Hoffnung oder Erwartung?

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Marsianer
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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Marsianer » So 2. Okt 2022, 13:28

Louis hat geschrieben:ich erwarte nicht, daß ein anderer Mensch zu einem vereinbarten Termin erscheint, sondern hoffe es. Hoffen ist immer mit einem gewissen Zweifel verbunden.

christ versteht die Begriffe wohl auch anders als du? Irdisch gesehen erwartest du nach deinem Begriffsverständnis nie etwas?

Louis
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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Louis » So 2. Okt 2022, 13:38

Marsianer hat geschrieben:
Louis hat geschrieben:ich erwarte nicht, daß ein anderer Mensch zu einem vereinbarten Termin erscheint, sondern hoffe es. Hoffen ist immer mit einem gewissen Zweifel verbunden.

christ versteht die Begriffe wohl auch anders als du? Irdisch gesehen erwartest du nach deinem Begriffsverständnis nie etwas?


ich glaube nicht, daß christ die Begriffe anders versteht. Der Unterschied, er erwartet von Menschen scheinbar, daß sie gewisse Vereinbarungen halten und ich hoffe es, daß sie gewisse Vereinbarungen halten.
Von Christus erwarte ich, sehnsüchtig sein Kommen z.B. ;)

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..es gibt zwei Arten von Weltgeschichte:

Agape
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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Agape » Mo 3. Okt 2022, 15:20

Louis hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:Beides vereint, so würde ich sagen, die Ungewissheit. Zumindest sofern "erwarten" kein festes Wissen darüber wäre was kommen wird.

Doch, Fest im Glaube. ;)

Das oben stehende Zitat stammt von Marsianer, nicht von mir.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:"Erwarten" kann in "enttäuscht sein" enden, wenn Vermutetes, auch das hier an anderer Stelle schon thematisierte vermeintlich Selbstverständliche, sich als doch nicht so erweist, wie es angenommen worden war.

Ja.

Nein.

Das oben stehende Zitat stammt von Marsianer, nicht von mir. Ich habe diesem lediglich zugestimmt.

Fest im Glaube endet die Erwartung in keiner Enttäuschung.

Aber es könnte doch grundsätzlich „fest“ an etwas „Falsches/Illusionäres“ geglaubt werden? Oder meinst Du, dass Menschen, die „fest im Glauben an einen „Götzen“ sind, nicht enttäuscht werden können? Weshalb nicht? Weil nur fester Glauben an Gott nicht enttäuscht?

Die Erwartung wird zur Freude werden, „die Hoffnung jedoch, stirbt zuletzt“.

Mit „zuletzt“ wäre wohl gemeint, dass Hoffnung die Erwartung „überlebt“ und als „Letztes“ stirbt (nach der Erwartung).

Louis hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:"Hoffnung" ist da "leichter", würde ich sagen.

Ja. Streite ich nicht ab. ich aber wähle meist nicht den „leichteren“ Weg.

Auch dieses Zitat stammt nicht von mir, sondern von Marsianer. Erwartung oder Hoffnung, dass Dein Zitieren irgendwann mal korrekter wird? ;)

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Was mich betrifft, erwarte ich nichts und erhoffe kaum etwas, wenn es um Gott geht. Wieso sollte ich dies tun? „Ich bin“ doch?
Geht es dabei um Mitmenschen, kann es mir schon noch passieren, dass ich gewisse Erwartungen habe - obschon es mir schwerfällt, diese exakt zu differenzieren.

Hm. Du erwartest Gott nicht erhoffst ihn nicht mal so wirklich?

Schon mal erwähnt: Da für mich Gott bereits JETZT allgegenwärtig ist, brauche ich nicht auf eine künftige Zeit zu hoffen - und diese auch nicht zu erwarten.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Für mich fühlt sich Erwartung nicht stimmig an - auch Hoffnung nicht wirklich - aber schon eher. Am ehesten gehe ich davon aus, dass etwas gemäss meinen freiwilligen Entscheidungen geschieht - oder nicht geschieht. Dennoch fühle ich mich von Jesus „geführt“, da ich mich ihm zutiefst anvertraue. Ich höre ihn nicht und ich sehe ihn nicht - aber ich fühle ihn. Nicht immer - aber immer öfter und immer inniger. Was brauche ich da noch zu hoffen oder zu erwarten?

Du hörst und siehst ihn nicht?

Nein.

Bist du ihm niemals begegnet?

Doch, aber nicht hörend und nicht sehend, sondern fühlend.

Allein durch die Erzählungen in der Bibel?

Nein, siehe oben.

Wie kannst du dich ihm dennoch zutiefst anvertrauen? Woher weißt du das du ihn fühlst und keinen anderen?

Weil ich unbeschreibliche Liebe, Güte, Barmherzigkeit und Fülle in der Begegnung mit Jesus erlebe. Ich bin in einer Liebesbeziehung mit IHM - und mit niemand anderem. Dafür braucht es meiner Empfindung nach weder Rechtfertigung noch Beweise.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:
Louis hat geschrieben:Warum erfüllst du die Voraussetzungen nicht, um zu erwarten? ;)

Weil es im Grunde genommen nichts gibt, das ich nicht bereits empfangen hätte. Was sollte ich von Gott erwarten, wenn er mir bereits alles gegeben hat - wenn es nur an mir liegt, dass ich manches bisher noch nicht „ergriffen“ habe?

Scheinbar fehlt noch etwas, sonst hättest du doch alles „ergriffen“, Gott gänzlich erfasst?

Ich schrieb ja oben, dass es an mir liege. Ich habe noch nicht alles ergriffen, jedoch Gott hat mir bereits alles gegeben.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Das kann ich besser annehmen, als dass „ich“ etwas von Gott erwarten sollte.

Wieso? Kann es nicht auch sein, daß Christus erwartet, daß Menschen von ihm auch mal etwas erwarten?

Vielleicht - aber mir gefällt diese Erwartungshaltung nicht und da Jesus in mein Herz sieht, weiss er das. Es entspricht mir nicht, so zu denken und mich so zu verhalten. Es wäre nicht authentisch.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:
Louis hat geschrieben:Fest im Glaube bedeutet, Irrweg ausgeschlossen.

Woher nimmst Du diese absolute Gewissheit?

Fest im Glaube: ich glaube nicht nur an Gott, mir ist es bewußt, daß es GottGeist gibt. Dieses Fest im Glaube führte mich zu Gott, ich bin ihm mehrfach begegnet.

Ja - ich kann das wohl auf eine gewisse Art nachvollziehen. Dennoch glaube ich eher, dass dies Dein ganz persönlicher Weg, Deine persönlichen Erfahrungen und Dein persönliches Erleben ist, das nicht mit absoluter Gewissheit auf andere Wesen übertragen werden kann - und auch nicht sollte. Jeder hat seinen eigenen Weg zu finden, in seinem eigenen Tempo - auf seine eigene Art und Weise. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

Christus ist der Weg, hast du ihn gefunden, führt er dich auf keinen Irrweg mehr! Er führt dich sowieso auf keinen Irrweg. Nichts führt dich mehr auf einen Irrweg, Fest im Glaube. ist man Christus begegnet, er dich zum „Vater“ führte ist man eigentlich am Ziel.

Wenn Du dies für Dich so empfindest, dann wird es für Dich wohl so sein. Da kann ich nichts dagegen einwenden und will es auch nicht. Aber wie oben teils schon erwähnt, bin ich noch am Anfang dieses Weges und lasse mir die Zeit, die ich brauche. Man kann und soll so etwas nicht von anderen Menschen „übernehmen“ - aber man kann es in sich wirken lassen und es wird Frucht tragen, wenn die Zeit dazu reif ist.

Eigentlich, oder man Erwartet, von ihm selbst. Daß er dich an diesen Ort führt, der unter dem dritten Himmel steht. Man erwartet es, daß es in dieser Nacht geschieht, weil man von diesem Ort überzeugt ist, eine Hoffnung, daß es vielleicht so ist wäre diesbezüglich vollkommen fehl am Platz. Es ist in dieser Nacht geschehen. Daher nehme ich die absolute Gewissheit, die Überzeugung, daß es Sie, die Agape-Liebe, GottGeist gibt. Mehr gibt es nicht!

Auch ich bin davon überzeugt, dass es sie gibt - meine Frage oben bezog sich nicht darauf, sondern nur auf Deine ABSOLUTE Aussage bezüglich „Irrweg“. Für Dich mag es so sein - aber für andere Wesen vielleicht nicht oder NOCH nicht. Stell Dir vor, dass Du dies jemandem sagst, der in sich noch überhaupt nicht gefestigt ist, der alles ungefiltert von anderen Menschen in sich aufnimmt und sich selbst daran misst - das könnte für dieses Wesen je nachdem auch schädlich sein, da es noch nicht so weit ist und daran verzweifelt, wenn es 1:1 übernehmen will, was andere ihm sagen oder schreiben. Dieses Wesen kann vielleicht noch nicht selbst zwischen Gut und Böse unterscheiden - es nimmt einfach ungefiltert alles auf, was ihm begegnet - und diesen Umstand gilt es meiner Meinung nach zu berücksichtigen. Ich selbst möchte mit anderen Wesen möglichst achtsam umgehen - und sie frei sein lassen, wenn sie noch nicht bereit sind, „feste geistige Kost“ einzunehmen, wenn sie diese Kost noch nicht vertragen.

Wäre man z.B. mit einer „Göttlichen Mission“ irdisch unterwegs erwartet man, daß alle, die daran beteiligt sind, gemeinsam diese Mission ins „Ziel bringen“. Zur Not ins „Ziel retten“. Fest im Glaube, erwartet man dies und hofft es nicht nur. Denn Hoffnung wäre diesbezüglich mit Zweifel verbunden. Natürlich sind auch mal Holzwege mit dabei. ;)

Naja, solche Menschen werden es wohl für sich so auslegen und ihre Ziele verfolgen. Wenn etwas daran nicht im göttlichen Willen liegt, werden sich entsprechende Wirkungen zeigen.
Da ich wohl eher noch nicht zu diesen Menschen gehöre, zeigt sich mir vorerst anderes, das aber nicht davon abweicht, mich mit Jesus in Liebe verbunden zu fühlen.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Weil ich nur Schöpfer meiner eigenen Gedanken, Empfindungen und Handlungen bin - nicht aber derer Gottes.

Jesus Christus erwiderte: »Ich versichere euch: Wenn ihr Gott vertraut und nicht zweifelt (es erwartet) könnt ihr noch mehr als das tun. Ihr könnt sogar zu diesem Berg sagen: ›Hebe dich von der Stelle und stürze dich ins Meer!‹, und es wird geschehen. Ihr werdet alles bekommen, wenn ihr Gott im Glauben (Fest im Glaube) darum bittet.«

Damit bezeugst Du ja selbst, dass der Mensch nichts (Gutes) von sich selbst erwarten kann - ohne Gottes Hilfe ist er „hilflos“. Aber er muss diese Hilfe annehmen - sonst geschieht nichts. Es liegt meiner Meinung nach oft am Annehmen und nicht am Erwarten. Also würde ich es so ausdrücken: „Ich nehme an, was Gott mir bereits versprochen hat“ - so formuliert ist es für mich stimmig.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Hm - wir haben ja bereits festgestellt, dass Hoffnung nicht dasselbe bedeutet wie Erwartung.

Eben. Die Göttliche Agape-Liebe kann man mit Hoffnung nicht wirklich definieren.

Nein - aber meinem Empfinden nach auch nicht mit Erwartung.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Gott erwartet etwas von mir - ich selbst erwarte etwas von mir. Damit ist eigentlich schon vieles gesagt. Es liegt an mir, die Erwartungen von Gott und meine eigenen Erwartungen an mich in Einklang zu bringen und sie zu erfüllen.

Gut. Du hast eigene Erwartungen, weil Gott von dir erwartet. Stell dir mal vor, Gott würde von dir etwas erwarten und du hättest nur die Hoffnung in dich, diese Erwartung erfüllen zu können. Würde Gott etwas von dir erwarten, was du nicht erfüllen kannst? Siehst du, demzufolge kannst du von Gott erwarten, daß deine Erwartungen, in dich selbst, erfüllt werden. ;)

Aber weshalb sollte ich es von Gott erwarten? Erwartet Gott etwas von mir mit der Absicht, dass ich von ihm etwas erwarte? Gott erwartet, dass ich erfülle, was er von MIR erwartet - nicht ich von IHM.

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Nicht weil sie Gott oder ich selbst erwarte, sondern - weil ich mit Liebe und Freude das tue, was Gott von mir erwartet. Wenn ich keine Liebe und keine Freude, sondern nur Zwang und Druck empfinden würde, würden jegliche Erwartungen ins Leere laufen - so fühlt es sich für mich jedenfalls an.

Kurzum: Du liebst ihn.

Ja.
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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Agape » Do 6. Okt 2022, 11:49

Fortsetzung von: viewtopic.php?f=2&t=158&p=5262#p5262
Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:
Louis hat geschrieben:Wie kann man jemand im Herzen tragen ohne Erwartung?

Nur Liebe ohne Erwartung? Bedingungslose Liebe?

Ja, Bedingungslose Liebe... Sollte die Erwartung nicht „zweideutig“ betrachtet werden?
„ich kann das Kommen von Christ kaum erwarten.“
„ich erwarte von dir, daß du pünktlich bist.“ ;)

Hm - Erwartung bleibt Erwartung? Der Mensch ist unvollkommen - Gott ist vollkommen - darin besteht der Unterschied. Ein Mensch kann enttäuschen - Gott enttäuscht niemals. Also, weshalb diese Erwartung - sie ist doch eher überflüssig?

Louis hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Aber wenn man fest im Glauben ist, braucht man nichts zu erwarten? Eine Erwartung entspricht einer Ungewissheit. Fest im Glauben zu sein, würde ich eher „Überzeugung“ nennen.

Nein, es geht um Gott, da entsprechen Erwartungen einer Gewissheit, aus der Überzeugung heraus. Fest im Glaube natürlich.

Hast Du noch nie in Betracht gezogen, dass es nicht an Gott liegen könnte, sondern an Dir? Dass Du selbst etwas tun könntest, das den Erwartungen von Gott an Dich nicht gerecht würde? Was würde in diesem Falle Deine Erwartung an Gott bringen? Oder siehst Du Dich selbst als so vollkommen an, dass Du Dir absolut gewiss sein kannst, dass sich Deine Erwartungen an Gott erfüllen?
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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Marsianer » Do 6. Okt 2022, 12:21

Fortsetzung von viewtopic.php?p=5246#p5246
Morgenstern hat geschrieben:Man verfolgt seine eigenen Ziele und Interessen und gleichzeitig akzeptiert man den Ist-Zustand und lässt seine Erwartungen los.

Ich weiß, dass das mega paradox klingt. Aber genau so funktioniert es meiner Meinung nach, vor allen Dingen mit Schmerzen. Den Ist-Zustand akzeptieren und dann noch etwas für die eigenen Ziele zu tun. Die Erwartung an das Ziel loslassen. Das ist meine Meinung nach der Mittelweg. Das ist ein absolutes Learning, denn das ist nichts, was wir von anderen Menschen auf dieser Welt lernen, weil es die meisten Leute auch nicht tun. Die meisten Leute haften sich an das Ziel an, oder wehren sich gegen den Ist-Zustand.

[...]

Wir haften an, wenn wir versuchen, uns selbst oder andere oder das Leben selbst zu kontrollieren. Jeden Moment ändert sich alles. Wir versuchen es zu kontrollieren, dass sich alles so verhält, wie wir es wollen – dann haften wir an. Wir haben unsere Erwartungen und Vorstellungen, wie alles zu sein hat. Das führt zu Leiden.

Ich lese das so, daß hier unter "Erwartung" eine Art rohe, hungrige "Anhaftung" an etwas gemeint wäre, etwas worauf ein Mensch sich versteift, oft wohl im Rahmen von Konditionierungen, "wenn ich das so mache, dann bin ich ein Guter"? Ja, soetwas gibt es wohl oft in Menschen. "Ziele verfolgen" wäre dann ein in gewisser Weise wenigstens etwas umsichtiges Betrachten, das nicht unbedingt etwas nach bestimmten Vorstellungen geartet sehen will? Das hätte dann wohl auch damit zu tun etwas mehr zu "sehen", z.B. weil jemand schonmal ein wenig "meditierte" oder ein bischen Stille zugelassen hatte?

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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Agape » Fr 7. Okt 2022, 10:06

Marsianer hat geschrieben:
Morgenstern hat geschrieben:Man verfolgt seine eigenen Ziele und Interessen und gleichzeitig akzeptiert man den Ist-Zustand und lässt seine Erwartungen los.

[...]

Wir haften an, wenn wir versuchen, uns selbst oder andere oder das Leben selbst zu kontrollieren. Jeden Moment ändert sich alles. Wir versuchen es zu kontrollieren, dass sich alles so verhält, wie wir es wollen – dann haften wir an. Wir haben unsere Erwartungen und Vorstellungen, wie alles zu sein hat. Das führt zu Leiden.

Ich lese das so, daß hier unter "Erwartung" eine Art rohe, hungrige "Anhaftung" an etwas gemeint wäre, etwas worauf ein Mensch sich versteift, oft wohl im Rahmen von Konditionierungen, "wenn ich das so mache, dann bin ich ein Guter"?

Ja - und „wenn ich ein Guter bin, steht mir auch Gutes zu“. Also eine Art von Teufelskreis zwischen Erwartung (Anhaftung), deren Erfüllung darauf beruht, erneute Erwartungen hervorzurufen. Aber wann ist es „genug“? Wann würde ein Zustand der inneren Zufriedenheit einkehren?

"Ziele verfolgen" wäre dann ein in gewisser Weise wenigstens etwas umsichtiges Betrachten, das nicht unbedingt etwas nach bestimmten Vorstellungen geartet sehen will? Das hätte dann wohl auch damit zu tun etwas mehr zu "sehen", z.B. weil jemand schonmal ein wenig "meditierte" oder ein bischen Stille zugelassen hatte?

Aber auch ein Ziel wäre doch mit gewissen Vorstellungen und Erwartungen verbunden? Oder gäbe es Ziele, die davon losgelöst sind? Was für Ziele wären das? Eher diffuse Ahnungen?
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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Marsianer » Fr 7. Okt 2022, 12:02

Agape hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:Ich lese das so, daß hier unter "Erwartung" eine Art rohe, hungrige "Anhaftung" an etwas gemeint wäre, etwas worauf ein Mensch sich versteift, oft wohl im Rahmen von Konditionierungen, "wenn ich das so mache, dann bin ich ein Guter"?

Ja - und „wenn ich ein Guter bin, steht mir auch Gutes zu“.

Im Eso-Segment wird das öfters so sein. Ich dachte allgemeiner. Weltlich ausgerichtete Menschen suchen nach meinen Beobachtungen eher beziehungsmäßige Absicherungen, "dann gehöre ich dazu (zur offensichtlich finsteren Dämonenhorde quasi) und werde nicht wie andere zerstört", nach den altbekannt thematisierten menschlichen Bestätigungen, aus denen sich für sie oft erst ein gewisser "Wohlstand von diesen Gnaden" erwächst.
Aber auch ein Ziel wäre doch mit gewissen Vorstellungen und Erwartungen verbunden?

Ja, aber nicht so "roh"/"blind", würde ich sagen.

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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Agape » Sa 8. Okt 2022, 11:51

Agape hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Ja - und „wenn ich ein Guter bin, steht mir auch Gutes zu“.

Im Eso-Segment wird das öfters so sein. Ich dachte allgemeiner. Weltlich ausgerichtete Menschen suchen nach meinen Beobachtungen eher beziehungsmäßige Absicherungen, "dann gehöre ich dazu (zur offensichtlich finsteren Dämonenhorde quasi) und werde nicht wie andere zerstört", nach den altbekannt thematisierten menschlichen Bestätigungen, aus denen sich für sie oft erst ein gewisser "Wohlstand von diesen Gnaden" erwächst.

„Weltlich ausgerichtet sein“ würde bedeuten, „aus einem weltlichen Vater zu wollen“. Weltliche Sicherheit aufgrund von Bestätigung anderer anzustreben - also im Mittelpunkt würden im Grunde genommen nicht andere Menschen, sondern eher die Bestätigung durch diese stehen. Eine hintergründige Rolle würde dabei der seelisch-geistige Zustand anderer spielen - nämlich nicht ihr höchstes Wohl zu wollen, sondern das eigene (weltliche) Wohlbefinden durch sie zu verstärken. Man macht sich gemein mit anderen, unabhängig davon, woher diese (geistig) kommen, wie sie gesinnt sind - Hauptsache sie „funktionieren“ so, dass man dadurch in den Bereichen, die man selbst „begehrt“, Befriedigung erfährt.

Eine "Erwartung" in aktivem Sinn (der Antrieb dafür, nicht nur auf etwas warten) könnte auch als "Begehren" bezeichnet werden. Wenn man aber einem "Begehren" grundsätzlich ablehnend gegenüber steht, unterdrückt man in sich unter Umständen auch das Begehren nach Gott - welches die Grundlage dafür wäre, geistig aus Gott zu wollen.

Frei von Erwartungen zu sein, könnte auch bedeuten, frei von Begehren (nach Licht/Gott) zu sein - sich willenlos treiben zu lassen, wohin der Wind einen weht.
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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Marsianer » Sa 8. Okt 2022, 13:26

Agape hat geschrieben:„Weltlich ausgerichtet sein“ würde bedeuten, „aus einem weltlichen Vater zu wollen“.

Bedürfnisse aus dem Fleisch spielen eine starke, dominierende Rolle in sojemandem?
Weltliche Sicherheit aufgrund von Bestätigung anderer anzustreben - also im Mittelpunkt würden im Grunde genommen nicht andere Menschen, sondern eher die Bestätigung durch diese stehen.

Hm, wohl eher diese Bedürfnisse aus dem Fleisch, die da verspürt werden und deren Erfüllung so "gewährleistet" bliebe aus deren eher weltlich da herangehender Perspektive (im Gegensatz zu Leuten, die wenigstens in nennenswerterem (nicht unbedingt in sich konsequentem) Ausmaß an Schicksal und dahinterstehende Ordnungsprinzipien glauben)?
Eine hintergründige Rolle würde dabei der seelisch-geistige Zustand anderer spielen - nämlich nicht ihr höchstes Wohl zu wollen, sondern das eigene (weltliche) Wohlbefinden durch sie zu verstärken.

Den ersten Teilsatz weiß ich nicht sicher zu deuten. "Hintergründig" würde hier soviel wie "gering" bedeuten? Es geht ihnen darum, ob sie irdisch von den anderen "was bekommen können"? Vielleicht wird mit denen auch manchmal etwas philosophiert, aber letztlich hätte das eher die Natur eines "sozialen Kitts" zwecks Aufrechterhaltung der Illusion, der andere sei einem wirklich wichtig und würde nicht in den Wind geschossen, wenn irdisch da nicht mehr viel zu erhoffen wäre oder "es schwierig würde" wegen veränderter Lebensumstände des anderen. Das zieht besonders stark in Städten durch, würde ich sagen, auf dem (oft religiöserem) Land an sich ähnlich aber gebremster.
Man macht sich gemein mit anderen, unabhängig davon, woher diese (geistig) kommen, wie sie gesinnt sind

Eigentlich nur das verbreitete Prinzip: Es wird darauf geachtet, wo das Herz ist.
Eine "Erwartung" in aktivem Sinn (der Antrieb dafür, nicht nur auf etwas warten) könnte auch als "Begehren" bezeichnet werden.

Vielleicht? Was meint Louis dazu? ;)

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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Agape » Sa 8. Okt 2022, 16:50

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Weltliche Sicherheit aufgrund von Bestätigung anderer anzustreben - also im Mittelpunkt würden im Grunde genommen nicht andere Menschen, sondern eher die Bestätigung durch diese stehen.

Hm, wohl eher diese Bedürfnisse aus dem Fleisch, die da verspürt werden und deren Erfüllung so "gewährleistet" bliebe aus deren eher weltlich da herangehender Perspektive (im Gegensatz zu Leuten, die wenigstens in nennenswerterem (nicht unbedingt in sich konsequentem) Ausmaß an Schicksal und dahinterstehende Ordnungsprinzipien glauben)?

Die Absicht dahinter würde da schwerer wiegen als die Art, wie diese Absicht umgesetzt würde? Es gibt ja in manchen Fällen auch an und für sich spirituell ausgerichtete Menschen, die „fleischliche“ Praktiken ausüben, um zu geistiger Erkenntnis zu gelangen?
Umgekehrt könnten gewisse Menschen, die sonst mit Spiritualität nichts am Hut haben, in ihrem Herzen eine überaus lichte Gesinnung haben und diese auch segensreich im Alltag ausleben wollen.

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Eine hintergründige Rolle würde dabei der seelisch-geistige Zustand anderer spielen - nämlich nicht ihr höchstes Wohl zu wollen, sondern das eigene (weltliche) Wohlbefinden durch sie zu verstärken.

Den ersten Teilsatz weiß ich nicht sicher zu deuten. "Hintergründig" würde hier soviel wie "gering" bedeuten? Es geht ihnen darum, ob sie irdisch von den anderen "was bekommen können"?

Ja, es würde die Tendenz bestehen, in „Beziehungsgeflechten“ prioritär nach Befriedigung von eigenen Sicherheitsbedürfnissen zu suchen und sich weniger darum zu kümmern, worin sie sich dadurch selbst verstricken könnten, zum Beispiel in Abhängigkeiten und Gruppendynamiken eher finsterer Art.

Vielleicht wird mit denen auch manchmal etwas philosophiert, aber letztlich hätte das eher die Natur eines "sozialen Kitts" zwecks Aufrechterhaltung der Illusion, der andere sei einem wirklich wichtig und würde nicht in den Wind geschossen, wenn irdisch da nicht mehr viel zu erhoffen wäre oder "es schwierig würde" wegen veränderter Lebensumstände des anderen.

Ja, manchmal zeigt sich solches auch in „Freundschaften“, die nur solange Bestand haben, als eine gewisse familiäre / partnerschaftliche / wirtschaftliche Situation äusserlich noch „intakt“ zu sein scheint. Bricht diese jedoch aus irgendwelchen Gründen auseinander, sind dann plötzlich alle sogenannten „Freunde“ weg, obwohl es gar nicht um sie ging - sich nichts Erkennbares ereignet hatte, um dieses (Flucht)Verhalten rechtfertigen zu können.
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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Marsianer » Sa 8. Okt 2022, 18:05

Agape hat geschrieben:Die Absicht dahinter würde da schwerer wiegen als die Art, wie diese Absicht umgesetzt würde? Es gibt ja in manchen Fällen auch an und für sich spirituell ausgerichtete Menschen, die „fleischliche“ Praktiken ausüben, um zu geistiger Erkenntnis zu gelangen?

"Fleischliche Praktiken" ist ein begriffliches Konzept, das ich eher einem ... fleischlichen Blickwinkel zuordnen würde? Man sieht als Erdenmensch z.B. "der tut Dasunddas" und das ist das eben "Dasunddas". Was dabei z.B. seelisch abläuft erschließt sich ihnen meist wohl kaum in etwas. Für mich meint "fleischlich" hier ersteinmal "aus dem Fleisch herkommend", also z.B. dem Körper eines Menschen. Woanders hatten wir erst kürzlich ein paar Zitate im Forum, in denen Menschen beschrieben haben, was sie "außerkörperlich" erfahren hatten und teils, daß sie sich dann klarer fühlen und so weiter.

"Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist." Joh 3,6
"Denn Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und Mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Wer Mein Fleisch kauet und trinket Mein Blut, der bleibt in Mir und Ich in ihm." Joh 6,55+56
Umgekehrt könnten gewisse Menschen, die sonst mit Spiritualität nichts am Hut haben, in ihrem Herzen eine überaus lichte Gesinnung haben und diese auch segensreich im Alltag ausleben wollen.

Ja.
manchmal zeigt sich solches auch in „Freundschaften“, die nur solange Bestand haben, als eine gewisse familiäre / partnerschaftliche / wirtschaftliche Situation äusserlich noch „intakt“ zu sein scheint.

Klar.

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Re: Hoffnung oder Erwartung?

Beitragvon Louis » Sa 22. Okt 2022, 05:52

Agape hat geschrieben:Hm - Erwartung bleibt Erwartung? Der Mensch ist unvollkommen - Gott ist vollkommen - darin besteht der Unterschied. Ein Mensch kann enttäuschen - Gott enttäuscht niemals. Also, weshalb diese Erwartung - sie ist doch eher überflüssig?


Ja, du hast schon recht. „Gott enttäuscht niemals“.
Demzufolge erwarte ich, daß er pünktlich, zur „rechten Zeit“, kommen wird. Weil ich fest im Glauben bin, daß es so ist. ;)

Agape hat geschrieben:Aber wenn man fest im Glauben ist, braucht man nichts zu erwarten? Eine Erwartung entspricht einer Ungewissheit. Fest im Glauben zu sein, würde ich eher „Überzeugung“ nennen.


Louis hat geschrieben:Nein, es geht um Gott, da entsprechen Erwartungen einer Gewissheit, aus der Überzeugung heraus. Fest im Glaube natürlich.


Agape hat geschrieben:Hast Du noch nie in Betracht gezogen, dass es nicht an Gott liegen könnte, sondern an Dir? Dass Du selbst etwas tun könntest, das den Erwartungen von Gott an Dich nicht gerecht würde? Was würde in diesem Falle Deine Erwartung an Gott bringen? Oder siehst Du Dich selbst als so vollkommen an, dass Du Dir absolut gewiss sein kannst, dass sich Deine Erwartungen an Gott erfüllen?


Hm. Sagte nicht, daß Gott den Erwartungen, die ich an ihn habe, nicht gerecht werden würde. ich erwarte weil es meine Überzeugung ist, daß er ihnen gerecht werden wird. Wieso sollte ich nur darauf hoffen? Das würde ich (zumindest mich betreffend) als ungläubig empfinden. Möchte niemanden meine Meinung als die reine Wahrheit verkaufen. Jeder hat einen freien Willen und kann auch dies handhaben wie er möchte. Eine Rolle dabei könnte auch spielen, daß jeder eventuell andere Erlebnisse mit Gott hatte? Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß der Satan Christus Erwartet. Höchstwahrscheinlich Hofft er darauf, daß er ihn nicht Erwarten muss.
Christus erwartet, daß er ihn Erwartet, weil er Fest im Glaube ist(!). (Das ist der Unterschied.) Diese Tatsache ist doch der der Hauptgrund seiner Wiederkehr. Sagt das nicht auch die Bibel?
Sollte ich vielleicht zu viel von Gott erwarten, wird mich Sie oder er selbst weniger schon „in die Schranken weisen“. Es ist nicht sündhaft auf Gott zu warten, auch von ihm zu erwarten.

ich seh mich nicht als vollkommen an. Mache mir über mich selbst selten Gedanken.

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