Selbst, Ego und Egoismus

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Marsianer
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Selbst, Ego und Egoismus

Beitragvon Marsianer » Fr 3. Jun 2022, 10:51

Dazu gab es im Forum schon an verschiedenen Stellen etwas, aber bisher soweit ich sehe keinen eigenen Thread und teils auch das Problem, daß die Begriffe gar nicht mit der foreneigenen Suchfunktion gefunden werden können, die dann ausgibt: "Die folgenden Wörter deiner Suchanfrage wurden ignoriert, da sie zu häufig vorkommen"
William James unterschied das erkennende Selbst (self as knower, I, pure ego) vom erkannten Selbst (self as known, me, empirical ego).[1] In dieser Tradition unterscheidet die Psychologie das (dem empirischen Ego entsprechende) Selbstkonzept, also die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“, vom Nachdenken über sich selbst, der Selbstaufmerksamkeit (self-awareness). Gemeinsam erzeugen sie das Gefühl einer Ich-Identität,[2] welche sich im Zuge der Ich-Entwicklung[3] verändert. Im Anschluss an James hat der Soziologe Charles Cooley das Konzept des Looking-glass self entwickelt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Selbst
Egoismus (egoˈɪsmʊs, von lateinisch ego „ich“ mit griech. Suffix -ismus) bedeutet „Eigeninteresse“,[1] „Eigennützigkeit“.

Der Duden nennt unabhängig von der psychologischen Perspektive viele sprachliche Synonyme („Eigenliebe, Eigenwohl, Eigennutz, Eigensucht, Ichbezogenheit, Narzissmus, Selbstbesessenheit, Selbstbezogenheit, Selbstliebe, Selbstsucht, Selbstverliebtheit; (gehoben) Ichsucht; (bildungssprachlich) Egotismus, Egozentrik; (Psychologie) Autophilie“).[2]

Egoismen (Plural) sollen Handlungsweisen sein, bei denen einzig der Handelnde selbst die Handlungsmaxime bestimmt. Dabei haben diese Handlungen zumeist uneingeschränkt den eigenen Vorteil des Handelnden zum Zweck. Wenn dieser Vorteil in einer symbiotischen Lebenshaltung zugleich auch der Vorteil anderer ist, dann gilt eine solche Handlungsweise teilweise als ethisch legitimiert. Meist aber wird ein Egoist als ein kurzsichtig Handelnder im Sinne eines Raffgieregoisten verstanden, der es kaum akzeptieren kann, wenn andere Menschen ihm gegenüber sich ebenso raffgierig zeigen. Der Raffgieregoist räumt sich selbst also mehr Freiheiten ein, als er anderen zugesteht.

[...]

Egoismus ist ein heftig umstrittenes Phänomen, da er von unterschiedlichen Menschen und Gruppen unterschiedlich verstanden, bewertet oder definiert wird. Oft wird er auch interessengeleitet genutzt, um bestimmte Zwecke zu erreichen: z. B. Rechtfertigung von Macht oder auch zur Herabsetzung Anderer. Deshalb ist es sinnvoll, den Begriff anhand weiterer Kennzeichnen näher zu bestimmen. Es können daher mindestens vier Formen des Egoismus unterschieden werden. Ein Versuch der Einteilung könnte so aussehen: Dem subjektiven Ansatz folgend unterscheidet man zwischen Egoismus im engeren Sinne und Egoismus im weiteren Sinne, nach dem objektiven Ansatz ist der positive vom negativen Egoismus zu trennen.

Egoismus im weiteren Sinne:

Betrachtet man Egoismus im weitesten Sinne, wird und muss jedes menschliche Verhalten als egoistisch eingestuft werden, denn jedem bewussten Tun liegt eine individuelle Abwägung des Nutzens der Tat zugrunde. Somit kann im weitesten Sinne selbst altruistisches Verhalten dem Egoismusbegriff untergeordnet werden, da der altruistisch Handelnde subjektiv sein Handeln als vorteilhaft bewertet, denn er empfindet den von ihm beabsichtigten Nutzen für den anderen als persönlichen Erfolg (z. B. erfolgreiche Kindererziehung, erfolgreiche medizinische Hilfe). Dies gilt auch bei allen anderen Definitionen, wird jedoch bei deren Bedeutung ausgeblendet, um eine Vereinfachung zu schaffen und den Begriff handhabbar zu machen.

Egoismus im engeren Sinne:

Im engeren Sinne ist ein Verhalten dann als egoistisch einzustufen, wenn der Handelnde bewusst einen Nachteil für einen Anderen in Kauf nimmt und alleine auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, obwohl ein alternatives Verhalten, welches den Kriterien von Gerechtigkeit und Moral sowie dem Gleichheitsprinzip entspricht, möglich wäre. Ist ein Bewusstsein für tatsächlich entstandene Nachteile für einen Anderen als Folge des eigenen Tuns oder auch Unterlassens überhaupt nicht vorhanden, kann nicht mehr von Egoismus im engeren Sinne gesprochen werden, sondern von Egozentrismus. Unter dem Wikipedia-Lemma „Egozentrismus“ ist Egoismus als „reflektierte Selbstverliebtheit“ definiert. Der Andere wird hierbei nicht als gleichberechtigtes Subjekt wahrgenommen, sondern ist nur Instrument des eigenen Lustgefühls. Dieser Egoismusbegriff ist daher negativ belegt und wird oft im Rahmen moralischer Vorwürfe benutzt.

Positiver Egoismus:

Beim objektiven Ansatz werden die Folgen menschlichen Handelns bewertet, weil man davon ausgeht, dass die wahren Absichten menschlichen Tuns nur schwer oder gar nicht ermittelbar sind. Von positivem Egoismus spricht man daher, wenn die Folgen selbstbezogenen Denkens und Verhaltens objektiv einen allgemeinen Nutzen haben und Einzelnen nicht schaden. Insbesondere dem Wettbewerbsgedanken liegt diese positive Auffassung von Egoismus zugrunde. Dieser Egoismus beschreibt die antreibenden, wohlstands- und damit allgemeinwohlfördernden Auswirkungen selbstbezogenen Denkens.

Ein weiteres Phänomen des positiven Egoismus ist „kooperativer Egoismus“, der vor allem in den USA zu beobachten ist: Diejenigen Personen, die sich am meisten für egoistische Werte wie Karriere und Selbstverwirklichung einsetzen, sind häufig zugleich diejenigen, die kommunale Aktivitäten hoch bewerten und einen großen Teil ihrer Freizeit für andere verbringen. Der kooperative Egoismus wird auch als "altruistischer Individualismus" bezeichnet. Dies zeigt, dass positiv egoistische Motive mit altruistischen Zielen verschwimmen können.

Der „Objektivismus“ von Ayn Rand beschreibt einen sogenannten „rationalen“ Egoismus, der von seinen Vertretern als vernünftiges und produktives Handeln zum eigenen Nutzen und unter Wahrung der negativen Schutzrechte anderer Individuen dargestellt wird. Diese Rechte schützen im Wesentlichen Leben, Freiheit und Eigentum im Sinne einer Abwehr von physischer Gewalt; ein Schutz vor struktureller Gewalt fehlt hingegen im „Objektivismus“.

Negativer Egoismus:

Hierunter werden Formen selbstbezogenen Denkens zusammengefasst, insofern dessen Folgen dem allgemeinen Wohl abträglich sind und Einzelnen Schaden zufügen. Soziale Unterschiede, Rücksichtslosigkeit, Krieg und menschliche Katastrophen sind objektiv erfassbare mögliche Folgen dieses Egoismusverständnisses.

https://de.wikipedia.org/wiki/Egoismus

Marsianer
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Re: Selbst, Ego und Egoismus

Beitragvon Marsianer » Fr 3. Jun 2022, 12:18

Der Menschen ist nach Kierkegaard auf jeden Fall entzwei – nicht, weil er etwas verkehrt gemacht hat, sondern weil er so zur Welt kommt: zum Verzweifeln. Es gibt keinen Menschen, der nicht ursprünglich verzweifelt wäre. Weil sein Stolz oder Ich von der Sehnsucht verletzt wird.

Die Verzweiflung kann ein Mensch nach Kierkegaard überwinden durch die Entwicklung eines, wie er’s nennt, Selbsts. Darunter versteht er keinen Einheit, sondern eine gelungene Beziehung zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit.

Dies kann auf dreierlei Weise misslingen:

1 – durch Übertönung der Verzweiflung vermittels Zeitvertreib intellektueller oder spielerischer Natur. Blaise Pascal führt als Beispiele für solche Ablenkungen „Tennisspielen“ und „Mathematik“ an, was ich hier zitiere, weil ich es lustig finde. Wer keine Zeit hat, der Verletzung seiner Eigenmacht durch Sehnsucht innezuwerden, ist lt. Kierkegaard verzweifelt auf eine Art und Weise, welche die hoffnungsloseste ist. Da er gar nicht weiß, dass er verzweifelt ist, und so auch nichts dagegen unternehmen kann.

2 – durch Einseitigkeit – Erwürgung des einen Verzweiflungsoments zuliebe des anderen. Indem ein Mensch beispielsweise Sehnsucht ausblendet für Meisterschaft. Er beschränkt sich entweder nur auf das, was in seiner Macht steht (wie die Virtuosen) – oder er liefert sich dem Unendlichen aus (wie die Drogensüchtigen). Eine Vermittlung findet nicht statt.

3 – durch Überschätzung infolge der Annahme, die Sehnsucht persönlich stillen zu können (Liebe z. B. „deichseln“ zu können, was noch niemand geschafft hat).

Entsprechend die Ausgangspunkte von Selbstwerdungs-Geschichten: Verzweiflung bricht durch, die Hauptfigur verliert ihr bisheriges Leben, das in Übertönung, Einseitigkeit, Überschätzung – oder einer Mischung beziehungsweise Abwechselung aller drei – bestand. Aber irgendwie droht auch kein richtiger Verlust, weil damit die Chance entsteht, auf etwas Erfüllenderes zu kommen: das wahre Selbst.

Wie hat man sich dessen Geburt vorzustellen?

Für Kierkegaard spielt dazu das andere eine entscheidende Rolle, ursprünglich als Gott interpretiert, ein Wort, das bei Kierkegaard niemals fällt. Er stellt nur fest, kein Mensch könne je selbsttätig sein Sehnen stillen, sondern hänge in diesem Punkte von etwas ab, das mehr sei, als er je sein könne, und – hinzukommend – das Selbst erst schafft.

„. . . ein Selbst“, schreibt Kierkgegaard, „muss entweder sich selbst gesetzt haben oder durch ein anderes gesetzt sein.“ Da wir als Menschen dessen, was uns ausmacht, Können und Sehnen, nie zeitgleich inne – nicht gleichmäßig im Besitz unserer Kräfte und Begehren – sein können, sind wir auch nicht imstande, was uns auseinandersetzt, einzubinden. Wir schaffen ein Selbst nicht durch Bordmittel; es muss vielmehr – im Fall von uns Menschen – „durch ein anderes gesetzt sein“.

„Dies ist nämlich die Formel, die den Zustand des Selbst beschreibt, wenn die Verzweiflung ganz beseitigt ist: Indem es sich zu sich selbst verhält und indem es es selbst sein will, gründet das Selbst durchsichtig in der Macht, die es setzte.“

https://www.martinthau.eu/2019/05/10/581
Kierkegaards Denken in Sätzen zu beschreiben ist schwierig, denn was er zur Geltung bringen wollte, war gerade, dass Wahrheit nicht in Sätzen gelehrt werden könne, sondern eine Bewegung des Menschen in der Zeit sei. In diesen Zusammenhang gehören seine Kategorien Augenblick, Wiederholung und Sprung sowie sein pseudonymer, provokanter und paradoxer Stil. Das Wesentliche am Christentum war ihm, dass die Wahrheit in der Zeit (in Christus) gekommen sei und der Mensch nur ein Verhältnis zu ihm haben könne, indem er ihm gleichzeitig werde.

Ende 1854 veröffentlichte Kierkegaard in der Zeitung Fædrelandet, die schon als Plattform für den Angriff auf P. L. Möller und Goldschmidt gedient hatte, einen Artikel, der die folgende polemische Überschrift trug: „War Bischof Mynster ein Wahrheitszeuge, einer der wirklichen Wahrheitszeugen – ist dies die Wahrheit?“ Die Antwort konnte aus Kierkegaards Sicht nur Nein! lauten. Der Artikel, in dem er zum ersten Mal seit fast vier Jahren sein Schweigen brach, war der Auftakt zu Kierkegaards „Kirchensturm“, seinem letzten intellektuellen und religiösen Aufbäumen. In den Folgemonaten veröffentlichte Kierkegaard im Fædrelandet eine große Zahl weiterer Artikel, in denen er die dänische Kirche immer schärfer angriff. Ab Mai 1855 begann er mit der Veröffentlichung der Zeitschrift Der Augenblick (Øjeblikket), von der zehn Nummern erschienen.

Die Aggressivität der Angriffe gegen die Kirche und seine Forderungen an den wahren Christenmenschen eskalierten in diesen letzten Schriften. Er wirft der Amtskirche vor, das Christentum nicht zu vertreten, sondern effektiv zu verhindern. Das amtliche Christentum und seine Riten seien eine Fälschung, eine Lüge, ein Komödienspiel. Kierkegaard gibt zu verstehen, dass dieser Kampf gegen die Kirche als sein wirkliches Werk zu betrachten sei und dass seine früheren Schriften nur als vorbereitende taktische Manöver anzusehen seien, die vor allem den Zweck erfüllten, ihn als ernstzunehmenden Theologen zu etablieren, dem man zuhören müsse.

https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%B8ren_Kierkegaard

Marsianer
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Re: Selbst, Ego und Egoismus

Beitragvon Marsianer » Mi 6. Jul 2022, 16:34

„Ramana Maharshi pflegte seinen Schülern die Übung „Wer bin ich?„ zu geben – sie sollten sich nur diese eine Frage stellen.

In Tibet benutzt man eine ähnliche Technik, die noch besser als die von Ramana ist. Dort fragen sich die Schüler nicht: „Wer bin ich?“, sondern „Wo bin ich?“ – denn das „Wer“ kann zu einem Problem führen.

Wenn man Wer bin ich? fragt, geht man davon aus, dass man bereits existiert, aber nur noch nicht weiß, wer man ist. Nur die Identität, das Gesicht, muss noch erkannt werden, aber es ist da – zwar unerkannt, aber da.

Die Technik der Tibeter geht noch tiefer. Sie raten, ganz still zu sein und in seinem Inneren nachzuschauen, wo man ist.

Begib dich in deinen Innenraum, gehe in alle Ecken und frage: „Wo bin ich?“ Du wirst das Ich nirgendwo finden. Je mehr du suchst, desto weniger wird es irgendwo zu finden sein.

https://www.findyournose.com/wo-bin-ich ... onstechnik

Und wenn doch? Wie kommt wer auf welches Ergebnis dabei?

Aus einem anderen Artikel von dort:
Wir nehmen immer nur unser eigenes Selbst wahr. Selbst wenn wir verliebt sind, achten wir nur auf uns selber. Sonst könnte sich Liebe niemals in Unglück verwandeln.

Liebe könnte der Himmel sein, sie wird aber zur Hölle, weil sogar Liebende nur mit sich selbst beschäftigt sind. Der andere wird deshalb geliebt, weil er dir Glück beschert. Der andere wird deshalb geliebt, weil du dich mit ihm wohl fühlst.

Aber der andere wird nicht deshalb geliebt, weil er oder sie etwas Wertvolles an sich sind. Der Wert des Geliebten bemisst sich an dem Vergnügen, das er dir bringt. Nur deshalb, weil du Genugtuung und eine gewisse Befriedigung verspürst, ist dir der andere wichtig geworden.

Versuche einmal täglich eine Stunde mit etwas Lebendigem empathisch und mitfühlend zu sein.

Setze dich an einen Baum und spüre, wie sich der Baum anfühlt. Der Wind frischt auf und der ganze Baum beginnt sich zu schütteln und zu beben. Spüre das Schütteln und Beben in dir.

Wenn die Sonne aufgeht und der ganze Baum zu Leben erwacht, fühle diese Lebendigkeit in dir. Der Baum ist lebendig, er fühlt.

Wenn du eins mit ihm wirst, dann wirst du das am eigenen Körper erfahren. Ebenso wie du dich in jedem Moment veränderst, ändert sich auch der Baum.

Anfangs wirst du dir dabei albern vorkommen und vielleicht denken: Was mache ich hier? Aber das ist nur am Anfang so. Sobald du diese Welt betreten hast, in der alles Leben gefühlt werden kann, wird dir die gewohnte Welt verrückt vorkommen.

https://www.findyournose.com/bewusstsei ... -empfinden

Hatschi. ;)


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