Meditationsziele und körperliches Beisammensein

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Marsianer
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Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Marsianer » So 4. Okt 2020, 08:35

Mancher könnte meinen Meditation habe immer zum Ziel sich von "nötiger" Körperlichkeit mehr zu lösen, deren unbedeutende Rolle zu erkennen. Und dann kann man mitunter soetwas lesen (hier buddhistische Ecke):
EIAB hat geschrieben:Im Besonderen lernen die KursteilnehmerInnen die buddhistischen Lehren anzuwenden, um Stress und Schmerz zu vermindern; um tief zu schauen, damit sie das Leiden in sich oder um sich herum verstehen; um schmerzhafte Gefühle und seelisches Leiden durch erkennende Einsicht zu transformieren; um mitfühlendes Zuhören und eine achtsame Sprache zu verwenden; um Verständnis zu schaffen zwischen Individuen aber auch zwischen Gruppen, die sich im Konflikt befinden; und um innewohnende Freude, Frieden und Weisheit in jeder Person zu stärken – Eigenschaften also, die immens wichtig sind für eine kollektive Transformation.

Die DharmalehrerInnen des EIAB vermitteln ihr Verständnis und ihre Erfahrung nicht alleine durch Worte, sondern – und wichtiger – durch ihre Präsenz und die Art und Weise, wie sie im Leben stehen und handeln. Die KursteilnehmerInnen im EIAB leben zusammen mit der Gemeinschaft der Mönche und Nonnen und profitieren so direkt von der kollektiven Energie aus Achtsamkeit und Konzentration. Umfangen zu sein von einer harmonischen Gemeinschaft – das ist die beste Unterstützung für alle, die Achtsamkeit in ihrem täglichen Leben verankern möchten.

https://www.eiab.eu/ueber-uns
Gemeinschaftlich zu leben ist ebenfalls eine Form unserer Praxis. In unserem Praxis-Zentrum haben wir die einzigartige Möglichkeit, mit Freunden aus vielen verschiedenen Ländern mit ganz unterschiedlichem persönlichem Hintergrund nahe zusammen zu leben. Verbunden durch die Praxis der Achtsamkeit formen wir zusammen einen Sangha-Körper. Mit unserer kollektiven Energie der Ruhe und des Tiefen Schauens ist es uns möglich, einander auf dem Pfad der Transformation zu unterstützen. Dies verlangt von uns Kooperation, Geschicklichkeit und Annahme. Um miteinander zu leben, müssen wir Verstehen, Kommunikation und ein empfängliches Herz kultivieren. Wir möchten uns Zeit nehmen, die Menschen um uns herum kennen zu lernen. Wir haben unsere Nachbarn so lange missachtet.

Während wir unser Alltagsleben miteinander teilen, können wir einander mit unserer Praxis ermutigen und auf diese Weise Sorgfalt und Stabilität erschaffen. Mit anderen Menschen einen Raum zu teilen, eröffnet uns die Möglichkeit, Verstehen und Mitgefühl für uns selbst und für diejenigen, mit denen wir zusammen leben, zu entwickeln. Indem wir den Menschen, mit denen wir einen Raum teilen, in Achtsamkeit begegnen, lernen wir ihre positiven Qualitäten erkennen und schätzen und schaffen so eine harmonische Atmosphäre. Wir wissen, dass wir selbst , wenn die andere Person glücklich ist, ebenfalls glücklich sind.

https://www.eiab.eu/index.php?index=67
Jeder, der zu uns kommt, ist ein Mitglied der Sangha. Selbst wenn wir nur für einen Wochenendkurs in das EIAB kommen, kann unsere Präsenz und Praxis zur Lebendigkeit und Harmonie der Sangha beitragen.

Ein großer Teil des Leidens in unserer Gesellschaft erwächst aus dem Gefühl, voneinander abgetrennt zu sein. Oft vermissen wir das Gefühl einer wirklichen Verbindung zu den Menschen, in deren Nähe wir leben, zu unseren Nachbarn, unseren Kolleginnen, und sogar zu den Mitgliedern unserer Familie. Jede Person lebt allein, getrennt von der Unterstützung durch die Gemeinschaft.

Das Zusammensein in der Sangha kann diese Gefühle der Isolation und Trennung heilen. Wir praktizieren gemeinsam, teilen ein Zimmer miteinander, essen Seite an Seite und spülen miteinander die Kochtöpfe. Allein schon durch die gemeinsame Teilnahme an den Alltagsaktivitäten können wir ein wirkliches Gefühl der Liebe und Akzeptanz erfahren.

https://www.eiab.eu/index.php?index=53

Wie ist das nun zu verstehen? Wird nach dieser Lehre nur derjenige als Teil dieses "Sangha-Körpers" betrachtet, der irgendwo körperlich vor Ort ist? Wie ich übrigens lese veranstaltet dieses Zentrum derzeit auch online. Wird z.B. "Präsenz" als etwas angesehen, das immer mit körperlicher Nähe zu tun hat?

Goldmädchen
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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Goldmädchen » So 4. Okt 2020, 11:00

Marsianer hat geschrieben:Wie ist das nun zu verstehen? Wird nach dieser Lehre nur derjenige als Teil dieses "Sangha-Körpers" betrachtet, der irgendwo körperlich vor Ort ist? Wie ich übrigens lese veranstaltet dieses Zentrum derzeit auch online. Wird z.B. "Präsenz" als etwas angesehen, das immer mit körperlicher Nähe zu tun hat?


Also ich denke schon, dass es immer mit körperlicher Nähe angesehen wird. Es geht um das nahe ( körperliche ) zusammen sein und im Alltag fast alles zusammen zu machen.

Marsianer
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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Marsianer » So 4. Okt 2020, 12:15

Ich zitiere nochmal was aus einer anderen buddhistischen Ecke.
Aturugirye Sri Gnanawimala Maha Thero hat geschrieben:Der Ausdruck "geistige Freiheit", der eine tiefe Bedeutung hat, steht in einem gewissen Zusammenhang mit den Begriffen "Muße" oder "Abgeschiedenheit". Stellen wir uns vor, jemand trennt sich für kurze Zeit von den Menschen, mit welchen er normalerweise zusammenlebt, und verweilt irgendwo ohne die geringste Beschäftigung. Manche gehen auf der Suche nach "Muße" an besondere Plätze. Sie essen, trinken und amüsieren sich; aber das ist keine "Muße", denn solche Menschen folgen nur einem anderen Programm von Aktivitäten, nachdem sie die früher praktizierte Routine abgelegt haben. Diese Art von Veränderung der eigenen Lebensweise ist dem Verhalten jenes Mannes ähnlich, der Alkohol oder Salzwasser trinkt, um seinen Durst zu löschen. Wirkliche "Muße" jedoch besteht in einem bestimmten Zustand des Geistes.

Was ist nun der "Geist"? Wir sollten hier eine genaue und klare Vorstellung von dem gewinnen, was wir als "Geist" bezeichnen. Gemäß der Lehre des Buddha wird ein Lebewesen durch das Zusammenwirken psychischer und physischer Erscheinungen gebildet, die den fünf Bereichen (khanda) Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, geistige Gestaltung und Bewußtsein angehören. Die letzten vier, also Gefühl, Wahrnehmung, geistige Gestaltung und Bewusstsein, können als Einheit unter der Bezeichnung "Geist" zusammengefasst werden. Hierunter dürfen wir jedoch nichts Substantielles, Bleibendes verstehen, da es sich um einen Prozess handelt, der unaufhörlichen Veränderungen unterliegt.

Zum Zwecke unserer Untersuchung kann zwischen aktivem und passivem "Geist" unterschieden werden. Der aktive "Geist" ist gekennzeichnet durch das Zusammenspiel von Empfindungen, Wahrnehmungen und geistigen Gestaltungen. Die Aktivität setzt in dem Moment ein, wenn Sinnesorgan, Sinnesobjekt und Bewusstsein zusammenwirken, so dass ein Wahrnehmungsvorgang entsteht. Nehmen wir zum Beispiel das Hören, das in dem Moment einsetzt, wenn ein Ton an unser Trommelfell gelangt und dabei auch das Bewusstsein zugegen ist. Gleich von Anfang an ist dieser Hörvorgang gefühlsmäßig beeinflusst. Der gehörte Ton wird als ein bestimmtes Objekt mit diesen oder jenen Eigenschaften ausgemacht, was wir Wahrnehmung nennen. Schließlich ordnen wir das Gehörte in unser Weltbild ein und reagieren darauf - in der Regel mit Zu- oder Abneigung. Das ist geistiges Gestalten. Ausgehend von jenem Augenblick, in dem sich bedingt durch das Zusammenwirken von Sinnesorgan, Sinnesobjekt und Bewusstsein ein wenn auch noch so schwaches Gefühl in uns erhebt, haben wir eine stetige Zunahme von geistiger Aktivität innerhalb des Wahrnehmungsvorganges zu verzeichnen. Als passiver "Geist" wird demgegenüber jener Zustand bezeichnet, der bei Bewusstlosigkeit oder im Tiefschlaf vorherrscht.

Die wahre Muße, nun, ist mit dem aktiven Geist verknüpft, in welchem Gefühle, Wahrnehmungen und geistige Gestaltungen zugegen sind. Muße, wie wir sie verstehen, darf nicht einfach eine andere Form gewöhnlicher Aktivitäten oder ein Ersatz für diese sein, sie darf nicht etwa nur ein neuer Weg sein, auf dem man den gewohnten Methoden sinnlicher Befriedigung Genüge tut. Jene Beschaffenheit des Geistes, die wirkliche Muße beinhaltet, nennt man "geistige Ruhe". Der Ausdruck "geistige Freiheit" umfasst jedoch eine noch tiefere Bedeutung als "geistige Ruhe".

Viele Menschen kämpfen um politische Freiheit und sind sogar bereit, ihr Leben für dieses Ziel zu opfern. Und es ist wahr, dass politische Freiheit überaus notwendig ist. Aber wenn wir geistig versklavt sind, dann wird auch die politische Freiheit wertlos. Um geistige Freiheit zu erreichen, braucht man nicht gegen irgend jemanden zu kämpfen. Der Kampf soll vielmehr dort ausgetragen werden, wo es um das eigene Anhaften an falsche Vorstellungen geht. Der Ort, an welchem der Kampf geführt wird, liegt also in einem selbst. Und wir können dann geistige Freiheit erringen, wenn wir in der Lage sind, den aktiven Geist zu einem willigen Diener unter unserem Kommando zu machen. Hierzu müssen wir keinen Krieg außerhalb von uns selbst führen. Es ist nur notwendig, entschlossen gegen die eigenen unklaren Vorstellungen und Antriebe anzugehen. Dies ist in erster Linie eine innere Angelegenheit, keine äußere. Der Geist eines Menschen, der sich von falschen Vorstellungen befreit hat, ist durch dringend und voller Erkenntnisfähigkeit Diese Weisheit, die die Dinge so sieht wie sie wirklich sind, heißt "Klarblick" (vipassan*). Sie ist ruhig, still und frei von Hindernissen, frei von Verwirrung Befreiung bedeutet, diese Einsicht zu besitzen.

Solange wir unseren Geist von jenen Kräften, die uns ein verzerrtes Bild von der Welt vermitteln, noch nicht befreit haben, sind wir nicht in der Lage, den Lebensprozess so zu sehen, wie er ist. Wir brauchen eine tiefe, wirklichkeitsgemäße Einsicht in die Vorgänge des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, Tastens und natürlich auch in den Ablauf des geistigen Wahrnehmens, durch den solche Objekte wie Gedanken oder Vorstellungen erfasst werden. Denn aus diesen sechs Bewusstwerdevorgängen besteht unser Leben, darin spielt es sich ab. Verschiedene Formen des Anhaftens und eine ganze Reihe von Vorurteilen halten uns jedoch von einer realistischen Sicht der Dinge ab, wie zum Beispiel unser Hängen an Traditionen. Obwohl einige der traditionellen Sitten und Verhaltensweisen nicht mehr zeitgemäß sind, denken viele Menschen, dass diese alten Normen bewahrt werden müssten, weil sie ein Teil der eigenen Überlieferung sind. Hier können wir erkennen, wie weit unsere Einstellungen und Verhaltensweisen durch das Haften an Traditionen und Gewohnheiten gefesselt sind. Ein versklavter Geist ist so trübe und dunkel, dass die Strahlen des Lichtes, welche die Dinge so erscheinen lässt, wie sie tatsächlich sind, ihn nicht erreichen. Wir müssen uns deshalb von allen Dogmen und falschen Vorstellungen frei machen.

Es gibt eine große Anzahl von Fehlhaltungen, die die Freiheit des menschlichen Geistes erschüttern und ihn gefangen halten. Eine von ihnen ist die Angst, die aus den Tiefen des menschlichen Bewusstseins kommt. Die Angst beeinflusst unser Denken und Fühlen, und die von ihr geprägten geistigen Haltungen (wie zum Beispiel das Sicherheitsdenken) binden uns an Traditionen, Sitten, Gewohnheiten und Rituale, manchmal sogar gegen unsere eigene bessere Einsicht in die wirkliche Natur des Daseins.

Um unser Denken, das durch die verschiedenen Formen von Dogma und Spekulation gefangen gehalten wird, zu befreien, müssen wir den Weg geistiger Übungen beschreiten, welcher ein genaues Kennenlernen unserer eigen psychischen Phänomene beinhaltet. Dabei sollen wir durch wiederholtes Üben lernen, mit unseren Geisteszuständen und Emotionen bekannter zu werden und mit ihnen in der rechten Weise umzugehen. Diese Arbeit an uns selbst wird als Geistesentfaltung oder Meditation (bh*vana) bezeichnet. Man könnte meinen, dass Meditation "denken" bedeutet, "spekulieren" oder "Konzentration des Geistes", individuell oder kollektiv. So verhält es sich je doch nicht. Denn das Denken ist eine Sache und die Meditation eine andere. Die wirkliche Geistesentfaltung besteht im Üben von Achtsamkeit und Bewusstseinsklarheit in Bezug auf das, was sich gegenwärtig ereignet. Wir lernen dabei mit den eigenen körperlichen und geistigen Aktionen und Reaktionen so umzugehen, dass sie nicht ohne unsere bewusste Hinwendung in Erscheinung treten können. Das Ergebnis einer so betriebenen Geistesentfaltung ist geistige Freiheit.

Die ‘Lehrrede von den Grundlagen der Achtsamkeit’ (Satipatth*na Sutta), die den buddhistischen Meditationsweg zum Inhalt hat, gibt vier Meditationsbereiche an. Sie werden als die ‘Vier Grundlagen der Achtsamkeit’ bezeichnet.

Es sind dies Körper, Gefühle, Geisteszustände und Geistesobjekte. Derjenige, der Meditation zu üben gedenkt, soll einen Ort wählen, der nach Möglichkeit frei von Störungen ist und sich dort mit gekreuzten Beinen (oder in einer anderen Haltung) und aufrechtem Körper niederlassen. Sodann möge er sich um Abstand voll der Vorstellung eines ‘Ich’ oder ‘Mein’ oder einer ‘Persönlichkeit’ bemühen, indem er seinen Körper als eine Anhäufung von Materie betrachtet und seinen Geist als das Zusammenwirken von Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedankentätigkeit und Bewusstsein.

http://www.palikanon.de/diverses/vpgrshrt.html

Marsianer
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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Marsianer » So 4. Okt 2020, 12:44

Das spricht soweit ich es auffasse dafür, daß "Sangha" nicht unbedingt an körperliches Beisammensein gebunden gesehen wird.
Im weiteren Sinne umfasst Sangha die gesamte buddhistische Gemeinschaft, Geweihte und Ungeweihte, die selbst ernannten Religiösen, sowie sogenannte Laienanhänger, alloe sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechts. Dies ist auch unter dem Begriff "Maha Sangha" oder Große Versammlung bekannt.

https://wiki.yoga-vidya.de/Sangha

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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Marsianer » Mo 5. Okt 2020, 12:41

Das Fundament ist die „Achtsamkeit“, die hier in die buddhistische Geistesschulung und Ethik eingebettet ist. Sie bringt uns in den Moment, in das „Hier und Jetzt“ und macht uns deutlich, was in uns und um uns herum da ist.

So wollen wir beobachten und erfahren, wie wir aus unserem konditionierten, ich-zentrierten Geist heraus mit konditionierten Denk- und Verhaltensmustern auf die Situationen in unserem Leben reagieren. Durch die Praxis der Achtsamkeit entwickeln wir die geistige Stärke, zurückzutreten, nicht automatisch zu reagieren und uns so Raum zu geben für neues Denken und Handeln.

So berühren wir die allen Menschen innewohnenden spirituellen Geistesqualitäten und können ihnen den Raum zur Entfaltung geben.

Durch die Einsicht in das „Intersein“, der Tatsache, dass alles im Leben miteinander verbunden ist und sich gegenseitig bedingt, wollen wir erkennen, dass jeder von uns ein integriertes und zugleich gestaltendes Element eines dynamischen Ganzen ist.

https://www.intersein-zentrum.de/ueber_ ... egen2.html

"Integriert und zugleich gestaltend", interessant.

Im längeren Zitat oben wurde dem Meditierenden geraten seinen Körper als eine Anhäufung von Materie zu betrachten, was ja von einer Distanz zeugt. Aber auch der eigene Geist (Zusammenwirken von Empfindungen, Wahrnehmungen, Gedankentätigkeit und Bewusstsein) wird da mit aufgereiht. Wie wird er eingeordnet? Als etwas, das vergleichbar mit dem Körper ist, weil das auch nicht gleichbedeutend mit dem "wirklichen Sein" wäre? Oder als etwas, das wir schon eher sind, als der Körper, auch wenn dieses "Innere" in schlechtem Zustand befindlich sein könnte?

Alles im Leben ist miteinander verbunden und bedingt sich gegenseitig. Ja klar, was denn sonst. Das zu erkennen würde sich innerhalb dessen bewegen, was oben als "sein Geist" bezeichnet wurde? Oder außerhalb?
Im Mittelpunkt steht die "Achtsamkeitspraxis". Dessen bewusst zu sein, was wir tun und wie wir es tun, was in uns und um uns herum geschieht, begleitet uns den ganzen Tag hindurch!

Die erste und grundlegende Übung ist, immer wieder Körper und Geist zusammenzubringen, alles was wir tun, vor allem unsere Schritte, zu verlangsamen. Das Anhalten, geübt in der Praxis der "Zwei-Minuten-Stille" ermöglicht es uns, zurückzutreten und ganz bewusst mit dem, was jetzt da ist, in Berührung zu kommen.

https://www.intersein-zentrum.de/ueber_ ... ente2.html

Auf der Seite, von der hier zitiert wurde, geht es offenbar wieder um die körperliche Anwesenheit an einem bestimmten physischen "Sangha"-Ort. Solche "Achtsamkeit", dessen bewußt zu sein, was wir tun, was in uns und um uns herum geschieht und so weiter, finde ich gut. Ich sehe aber keinen Grund, weswegen sich solch ein Ansatz besonders auf körperliche Begegnungen beziehen sollte und nicht ebenso auf schreibenden Kontakt.

Auf diese körperliche Situation ist vermutlich dann auch die Formulierung "Körper und Geist zusammenbringen" zu verstehen. Ähnlich könnte von Achtsamkeit in Schriftkontakt geredet werden und hier ist nach meiner Erfahrung vielen nicht so sehr bewußt, was sie so zusammenschreiben, das in manchem mitunter nicht so sonderlich ausgereift wirkt.

Viele meinen anscheinend auch in Schriftkontakt würden Menschen sich vor allem so darstellen,wie sie gerne wären. Wenn man irdische Angaben im Fokus hat, die leicht falsch behauptet werden können, dann man das auch recht einfach möglich sein. Aber wenn es um Themen des Seins selbst geht? Um Ausdruck inneren Erlebens, statt nur theoretische Diskussionen zu irgendwelchen Lehrannahmen, gelesenen Buchinhalten? Eher nicht, würde ich sagen.
Damit treten wir aus dem begrenzten, konditionierten Geist heraus in die Weite und Klarheit des „Großen Geistes“, des "panoramischen Gewahrseins", das in der Geistesschulung der Meditation vertieft und verfeinert wird.

Mit zunehmender Bewusstheit wird immer deutlicher, dass Körper und Geist auf eine tiefgreifende Art und Weise miteinander verbunden sind. Die Geistesschulung wird durch eine Erhöhung des Körperbewusstseins unterstützt und vervollständigt. Durch geführte Meditationen, Entspannungstechniken, einen ausführlichen Yoga-Nidra-Prozess und bestimmte Körperübungen wird dieser Prozess gefördert.

Im miteinander Leben und Praktizieren erfahren wir uns als dazugehörig, in unserer Individualität gesehen, angenommen und respektiert. Die Tagesstruktur gibt uns Ausrichtung und Halt, um im Fluss mit den Anderen und der Praxis zu sein. Im Miteinander werden wir unserer "Ich-Enge" und den damit verbundenen Denk- und Verhaltensmustern konfrontiert und lernen, uns zu öffnen und einen Geist von Verstehen und Wohlwollen zu entwickeln.

Auf welche Art und Weise sollen Körper und Geist denn verbunden sein? Panoramisches Gewahrsein: Schön. :)

Marsianer
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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Marsianer » Mo 5. Okt 2020, 16:29

Andreas Tenzer hat geschrieben:Für mich persönlich ist ein spiritueller Mensch jemand, der:

1. ... den Geist im Verhältnis zur Materie als das grundlegende Prinzip betrachtet, der aus diesem Grund die Existenz eines unverkörperten Bewusstseins für möglich hält und deshalb daran glaubt, dass es Unvergüngliches gibt.

2. ... aus dem Glauben an das Unvergängliche die Kraft schöpft, der Liebe den Vorrang gegenüber der Gier des Egos einzuräumen, das sich alles einverleiben will, weil es ausschließlich an die Existenz des Leibes glaubt.

https://www.psp-tao.de/spiritualitaet

Regentropfen
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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Regentropfen » Mo 7. Dez 2020, 19:18

Thich Nhat Hanh schreibt in seinem Buch "Jesus und Buddha- Ein Dialog der Liebe":

Zu Hause sein im Dharma-Körper
Wir können sehr glücklich sein, dass wir Jesus Christus als unser Zuhause haben. Er ist eine Wirklichkeit. eine der Voraussetzungen, die dir hilft,
ihn als dein Zuhause zu identifizieren und anzuerkennen, ist, dass er ein Mensch war.
Was wäre, wenn wir von Gott nur eine Vorstellung, nur eine Idee hätten?
Gott hat sich in der Gestalt eines Menschen verkörpert, in Jesus Christus, Gottes Sohn.
Wir können gleichfalls sehr glücklich sein, dass im Buddhismus der Dharmakaya, der Körper des Dharma, in einem Menschen Gestalt angenommen hat:
im Buddha Shakyamuni. Es fällt uns viel leichter, das Absolute, den Letzten Grund zu berühren, wenn wir ein menschliches Wesen berühren können.
Aus diesem Grund neigen wir dazu, Gott als eine Person anzusehen, als menschliches Wesen mit einem Körper.
Auch Buddhisten visualisieren manchmal den Dharmakaya, den Körper des Absoluten, in der Gestalt eines menschlichen Wesens, in Form von Shakyamuni nämlich, einem Menschen, der den Dharma verkörpert.
Der Buddhismus lehrt, dass wir viele Körper haben - neben unserem physischen Körper u.a. auch einen Dharma- Körper in unserem Innern und es ist uns möglich, ihn zu berühren.
Auch der Buddha-Körper ist in uns, mit dem wir jederzeit in Berührung kommen können.
Schon zur Zeit des Buddha wurde der Ausdruck "Dharma-Körper" benutzt.
Als der Mönch Vaikhali einmal krank war, besuchte der Buddha ihn im Haus eines Töpfers, wo er wohnte.
Vaikhali liebte und verehrte den Buddha von ganzem Herzen. Als junger Mönch hatte er Stunden um Stunden an der Seite des Buddha zugebracht in stiller
Betrachtung dessen Körpers. Später bemühte Vaikhali sich, über den physischen Körper des Erhabenen hinauszugehen und den Dharma-Körper des Buddha zu berühren.Jetzt lag er im Sterben und der Buddha fragte: "Vaikhali, wie fühlst du dich in deinem Körper?"
Vaikhali antwortete: "Herr, ich leide sehr. Die Schmerzen in meinem Körper werden immer stärker."
Der Buddha fragte: "Vaikhali hast du schon deinen inneren Frieden gefunden? Gibt es irgendetwas, was du bedauerst? - "Nein, Herr", sagte Vaikhali, "was mein Praktizieren angeht, so bedaure ich nichts. In mir ist Frieden. Nur eines macht mich ein wenig traurig, dass ich, weil ich krank bin, dich auf dem Gridhakuta-Berg nicht mehr besuchen kann." Der Buddha sagte: "Eines musst du wissen, Vaikhali: Mein Körper ist von keiner großen Bedeutung. Wenn du den Dharma berührt hast und jeden Augenblick mit dem Dharma lebst, dann wird mein Dharma-Körper immer bei dir sein."
Der Dharmakörper ist der Körper der Lehre. Du selbst kannst den Dharma-Körper in dir entdecken. Aber auch ein Lehrer oder eine Lehrerin können dir helfen, ihn aufzuspüren.
Solange du auf deinem Übungsweg voranschreitest, wirst du der Entdeckung deines Dharma-Körpers immer näher kommen.
Je tiefer du ihn berührst, desto glücklicher wirst du und desto größer wird dein innerer Frieden sein.
Dein Dharma-Körper ist dir von niemandem geschenkt worden. Er befindet sich tief in deinem Innern und es liegt an dir, ihn zu entdecken.
Wenn du Gehmeditation praktizierst, kannst du dich von deinem Ärger und Kummer befreien. Du kannst tiefer in die Wirklichkeit der Dinge schauen und frei werden von all deinen Illusionen, Sehnsüchten und Begierden. Gelingt dir das, so ist das der Beweis dafür, dass du den Dharma-Körper in dir berührt hast. Wenn du ihn zu nutzen weißt, wirst du weniger leiden; du wirst freier sein, freidvoller und glücklicher.
Der Buddha und die Sangha können dir helfen, deinen Dharma-Körper tief zu berühren.
Da der Dharma-Körper in dir vorhanden ist, ist auch der Buddha-Körper in dir vorhanden.
Du bist ein werdender Buddha.
Du hast einen physischen Körper, einen Dharma-Körper und einen Buddha-Körper.

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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Marsianer » Mo 7. Dez 2020, 19:59

Einige Schriftsteller weisen jedoch auf die Existenz von drei Körpern in den Pali - Quellen hin, eine 'primitive Triade', d.h. puti- oder catur-mahabhutika-kaya, mano-maya-kaya, und dhamma-kaya. Der erste ist der verderbliche physische Körper, der sich aus den vier Elementen zusammensetzt, während der zweite der geistig geschaffene Körper ist, mit dem der Buddha die himmlischen Bereiche besucht (von einigen als Vorläufer des Sambhoga-Kaya angesehen). der dritte ist der sogenannte "Dhamma-Körper". [3].

Alas, Vakkali! Was steckt dahinter, wenn ich meinen abscheulichen Körper sehe? Er, der den Dhamma (dhammakAyo) sieht, Vakkali, sieht mich; Wer mich sieht, sieht den Dhamma(dhammakAyo)(Sutta Nipāta-Atthakatha 334.[4])

[...]

Die drei Körper

dharmakaya(formloser unvergänglicher Körper der Wahrheit, kosmischer Körper),
sambhogakaya(sambhogika-kaya : Körper der Glückseligkeit)
nirmanakaya(nairmanika-kaya ; Phantom-Körper, Transformationskörper)

eines Buddha bilden im Mahayana und im Vajrayana das sog. Trikaya.

[...]

Spätestens im Mahaprjajnaparamitasastra wurde als Dharmakaya der kosmische Körper verstanden, der das gesamte Universum durchdringt : "Der DharmakAya durchdringt den leeren Raum der zehn Richtungen, seine Dimensionen sind unendlich und grenzenlos, und seine Form (rupa) ist wunderbar und würdevoll mit grenzenlosen Strahlen von Licht und Stimme."

http://www.spiritwiki.de/w/Dharmakaya

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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Regentropfen » Mo 7. Dez 2020, 21:08

"Was steckt dahinter, wenn ich meinen abscheulichen Körper sehe?" Das klingt sehr erbaulich ;)

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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Marsianer » Mo 7. Dez 2020, 22:14

Hieraus könnte man also schon ableiten, daß körperliches Beisammensein unter Buddhisten nicht als so relevant zu betrachten sein müßte. Viele Buddhisten praktizieren und lehren es "dem einfachen Volk" aber anscheinend anders, legen viel Wert auf körperliche Begegnung, überhöhen sie oft ideell.

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Re: Meditationsziele und körperliches Beisammensein

Beitragvon Marsianer » Do 14. Jan 2021, 12:28

Erläuterungen zu einem Segment des Erleuchtungsseminarmarkts, die mir schon teils deutlich von Körpererleben wegzuweisen scheinen und hin zum wahren Sein.
Ein Dunkelretreat ist eine der intensivsten Retreat-Erfahrungen, die man machen kann. Jeder kennt die Situation, wenn man nachts im Dunkeln schlaflos rumliegt weil die inneren Stimmen lauter werden. Beim Dunkelretreat wird dies bewußt hervorgerufen und auf die Spitze getrieben, da man Tag und Nacht im Dunkeln verbringt. In völliger Dunkelheit, ganz ohne Tageslicht werden die Sinne geschärft und das Innerste nach Außen gekehrt. Im Gegensatz zum Stille Retreat darf gesprochen werden - mit sich selbst oder im Gespräch mit einem Lehrer. Nicht ohne Grund wird ein Dunkel Retreat daher auch gerne als der Weg zur Erleuchtung bezeichnet. Näher an und bei sich selbst ist man nirgendwo.

https://www.retreaturlaub.de/all/c/dunkel-retreat
Dunkelretreats, auch bekannt als Dunkeltherapie, Dunkelyoga oder Dunkelmeditation, sind eine uralte Methode zur Selbstfindung und für Menschen auf der Suche nach spirituellen Erfahrungen. Dabei begibt sich der Suchende zur Meditation in einen völlig abgedunkelten Raum, um den alltäglichen Fokus auf die Außenwelt für einige Zeit zu verlieren und sich dem eigenen inneren Wissen zuzuwenden. Wenn die üblichen äußeren Reize ausbleiben, wird unsere innere Stimme stetig stärker und klarer. Es findet im wahrsten Sinne des Wortes eine Zwiesprache mit der Seele statt. Nach einer Weile dringen Erkenntnisblitze und Visionen der Klarheit ganz von alleine ins Bewusstsein, wichtige Lebensfragen klären sich wie von selbst. Die gewünschte Dauer und somit die Intensität eines Dunkelretreats bleibt jedem selbst überlassen. In Tibet verbringen buddhistische Mönche traditionell mehrere Wochen im Dunkelretreat, manche sogar viele Jahre. Das ist mit unserem Lebensstil in Europa natürlich nicht zu vereinbaren, glücklicherweise jedoch auch gar nicht nötig. Die meisten Leute empfinden ein paar Tage im Dunkeln bereits als eine äußerst interessante und heilsame Erfahrung.

http://spiritbalance.de/dunkelretreat

(Witzig, die Bemerkung, das was manche in Tibet tun sei nicht nötig. ;) )


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