Advaita-Zombies

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Marsianer
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Advaita-Zombies

Beitragvon Marsianer » Sa 15. Aug 2020, 11:25

Je nach Wahl wird mal die Welt zur Illusion, mal das Ich… – Nicht falsch verstehn, es ist ja nicht so, dass dies nicht beides auch stimmen würde. Die Betonung liegt aber auf auch. Doch das auch ist nur einen Hauch zu weit entfernt von Verständen die sich gern an Formeln festhalten. “So ist das”. “Genau so und nicht anders” (sagen sie und denken sie).

Dann ist man z.b. “nicht-identifiziert”. Und alles andere ist das Ego. Und dann hamma wieder schön Trennung. Hier das Selbst, dort das Ego. Hier die Stille, dort das Denken. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Wie es der Verstand gelernt hat. Dann halt im Namen von “Spiritualität”. Was ja okay ist. Aber wenns im Namen von Advaita ist, ists peinlich. Beziehungsweise tut einfach weh. Total weh. Solche Dummheit schmerzt regelrecht.

Und doch heisst das noch lange nicht, dass ich von dieser Dummheit z.b. befreit wäre. Sie ist Alltag. Sie ist alltäglich. Ich kenn sie, hab sie erlebt und durchlebt. Und kann darüber lachen. Zumindest über meine eigene. Eben weil ich darüber lachen kann wird es bestenfalls zum Spiel. Ein Advaita-Zombie nimmt sich allerdings in seinen Mantren “Mich gibt’s gar nicht – hier ist keiner” todernst. Tod zu sein ist aber keine ernste Angelegenheit. Zumindest nicht für den Toten… :- )

Subjekt und Objekt… die Betonung liegt auf “und”. Ich bin Subjekt *und* ich bin Objekt. Ich bin nichts davon *und* ich bin beides davon. Ich bin “sowohl dies, als auch das”. Und gleichzeitig bin ich weder dies, noch das.

Hier wird nicht getrennt zwischen “Erscheinung” und “den Raum in dem es erscheint”. Denn kein Objekt ohne Subjekt. Kein Subjekt ohne Objekt. Ich kann nicht sagen, hier wäre kein Subjekt. Und auch nicht, hier wäre ein Subjekt. Gleiches gilt für das Objekt. Beides ist auf mystische Weise verwoben und eins. Gleichzeitig keins. Als wäre es in einem dritten in diesem Universum unbeschreibbaren Seinszustand. Halb so und halb so. Ein Nichts, dass so tut, als würde es existieren. Und da mein ich nicht nur “mich”. Nein, ich spreche hier letztlich vom ganzen Universum. Das zugleich ist, als auch nicht ist. Samsara und Nirvana: Nicht-Zwei. Eins und Keins zugleich. Und nicht dies und nicht das, genannt “neti-neti”. Die Antwort einfach nur Mu!

https://erleuchtung.at/2016/03/nondualitaet

Agape
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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Agape » Sa 15. Aug 2020, 12:22

Ich verstehe nicht, weshalb oben stehendes Zitat Anlass an anderer Stelle gewesen ist, um gelöscht zu werden. Es ist nur eine Sicht auf etwas, das nicht in Stein gemeisselt ist. Weshalb können nicht verschiedene Ansichten nebeneinander existieren?

Ist ein Beitrag aus der Welt geschafft, wenn er gelöscht ist? Wie ist dies mit der nondualistischen Lehre zu vereinbaren? Dort ist doch alles EINS. Auch alle Ansichten sind EINE EINZIGE Ansicht. Oder doch nicht? ;)
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Marsianer
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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Marsianer » Sa 15. Aug 2020, 14:23

Vielleicht wird solche Kritik ja anderswo gelöscht, weil das stimmt, was in dem Zitat bereits unterstellt wird? Ein Advaita-Zombie nimmt sich todernst.
Schrödingers Katze lebt und ist tot zur selben Zeit.

Aber Advaita-Zombies, die leere Formeln vor sich hinbeten, haben das noch nicht kapiert. Sie kennen ja nur die Formeln. Nur eine Seite der Medaille. Meist die, die sie von ihrem Lehrer halt verstanden haben. Mit dem Kopf. Mit dem Verstand. Oder glauben, verstanden zu haben. Das was der Kopf dann draus macht. Als Vorstellung. Die dann davor gestellt ist. Die Sicht versperrt.

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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Agape » Sa 15. Aug 2020, 14:56

Marsianer hat geschrieben:Vielleicht wird solche Kritik ja anderswo gelöscht, weil das stimmt, was in dem Zitat bereits unterstellt wird? Ein Advaita-Zombie nimmt sich todernst.

Dann würde gemäss unten stehendem Zitat alles mehr aus der Perspektive des Verstandes heraus betrachtet werden und die Verbindung zum Herzen würde fehlen. Demnach wäre auch ein Mangel an Liebe, an Sanftmut und an Streben nach Verstehen wollen eines anderen vorhanden.
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Regentropfen
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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Regentropfen » So 16. Aug 2020, 14:28

Was für eine Lehre ist das? Ich habe noch nie davon gehört.

Goldmädchen
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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Goldmädchen » So 16. Aug 2020, 14:53

Hallo .,ich verstehe es auch nicht, warum so ein Beitrag gelöscht wurde. Wahrscheinlich wurde der Artikel nicht einmal durch gelesen, und nur die Überschrift gelesen. Oder es wurde als persönliche Beleidigung empfunden. Man fühlte sich angesprochen. Ob zu unrecht oder zurecht, weiß ich nicht.

Mir gefällt diese Richtung des Yoga oder diese Philosophie. Es steht in Yoga Wiki :

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In der indischen Philosophie steht Advaita für eine nichtdualistische Sichtweise, die auch als Monismus bezeichnet wird. Hier wird im Gegensatz zu dualistischen Anschauungen nur eine letzte Wirklichkeit, ein absolutes Prinzip anerkannt, an dem die gesamte Schöpfung und somit auch jedes Wesen Anteil hat.
Somit gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Gott und Mensch, sondern vielmehr deren Wesensidentität. In den unterschiedlichen Schulen des Advaita werden verschiedene Begriffe für das höchste, transzendenten Prinzip verwendet, die vom (unpersönlich vorgestellten) Brahman bis hin zu Bhairava, einem Aspekt Shivas, reichen   
Mich spricht die Lehre von Shankara
( ein Yogameister ? Zitat : " Shankara (Sanskrit: शङ्कर śaṅkara u. शंकर śaṃ-kara adj. u. m.) Wohlergehen schaffend, wohltätig, Segen (Sham) / Heil bringend; "der Milde", bzw. derjenige der Gutes (Sham) bewirkt (Kara); ein Beiname Rudras und Shivas; auch übersetzbar als "Wohltäter", indischer Gelehrter, Vedanta Philosoph, der Begründer der Advaitavedānta-Tradition, Reformator, Jnana Yoga Meister 788-820 n. Chr." ) mehr an, als die von Ramanunja. Daher werde ich nur die Stellen die von Shankara sind zitieren :
Weiter :

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 Moksha - Befreiung
Die Befreiung aus dem Samsara ist nach Shankara, das vollkommene Eingehen der individuellen Seele in Brahman - aufgrund von Befreiung aus der fälschlichen Annahme, die Seele sei verschieden von Brahman.


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  Der spirituelle Name Advaita
Der spirituelle Name Advaita bedeutet Eines ohne ein Zweites. Vaita heißt Zweiheit und Advaita heißt Nicht-Zweiheit. Advaita ist derjenige, der im ewigen, unteilbaren Bewusstsein verwurzelt ist. Wenn du den Namen Advaita hast, dann weißt du, dass du eins mit allem bist. Es gibt keine Trennung. Es gibt nur Einheit. Sei Dir dieser Einheit immer bewusst. Fühle dich eins mit allen Wesen. Fühle dich eins mit deinem Bewusstsein. Sei dir bewusst, dass hinter aller scheinbarer Dualität, es letztlich nur eine einzige Wirklichkeit bzw. ein einziges kosmisches Bewusstsein gibt.             


Ich war einmal intensiv im ewigen, unteilbaren Bewusstsein. Ich weiß jedoch nicht ob ich mit diesem nun automatisch verwurzelt bin. Ich weiß nicht, ob das nur möglich ist durch Übungen ( Meditation, Bewusstseinsarbeit ). Ich kenne jemanden der ständig von diesem "Alles ist Eins" spricht und meint, er nimmt die Welt so jeden Tag wahr, seit er auf der Welt ist. Bei mir war es nicht seit meiner Geburt so und ich muss zugeben, dass ich mich meistens nicht mit jedem als eins sehe. Sondern es gibt durchaus Mitmenschen, von denen ich mich fern halte und sie eher als anders als mich abstempel. Auch Ängste gibt es manchmal in meinem Leben oder Druck den ich mir selbst mache. Von daher bin ich wohl nicht in diesem unteilbaren Bewusstsein verwurzelt.
Aber ich habe es einmal erkannt, dass es so ist, wie diese Lehre sagt. Das ist das hier ( auch aus dem Artikel von Yoga Wiki ) :

Advaita Vedanta heißt, dass es nur eine höchste Wirklichkeit gibt, ohne ein Zweites. Das heißt, in Wahrheit bist du alles, in Wahrheit ist alles Gott, in Wahrheit ist alles Brahman, es gibt nichts Zweites, alles nur eins.


Ich lebe also nicht so wie Manche die sich immer sagen : Mich gibt es nicht . Oder ich bin nur eine Illusion. Also ist alles unwichtig.
Momentan lebe ich so nicht. Aber eine zeitlang- das war kurz nach diesem Erkennen, da dachte ich schon auch so über die Welt.
Das alles unwichtig sei und es egal ist was ich tue, dass ich im Grunde nur eine Illusion bin. Aber das hatte nicht lange gehalten.
Durch diese Einstellung begab ich mich wissend in einige sehr gefährliche Situationen und auch Leben erschwerende Situationen.
Dem war ich dann aber doch nicht gewachsen, wie ich schnell erkannte. Also so egal war mir mein Leben dann doch nicht, wie ich dachte.

Wobei dieses : " Das ist Ego- und das nicht " und damit Trennung zu erschaffen, so etwas findet man doch nicht hauptsächlich bei Advaita- Anhängern.
Daher ist die Überschrift von dem Autor, der verlinkt und zitiert wurde, übertrieben. Er hat wohl solche Erfahrungen gemacht mit solchen Anhängern, aber er übersah, dass sein Eindruck nicht alle Anhänger wieder geben muss.
Also so ein trennendes Denken, das sehe ich bei fast allen Spirits , egal welcher Lehre sie anhängen. Dieses Trennende bezieht sich bei mir aber mehr auf dieses " Das ist Ego - und das nicht " Denken. Weniger auf dieses : " Ich bin nur eine Illusion, Es gibt keine Materie " oder so etwas.
Oder aus dem Artikel wie der Autor meint : " Dann ist man z.b. “nicht-identifiziert”. Und alles andere ist das Ego. Und dann hamma wieder schön Trennung. Hier das Selbst, dort das Ego. Hier die Stille, dort das Denken. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Wie es der Verstand gelernt hat. Dann halt im Namen von “Spiritualität”. Was ja okay ist. Aber wenns im Namen von Advaita ist, ists peinlich. Beziehungsweise tut einfach weh. Total weh. Solche Dummheit schmerzt regelrecht. "

Sich so aufzuregen, nur weil es im Namen von Advaita geschieht, verstehe ich aber nicht. Es wirkt doch etwas Besserwisserisch. Dann sollte er lieber erklären, was denn die richtige Interpretation wäre. Aber ich verstehe ihn jetzt doch ein wenig. Im Advaita gibt es eben keine Trennung.
Kein gut und kein schlecht. Darum regt es ihn auf. Dass sie es nicht verstehen aber so tun als ob sie es verstanden hätten. Eine nicht dualistische Sichtweise gefällt mir gut. Nur seltsam oder blöd , ist dass ich jemanden kannte, der auch meinte er sehe jeden Tag alles undualistisch, sich aber über alles mögliche aufregt, z.B über die Menschen, wie dumm sie seien. Dabei gehören diese ja dazu. Also dieses todernst nehmen, könnte auch bei ihm zutreffen.

Was ich etwas verwirrend finde bei Yoga, die vielen verschiedenen Schulen, Philosphien, Praktiken.
Hata Yoga hat mich interessiert weil im Artikel aus dem ich zitiert habe stand : "Advaita (Sanskrit: अद्वैत a-dvaita adj. und n.) ohne Dualität (Dvaita), zweitlos, einig; Nichtdualität, Einheit; eine Bezeichnung für den höchsten Zustand im Hatha Yoga."

Dann soll Advaita aber wiederum eine Philosophie sein aus dem Jnana Yoga. Deren Vertreter sind Shankara und Ramanuja.

Dann würde mich noch interessieren, ob Shankara nun dies alles war oder sind damit mehrere Personen gemeint ?
"(..)indischer Gelehrter, Vedanta Philosoph, der Begründer der Advaitavedānta-Tradition, Reformator, Jnana Yoga Meister 788-820 n. Chr. (..)"

Naja, aber wenigstens weiß ich jetzt ein wenig mehr über das Wort Advaita, dank des Themas hier. Und ich finde Yoga und die verschiedenen Richtungen interessant. Danke für die Anregung.

Marsianer
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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Marsianer » So 16. Aug 2020, 15:23

Für mich ist die Frage, was der Punkt dieser Lehre ist. Daher ist auch gerade interesant, wenn jemand Thesen zu dem aufstellt, was er für das "wahre Nondualitätsverständnis" hält.

Was soll das Ganze eigentlich? Ich zitiere mal einen weiteren Autor:
Mein Weg zu einer Wahrnehmung der Non-Dualität begann etwas ungewöhnlich. Ich entdeckte diesen Raum nicht wie viele andere Menschen durch den Besuch von Satsangs, sondern durch einen Lichtnahrungsprozess. Ich lebe seitdem nahrungslos, doch das wahre Geschenk dieses Prozesses ist ein anderes, denn er bereitete Körper und Psyche für eine tiefe Öffnung vor, die mich kurze Zeit später die Identifikation mit der Person Jörg völlig verlieren ließ. Von außen sah das so aus, als läge ich mehrere Tage in einer Art Koma, doch aus meiner Perspektive war ich in der Weite und im Frieden des Kosmos aufgegangen. Nach einiger Zeit gab es die Entscheidungsfreiheit, dort zu bleiben oder wieder ins Alltagsbewusstsein zurück zu kehren. Etwas entschied sich dafür, zurück zu kommen.

Seitdem erlebe ich einerseits die Wahrnehmung aus der Stille des Gewahrseins heraus – eine bewusste Wahrnehmung der Geschehnisse in der Welt, aber auch die bewusste Wahrnehmung sämtlicher Reaktionen auf die Welt in meinem Körper-Nervensystem. In der Folge habe ich fest gestellt, dass – trotz der großen Befreiung vom Ich – nach wie vor bestimmte Reaktionen aufgrund von Mustern durch mein Körper-Geist-System fließen. Diese Schattenanteile haben noch immer die Tendenz, sich auswirken zu wollen, ob Erwachen nun geschehen ist oder nicht. Und in mir lebt der evolutionäre Drang, den Heilungsprozess weiter voran zu treiben. Meine Erfahrung ist, dass dies nur mit bewusster Integrationsarbeit geht, die alle drei Komponenten, Geist, Körper und Herz von den blockierenden Mustern erlöst, um das Erwachen weiter zu vertiefen.

Es gibt so viele Gebetstexte über Nondualität, wie es Menschen gibt, die glauben, aus der Nondualität zu sprechen. Aber mein eigenes Erleben hat mir gezeigt, dass unser Verständnis von Nondualität- wie jedes andere Thema – stark von unseren Schattenanteilen gefärbt werden kann.

Solche ‚Schatten‘ sind vor allem im Körpersystem eingelagerte schmerzhafte oder traumatische Erlebnisse, und die daraus resultierenden konditionierten Reaktionen und Verhaltensweisen die – meist unbewusst – unsere gesamte Interpretation und Wahrnehmungen der Welt beeinflussen – auch nach dem Erwachen.

https://www.sein.de/nondualitaet-und-schattenarbeit

Was wollte mir das wieder sagen? Oft fände ich für die Ausssagekraft sehr bedeuten, wenn die Autoren mal eingehender schildern würden, wie ihr Innenleben denn "vorher" beschaffen gewesen war. Was nun davon ausgehend vergleichend wie anders geworden ist. Das tun aus seltsamen Gründen aber viele Autoren nicht. So muß ich auch hier herumrätseln, was denn mit soeiner Aussage gemeint ist wie der, er sei "von Ich befreit worden". Wozu soll das denn gut sein? :)

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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Agape » So 16. Aug 2020, 16:14

Marsianer hat geschrieben:
"Was wollte mir das wieder sagen? Oft fände ich für die Ausssagekraft sehr bedeuten, wenn die Autoren mal eingehender schildern würden, wie ihr Innenleben denn "vorher" beschaffen gewesen war. Was nun davon ausgehend vergleichend wie anders geworden ist. Das tun aus seltsamen Gründen aber viele Autoren nicht. So muß ich auch hier herumrätseln, was denn mit soeiner Aussage gemeint ist wie der, er sei "von Ich befreit worden". Wozu soll das denn gut sein? :)"

Soweit ich es verstehe, geht es unter anderem auch darum, sowohl Vergangenheit (Schuld) als auch Zukunft (Angst) als "Illusion" zu erkennen und als Wirklichkeit die Gegenwart (das HIER UND JETZT) zu betrachten. Diese Erkenntnis kann im besten Falle dazu führen, dass sich Menschen von Schuld und Angst befreit fühlen, wobei dies nicht bei jedem zutreffen muss. Meines Erachtens sind dazu auch andere innere Prozesse notwendig, und der Weg aus der Finsternis kann nicht allein mittels Verstand (als Beobachter des Geschehens) gefunden werden.

Im Gegensatz zu Advaita, wo ein freier Wille als nicht existent gilt, glaube ich eher daran, dass wir als Seele uns entscheiden können und auch müssen - dass wir also einen freien Willen haben und nicht alles geschehen lassen sollen, wenn wir innerlich fühlen, dass es etwas zu tun gäbe, um Zustände zu verändern, die nicht gut sind - und welche Menschen im Leid festhalten.
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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Marsianer » So 16. Aug 2020, 17:31

Agape hat geschrieben:Advaita, wo ein freier Wille als nicht existent gilt

Beim zweitzitierten Autor liest es sich für mich aber schon irgendwie auch so? Er rät sich ernsthaft einzulassen, wäre das keine Entscheidung, keine Art von Wollen, hier ein Sich-liebend-Stellen-Wollen?
Noch intensiver wird es in einer nahen Paar-Beziehung. Was wir im scheinbaren Außen erleben, ist nur das Spiegelbild unserer inneren Beziehung. Lassen wir uns mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit – ohne fest zu glauben – auf die Beziehung im Außen ein, können unsere Schatten wirken und sogar auch kollabieren. Dabei entsteht die Möglichkeit, sie als Schatten zu erkennen und liebevoll anzunehmen.

Um so mehr eine Paar-Beziehung auf Wahrheit, Freiheit und der Wahrnehmung des Lebens ausgerichtet ist, um so mehr können die Schatten gesehen und dann geheilt werden. Ich kann dann wahrnehmen und erforschen, was sich zeigt und alles so lange da sein lassen, bis es im Körpernervensystem verbrannt ist. In diesem Schein der Dualität kann die Nondualität erkannt werden.

Wenn wir uns in der Welt der Dualität befinden, ist alles, was wir sagen, eine Mischung aus Intuition, Verstand, Gedanken, unseren Schatten und der wahrnehmenden Umwelt – der Geist ist so komplex, dass wir ihn wohl nie ganz entschlüsseln werden. Die stärkste Bremse, um in Liebe zu sein, sind jedoch unsere Schatten. Sie beeinflussen alles – auch obwohl wir geistig erwacht sind. Die Schatten dürfen verbrennen, indem wir sie erkennen, sie zeigen und liebevoll ausspüren. Dies ist der wichtigste und notwendigste Prozess, um wirklich heil und frei zu sein. In diesem Verbrennen erkenne ich den Schein der Dualität und gleichzeitig das Einssein mit Allem, die Nondualität.

Das was im letzten Satz beschrieben wird, wirkt auf mich noch wie "Illusionen" der Art einer Prägung, etwas das laut der vorangegangenen Beschreibung liebender Begegnung gewissermaßen entgegensteht. "Verbrennenlassen" würde dann einem Nichtfliehen, nicht zu Gewalt greifen bestehen, soweit ich es verstehe. Das macht auf mich durchaus Sinn. Sich ernsthaft einlassen, Begegnung stattfinden zu lassen, finde ich gut. Aber solche "Schatten" bedingen ja nicht sämtliche Ereignisse, die gegenüber einem Menschen geschehen. Wenn andere gegenüber uns gewalttätig werden, wäre das dann immer Folge eines "Schattens" von uns her?

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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Regentropfen » So 16. Aug 2020, 17:59

In meinem Lexikon der östlichen Weisheitslehre steht unter Advaita: "Nicht-Zweiheit"; ein Zustand, der nur Gott oder dem Absoluten zugeschrieben werden kann; er ist dem Verstand nicht zugänglich, da das ego-gebundene Denken des Wachzustandes aus der Dualität der Subjekt-Objekt-Beziehung nicht herauszutreten vermag. Der Begriff bekommt für den Westen Bedeutung durch die neuesten Erkenntnisse der Atomphysik."

Ist damit Non-Dualität gemeint?

https://www.youtube.com/watch?v=XAw74kZYpCI

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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Agape » So 16. Aug 2020, 19:17

Marsianer hat geschrieben:
Beim zweitzitierten Autor liest es sich für mich aber schon irgendwie auch so? Er rät sich ernsthaft einzulassen, wäre das keine Entscheidung, keine Art von Wollen, hier ein Sich-liebend-Stellen-Wollen?

Ich denke, wie in jeder Lehre gibt es radikalere und weniger radikale Formen des Verständnisses. Ich selbst befasste mich eine Weile lang mit Advaita, wo es darum ging, dass es ein "ICH" gar nicht gibt. Wer soll dann etwas entscheiden/tun? Es wurde alles bereits entschieden und getan und "ich" habe gar keine Möglichkeit, etwas anderes zu tun/entscheiden, als schon geschehen ist. Ich kann also tun und lassen was ich will - denn es wird nichts geschehen, das nicht ohnehin geschehen soll. Soll es nicht geschehen, so wird es auch nicht geschehen. "Ich" bin also nur Zuschauer eines Filmes, der sich auf der Leinwand abspielt.
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Re: Advaita-Zombies

Beitragvon Marsianer » So 16. Aug 2020, 20:46

Wozu sollte jemand etwas lehren, wenn niemand sich entscheiden kann, ob nun irgendein "Ich" oder sonstwas?


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