Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

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Agape
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Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Agape » Mo 4. Jul 2022, 10:25

Threadregel: Hier soll es rund um das schriftliche Kennenlernen im Jakobgut gehen.

viewtopic.php?f=2&t=173
Ich beantworte meine gestellten Fragen erst einmal selbst und beziehe mich dabei teils auf meine bisherigen Erfahrungen im schriftlichen Kennenlernen mit verschiedenen, am Mitwohnen interessierten Menschen. Sich daraus ergebende Schwerpunkte hebe ich heraus, indem ich mich auf mir in diesem Zusammenhang besonders bedeutend erscheinende Zitate beziehe:

Agape hat geschrieben:Worum geht es dem Jakobgut, wenn es dem gegenseitigen Kennenlernen eine so hohe Priorität einräumt? Weshalb findet dieses Kennenlernen seinen Ausdruck in schriftlicher Form?

Es wurde ja schon viel darüber geschrieben, z. B. auf http://www.jakobgut.de und http://www.jakobgut.de/erdnuss.htm - deshalb beschränke ich mich hier auf die Essenz meiner Eindrücke und auf voraussetzende Qualitäten für ein späteres Mitwohnen. Hierbei geht es zuerst einmal darum, dass die Schriftlichkeit als einen festen Bestandteil der geistigen Ausrichtung des Jakobguts angesehen werden soll. Es gibt diesbezüglich nichts daran zu rütteln, das heisst, nur Menschen, die sich in der Schriftlichkeit auf irgendeine Weise „zu Hause fühlen“, werden sich auch im Jakobgut zu Hause fühlen. Wie anders liesse sich das am besten herausfinden - wenn nicht in einem schriftlichen Kennenlernaustausch?

Kann man jemanden überhaupt "richtig" kennenlernen, den man weder sieht noch hört und dessen Name, Alter und gesellschaftlicher Status eine eher untergeordnete Rolle zu spielen scheinen?

Worauf bezieht sich dieses „richtig“? Auch das ist meiner Meinung nach ein wesentlicher Punkt, eine diesbezügliche Auseinandersetzung im Kennenlernaustausch vermag einiges dazu zu enthüllen, wie ein Mensch denkt, fühlt und handelt. Möglicherweise aus einer Vorstellung heraus, dass er Körper sei, einen bestimmten Namen trage, ein biologisches Alter habe, sterblich sei und aus eigener Kraft mittels aller körperlicher Sinne und mit hohem Einsatz von „menschlicher Disziplin“ hier auf der Erde „sein Bestes“ zu geben habe? Kann ein Mensch mit einem solchen Verständnis seiner selbst und seiner Mitmenschen im Jakobgut je innerlich zufrieden sein/werden?

Auf etliche Menschen wirkt dies wohl ungewöhnlich und sie stellen sich vielleicht vor, es ginge darum, sich mit dem Umgang von Sichtweisen zu verschiedenen Themen abzugleichen und hauptsächlich darin eine Übereinstimmung anzustreben. Dabei scheint offenbar des Öfteren mehr oder weniger bewusst "vergessen" zu gehen, dass es ja auch sehr bedeutsam wäre, den direkten menschlichen Umgang miteinander abzutasten und zu verstehen versuchen - sich beispielsweise dafür zu interessieren, wie das Gegenüber denkt und fühlt, wenn es nicht um spezifische Themen im Aussen, sondern vor allem in seiner inneren Welt geht.

Ja - wie wollen wir im Jakobgut miteinander umgehen? Unter anderem geht es uns im schriftlichen Kennenlernen erst einmal darum, die Bereitschaft zu haben, seine bisherigen Vorstellungen hinterfragen zu lassen und in der Folge diese weitgehend auf den Prüfstand zu stellen:

„Ein Oadier ist stets bereit das, was er selbstverständlich findet, offenen Geistes zu hinterfragen. Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen bedeutet zu formulieren, was man als Individuum für selbstverständlich hält. Das steht einer naiven Herangehensweise an die Welt nicht entgegen und resultiert aus dem Respekt, den man einem anderen Individuum entgegenbringt. Sich auf den anderen einzulassen, sich ihm zu zeigen wie man ist, wie man wirklich ist, nicht wie man gerne gesehen werden würde oder selbst gerne wäre. Zu sehen, wie der andere sich auf mich einlässt, darin zu erleben, dass da etwas lebt. Begegnung. Nicht Belauern und Furcht voreinander, vor sich selbst.“
http://www.oadien.de/selbstverstaendlich.htm

Weshalb besteht diese Tendenz? Möchte man dem anderen "nicht zu nahe treten" - oder geht es eher darum, dass man sich davor scheut, sich selbst zu begegnen, indem man dem Gegenüber begegnet?

Vielleicht ergeben sich hier in diesem Thread diesbezüglich ein paar aufschlussreiche Antworten/Erkenntnisse?
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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Marsianer » Mo 4. Jul 2022, 12:45

Agape hat geschrieben:Kann ein Mensch mit einem solchen Verständnis seiner selbst und seiner Mitmenschen im Jakobgut je innerlich zufrieden sein/werden?

Damit hängt ja ein bestimmter Fokus zusammen. Worauf achtet jemand, was betrachtet jemand als bedeutsam, beachtet er als "wesentlich"? Wie könnte ein Zusammenleben von Menschen gut gelingen, die ganz unterschiedliche Prioritäten in ihrer Selbstausrichtung setzen? Die des anderen nicht einmal erkennen?

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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Agape » Mo 4. Jul 2022, 14:41

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Kann ein Mensch mit einem solchen Verständnis seiner selbst und seiner Mitmenschen im Jakobgut je innerlich zufrieden sein/werden?

Damit hängt ja ein bestimmter Fokus zusammen. Worauf achtet jemand, was betrachtet jemand als bedeutsam, beachtet er als "wesentlich"?

Woraus sich vielleicht auch einiges im Austausch ergeben könnte, was offenbar als nicht wesentlich betrachtet wird.

Wie könnte ein Zusammenleben von Menschen gut gelingen, die ganz unterschiedliche Prioritäten in ihrer Selbstausrichtung setzen? Die des anderen nicht einmal erkennen?

Dazu gäbe es noch einen weiteren, eventuell ergänzenden Thread: viewtopic.php?f=2&t=174

Es könnte sogar sein, dass es einigen Menschen nicht sehr leicht fällt, diesbezüglich ihre eigenen Prioritäten klar zu erkennen und entsprechend schriftlich zu formulieren. Dies wäre jedoch womöglich eine Grundvoraussetzung, um sich einen Zugang zu denjenigen des anderen zu verschaffen.
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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Marsianer » Mo 4. Jul 2022, 14:56

Agape hat geschrieben:Dazu gäbe es noch einen weiteren, eventuell ergänzenden Thread: viewtopic.php?f=2&t=174

Ja.
Es könnte sogar sein, dass es einigen Menschen nicht sehr leicht fällt, diesbezüglich ihre eigenen Prioritäten klar zu erkennen und entsprechend schriftlich zu formulieren.

Ja, wobei soein Effekt beim Tagebuchschreiben nicht in der Art auftritt? Geht es oft eigentlich mehr um Hemmungen sich zumindest in manchen Bereichen völlig offen zu zeigen, weniger wirklich um Schriftlichkeit? Vielleicht ist s ein Effekt von Schriftlichkeit, ähnlich beim Tagebuchschreiben, der viele an der Schriftkommunikation stört? Weil es ihnen dann in Wirklichkeit "zu nahe" geht im Vergleich zu der Ferne eher körperlich-dynamischer Begegnungen? Auch wenn es gerne gegenteiligt von diesem Menschen beschrieben wird (Abwehrverhalten)?
Dies wäre jedoch womöglich eine Grundvoraussetzung, um sich einen Zugang zu denjenigen des anderen zu verschaffen.

Dazu müßten Leute wohl halt ersteinmal "in der Lage sein" sich selbst in Stille zu erleben? Sonst wären sie ja recht allgemein oft eher "umnachtet" in solcher Hinsicht?

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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Agape » Mo 4. Jul 2022, 15:45

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Es könnte sogar sein, dass es einigen Menschen nicht sehr leicht fällt, diesbezüglich ihre eigenen Prioritäten klar zu erkennen und entsprechend schriftlich zu formulieren.

Ja, wobei soein Effekt beim Tagebuchschreiben nicht in der Art auftritt?

Das wird vielleicht individuell verschieden sein? Es gibt ja keine Möglichkeit zu überprüfen, wie oft auch solche Themen in Tagebüchern an-/ausgesprochen werden.

Geht es oft eigentlich mehr um Hemmungen sich zumindest in manchen Bereichen völlig offen zu zeigen, weniger wirklich um Schriftlichkeit?

Das wäre wohl in manchen Fällen zu vermuten. Aber vielleicht eher bei Menschen, die sich nicht in ausgeprägter Weise mit geistigen Themen beschäftigen - und diesbezüglich auch wenig Erfahrung im Austausch mit anderen Menschen haben.

Weil es ihnen dann in Wirklichkeit "zu nahe" geht im Vergleich zu der Ferne eher körperlich-dynamischer Begegnungen? Auch wenn es gerne gegenteiligt von diesem Menschen beschrieben wird (Abwehrverhalten)?

Ja, es geht ihnen oft zu nahe - und sie sind sich auch bewusst, dass alles, was sie schreiben, verbindlich ist. In einem mündlichen Gespräch besteht hingegen die Möglichkeit, nachträglich noch etwas zu beschönigen oder gar abzustreiten.

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Dies wäre jedoch womöglich eine Grundvoraussetzung, um sich einen Zugang zu denjenigen des anderen zu verschaffen.

Dazu müßten Leute wohl halt ersteinmal "in der Lage sein" sich selbst in Stille zu erleben? Sonst wären sie ja recht allgemein oft eher "umnachtet" in solcher Hinsicht?

Ja. Aber wie vermittelt man so etwas an Menschen, die sich selbst noch nie in der Stille begegnet sind - sich vielleicht so etwas für die Zukunft wünschen und diesen Wunsch zum Beispiel an einem Mitwohnen im Jakobgut festmachen?
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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Marsianer » Di 5. Jul 2022, 07:56

Agape hat geschrieben:Aber wie vermittelt man so etwas an Menschen, die sich selbst noch nie in der Stille begegnet sind - sich vielleicht so etwas für die Zukunft wünschen und diesen Wunsch zum Beispiel an einem Mitwohnen im Jakobgut festmachen?

Hm, das wären dann Menschen, die etwas nicht so selbst kennen würden. Welcher Art könnten deren Wünsche überhaupt sein? Welche Art von Gemeinschaft will das Jakobgut diesbezüglich sein?
Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Problematisch scheint mir oft zu sein, dass Menschen - zumindest am Anfang einer Kennenlernkommunikation - oft zurückhaltend sind, wenn es um eine klare Stellungnahme zu ihrer geistigen Ausrichtung geht.

Ja, es ist eine "im Mainstream" ziemlich verbreitete Herangehensweise an etwas. Und zumindest auch dann durchaus verständlich, wenn jemand eine Art Ruherefugium sucht, um überhaupt dort erstmal zu sich kommen zu können. Und es wäre ja auch von uns her etwas, das wir gerne anderen ermöglichen würden, wenn nicht so oft dann diese Erfahrung gemacht worden wäre, daß solche Menschen, denen wir quasi soetwas eröffneten dies dann dazu "nutzten" für sich vielleicht manches "mehr zu ordnen", uns gegenüber dann mit aggressivem Verhalten zu "danken", da dann beim mehr und mehr zur Besinnung [kommen] festgestellt wurde, daß die Ausrichtung bei uns eben nicht wirklich zu dem selbst Empfundenen passt, aber schon soeine Art Besitzergeifungsempfinden gegenüber unserem Ort stattgefunden hatte.

viewtopic.php?p=4195#p4195

Der Verhungernde schlingt alles in sich hinein. Ist er wieder "aufgepäppelt" beginnt er herumzumäkeln, er möge dies und das nicht gerne, überhaupt das meiste, was es "hier" gebe, wenn es der Art seines inneren Zustands entspricht und man solle doch gefälligst allgemein viel mehr Dinge essen, die auch er möge.

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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Agape » Di 5. Jul 2022, 11:00

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Aber wie vermittelt man so etwas an Menschen, die sich selbst noch nie in der Stille begegnet sind - sich vielleicht so etwas für die Zukunft wünschen und diesen Wunsch zum Beispiel an einem Mitwohnen im Jakobgut festmachen?

Hm, das wären dann Menschen, die etwas nicht so selbst kennen würden. Welcher Art könnten deren Wünsche überhaupt sein?

Je nachdem vielleicht von einer ganz bestimmten Idealvorstellung geleitet - die teils auf den Ort "Jakobgut" projiziert wird?

Marsianer hat geschrieben:Welche Art von Gemeinschaft will das Jakobgut diesbezüglich sein?

Unter anderem vielleicht eine Gemeinschaft, die jedem einzelnen Bewohner Gelegenheit dazu bietet, seiner einengenden Wunschvorstellungen bewusst zu sein (oder zumindest bewusst zu werden) und sich der "Realität" gegenüber zu öffnen - einer Realität, die den wahrhaftigen Zustand der eigenen Seele abbildet. Dieser Realität kann in der Stille begegnet werden - und dafür sollte Offenheit vorhanden sein. Der schriftliche Kennenlernaustausch vermag unter Umständen zu enthüllen, inwieweit Bereitschaft dazu vorhanden ist.

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Problematisch scheint mir oft zu sein, dass Menschen - zumindest am Anfang einer Kennenlernkommunikation - oft zurückhaltend sind, wenn es um eine klare Stellungnahme zu ihrer geistigen Ausrichtung geht.

Der Verhungernde schlingt alles in sich hinein. Ist er wieder "aufgepäppelt" beginnt er herumzumäkeln, er möge dies und das nicht gerne, überhaupt das meiste, was es "hier" gebe, wenn es der Art seines inneren Zustands entspricht und man solle doch gefälligst allgemein viel mehr Dinge essen, die auch er möge.

Würde dies auch für jemanden gelten, der - wie im oben stehenden Absatz - innerlich bereit dazu ist, sich selbst (in der Stille) zu begegnen?
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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Marsianer » Di 5. Jul 2022, 11:48

Agape hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:Welche Art von Gemeinschaft will das Jakobgut diesbezüglich sein?

Unter anderem vielleicht eine Gemeinschaft, die jedem einzelnen Bewohner Gelegenheit dazu bietet, seiner einengenden Wunschvorstellungen bewusst zu sein (oder zumindest bewusst zu werden) und sich der "Realität" gegenüber zu öffnen - einer Realität, die den wahrhaftigen Zustand der eigenen Seele abbildet.

Aber zieht es den jeweiligen Menschen selbst zu soetwas? Also wirklich, nicht nur in irgendwelchen konditionierungsähnlich übernommenen musterhaften Vorstellungen?
Der schriftliche Kennenlernaustausch vermag unter Umständen zu enthüllen, inwieweit Bereitschaft dazu vorhanden ist.

Tja.
Würde dies auch für jemanden gelten, der - wie im oben stehenden Absatz - innerlich bereit dazu ist, sich selbst (in der Stille) zu begegnen?

Kann schon sein, denn wie schon vielfach formuliert kann der Zustand des Herzens eines Menschen, einer Seele unterschiedlich sein. Weil ein Mensch sich diesem annähern will, ändert sich das ja ersteinmal nicht.

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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Agape » Di 5. Jul 2022, 15:40

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:Welche Art von Gemeinschaft will das Jakobgut diesbezüglich sein?

Unter anderem vielleicht eine Gemeinschaft, die jedem einzelnen Bewohner Gelegenheit dazu bietet, seiner einengenden Wunschvorstellungen bewusst zu sein (oder zumindest bewusst zu werden) und sich der "Realität" gegenüber zu öffnen - einer Realität, die den wahrhaftigen Zustand der eigenen Seele abbildet.

Aber zieht es den jeweiligen Menschen selbst zu soetwas?

Wohl die wenigsten - aber es könnte doch möglich sein? Zum Beispiel jemand, der ausgesprochen wahrheitsliebend wäre?

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Würde dies auch für jemanden gelten, der - wie im oben stehenden Absatz - innerlich bereit dazu ist, sich selbst (in der Stille) zu begegnen?

Weil ein Mensch sich diesem annähern will, ändert sich das ja ersteinmal nicht.

Aber sein wahrhaftiges Wollen im Herzen wäre eine Voraussetzung dafür?
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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Marsianer » Di 5. Jul 2022, 16:49

Agape hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:Aber zieht es den jeweiligen Menschen selbst zu soetwas?

Wohl die wenigsten

Was würden solche Menschen dann halt wollen?
aber es könnte doch möglich sein?

Das würde ich schon hoffen. ;)
Zum Beispiel jemand, der ausgesprochen wahrheitsliebend wäre?

Würde noch nicht viel darüber aussagen, was er ansonsten erstrebenswert für sich fände, z.B. im Zusammenleben? Was interessiert ihn am Dasein, was weniger? Worauf achtet er für sich sehr, worauf nicht? Worin ist er sensibel, empfindsam, welche Dinge fallen ihm kaum auf? Soetwas kann alles Bezug zu den Werten haben, die auf der Homepage des Jakobguts genannt werden.
Aber sein wahrhaftiges Wollen im Herzen wäre eine Voraussetzung dafür?

Wofür? Sich seiner Seele zu nähern? Mag schon sein. Die grundlegende Ausrichtung des Jakobguts zu achten, in ihrem Wert verstehen? Erfahrungsgemäß alles andere als zwangsläufig, selbst wenn jemand der eigenen Seele, ihrem Zustand, sich selbst, dem eigenen inneren Sein näherkommen wollte. Nähe zum eigenen Sein ist das eine, dessen Zustand, (auch geistige) Ausrichtung etwas anderes.

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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Agape » Mi 6. Jul 2022, 09:33

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:
Marsianer hat geschrieben:Aber zieht es den jeweiligen Menschen selbst zu soetwas?

Wohl die wenigsten

Was würden solche Menschen dann halt wollen?

In einem innerlich freieren, dauerhaft zufriedenerem Zustand sein?

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Zum Beispiel jemand, der ausgesprochen wahrheitsliebend wäre?

Würde noch nicht viel darüber aussagen, was er ansonsten erstrebenswert für sich fände, z.B. im Zusammenleben? Was interessiert ihn am Dasein, was weniger? Worauf achtet er für sich sehr, worauf nicht? Worin ist er sensibel, empfindsam, welche Dinge fallen ihm kaum auf? Soetwas kann alles Bezug zu den Werten haben, die auf der Homepage des Jakobguts genannt werden.

Ja. Jedoch ein wahrheitsliebender Mensch hätte womöglich die Bereitschaft, sein bisheriges Selbstbild, worin es z. B. unter anderem um die oben erwähnten Interessen, Vorlieben etc. geht, zu hinterfragen und allenfalls neu auszurichten. Dies könnte eventuell für ihn Unangenehmes und Schmerzhaftes zur Folge haben - einen wahrheitsliebenden Menschen würde dies in seinem Bestreben wohl kaum aufhalten können.

Marsianer hat geschrieben:
Agape hat geschrieben:Aber sein wahrhaftiges Wollen im Herzen wäre eine Voraussetzung dafür?

Wofür? Sich seiner Seele zu nähern? Mag schon sein. Die grundlegende Ausrichtung des Jakobguts zu achten, in ihrem Wert verstehen? Erfahrungsgemäß alles andere als zwangsläufig, selbst wenn jemand der eigenen Seele, ihrem Zustand, sich selbst, dem eigenen inneren Sein näherkommen wollte. Nähe zum eigenen Sein ist das eine, dessen Zustand, (auch geistige) Ausrichtung etwas anderes.

Aber wie versteht sich denn diesbezüglich ein "Oadier"? Kann ein Mensch, der seinem eigenen Sein nicht nahe steht, oadische Kultur verstehen? Fühlt er sich davon angezogen? Hat er überhaupt einen Bezug dazu?
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Marsianer
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Re: Bedeutet „einander schriftlich kennenlernen“ auch sich selbst zu begegnen?

Beitragvon Marsianer » Mi 6. Jul 2022, 11:32

Agape hat geschrieben:In einem innerlich freieren, dauerhaft zufriedenerem Zustand sein?

Wer wüde sich das nicht wünschen. Besonders wenn er sich eben momentan gar nicht so erfährt. Zugleich existieren dann oft fleischliche Gelüste, "deren Sklave der Mensch ist". Was weiß jemand, der sich dann in soeinem Zustand befände von (innerer oder äußerer) Freiheit, von Zufriedenheit? Was würde er sich dazu ausmalen?
Jedoch ein wahrheitsliebender Mensch hätte womöglich die Bereitschaft, sein bisheriges Selbstbild, worin es z. B. unter anderem um die oben erwähnten Interessen, Vorlieben etc. geht, zu hinterfragen und allenfalls neu auszurichten. Dies könnte eventuell für ihn Unangenehmes und Schmerzhaftes zur Folge haben - einen wahrheitsliebenden Menschen würde dies in seinem Bestreben wohl kaum aufhalten können.

Ich würde Wahrheitsliebe da erstmal eher im Schlepptau dessen sehen, wohin es einen Menschen eben aus seinem Herzen heraus zieht, was er charakter- und individualitätsbedingt beachtet, als bedeutend betrachtet, überhaupt wahrnimmt.
Aber wie versteht sich denn diesbezüglich ein "Oadier"? Kann ein Mensch, der seinem eigenen Sein nicht nahe steht, oadische Kultur verstehen? Fühlt er sich davon angezogen? Hat er überhaupt einen Bezug dazu?

Oadier also, hm. Zwischen Oadiern dürfte es oft eine Art von Zuneigung zum Menschsein des anderen geben, auch eine Art von Blick darüber hinaus, aus einer Selbstverhaftung, Vernageltheit wie sie "heute" und in dieser Weltgegend verbreitet vorzufinden ist? "Das wird gesehen" und wenn ein Mensch das nicht sieht, dann wird es ihm schwerfallen "einen Draht zu finden"? Relativ dazu eine lockerere Verbindung zur irdischen Existenz, daraus schon ein Stück mehr Leichtigkeit in solcher Hinsicht?


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