Heutzutage spricht man auch kaum mehr von Leutseligkeit, höchstens noch bei einem Politiker, vielleicht auch noch bei einem Firmenchef. So könnte man Leutseligkeit anders interpretieren. Leutseligkeit heißt, Freude zu haben, im Umgang mit anderen Menschen, auch mit Menschen, die man nicht so gut kennt.
Leutseligkeit haben in diesem Sinne, mehr die extravertierten Menschen, denen es ganz natürlich ist, auf andere zuzurennen, mit ihnen zu sprechen und Spaß zu haben, Freude zu haben und sich auszutauschen, sich vorzustellen, lebendig zu sein.
Die mehr introvertierten Menschen, die haben dort etwas mehr Schwierigkeiten, die sind mehr etwas für sich, sie lieben es eher, auch sich zurückzuziehen, sie brauchen ihre Ruhe. Lieber mit wenigen Menschen tiefere Beziehungen, als mit vielen Menschen immer wieder wechselnde Beziehungen.
Introvertierte Menschen lieben es auch mehr, vor fünfzig, oder hundert Menschen einen Vortrag zu halten, als irgendein Empfang mit unbekannten Menschen, wo man versuchen soll, mit zehn, zwanzig, oder noch schlimmer, dreißig, vierzig, fünfzig Menschen, Kontakt aufzunehmen. Ihm mangelt es an dieser Leutseligkeit.
Aber eine gewisse Leutseligkeit kann man sich auch antrainieren. Patanjali, der Autor des Yoga Sutra, empfiehlt im dritten Kapitel des Yoga Sutra für Menschen, die selbst nicht so leutselig sind, die Technik, sich einfach auf andere Menschen zu konzentrieren.
Also, wenn du in einer Situation bist, wo es darum geht, mit anderen zu sprechen, sie kennenzulernen, aber du bist schüchtern, dir fällt es schwer und du hast jetzt auch gerade nicht die Energie und die Lust, jetzt das Angelernte irgendwo abzuspulen, das könntest du ja auch. Du könntest ja dir vornehmen: "Ich werde den Menschen so und so ansprechen." Du kannst zehn verschiedene Gesprächsbeginne auswendig lernen, du kannst das trainieren, du kannst das laut trainieren, du kannst das vor dem Spiegel trainieren, du kannst das vor deinem Partner trainieren usw.
Also, man kann das trainieren, mit Leuten Kontakt aufzunehmen. Wenn du das trainiert hast, ohne dass Menschen dabei sind, dann tue es. Aber angenommen, du magst das jetzt nicht, die Technik wäre, schaue einen anderen Menschen an, interessiere dich für ihn, spüre ihn vom Herzen, lächle ihm zu, nicke ihm zu und schaue ihn an.
Und angenommen, das ist auch ein Introvertierter wie du, dann ist er froh, dass er nicht angesprochen wird und empfindet dich als einen tiefsinnigen Menschen und behält dich in guter Erinnerung. Angenommen, es ist ein extravertierter Mensch, der wird auf dich zu rennen und diese Einladung des Lächelns nehmen und du brauchst nicht auf ihn zuzugehen.
Also, wenn du nicht leutselig bist, erlaube es anderen Menschen, die Leutseligkeit haben, den ersten Schritt zu machen. Und das erlaubst du, indem du sie anschaust, indem du ihnen zulächelst und indem du Interesse für sie hast, auch indem du fragst, indem du nachhakst. Wenn du nicht so gerne über dich sprichst, dann lasse den anderen sprechen. Gerade die Darsteller, die freuen sich, wenn andere sich für sie interessieren und sie finden gerade die Menschen dann besonders toll, die sie toll finden.
Daher, - Leutseligkeit kannst du bis zu einem gewissen Grade trainieren, du musst es aber auch nicht, aber Interesse am anderen, Lächeln, Augenkontakt, Herz-zu-Herz-Verbindung und ehrliches Interesse, über andere Menschen lernen zu wollen, das hilft, Verbindungen herzustellen und so die Leutseligkeit in anderen sprechen zu lassen, oder bei den Menschen, die auch nicht leutselig sind, einfach nur ein positives Gefühl zu kultivieren.
Das waren jetzt einige Gedanken zur Eigenschaft "Leutseligkeit". Ich war ja bei einem Meister namens Swami Vishnudevananda, der hatte diese Leutseligkeit. Swami Vishnudevananda konnte ganz einsam für sich sein, ganz ruhig sein, der konnte auch monatelang nichts sprechen, aber er konnte auch sehr leutselig sein.
Wenn er z.B. mal im Taxi gefahren ist, da hat er sofort ein Gespräch mit dem Taxifahrer begonnen. Wenn er irgendwo nach einem Satsang war und sich nicht gleich zurückgezogen hat, hat er jeden angesprochen. Wenn er irgendwo ankam und wir waren zu zehnt oder zu zwanzigst, dann haben wir ihn immer am Flughafen abgeholt, er hat mit jedem ein nettes Wort gehabt, mit jedem gesprochen, zu jedem gelächelt, er hatte diese Leutseligkeit gehabt.
https://wiki.yoga-vidya.de/Leutseligkeit
schaue einen anderen Menschen an, interessiere dich für ihn, spüre ihn vom Herzen
Gerade die Darsteller, die freuen sich, wenn andere sich für sie interessieren
Hm, ja. Wäre es demnach "leutselig" andere zuzutexten? Oder wäre es leutselig andere zu spüren, auch tatsächlich zu verstehen, auf das einzugehen, was sie interessiert und bewegt?