Das böse Christentum

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Marsianer
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Re: Das böse Christentum

Beitragvon Marsianer » Sa 2. Sep 2023, 22:31

Na, da geht es um die Deutung biblischer Inhalte aus Perspektive dieser Weltsicht.

Marsianer
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Re: Das böse Christentum

Beitragvon Marsianer » So 3. Sep 2023, 17:50

https://odysee.com/@irishtv2:6/Ancient-Aliens-s16:7

Notizen

2:48 Buch Henoch "The forbidden Bible" 3:00 Engel (die laut Buch Daniel die Abläufe auf der Welt betreuen würden) seien eigentlich Außerirdische, denn sie hätten phsische Gestalt gehabt, seien nicht nur Geister gewesen. 3:03 Wenn der Himmel eine spirituelle Örtlichkeit sei, warum werde dann überliefert, daß Menschen körperlich in ihn aufgestiegen seien? 3:05 In Qumran seien 11 teils voneinander abweichende Ausgaben des Buchs Henoch gefunden worden, was die ihm zugemessene Bedeutung unterstreiche. Zudem sei dort ein weiteres Henoch zugeschriebenes Buch gefunden worden, das nur fragmentarisch bekannte Buch der Riesen ( https://de.wikipedia.org/wiki/Gigantenbuch ). Manche meinen, dieses sei vor dem Buch Genesis geschrieben worden. Diese Riesen, die Nephilim, seien in ihrem Verhalten so böse gewesen, daß Gott sie mit der Sintflut beseitigt habe. Darin sei beschrieben, Noah sei wohl nicht wirklich der Sohn von Lamech gewesen, denn Lamech sei zu der entsprechenden Zeugungszeit abwesend gewesen und Noah habe auch nicht ausgesehen wie ein normaler Mensch (eventuell aus Sicht eines Nephilim?). Seine Haut sei glänzend weiß gewesen, sein Haar wie weiße Wolle. Noah sei schon als Ausgewählter geboren worden. Der Großvater Henoch meinte, Engel hätten seine Zeugung hervorgerufen ohne dessen Mutter körperlich sexuell zu berühren. Millionen alte Gräber bei der "verlorenen Stadt Noahs" auf Berg Ararat? Weil viele damalige Menschen bei dem Grab Noahs begraben werden wollten? 3:18 Weltweit sei in Böden eine ca. 50 Feet tiefe dunkle Ascheschicht zu finden, die zwischen 11000 und 13000 Jahre alt sei. Weltweite Feuer? Eine Art globaler Katastrophe? In der Folge eine Art Erwärmung und schneller Eiskappenschmelze? Alte arabische Texte wie von Ibrahim al Makritsi (?) aus dem 14. Jhd: Die große Pyramide sei vor der großen Flut gebaut worden, von einem Pharao Saurid (?), welcher in anderen Überlieferungen Henoch benannt worden wäre. Der Leiter einer Expedition, die sich mit Dynamit in die Große Pyramide voransprengte bis er auf Räume stieß sei wegen der Million, die Geldgeber spendierten unter großen Druck gewesen etwas vorzuweisen. In seinen Unterlagen sei notiert, es seien keine Hieroglyphen gefunden worden, aber er habe in der Öffentlichkeit behauptet eine Kartusche gefunden zu haben, die auf Pharao Khufu verweise. Hatte er diese Inschrift selbst (dilettantisch) gefälscht? Sonst gebe es im Unterschied zu anderen Bauwerken dort keine Inschriften in der Großen Pyramide. 3:26 Laut einem Bericht von 2017 sei in der Großen Pyramide mit neuen Sondiermethoden ein 30m langer Hohlraum aufgefallen. Laut Buch Henoch Kapitel 91 habe Henoch seinem Sohn Metusalem geantwortet, er werde erst in tausenden Jahren auf die Erde zurückkehren, also würden sie sich nicht wiedersehen nach seiner erneuten Himmelfahrt.

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Re: Das böse Christentum

Beitragvon Marsianer » Fr 5. Apr 2024, 12:37

Ich denke, das passt auch schonmal hier hinein.
Hans Christian Duvivier, Selig - Der rationale Weg zur Erleuchtung und Seligkeit im 21.Jahrhundert, S. 21-22 hat geschrieben:Viele Gläubige denken, dass die Befreiung von allem im Tod liegt. Im Tod kommen sie in den Himmel und erreichen, wenn sie im Leben ihrer Gottheit gedient haben, das Glückselige.

Solche Ansichten sind bei vielleicht eher nicht so kenntnisvollen Menschen, die sich als Christ verstehen, heute wohl schon recht verbreitet. Ich halte sie oft eher für etwas unglücklich, denn ich würde schon meinen, daß der Geist Gottes sich bereits im Erdenleben deutlich auswirken kann, wenn der Mensch eben die passenden Entscheidungen trifft. Ich habe etwas die Vermutung, daß christliche Organisationen durch mehr oder weniger verunreinige Darstellungen der christlichen Inhalte dahin kamen, soetwas so darzustellen, weil es eben in ihren Reihen nicht mehr so erkennbares Geistwirken gab, wie im NT immer mal angesprochen.
Aber im Tod ist man unbewusst, kein denkendes und fühlendes Wesen mehr, nichts, was etwas erreichen oder erkennen könnte.

Da frage ich mich jetzt schon, wie der Autor zu dieser Annahme kommt? :)
Und selbst wenn es dort Glückseligkeit gibt – welchen Sinn hat es, wenn man sie nicht spürt? Das Ziel, das Ganze zu erkennen, kann daher nur im Leben und nur in gedanklicher Freiheit erreicht werden.

Hm.

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Re: Das böse Christentum

Beitragvon Marsianer » Mo 8. Jul 2024, 15:42

Wie steht es mit der Beziehung von ursprünglich christlichen Juden und Juden, die Jesus Christus ablehnten? In der Neuzeit ist u.a. Luther zu dem Punkt ja besonders berüchtigt.
Vom kleinen Lektor in der Kirche bis hin zur Bibelwissenschaftlerin an der Universität – viele Menschen in Theorie und Praxis stehen immer wieder vor der Frage: Was ist – bald 80 Jahre nach der Schoah – mit Bibelstellen anzufangen, die eindeutig judenfeindlich oder antisemitisch interpretiert oder instrumentalisiert werden können? Gerade der Autor des Johannes-Evangeliums steht im Ruf, besonders aggressiv und polemisch mit den Jüdinnen und Juden der Zeit Jesu umzugehen: In der Szene der Verurteilung Jesu etwa heißt es: „Die Juden aber schrien: „Weg mit dem! Kreuzige ihn!“ Verse wie diese sind das biblische Fundament des christlichen Antijudaismus und Antisemitismus. Müssen sie getilgt, geschönt oder korrigiert werden?

Der Theologe Hans Förster empfiehlt etwas anderes – er empfiehlt einen genaueren Blick in den Originaltext. Denn dort sind viele „Problemstellen“ weit weniger judenfeindlich als in der Übersetzung. Dass der Antisemitismus tief im Christentum verwurzelt ist, daran kann hingegen kein Zweifel bestehen: Am Anfang der traditionellen Judenfeindschaft stand ein konflikthafter Ablösungsprozess der einen Religion von der anderen. Waren diejenigen, die sich zu Jesus von Nazareth als Messias/Christus bekannten, anfangs noch eine innerjüdische Gruppe, lösten sich die späteren Christinnen und Christen immer mehr von der Herkunftsreligion. Juden und Christen fanden sich in einem Konkurrenzkampf um den wahren Glauben, um Anhängerschaft und um Anerkennung wieder.

https://religion.orf.at/v3/radio/stories/2975659

"Die Juden", was bei etwas Nachdenken wohl diejenigen meinen sollte, die in der konkreten Situation anwesend waren. Sowohl NT als auch z.B. Lorber führen an sich ja in geradezu epischer Breite aus, daß Jesus und viele einer Jünger eben selbst Juden waren. Ich würde sagen etliche Bashingmotive sind ursprünglich eigentlich Ausdruck jüdicher Identität, z.B.:

"Schreie und heule, Menschensohn; denn es ist wider Mein Volk, es ist wider all die Fürsten Israels. Dem Schwert verfallen sind sie samt Meinem Volk, darum klatsche an deine Hüfte." Hes 21,17
"Geschenk nehmen sie in dir, Blut zu vergießen. Wucher und Mehrung nimmst du und übervorteilst durch Erpressung deinen Nächsten, und vergessen Meiner, spricht der Herr JHWH. Und siehe, Ich schlage Meine Hände zusammen über dem Geiz, den du tust und dem Blute, das in deiner Mitte ist. Wird dein Herz stehen, werden deine Hände stark sein in den Tagen, da Ich mit dir zu tun habe? Ich, JHWH, habe es geredet und tue es. Und werde dich zerstreuen unter die Völkerschaften und dich zersprengen in die Länder und mache zunichte deine Unreinheit." Hes 22,12-15

Es macht schon den Eindruck, als seien heute auf etliche so ärgerlich pauschal wirkende Aussagen eben auch Teil von Aussagen jüdischer Propheten gewesen?

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Re: Das böse Christentum

Beitragvon Marsianer » Mi 13. Nov 2024, 11:41

Jordan B. Peterson hat geschrieben:112-Peterson: Der Charakter Gottes

Gottes Rolle im Sündenfall ist bis heute nicht durchschaubar – man kann nur spekuklieren.

Es gibt eine Menge Fragen, über die die Menschen schon seit langer Zeit rätseln. Zum Beispiel der Charakter Gottes in der Geschichte von Adam und Eva. Er spielt darin eine eher schwierige Rolle. Man fragt sich, warum sich die Frucht überhaupt im Garten befindet, wenn man sie nicht essen darf.

https://www.achgut.com/artikel/112_peterson_der_charakter_gottes

Es rätseln offenbar tatsächlich viele Menschen darüber. Aber nach meinem Eindruck weitgehend in Unkenntnis des eigentlichen Standes zum Thema.

Warum befindet sich der Baum dort? Wegen dem durch diesen Gott gewünschten freien Willensspielraums des Menschen, der sonst ohne wirkliche Bedeutung geblieben wäre?
Außerdem hat er dem Menschen, den er selbst erschaffen hat dies verboten, obwohl er wusste, dass er es trotzdem tun würden.

Woraus wird gefolgert, daß das so zwangsläufig stattfinden mußte? Ich sehe das nicht so.
Gott sagt den Menschen mit ihrer unstillbaren Neugier, dass das alles schön und gut ist, es aber etwas gibt, was sie sich niemals ansehen sollten. Dann verlässt er die Szene und alle versuchen sofort herauszufinden, was dieses Ding ist, weil wir neugierige Geschöpfe sind. Man muss sich fragen, was genau Gott hier vorhatte.

Dieser Autor behauptet also sinngemäß die von Gott gegebene Neugier habe keine andere Handlungsmöglichkeit ermöglicht? Das verstehe ich nicht so.
Es gibt gnostische Spekulationen, dass der ursprüngliche Gott nicht wirklich ein sehr guter Gott war, er war eine Art unbewusster, böser Gott, der wollte, dass seine Schöpfung unbewusst ist. Deshalb verbot er ihnen, Bewusstsein zu entwickeln. Ein anderer höherer Gott – vielleicht in Form der Schlange – verführte die Menschen zum Bewusstsein.

Diese Idee wurde schon sehr früh aus dem klassischen Christentum gestrichen, obwohl dies ein interessanter Aspekt ist.

Ahja.

Ich würde sagen, diese Idee war offenbar kein Teil des klassischen Christentums und Jeus Christus bezog sich laut überliefertem NT auf JHWH.
Es gibt Überbleibsel davon in verschiedenen Formen, die in der Geschichte weiterhin erhalten geblieben sind. Zum Beispiel die Idee, dass der Sündenfall eine schreckliche Tragödie war, aber auf der anderen Seite die Voraussetzung für das größte Ereignis in der Geschichte war, nämlich die Geburt Christi und die Erlösung der Menschheit.

Häh?

Christus gilt auch als "neuer Adam" und das hält Peterson für ein Überbleibsel der Vorstellung JHWH sei nicht der höchste Gott und eher ein böser Gott gewesen?

Und ein Zurückweisen von Gottes Geist, ein Sichöffnen hin zu anderen "Vätern" halte ich nicht für zwingend erforderlich, um in freier Wahl Gott auch als Gegenüber zu erfassen, statt ihm nur gebeugt ergeben gegenüberzutreten.

Ich finde am Spannendsten, daß irgendjemand auf dieser Plattform es für eine gute Idee gehalten hat, diesen gedanklichen Rohentwurf in dem kurzen Artikel zu veröffentlichen.

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Re: Das böse Christentum

Beitragvon Agape » Mi 13. Nov 2024, 17:32

Darüber haben wir hier bereits diskutiert: viewtopic.php?p=8612#p8612
HC Duvivier hat geschrieben:Freispruch für die Schlange, Adam und Eva beim Sündenfall. Einzig schuldig, ist Gott der Herr.

Aber, würde mich wundern, wenn vor mir noch nie jemand den "Sündenfall" auf diese Weise in seiner Tragik erkannt hätte.
"Schreiben ist der direkte Weg zum Herzen"
http://jakobgut.de/erdnuss.htm

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Re: Das böse Christentum

Beitragvon Marsianer » Mi 13. Nov 2024, 18:36

Ja.

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Re: Das böse Christentum

Beitragvon Marsianer » Sa 30. Aug 2025, 11:06

Swami Omkarananda Saraswati hat geschrieben:Jesus Christus ist eine beständig anwesende Gegenwart in der Menschheitsgeschichte, eine ewige Gegenwart in der Schöpfung. Er ist die Wahrheit. Der Weg zur Wahrheit und die Wahrheit selbst ist Christus. Wo Wahrheit ist, da ist Leben, wahres Leben. Wo keine Wahrheit ist, da ist das Leben eine Fiktion, eine äusserliche Angelegenheit, ein Leben im nur Scheinhaften, und ein solches Leben ist voller Begrenzungen, ein nur kreatürliches Dasein in Zeit und Raum, das bald wieder von der Bildfläche verschwindet und allen möglichen Problemen und viel Unglück ausgesetzt ist. Jesus Christus ist die Wahrheit. Wahrheit ist die göttliche Wirklichkeit, ist das Zeitlose. Christus ist die Manifestation der zeitlosen Wahrheit, weshalb von Ihm gesagt wird: "Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit" (Hebr. 13,8).

Vor zweitausend Jahren wurde Jesus verleumdet, verfolgt und gekreuzigt. Später wurde er als Offenbarung des Göttlichen verehrt. Überall wurden Kirchen errichtet. Psychologen wiederum haben Jesus für schizophren erklärt. So ändern sich Meinungen im Wandel der Zeit. Der eine Gelehrte sagt: "Jesus hat nie existiert, meine Forschung beweist es!" Der andere sagt: "Jesus existierte, doch war er Ägypter." Wieder ein anderer sagt noch etwas anderes. Das sind lauter wechselhafte Meinungen. Sie machen nicht einmal vor der Person Jesu Christi halt. Doch bedeutet der Wandel der Zeit nichts für ein Herz, das Jesus Christus hingegeben ist, für ein Herz, das in der Lage ist, die Gegenwart Jesu Christi zu fassen. Ein solches Herz ist vom Zeitlosen berührt.

Theologie und Glaubenserfahrung

Gott gehört nicht irgendeiner Religion, sondern Gott gehört allen, und der Mensch tut gut daran, sich in seinem Denken auf Gott auszurichten, Gottes Gegenwart zu erfühlen und alles im Namen Gottes zu tun, mit Dankbarkeit im Herzen und im Bewusstsein der Gottgegenwart. Es hat keinen Wert, sich zum Glauben zu zwingen. Die Liebe zu Gott wächst in Deinem Herzen, wenn Du tief nachdenkst und das Leben in seinen Begrenzungen durchschaust.

Meine Aussagen bezüglich des Christentums wurzeln in meiner Erfahrung Christi. Ich bin ins Christusbewusstsein hineingeboren, ich bin im Christusbewusstsein herangewachsen, und Christus bringt sich durch mich in Seiner ganzen ursprünglichen Universalität zum Ausdruck.

[...]

Worin besteht nun die besondere Aufgabe Christi auf Erden? Sie besteht darin, allen Kindern Gottes zu helfen, der Vollkommenheit des göttlichen Vaters näherzukommen. Wer Liebe im Herzen trägt, wer eine Weisheit besitzt, die unerschütterlich feststeht und sich von keinen Irrtümern, die aus der Umwelt an ihn herangetragen werden, beirren lässt, wer immer tapferen Herzens und in aufrechter Haltung Hingabe an die Wahrheit und Selbstlosigkeit im Dienst an der leidenden Menschheit beweist - aus Hingabe an Gott - ist Diener Jesu Christi und kann morgen selbst Meister sein, so wie jeder Geselle im Handwerk ganz selbstverständlich nach der Meisterschaft strebt. Solange wir nicht Meister sind, sind wir auch nicht frei von Unvollkommenheiten, nicht fähig, Seinen Frieden und Sein Licht zu verbreiten. Darum sollten wir uns frohgemut und mit Begeisterung dem Wesen Christi anzugleichen suchen. Das wird uns in dem Masse gelingen, als wir Demut üben und uns an dem Verhalten jener orientieren, die sich an Weisheit, an göttlichem Wesen als die Älteren erweisen. Je mehr wir solche Persönlichkeiten bewundern, umso mehr wird etwas von der Güte und Milde, der Wesensart Jesu Christi durch uns zum Ausdruck kommen. Wir sollten diese göttlichen Eigenschaften zum kennzeichnenden Merkmal unseres täglichen Gewahrseins, unseres Lebens und Verhaltens werden lassen.

War nun Jesus von Gott gesandt oder war Er nur ein Mensch, der sich höher entwickelte und schliesslich Vollkommenheit erlangte? Beides lässt sich sagen. Hegst Du besondere Liebe für Ihn, wirst Du sagen: Nur einzig und allein von Gott gesandt. Willst Du eine zweifache Lektion dabei lernen oder anderen vermitteln, kannst Du sagen: Er ist zwar von Gott gesandt, hat aber auch im menschlichen Körper Vollkommenheit erlangt und ist somit der Menschheit als Vorbild vorangeschritten.

In Jesus ist alles. Alle Eigenschaften Gottes finden sich in Ihm. Da gibt es keinen Unterschied. Auch als Manifestation der Liebe Gottes hat Er alle anderen Eigenschaften in sich, denn Er ist in Seiner inneren Erfahrung Gott Selbst. Er lebt in der Einheit des Vaters. Darum besteht kein Unterschied zwischen Jesus und Gott, Gott und Jesus. Wenn Du Jesus anrufst, ist es so gut wie wenn Du Gott anrufst. In der letzten Wahrheit bestehen keine Unterschiede. Wenn Jesus von sich sagt: "Ich bin die Wahrheit", besteht kein Unterschied. Wenn er sagt: "Ich und der Vater sind eins", besteht kein Unterschied. Denn was ist "Vater"? Die Unendlichkeit, das Absolute, das Namenlose, Formlose, die ewige Wahrheit ist damit gemeint. Was ist "der Vater"? Der alles behütende, all-liebende persönliche Gott, der unendliche höchste Gott ist damit gemeint. Das ist die unendliche absolute Wahrheit, die allgegenwärtig, allwissend, allmächtig ist. Sie ist alles.

Die Weisheit Christi und das Licht Christi sind nicht zwei verschiedene Dinge, sie sind ein und dasselbe. Licht ist Weisheit, Weisheit ist Liebe, Liebe ist Schönheit, Schönheit ist Vollkommenheit, Vollkommenheit ist die Freude der Existenz.

Christus ist das Licht der Welt und auch das Licht unserer Seele. Ein Teil Seines Wesens besteht in uns als das Bild Gottes. Das ist auch der Grund, weshalb einer der grossen Heiligen um Christus, ja vielleicht der grösste christliche Heilige überhaupt, nämlich Paulus, sehr häufig Wendungen gebraucht, die sich auf Christus als uns innewohnende Wirklichkeit beziehen.

Christus als 'eins mit der Wahrheit' ist eine spürbare Gegenwart. Unser Eintreten ins Gespräch mit Ihm, voller Hingabe, ist Religion. Christus ist nicht nur der, der den Frieden schenkt, sondern Er Selbst ist der Friede. Er ist nicht nur der, der das Licht schenkt, sondern Seine Natur ist Licht. Er ist das Licht der Lichter, eine Allgegenwart. Ein Herz, das ohne Unterlass betet, weiss das, versteht das, denn es wird zu einer Sache der Erfahrung, wenn das Herz beständig im Gebet verweilt.

Christus ist die Natur Gottes in Wirksamkeit für die Erleuchtung, Befreiung und geistige Vervollkommnung des Menschen. Göttliche Liebe, göttliches Licht, göttliche Güte, göttliche Erkenntnis, göttliches Dienen - eine Liebe und ein Dienen, die selbstlos, rein und allumfassend, umwandelnd, emporhebend, erleuchtend sind. Angenommen, Du seist durch Deinen Glauben ans Göttliche, durch Deine innere Reinheit, durch Deine Hingabe an Christus, in einen Bewusstseinszustand gelangt, der dem entspricht, dann befindest Du Dich in Christus. Dieser Bewusstseinszustand kann als jener bezeichnet werden, in dem sich Jesus Christus befand; ja, er kann als Christus Selbst angesprochen werden. Ihn zu erlangen bedarf es der Gnade Christi, bedarf es Seines Segens.

Gnade und Selbsterlösung

Die Christenheit bezeichnet Christus als Erlöser, weshalb ihr alles, was nach Selbsterlösung aussieht, sehr verdächtig wird. Es gibt tatsächlich keine Selbsterlösung. Und doch gilt es, die Tatsache klar zu erkennen, dass die Gnade Gottes Selbsterlösung in sich einschliesst, wenigstens in den Anfangsstadien. Da sagt einer: "Ich bin Christ. Ich gehe auch zur Kirche. Ich gehe den Weg der Gnade". Warum geht er zur Kirche, wenn er den Weg der Gnade geht? Wozu sind Glaube, Hoffnung, Liebe nötig? Ist nicht eine Bemühung damit verbunden? Ein Ungläubiger spart sich die Mühe des Kirchgangs. Er liest auch nicht die Bibel. Er sieht von allen Bemühungen ab. Man kann also nicht gut sagen, auf dem Weg der Gnade gäbe es keine eigene Bemühung.

Zur Erläuterung denken wir an eine junge Mutter: Ihr einjähriges Kind ist im Zimmer nebenan und hat Hunger. Sie glaubt, es schlafe schön ruhig in seinem Bettchen, und so kümmert sie sich nicht um das Kind, so lange, bis es zu schreien anfängt. Das Schreien ist die Selbstbemühung des Säuglings. Dass dann die Mutter kommt und es nährt, das ist Gnade.

Es gibt Millionen Menschen, die sich Christen nennen. Sie alle sind auf dem Weg der Gnade, doch manche führen ihr Leben auf eine Weise, dass Erlösung ganz unmöglich ist. Darum sagen manche, Gnade allein genüge nicht, man müsse sich schon auch etwas Mühe geben. Das ist an sich logisch. Wir müssen vollkommen auf Gott, auf Christus unser Vertrauen setzen. Das einzige, was prinzipiell unsere Bemühungen erst fruchtbar werden lässt, ist Christus.

Auch Bemühung erfolgt einzig durch Gnade. Es gibt andererseits sehr viele Bemühungen auf der Welt, die innerlich ohne Gnade sind. Solche Bemühungen bleiben dann auch ohne echte Früchte. Doch beobachten wir, wie jemand sich müht, dann dürfen wir annehmen, dass auch ein wenig Gnade mit dabei ist.

Es liesse sich sagen, Gott liebe jene am meisten, die Ihn am besten kennen und Ihn wahrhaft lieben. Gott hatte höchstes Wohlgefallen an Jesus, weil Jesus Ihn kannte, Ihn liebte, in Ihm sein Leben führte und Gottes Weisheit und Liebe im äusseren Leben und Wirken zum Ausdruck brachte. - Gott wird in höchstem Masse auch über Dich erfreut sein, wenn Du Ihn erkennst und infolgedessen wahrhaft liebst!

Wie kommt die Gnade und der Segen Christi in unser Leben? - In Form von Reinheit des Wesens, des Charakters, in Form von Liebe zu Gott, in Form von selbstlosem Dienen, als Güte, als Verlangen nach echtem, wahrem Beten und Meditieren, als all jene Tätigkeiten, die unser Wesen verwandeln, uns erneuern und veredeln.

Gnade ist nicht nur nötig, um Sünden abzuwaschen. Man kann auch getauft sein mit göttlicher Weisheit, mit Gottes Geist, mit Gottes Liebe und Kraft. Es mag geborene Heilige geben, die innerlich rein und von göttlicher Wesensart sind und die dennoch eine besondere Gnadentaufe brauchen, eine spezielle Gnade, um Gottes Arbeit auf Erden zu verrichten. Jesus wurde bei Seiner Taufe alles verliehen, was nötig war, um Seine Mission auf Erden durchzuführen.

Was liess Jesus Christus aussprechen, dass Er schon vor Abraham war? (Joh. 8,58) Diese Feststellung entspringt der Erfahrung der subtilsten, der unsichtbarsten aller unsichtbaren Wirklichkeiten, dieser Wirklichkeit, die alles ist, die war, die ist und immer sein wird.

[...]

Christus, der Erlöser

Nach indischer Auffassung führt die Erlösung von Schuld und Karma über Meditation und Erkenntnis, während die Bibel lehrt, dass wir allein durch das Opfer des Blutes Jesu Christi erlöst werden können. Handelt es sich da nicht um zwei Seiten derselben Münze? Alles, was zur Freiheit, zur Erleuchtung führt, ist göttlich. Es ist dies überall so. Es mag an verschiedenen Orten verschiedenes Aussehen haben, durch kulturelle Verschiedenheiten bedingt, durch Vorstellungsweisen, die sich aufgrund verschiedenartiger Umstände herausgebildet haben. Das Blut Jesu Christi oder die Erkenntnis Gottes, die Erkenntnis der Wahrheit befreit von dem Gesetz von Ursache und Wirkung, befreit von Schuld, Sünde und Schwächen. Wer kann nun frei sein? Nur wer die Wahrheit erkennt. Darum sagt Jesus: "Wenn ihr Meinem Wort gehorcht, seid ihr wirklich Meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit verstehen, und die Wahrheit wird euch frei machen!" (Joh.8,32)

War die Kreuzigung Jesu im Plane Gottes vorgesehen? Nach den Aussagen der Bibel war die Kreuzigung durchaus im Plane Gottes. Doch war die Kreuzigung nicht in ganz besonders bedeutungsschwerer Weise vorgesehen? - Das lässt sich bejahen! Sie sollte der Höherentwicklung der Menschheit eine ganz bestimmte Wende geben, weshalb sich dieses Ereignis von allen anderen abhebt, selbst wenn auch alle anderen vorgesehen waren. Das müssen wir bezüglich der Kreuzigung wissen und recht verstehen und in unserem Leben mit allem, was das mit sich bringt, zur Wirksamkeit gelangen lassen.

Wer immer unter dem Auge des Göttlichen lebt und dem Göttlichen gegenübersteht, ganz gleich in welcher Situation, an welchem Ort er ist, steht von Angesicht zu Angesicht dem Göttlichen gegenüber. Sogar im Schlaf ist das Göttliche bei ihm. In einem solchen Menschen hat die Moral ihre Aufgabe erfüllt; er braucht sie nicht mehr, sondern ist selbst Vorbild in höchster Vollendung. Das Göttliche gewinnt immer noch grössere Anziehungskraft für ihn. Es ist ja das Wunder über alle Wunder.

Also wird sich der wahrhaft Gottliebende aufs äusserste bemühen und darum ringen, dem Herzen Gottes lieb und teuer zu werden. Gott ist grenzenlose Liebe und Allerbarmen. Er liebt alle gleich. Nur die Unwissenheit kann sich einbilden, Gott mache irgendwelche Unterschiede, wenn Er sagt: "Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe!" (Mat.3,17) Das ist von Jesus gesagt. Doch ist jeder Mensch nach Gottes Ebenbild geschaffen. Gott liebt alle gleichermassen. - Doch wenn Er Jesus so preist, liebt Er ihn nicht doch mehr als andere? Nein, von Parteilichkeit ist keine Spur vorhanden; vielmehr haben wir einen anderen Aspekt und Ausdruck ein und derselben grenzenlosen Liebe vor uns.

In welchem Sinne trägt Jesus Christus die Sünde der Welt? Christus nimmt Deine Sünde auf Sich, wenn Du Ihn liebst, Seine Lehre befolgst, an Ihn glaubst, Ihm Dein Herz auftust, um mit Ihm zu sprechen. Dann wirst Du Seine Gnade erleben, dann nimmt Er die Sünden hinweg. Von da an bist Du in der Lage, den Himmel um Dich zu verbreiten. Von da an wirst Du zum Licht für die Welt.

"Keiner kommt zum Vater ausser durch Mich!" (Joh.14,6) - Was soll das heissen? - Hat man jemals einen Heiligen gesehen, der Gotterfahrung anders erlangte als durch Liebe und Reinheit, geistige Weisheit, Selbstübergabe an Gott, unaufhörliches Gebet und ständige Betrachtung der Gegenwart und des Wesens Gottes? All das ist in Jesus Christus verkörpert, und all das ist nötig, um Gott zu erfahren.

Heisst es nicht in der Bibel auch: "Die Liebe deckt die Menge der Sünden zu!" (1. Petrus 4,8)? Liebe und Güte sind überall dieselben, ebenso wie Weisheit und Edelmut, handelt es sich doch um Eigenschaften, die der höchsten Wahrheit angehören. Hier hat Ost und West nichts zu sagen. Sie sprechen eine Sprache, die zeitlos ist und von allen - Schweizern wie Franzosen, Deutschen wie Russen - verstanden wird. Diese Eigenschaften aus der höchsten Wahrheit tragen ihre Religion in sich, eine religionslose Religion sozusagen, eine universale Religion. Die Wahrheit ist allen gemeinsam. Gott ist nur ein anderes Wort für die unendliche Liebe, die überall dieselbe ist.

Religionen, die sich ein festumrissenes Gottesbild schaffen und dann sagen: "Mein Gott, mein Buch, meine Religion, meine Lehre", schaffen mit diesem Vorgehen Unordnung und Disharmonie auf Erden und werden der Menschheit zur Fessel und zum Marterinstrument, insofern die Gottesvorstellung im Inneren wie im Äusseren das menschliche Leben formt. "Gott ist Liebe", heisst es im Neuen Testament, und wenn Gott für Dich die Liebe ist, wird sich Liebe in Deinem Leben zum Ausdruck bringen. Dein Leben wird dann zunehmend mehr all jene Eigenschaften offenbaren, die göttlich sind, weil Dein Denken, Fühlen und Tun von Liebe regiert ist.

https://www.omkarananda-ashram.net/jesuschr.html


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