Konzepte zu Fleisch und Seele

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Marsianer
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Konzepte zu Fleisch und Seele

Beitragvon Marsianer » Do 30. Jun 2022, 11:59

Wo wir hier gerade schon auf das Thema "Körperlichkeit" gekommen waren, mache ich mal ein Spin Off auf.

Wie steht es mit diesen theoretischen Ansätzen, die heute weiter Verbreitung gefunden haben, von vielen Menschen vorausgesetzt werden in ihrem weltanschaulich motivierten Handeln und Planen?
Die Maslowsche Bedürfnishierarchie, bekannt als Bedürfnispyramide, ist ein sozialpsychologisches Modell des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow (1908–1970). Es beschreibt auf vereinfachende Art und Weise menschliche Bedürfnisse und Motivationen (in einer hierarchischen Struktur) und versucht, diese zu erklären.

https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsch ... hierarchie
Erich Fromm hat geschrieben:3. Mein eigenes Verständnis von seelischer Gesundheit angesichts der seelischen Krankheiten der heutigen Gesellschaft

Meine eigenen Vorstellungen bauen im Kern auf Freud auf, auch wenn sie
bestimmte Dinge ein wenig mehr und anders betonen. Seelische Gesundheit
hat für mich mit der Überwindung des Narzissmus zu tun oder, um es
positiv zu formulieren, mit dem daraus resultierenden Erreichen von
Liebe und Objektivität, mit der Überwindung der Entfremdung (wobei der
Begriff „Entfremdung“ vor allem von Hegel und Marx entwickelt wurde und
nicht bei Freud zu finden ist), mit dem daraus resultierenden Identitäts- und
Unabhängigkeitserleben, mit der Überwindung der Feindseligkeit und der
daraus folgenden Fähigkeit zu einem friedvollen Leben und schließlich mit
dem Erlangen von Produktivität, die die Überwindung der archaischen
Phase des Kannibalismus und der Abhängigkeit bedeutet.

Wenn ich von seelischer Gesundheit des Einzelnen spreche, dann – und dies
ist mir wichtig hinzuzufügen – denke ich vor allem an die seelische
Gesundheit der Gesellschaft. Als ich zur Schule ging, lernte ich den
lateinischen Satz: Mens sana in corpore sano, also dass ein gesunder Geist
in einem gesunden Körper ist. Das ist höchstens die Hälfte der Wahrheit,
denn es kommt oft vor, dass ein nicht gesunder Geist in einem gesunden
Körper ist, und ebenso, dass ein gesunder Geist in einem kranken Körper
ist. Es wäre meiner Überzeugung nach viel korrekter zu sagen: Mens sana
in societate sana, dass also, abgesehen von Ausnahmen, ein gesunder Geist
nur in gesunder Gesellschaft sein kann und dass deshalb beim Menschen das
Problem der individuellen seelischen Gesundheit einfach nicht von der
seelischen Gesundheit der Gesellschaft zu trennen ist.

http://www.irwish.de/PDF/Psychologie/Fr ... litaet.pdf

Dazu ergänzend:
Mens sana in corpore sano ist eine lateinische Redewendung. Sie bedeutet „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“.

Die Redewendung ist ein verkürztes Zitat aus den Satiren des römischen Dichters Juvenal (1./2. Jahrhundert). Wörtlich heißt es in Satire 10, 356:

[…] orandum est ut sit mens sana in corpore sano.
„Beten sollte man darum, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei.“

Juvenal kritisierte als Satiriker diejenigen seiner römischen Mitbürger, die sich mit törichten Gebeten und Fürbitten an die Götter wandten. Beten, meinte er, solle man allenfalls um körperliche und geistige Gesundheit. Mens sana in corpore sano ist also bei Juvenal im Zusammenhang mit dem Sinn und Inhalt von Fürbitten und Gebeten zu verstehen. Der Satz bedeutet bei Juvenal nicht, dass nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist stecken könne, wie etwa Platon (5./4. Jahrhundert v. Chr.) in seinem Timaios folgerte („Wer […] einer Geistesübung angestrengtes Nachdenken widmet, muß zugleich, indem er daneben auch Gymnastik treibt, der Bewegung des Körpers ihr Recht widerfahren lassen […].“[1])

https://de.wikipedia.org/wiki/Mens_sana_in_corpore_sano

Marsianer
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Re: Konzepte zu Fleisch und Seele

Beitragvon Marsianer » Do 30. Jun 2022, 15:06

Meine Kurzthesen zu diesen Ansätzen.

1. https://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsch ... hierarchie

Zunächst:
Die Darstellung der Maslowschen Bedürfnishierarchie in Form einer starren Pyramide wird Maslow fälschlich zugeschrieben; sie war zwar in Maslows Todesjahr 1970 bekannt, ist jedoch eine Interpretation seiner Arbeit durch andere. [...] Die Pyramidendarstellung verleitet vor allem zu einer „allzu statischen Sicht“ auf Maslows dynamisches Modell. Das hat denn auch zu vielen Missverständnissen und unbegründeter Kritik geführt. Eklatantes Beispiel solch einer Fehlinterpretation ist etwa die Annahme, die Bedürfniskategorien seien streng diskret angeordnet, und eine Bedürfniskategorie müsse erst zu 100 % befriedigt werden, bevor die nächste Kategorie von Bedürfnissen motivierend wirken könne. Häufig reicht jedoch schon ein Befriedigungsgrad von 70 % oder weniger aus, um das nächsthöhere Bedürfnis in den Vordergrund treten zu lassen. Der empfundene Sättigungsgrad variiert zudem stark mit den individuellen Erwartungen.[10] Manche Lehrbücher[11] benutzen daher dynamische Darstellungen in Anlehnung an Krech, Crutchfield & Ballachey (1962, S. 72/77).

Bild

Was will das nun also ausssagen? Soweit könnte schon eine thematische Parallele zum Bibelzitat oben auf der Seite jakobgut.de gezogen werden. Aber wie tief ist die wirklich?
Sind physiologische Bedürfnisse relativ gut befriedigt, taucht eine neue Reihe von Bedürfnissen auf: Sicherheitsbedürfnisse (wie: körperliche und seelische Sicherheit, materielle Grundsicherung, Arbeit, Wohnung, Familie, Gesundheit).

Nun, spätestens an dieser Stelle ist das biblische Christentum offenbar dann deutlich anderer Auffassung.
Maslow beschreibt, dass es bezüglich der Untersuchung von Sicherheitsbedürfnissen besser ist, Kinder zu untersuchen. Ihre Reaktionen auf grobe Behandlung (plötzliches Fallenlassen) oder ungewöhnliche sensorische Stimulation (blinkende Lichter, plötzlicher Lärm) ist unverfälscht – im Gegensatz zu Erwachsenen, die durch Sozialisation oft gelernt haben, Angst oder Mangel an Sicherheit äußerlich nicht zu zeigen.

In der Gesellschaft seiner Zeit sah Maslow die Sicherheitsbedürfnisse als weitgehend erfüllt an.

Wobei dann bei einer Untersuchung der Reaktionen von Kindern aus dieser Zeit offensichtlich auch ein Sozialisationskontext fehlt (in einer Ausprägung, die noch verbreitet nicht zu individueller eigener aktiver Verstellung führt), der eventuell einen anderen Umgang mit solchen Lebensumständen hätte vermitteln können. Und nicht zu vergessen eine mögliche eben andersartige Ausrichtung in manchen Kindern aus deren Inneren, "ihrer Seele".

Fatal wäre an diesem Ansatz, sofern er in breiter Weise als wahr betrachtet würde, daß dann wohl daraus entsprechend weltlich-sozialistischen Denkens gefolgert würde, daß (weltliche) "Armut" Menschen quasi doch zwingend abhalten würde sich eigene Selbstverwirklichung (eine würdige Existenz) zu erreichen. Und ich meine da ja schon, daß "echte Armut" zumindest weit unterhalb der irdischen Verhältnisse anzsiedeln wäre, die heute als "arm" klassifiziert werden, verbreitet inzwischen auch durch moderne Armutsdefinitionen, die auf statistischen Relationen aufbauen und sich stark auf Verteilungsgleichheit in materieller Hinsicht hin orientieren und darauf hinauslaufen, daß es immer "Armut" geben würde, selbst in einer noch viel abstruser materiell im Überfluß brodelnden Gesellschaft als der heutigen. Und insofern würde ich sagen, dieser Ansatz weist für die Menschheit in schlußendlich doch ziemlich gefährlicher Weise in die Irre und von dem fort, was Menschen wirklich Glück und Erfüllung bringen könnte. Allzumal der Ansatz offenbar sich selbst auch als eine Art Beschreibung von einem "gesunden menschlichen Zustand" versteht, der so wohl auch tatsächlich heute schon vermehrt dazu führt Christen mit ihrer Auffassung des Lebens und der Dinge wieder einmal in die Nähe psychischer Krankheit und Torheit zu rücken, wie es ja praktisch seit Christus gerne vorgenommen wird.

Marsianer
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Re: Konzepte zu Fleisch und Seele

Beitragvon Marsianer » Do 30. Jun 2022, 16:53

2.
Erich Fromm hat geschrieben:Meine eigenen Vorstellungen bauen im Kern auf Freud auf,

Dafür wäre dann ja geradezu erstaunlich viel Sinnvolles bei Fromm herausgekommen. Oder vielleicht ein taktisches Lippenbekenntnis? Wäre letztlich hier auch egal ...
Als ich zur Schule ging, lernte ich den
lateinischen Satz: Mens sana in corpore sano, also dass ein gesunder Geist
in einem gesunden Körper ist.

Damsls wurde dieses Prinzip ja wohl oft in der Weise vermittelt, daß "Turnen" den gesunden Geist (vermutlich mind?) fördere, "Krankheit" der Möglichkeit eines gesunden Geistes entgegenstehe. Christliche Einordnungen von Leid stehen dem vermutlich recht diametral entgegen (auch neuere psychologische Coping-Ansätze). Oder "funktionaler mind" ist eben wahlweise nicht hervorgehobenes Ziel von Christentum und anderen spirituellen Ansätzen, sondern wesentlichere Faktoren des Seins.
Das ist höchstens die Hälfte der Wahrheit,
denn es kommt oft vor, dass ein nicht gesunder Geist in einem gesunden
Körper ist, und ebenso, dass ein gesunder Geist in einem kranken Körper
ist.

Allerdings.
Es wäre meiner Überzeugung nach viel korrekter zu sagen: Mens sana
in societate sana, dass also, abgesehen von Ausnahmen, ein gesunder Geist
nur in gesunder Gesellschaft sein kann und dass deshalb beim Menschen das
Problem der individuellen seelischen Gesundheit einfach nicht von der
seelischen Gesundheit der Gesellschaft zu trennen ist.

Dieser Ansatz wirkt auf mich nicht weniger problematisch, in gesteigerter Weise vor allem das "nur". Ist der Mensch abhängig von dem,w as andere Menschen tun, wie sie leben? Ich meine nicht und auch das dürfte wohl einer klassische christlichen Perspektive entsprechen.

Es wäre meiner Überzeugung nach viel korrekter zu sagen: Ein gesunder Mensch lebt in der Gemeinschaft Gottes.

Marsianer
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Re: Konzepte zu Fleisch und Seele

Beitragvon Marsianer » Do 30. Jun 2022, 18:14

Beispiel auf der praktischeren Ebene, an sich durchaus sympathisch, mal Leute rauszuholen um so umherzuwandern, aber das wird dann theoretisch wie folgt unterfüttert.
Wenn der Mensch die vorhandene Energie bedarfsgerecht auf alle seine vitalen Systeme verteilen kann, ist er gesund. Das ist seit seiner Anwesenheit auf der Erde so gewährleistet.

Kümmert er sich um Nahrungsbeschaffung, die Jagd, die körperliche Arbeit, so wird die Energie vermehrt dem Muskelsystem zugeteilt.

Hat er gegessen, verlagert der Organismus die Energieverteilung ins Verdauungssystem.Wird die Jagd ausgewertet, gespielt, geschlafen, geträumt, entspannt, so erhält das Nervensystemdie meiste Energie.

Dieses genetisch festgeschriebene Verhalten beruhigt und bewegt unser Immunsystem zugleich in einer vitalen Ausgeglichenheit und stellt es in den Dienst gesunden Lebens.

Seit die Menschheit die Lebensform der Industriellen Revolution für sich gewählt hat, ist dieses Verhältnis besonders gestört. Der Mensch findet aus einem chronischen Stressmodus, der damit einhergeht, nicht mehr leicht heraus. Das ruft das Immunsystem auf den Plan, das dadurch immer wichtiger wird, bis es den Körper zu dominieren beginnt.

Das Abwehrsystem zieht seither vermehrt all den anderen Systemen die erforderliche Energie ab. Es ist in einem selbstsüchtigen Selbstlauf in die Lage versetzt worden, dem Nervensystem, dem Muskelsystem, dem Verdauungssystem ihre Energie vorzuenthalten.

Unter dieser immunologischen Optik betrachtet, ändert sich der Zugang zum Verständnis, was Krankheit eigentlich ist. Eine Arthrose ist dann nicht mehr einfach nur Abnutzung, sondern ein vom Immunsystem veranlasster Mangel von Nährstoffen im betroffenen Gelenk, dem Strukturabbau zwangsläufig folgt.

Versteht der schmerzgeplagte Mensch, weshalb seine Abwehr die anderen Körpersysteme unterdrückt, kann er Änderungen vornehmen, dieses chronisch entzündliche Immunsystem zu beruhigen. Dadurch wird die Energie/Nährstoffe für die vernachlässigten Gewebe wieder frei und die Abbauprozesse werden gestoppt.
Hormesis heißt das Zauberwort, wodurch die Energieverteilung wiederhergestellt wird. Hormesis ist griechisch, bedeutet Anstoß und meint damit eine bestimmte Art des „Alten Stress“:

- einen kurzen, akuten Stressreiz, der beginnt und auch wieder endet, wodurch der chronische Stress sofort abgelöst werden kann
- wodurch unser Abwehrsystem wieder auf seine eigentlichen Aufgaben reprogrammiert werden kann.

Hormetische Reize werden in der Steinzeitreise in einer dosierten, aber hochverdichteten, abwechslungsreichen Form den Wanderern zugemutet. Nachweislich für das Gefühl und auf dem Ausdruck aus dem Labor, wo die Blutwerte vor und nach der Therapie dokumentiert sind.

Die Steinzeitreise ist eine Intervention der klinischen Psychoneuroimmunologie, kPNI und eine optimierte Basistherapie bei sämtlichen Zivilisationssyndromen. Ihr Begründer, Prof. Leo Pruimboom, setzte Ergebnisse aus der Evolutionären Medizin von Forschern, wie Kerin O´Dea, Nicolai Worm, Loren Cordain auf Nahrungs‑, Bewegungs- und Verhaltensebene zusammen und kreierte eine Artthalassotherapeutische Kur, die in ihrer intradisziplinären Wirkungsweise als Therapie der Zukunft bezeichnet werden könnte.

Wer Zivilisation als Vermeidung von zuviel Natur versteht, der gilt zwar als Pessimist, der spürt aber etwas von dem Vertrauensverlust, den besonders wir Heutigen gegenüber der biologischen Grundlage des Lebens haben. „Big Mama“ lehrt vielen Menschen nur noch das Fürchten und entwederdie Flucht nach vorn in einen heillosen Fortschrittshype oder aber die Erstarrung, den freeze-Zustand des sedentary lifestyle als Couchpotato oder Computersitzsack.

Beide sind moderne Extreme. Beide können nur künstlichen Umgebungen existieren; beide Lebensformen entfremden sich mit logischer Folgerichtigkeit von den hunderttausend Stimmen der Natur in uns.

Gesundes menschliches Leben ist aber kein Zustand – es ist ein fortwährendes Werden, ein viele Jahrzehnte langer Prozess; es will gelebt werden mit allen Sinnen, mit dem Mut der Freude und der Neugier am Mitspielen, mit dem Auftun der eigenen natürlichen Intelligenz von Körper, Geist und Seele.

https://steinzeitwandern.de/hintergruende

Marsianer
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Re: Konzepte zu Fleisch und Seele

Beitragvon Marsianer » Fr 1. Jul 2022, 11:54

steinzeitwandern.de hat geschrieben:Seit die Menschheit die Lebensform der Industriellen Revolution für sich gewählt hat, ist dieses Verhältnis besonders gestört. Der Mensch findet aus einem chronischen Stressmodus, der damit einhergeht, nicht mehr leicht heraus.

Vielleicht wäre an dieser Stelle genauer zu fragen: Wieso denn eigentlich? Auf der zitierten Seite wird die Problematik nach meinem Eindruck recht biologistisch beschrieben. Aber was ist der Mensch eigentlich?
Durch einen einwöchigen Aufenthalt in den Bergen Sardiniens reprogrammieren wir die uralten Systeme des Stoffwechsel‑, des Nerven‑, des Immunsystems gemäß unseren menschlichen Anlagen. Mit dosierten akuten Stressfaktoren, die das evolutionäre Abwehrsystems aktivieren, lösen wir innerhalb von sieben Tagen das chronische Stresssystem ab bis zu einem halben Jahr ab, das in der künstlichen Umgebung unserer Zivilisation als eine der Hauptursachen für chronische Erkrankungen anzusehen ist. Dabei wird auf die heilsame Wirkung von Hunger, Durst, Kälte, Schwitzen, Bewegen über 1000 Meter gesetzt – eben jenem „Alten“ Stress, durch den wir geworden sind, was wir sind.

„Hormesis“ (grch. Anstoß) heißt die Lösung. Das ist Anpassungsfähgikeit und Stresstoleranz durch Wiederanbindung an die Umgebung. Durch Isolation in wiederkehrende Abläufe, Privatismus, Regelmäßigkeit statt Biorhythmus, gerinnt das Leben in Zuständen und verliert sein prozessuales Wesen.

https://steinzeitwandern.de/sardinien

Reslilenz gegenüber Aspekten natürlicher Gegebenheiten aber nicht gegenüber Gepflogenheiten der Industriezeit? Was erzeugt diese Unterscheidung denn? Und worin läge z.B. der Unterschied zwischen dem "freeze-Zustand des sedentary lifestyle als Couchpotato oder Computersitzsack" und dem meditierenden Buddha?
Eine Gruppe von etwa 10 Teilnehmern wandert durchschnittlich 11,2 Kilometer am Tag

Die km-Angabe mit nur einer Nachkommastelle? ;)
Da es genetisch unwandelbar festgeschrieben ist, dass es Morgen- und Nachtmenschen gibt, schläft jeder solange, wie es sein Biorhythmus ihm vorgibt. Dieses Verhaltung führt nach Studien der Ludwig-Maximiliansuniversität München zur Regeneration der Stressachsen, der Nebennieren, des Kortisolspiegels, wobei dessen Nichtbeachtung im Arbeitsalltag die Entstehung chronischer Erkrankungen über Jahre vorbereitet und laut Forschung die Grundlage für 95% aller Zivilisationskrankheiten darstellt.

Genetisch, hm, ich gehe nicht davon aus. Individuelle Tendenzen sehe ich auch, aber eher prinzipiell wandelbare (wenn auch nicht "auf Befehl").
Wasser zum Trinken und zum Waschen wird täglich an Quellen, Brunnen und in Höhlen gefunden. Dort ist es empfehlenswert ausgiebig zu trinken – ein evolutionäres Verhalten, das die Homöostase des Energie- und Wasserhaushaltes regeneriert, was auf Migräne, Fettstoffwechsel, Nierenfunktion, Mineralhaushalt einen positiven Einfluss hat. Niemand braucht sich jedoch zu quälen und unter der Knute medizinischer Vorschriften zu leiden. An oberster Stelle steht die Freude an der vergrößerten Wahrnehmung. Und die ist nicht durch eine bestimmte, wie auch immer geartete Haltung erreichbar. Nur durch Bewegung, Lösung, Spaß an der Sache, kann eine Änderung neurologisch zugelassen werden.

Die Teilnehmer schlafen entweder unter freiem Himmel oder in Hirtenhütten, was zu den Jahreszeiten der Steinzeitreise – im Oktober und im Juni – kein schwieriges Problem darstellt. Hormesis bedeutet, fähig sein, sich auf alle Eventualitäten der Witterung einlassen zu können.

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Re: Konzepte zu Fleisch und Seele

Beitragvon Marsianer » Sa 2. Jul 2022, 12:44

Körper und Seele sind eine Einheit. Für diese jahr­tausendalte Weisheit liefert die Psychoneuroimmunologie heute stichhaltige Beweise. Zeit für einen Paradigmenwechsel unseres biomedizinisch ausgerichteten Gesundheitssystems.

Das für Gesundheit und Krankheit maßgebliche Zusammenspiel von Nerven-, Hormon- und Immunfunktion ist Thema der Psychoneuroimmunologie (PNI). Sie ist der Forschungszweig der modernen Psychosomatik, der sich mit den neuronalen und biochemischen Kommunikationswegen zwischen Psyche, Gehirn und Immunsystem beschäftigt. Das Immunsystem wurde in der biomedizinischen Wissenschaft traditionell als eigenständig, also autonom arbeitend betrachtet. Bei der systematischen Erforschung der zugrundeliegenden Phänomene wird jedoch eines zunehmend klar: Das Immunsystem ist kein isolierter Einzelgänger, sondern muss als Teamplayer des menschlichen Organismus angesehen werden. Gehirn, Psyche und Immunsystem sind eng miteinander verknüpft, sprechen eine gemeinsame Sprache und verfolgen dasselbe Ziel: den Schutz des Organismus, der laufend unterschiedlichen Gefahren und Stressoren ausgesetzt ist.

Die Regulation von psychischen, neurologischen, hormonellen und immunologischen Vorgängen ist eng an die Mechanismen der Stressverarbeitung gekoppelt. Zentrale Schaltstellen sind das autonome Nervensystem (ANS) und die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA-Achse). Im Falle eines physischen oder psychischen Stressreizes wird unmittelbar der Sympathikus aktiviert. Dieser Teil des autonomen Nervensystems ermöglicht die schnellstmögliche Anpassung an Gefahren, um den Organismus auf Flucht oder Kampf vorzubereiten. Das Inkrafttreten des Sympathikus äußert sich unter anderem in einer gesteigerten Atem- und Herzfrequenz, einer erhöhten Muskelspannung und einer verringerten Verdauungstätigkeit. Außerdem wird die Ausschüttung von Katecholaminen – vor allem Adrenalin und Noradrenalin – bei akutem Stress um das Zehnfache intensiviert.

Um den physischen oder psychischen Stressreiz abzuwehren, rufen die ausgeschütteten Botenstoffe die Zellen des Immunsystems zu Hilfe. Diese lösen lokal Entzündungen aus, um ihrer Verteidigungsaufgabe gerecht zu werden. Stress steuert demnach auf direktem Wege wesentliche Immunfunktionen. Um jedoch einer unentwegten und damit gefährlichen Aktivitätssteigerung des Immunsystems entgegenzuwirken, hält die HPA-Achse die Entzündungsaktivität durch eine negative Feedback-Schleife im Gleichgewicht. Vereinfacht könnte man sagen, die Stresshormone „schließen die Pforten“, indem sie die Immunzellen wieder zu ihren Ausgangspunkten zurückrufen und die akute Stressreaktion beenden. Zeitlich begrenzt und auf einen spezifischen Stressor bezogen, ist dieser Mechanismus sehr effektiv.

Ein starker oder langanhaltender Stressor kann eine überschießende Rückregulation hervorrufen und so das Immunsystem unterdrücken. Für diese Immunsuppression sind ein erhöhter Kortisolspiegel sowie erniedrigte Werte bestimmter Immunparameter charakteristisch. Eine längerfristige Aufrechterhaltung des Alarmzustandes wirkt sich daher schädigend auf den Körper aus und steigert das Risiko für Allergien, Infekte, die Entstehung von Krebs und andere Erkrankungen.

Ein Forschungsbeispiel verdeutlicht das Hand-in-Hand-Gehen von akuter psychischer Belastung mit einer verringerten Immunfunktion: Elf Studenten wurde für Studienzwecke sowohl in den Ferien als auch drei Tage vor einer wichtigen Prüfung eine kleine Wunde am Gaumen zugefügt. In der Prüfungszeit heilten die Wunden um drei Tage langsamer als in den Ferien. Wundheilungsstörungen sind Anzeichen einer verringerten zellulären Immunfunktion. Die Immunsuppression war anhand spezifischer Immunparameter messbar und ging im Prüfungszeitraum um 86 Prozent zurück. Bei keiner Testperson heilte die Wunde in der Prüfungszeit so schnell wie in den Ferien.

[...]

Angesichts dieser neuen Erkenntnisse über die Zusammenhänge von Stressoren und deren Wirkungen auf Immunfunktion und Krankheitsrisiko, ist in der biomedizinisch orientierten Medizin eine Paradigmenwechsel in Richtung eines ganzheitlichen Menschenbildes unabdingbar. Es stellt sich die Frage, welche Faktoren über die positive Beeinflussung des Immunsystems Gesundheit begünstigen. Fest steht, dass vertrauensvolle Beziehungen sowie das Erleben sozialer Unterstützung mit geringeren Entzündungswerten verbunden sind und somit die Immunabwehr stärken. Ein hohes Maß an sozialer Integration, also an gepflegten freundschaftlichen und familiären Kontakten sowie an sozialen Aktivitäten, geht nachweislich einher mit geringen Entzündungslevels und einer effektiveren Regulation von Immunzellen (Leukozyten).

Selbst ob wir uns mit einem Virus anstecken oder nicht, hängt von unserer emotionalen Verfassung ab. Das konnte der amerikanische PNI-Forscher Sheldon Cohen eindrucksvoll in einem Experiment zeigen. Dazu setzte er gesunde Testpersonen unter Quarantänebedingungen gezielt bestimmten Viren aus. Es stellte sich heraus, dass sich bei Weitem nicht alle Testpersonen mit dem jeweiligen Virus ansteckten. Personen mit einem positiven emotionalen Persönlichkeitsprofil erkrankten seltener und zeigten weniger klinische Symptome.

Heute weiß man, dass das Immunsystem lernfähig ist. Für Studienzwecke wurden zum Beispiel Testpersonen mit einer Heuschnupfenallergie wiederholt einem Allergen ausgesetzt. Zugleich tranken sie einen ungewöhnlich schmeckenden Saft. Nach einigen Wiederholungen rief die alleinige Einnahme des Getränks eine starke allergische Reaktion hervor. Der Organismus lernte es, den neutralen Reiz mit den allergischen Symptomen zu verknüpfen. Das Experiment macht deutlich, wie sehr das Gehirn in die Krankheitsentstehung involviert ist.

Auf die gleiche Art und Weise lassen sich positive Effekte gezielt konditionieren, was die Wirkung von Placebo nachvollziehbar macht. So lassen sich die symptomverbessernden Effekte von Scheinoperationen oder wirkstofffreien Medikamenten anhand bestehender Erwartungen und Hoffnungen erklären: Allein die vom Patienten erwartete Wirkung löst psychoneuroendokrine Wirkmechanismen aus, mittels derer Krankheitsfaktoren dirigiert werden können. Wesentlich ist dabei, dass die neuroendokrine Stressantwort davon abhängt, ob man das Gefühl hat, eine Stresssituation kontrollieren zu können oder nicht. Besteht die innere Gewissheit, einer Herausforderung gewachsen zu sein, so steigen die Kortisolwerte bei Stress nur wenig an. Ähnlich könnte die Placebobehandlung ihre Wirkung entfalten, weil sie der betroffenen Person gezielte Kontrolle über die Krankheit suggeriert.

[...]

Aus den Erkenntnissen zum Placeboeffekt geht klar hervor, dass eine medizinische Behandlung in Abhängigkeit von der vom Arzt vermittelten und vom Patienten erwarteten Wirkung sehr unterschiedliche Erfolge haben kann. So wie ein Individuum nie nur passiv Stressreizen ausgesetzt ist, ist also auch der Patient nie nur passives Objekt einer neutralen Intervention. Vielmehr ist das weite Spektrum aus körperlichen Faktoren sowie psychosozialen Einflussgrößen dafür ausschlaggebend, ob und in welcher Form ein Organismus auf eine Therapie anspricht. Diese Erkenntnisse prallen auf ein bislang biomedizinisch ausgerichtetes Gesundheitssystem, in dem durch Spezialisierung, Objektivierung und Standardisierung innerpsychische und interpersonale Bedeutungsinhalte unberücksichtigt bleiben.

Die hier genannten psychoneuroimmunologischen Befunde untermauern die jahrtausendealte Erkenntnis, dass Körper und Seele eine Einheit darstellen. Die PNI kann dementsprechend als eine psychosomatische Herausforderung für das vorherrschende biomedizinisch-technische Verständnis von Gesundheit und Krankheit gesehen werden. Lassen es die politischen und kulturellen Umstände zu, diese Befunde als Ausgangspunkt für eine tiefgreifende Veränderung in der Biomedizin zu nutzen, so werden in Zukunft nicht mehr kranke Körper ohne Seelen oder leidende Seelen ohne Körper behandelt, sondern der Mensch in seiner biopsychosozialen Gesamtheit.

https://www.ugb.de/gesundheitsfoerderun ... mmunologie

In diesem Artikel wird der Begriff "Seele" verwendet und dann soweit ich sehe rein biologisch auf der Ebene von Stoffwechselvorgängen angesiedelt? "Seele" würde demnach vom Körper, dessen Stoffwechsel her erklärt. Allenfalls noch in soetwas wie "Psychotherapie" angesteuert (das soll wohl z.B. "leidende Seele ohne Körper behandeln" bedeuten?).

Ich halte "Psychotherapie" für etwas, das schon aufgrund der Verankerung der "Therapeuten" im Geist ihrer Epoche im Grunde genommen eher eine pseudolebensorientierte Krämerei darstellt, die die echten Seelen eher wieder in den Strukturen der Konsumsekte abliefert, den Menschen zu größeren Anteile eher lehrt die Seele "effektiver" zu unterdrücken, indem oft auf Weltweisheit und deren eher fleischliche Vorstellung von "Lebendigkeit" abgezielt wird.


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