-Forschung, oder sind Kriterien wie Objektivierbarkeit und Reproduzierbarkeit hier nicht vielmehr unsinnig? Wenn es aber mit Blick auf die Anderswelterfahrungen und -näherungen keinerlei objektivierbare Maßstäbe gibt und vielleicht auch gar nicht geben kann — wo landen wir dann? Heißt das, dass wir uns damit prinzipiell im Bereich des Subjektiven, ja, verschärft gefasst, der bloßen Behauptungen bewegen, denen jede Verbindlichkeit fehlt? Hier betreten wir heikles Terrain. Wollen wir die Anderswelt beziehungsweise Erfahrungen in deren Nähe oder Vorhöfen nicht dem bloßen Mutmaßen und Meinen zuschlagen, dem „Glauben“ im weiten Sinn, dann muss sich Verbindlichkeit, auf die das Menschsein fraglos angelegt ist, anders konstituieren als nach dem Bezugsrahmen naturwissenschaftlicher Methoden und Prinzipien.

[...]

Die Erfahrungen mit psychoaktiven Stoffen wie LSD haben gezeigt, dass transpersonale, das gängige Koordinatensystem aushebelnde Öffnungen zunächst als „ekstatische Kicks“ erlebt werden. Das Bedürfnis, sich über das Erlebte Rechenschaft abzulegen, es zu begreifen und auch sprachlich-kulturell zu erschließen, folgt erst allmählich nach.

Ab den 1960er-Jahren geschah dies häufig über das Studium spiritueller Texte aus dem asiatischen Raum. Nicht wenige wurden über die Triggerdroge LSD zu tantrischen Buddhisten. Als eines der Grundlagenbücher des tibetischen Buddhismus stand das „Bardo Thödol“ lange Zeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit; die Schauungen Swedenborgs, Dantes und sonstiger „Anderswelt-Reisender“ der westlichen Kultur fanden hingegen kaum Beachtung.

Ganz generell sind die großen spirituellen Texte zwar wunderbare Helfer und Wegweiser, aber sie können auch einengend wirken, weil sie starke Vorgaben machen und von metaphysischen Prämissen ausgehen, die in der Regel den Erfahrungsradius des lesenden Adepten überschreiten. „Shoes and mind are to be left at the gate“, hieß es einst bei Bhagwan in Poona. Dies sollte kritisch reflektiert werden, sowohl bei Gurus als auch bei spirituellen Texten, um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben.

[...]

Das Verhältnis von Wissen und Glauben berührt eine der heikelsten Zonen der herrschenden Bewusstseinsverfassung. Nicht nur, weil hier — vergröbert gesagt — Wissenschaft gegen Religion steht, sondern auch, weil der „sichere Boden“ der technisch-machtförmigen und mathematischen Naturwissenschaft nur in einem äußerst engen Rahmen existiert.

Der überwiegende Teil der Naturwissenschaft ist hochgradig spekulativ; die Mainstream-Kosmologie ist richtungsmäßig projektive Psycho-Kosmologie, die als Wissen ausgegeben und vehement verteidigt wird. Wenn wir aber die Mainstream-Kosmologie aufgeben, wohin geraten wir dann? Diese Frage lässt sich nur im Bezugsfeld einer „anderen Naturwissenschaft“ beantworten, innerhalb derer auch jene Sphäre, die man als „kosmische Anderswelt“ bezeichnen könnte, ihren Ort hat. Dass Derartiges nicht „denkbar“ ist im Machtbereich des „megatechnischen Pharao“, wie ich die technisch-mathematischen und abstrakten Systeme nenne, die den Erdball umspannen und beherrschen, liegt auf der Hand.

[...]

Ohne eine tief greifend andere Naturwissenschaft und eine andere Kosmologie, welche zur Psycho-Kosmologie werden muss, ist das große Thema der Anderswelt und der möglichen Zugänge zu ihr nach meiner Überzeugung nicht sinnvoll zu behandeln.

Am Ende meines „Anderswelt“-Buches finden sich 76 zusammenfassende Thesen als „Conclusio“. Von diesen seien hier fünf zitiert, zwei zum höheren Raum und drei zur höheren Zeit, um einen gedanklich-meditativen Schlussakzent zu setzen:

„Jede Seele strebt zum Raum, zum anderen (höheren) Raum. Seele ist Raumwille und Weltseele. In jeder Seele ist die Weltseele ganz. Die Seele, als Weltseele, ist der höhere Raum selbst (das höhere Raum-Selbst). Jede anamnetische Erinnerung nimmt hier ihren Ausgang. ‚Tapetentüren ins Anderswo‘ sind immer vorhanden (und zuhanden). Die Ferne ist nah; Fernwirkung ist eigentlich Nahwirkung; das so getrennt erscheinende Dort ist das (immer schon) verbundene Hier. Alle Mauern und Wände sind in der Tiefe durchsichtig. Der physische Raum ist transparent für den anderen/höheren meta-physischen Raum.

Die Richtungslogik der Zeit und damit der Diktatur des Nacheinander wird in veränderten Bewusstseinszuständen verflüssigt. Damit wird ein Stück Freiheit gewonnen, und der Tod erhält ein anderes Gesicht. Das Karma ist wie der Strom der Zeit (Buddha).

Zentral für viele Anderswelt-Näherungen ist das ‚Alles-ist-da‘-Gefühl. Das betrifft den Raum wie die Zeit. Es kann sich das Ahnen, ja die Gewissheit einstellen, dass wir unaufhörlich umgeben sind von einer Kugelschale aus kosmischer Bewusstseinsstrahlung aus den Tiefen des Weltraums und von einer Strahlungssphäre, in der das Vergangene genauso gegenwärtig ist wie das Zukünftige. Wir sind ständig im Ursprung und im Telos.

Gelegentlich ereilt dich der Anruf aus einer (jäh erinnerten) Tiefe der Vergangenheit. Momente dieser Art können etwas quasi Richtendes annehmen; du fühlst dich im Wortsinn gestellt (auch: zur Rede gestellt). Der Anruf ist wirklich und betrifft den Ernstfall, der deine Existenz ist. Was hat vor diesem Anruf Bestand? Du ahnst, dass nur dies wichtig ist. In sehr tiefen Erinnerungen, die der platonischen Anamnesis (erinnernde Schau der Ideenwelt) nahekommen, wird eleusinisches Licht geschaut, sakraler Boden betreten.“

https://www.rubikon.news/artikel/die-welt-hinter-der-welt
https://www.rubikon.news/artikel/die-welt-hinter-der-welt-2


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