Gebet verbindet?

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Marsianer
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Gebet verbindet?

Beitragvon Marsianer » Fr 24. Apr 2026, 06:47

Hier soll es nicht um irgendwelche körperlichen Haltungen und so weiter gehen (oft bestenfalls ein trockener Versuch in Kontakt zu gelangen), die viele wohl mit dem Begriff "Gebet" verbinden, sondern um tatsächlich wirkendes Gebet.

"Beichtet einander eure Sünden (ἁμαρτίας) und betet füreinander, daß euch Heil widerfahre; das Gebet des Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist." Jak 5,16

Wie wirkt also z.B. solches "ernstliche Gebet eijnes Gerechten"? Auf welchem Weg widerfährt anderen Heil? Laut Beschreibungen nehmen ja "Sühneseelen" sozusagen Leiden für andere oder von anderen auf sich ( viewtopic.php?f=2&t=327 ). Werden dabei quasi (nur situative und dann wieder zerfallende? dauerhaftere?) "energetische" Verbindungen, irgendwelche Bande zwischen Seelen hergestellt? Oder geschieht Gebet rein in Beziehung zu Gott, woraus dann quast eher Gott oder die "lichte Schöpfung" zu wirken beginnen würde, statt der einzelne Betende?

Was versucht z.B. die heilige Faustyna in ihrem Tagebuch da zu umreißen?

Randnummer 768 hat geschrieben:Eine Seele, die mit Gott in solcher Weise verbunden ist, erkennt leicht eine ähnliche Seele, auch wenn diese ihr Inneres nicht enthüllt und nur ein gewöhnliches Gespräch führt; es ist eine Art geistiger Verwandtschaft. Es gibt nicht viele Seelen, die auf diese Weise mit Gott verbunden sind, weniger als wir vermuten.

Randnummer 516 hat geschrieben:Am selben Tag, als ich mich zur Ruhe begeben hatte, kam nachts eine Seele zu mir, klopfte an das Schränkchen, weckte mich dadurch und bat um Gebet. Ich wollte sie fragen, wer sie sei, doch ich zügelte meine Neugierde, verband diese kleine Abtötung mit meinem Gebet und opferte beides für sie auf.

Randnummer 828 hat geschrieben:Heute Abend erkannte ich, dass eine gewisse Seele mein Gebet benötigt. Ich betete inbrünstig, doch fühlte ich, dass es zu wenig war. Also verharrte ich länger im Gebet. Am nächsten Tag erfuhr ich, dass um diese Stunde das Sterben einer Person begann und sich bis zum Morgen hinzog. Ich erkannte, welch schwere Kämpfe diese Seele hatte. Auf sonderbare Weise lässt der Herr mich wissen, wenn eine Seele im Todeskampf meines Gebetes bedarf. Ich spüre den Geist, der mich um Gebet bittet, lebhaft und deutlich. Ich wusste nicht, dass eine solche Verbindung zu den Seelen besteht. Oft sagt es mir mein Schutzengel.

Randnummer 971 hat geschrieben:Kontakt mit Sterbenden. Sie bitten mich ums Gebet; ich kann beten, denn eigentümlicherweise gibt der Herr mir den Geist des Gebetes. Ich bin ständig mit Ihm verbunden; in der ganzen Fülle spüre ich, dass ich für die Seelen lebe, um sie zu Deiner Barmherzigkeit, o Herr, zu führen.

1419 Heute nächtliche Anbetung. Wegen meiner schwachen Gesundheit konnte ich an ihr nicht teilnehmen, aber bevor ich einschlief, verband ich mich mit den betenden Schwestern. Zwischen vier und fünf Uhr wurde ich plötzlich geweckt. Ich hörte die Stimme, dass ich mit den Personen, die jtzt beten, an der Anbetung teilnehmen solle.
1420 Ich erkannte, dass eine Seele dabei ist, die für mich betet. Als ich mich ins Gebet vertiefte, wurde ich im Geiste in die Kapelle entrückt und ich sah Jesus in der Monstranz ausgesetzt. Anstelle der Monstranz erblickte ich das rühmliche Antlitz des Herrn, das zu mir sagte: >Was du wirklich siehst, sehen diese Seelen durch den Glauben. Wie lieb ist Mir ihr starker Glaube! Siehst du, auch wenn in Mir vermeintlich keine Spur von Leben ist, in Wirklichkeit ist es in seiner ganzen Fülle in jeder einzelnen Hostie enthalten. Aber damit ich in der Seele wirken kann, muss sie den Glauben haben. O wie lieb ist mir der lebendige Glaube!<

Randnummer 1542 hat geschrieben:[Jesus:] Sogar unter den Schwestern im Kloster wirst du dich einsam fühlen, doch dann wisse, dass Ich eine engere Verbundenheit mit dir wünsche. Mir ist es an jeder Regung deines Herzens gelegen. Jede Regung deiner Liebe spiegelt sich in Meinem Herzen wider. Mich verlangt es nach Deiner Liebe.

Randnummer 1595 hat geschrieben:Ein Wort der mit Gott verbundenen Seele bewirkt bei anderen mehr Gutes als beredsame Abhandlungen und Predigten einer unvollkommenen Seele.

Randnummer 1619 hat geschrieben:Meine körperlichen Leiden verstärkten sich. Ich verband sie inniger mit dem leidenden Erlöser und bat Ihn um Barmherzigkeit für die ganze Welt, die in ihrer Bosheit wütet.

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Re: Gebet verbindet?

Beitragvon Marsianer » Mo 4. Mai 2026, 13:54

Heilige Therese von Lisieux, Selbstbiographie, Johannes-Verlag 2009 (1. Auflage 1958), Handschrift C (An Mutter Marie de Gonzague), Zweiter Teil, S. 269-273 hat geschrieben:Seitdem ich zwei Brüder habe [es war offenbar üblich, daß werdende Priester ein Kloster anschrieben, damit dort ein Ordensmitglied für sie beten soll und andersherum der Priester diesem Ordensmitglied besonders gedenke - Therese bekam zwei Priester zugeteilt, die als Missionare in ferne Länder gingen] und meine kleinen Schwestern, die Novizinnen [Therese war die Aufgabe zugeteilt worden, sich sozusagen um die jeweiligen Novizinnen des Klosters zu kümmern], wären meine Tage zu kurz, wollte ich für jede Seele erbitten, wessen sie bedarf, und dies im einzelnen darlegen, und ich müßte sehr befürchten, etwas Wichtiges zu vergessen. Einfache Seelen bedürfen keiner umständlichen Mittel; da ich zu diesen zähle, gab mir Jesus eines Morgens bei der Danksagung ein einfaches Mittel, meine Sendung zu erfüllen. Er ließ mich das Wort des Hohenliedes verstehen: "Ziehe mich an dich, wir werden eilen nach dem Duft deiner Wohlgerüche." O Jesus, es ist also nicht einmal nötig zu sagen: "Indem du mich an dich ziehst, ziehe auch die Seelen, die ich liebe, an dich!" Dieses schlichte Wort "Ziehe mich an dich" genügt. Herr, ich begreife es, wenn eine Seele sich vom berauschenden Duft deines Wohlgeruchs bannen ließ, kann sie nicht einsam eilen: alle Seelen, die sie liebt, zieht sie hinter sich her; dies geschieht ohne Zwang, ohne Anstrengung, es ist eine natürliche Folge ihres Hingezogenseins zu dir. Wie ein Sturzbach, der sich mit Ungestüm in den Ozean wirft, alles, was ihm unterwegs begegnet, mit sich schwemmt, so, o mein Jesus, zieht die Seele, die in den uferlosen Ozean deiner Liebe eintaucht, alles Kostbare mit sich, das sie besitzt... Herr, du weißt es, ich habe keine anderen Schätze als die Seelen, die es dir gefallen hat, der meinigen zu einen; du hast sie mir anvertraut, diese Schätze, darum wage ich es, mit den Worten zu reden, die du an den himmlischen Vater gerichtet hast, am letzten Abend, der dich sterblich und pilgernd auf Erden erblickte. [...]
Doch, Herr, wenn ich sage, dort, wo ich sein werde, möchten auch jene sein, die du mir gegeben hast, will ich damit nicht behaupten, sie könnten nicht zu einer weit höheren Ehre gelangen, als es dir gefallen wird, mir zu verleihen; ich möchte bloß erbitten, daß wir eines Tages alle vereint sein werden in deinem schönen Himmel. [...] darum wage ich dich zu bitten, jene, die du mir gegeben hast, so zu lieben, wie du mich selber geliebt hast. Wenn ich dereinst im Himmel entdecken sollte, daß du sie mehr liebst als mich, so will ich mich darüber freuen, und ich anerkenne schon jetzt, daß diese Seelen deine Liebe weit mehr verdienen als die meine; [...]
Was bedeutet denn die Bitte, Angezogen zu werden anderes, als sich aufs innigste mit dem Gegenstand vereinen zu wollen, der das Herz in Bann schlägt? Wenn Feuer und Eisen vernunftsbegabt wären, und dieses zu jenem sagte: Ziehe mich an, bewiese das nicht, daß es mit dem Feuer so eins sein möchte, daß dieses es durchdringe und durchtränke mit seiner brennenden Substanz und nur mehr eins scheine mit ihm. [...] Ich fühl es, je mehr das Feuer der Liebe mein Herz durchglüht, je mehr ich zu sagen vermag: Ziehe mich an dich, um so mehr werden auch die Seelen, die sich mir nahen werden (einem armseligen, unnützen Stückchen Eisen, sobald ich mich vom göttlichen Glutofen entfernte), mit Geschwindigkeit dem Duft der Wohlgerüche ihres Viel-Geliebten nacheilen denn eine von Liebe entflammte Seele kann nicht untätig bleiben; [...]


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