Jesus prayer / Jesusgebet

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tobinium
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Re: Jesus prayer / Jesusgebet

Beitragvon tobinium » Fr 27. Feb 2026, 21:57

Eventuell hilfreich zum besseren Verständnis:
Wenn ich von Persönlichkeit spreche (persona auf griechisch = Maske), dann meine ich den Teil, der aus Sorgen, Strategien, emotionaler Reaktivität uvm. besteht. Daher der Impuls, mich hin und wieder von dieser "persona" in "Urlaub" zu begeben. Um zu sehen, was ich darüber hinaus noch bin.

Genauso wie man sich in den realen Urlaub besser auch keine Arbeit mitnimmt, bedeutet mein Urlaub von der persona KEINE Arbeit am Selbst, sondern eher so etwas wie Transzendenz. Damit sind Muster nicht gelöst, aber es können Räume und Inspiration entstehen. Als einen solchen Impulsgeber verstehe ich einige Reisen und Abenteuer aus meiner Vergangenheit. Im Kleinen funktioniert das auch immer noch, nur bin ich mehr zu der Erkenntnis gelangt, dass es nicht zwangsläufig einen mehrtägigen Wechsel des Umfelds (im Außen) braucht.

Ergibt das Sinn? Ich versuche zu verstehen, was die Persönlichkeit noch sein kann, bin aber ziemlich von oben beschriebenem Bild geprägt. Das ICH als zusammenhangslose, fragmentierte Kollektion von Erinnerungen, Vorlieben, Abneigungen, Emotionen, so hat es z.B. Nisargadatta ausgedrückt. Von da ist es auch nicht mehr weit zur buddhistischen Lehre des "anatta" (es gibt kein Selbst). Das sind starke Einflüsse der letzten Jahrzehnte, ich würde es jedoch nicht unterschreiben, finde es ziemlich schwer, hier einen eindeutigen Standpunkt zu vertreten.

Marsianer
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Re: Jesus prayer / Jesusgebet

Beitragvon Marsianer » Sa 28. Feb 2026, 02:34

tobinium hat geschrieben:Wenn ich von Persönlichkeit spreche (persona auf griechisch = Maske), dann meine ich den Teil, der aus Sorgen, Strategien, emotionaler Reaktivität uvm. besteht.

Diesen begrifflichen Bezug kenne ich an sich, teils hatten wir auch schon selten mit Einzelnen zu tun, die dies vehement so verstanden haben wollten und jeden, der "das nicht wußte" wie doof einschätzten.

Für mich wäre so abgeleitet die Frage, was oder wer dann die Maske tragen, die Rolle spielen würde.

Letztlich käme ich dann genauso wieder zur Frage, woran solches denn hängen würde. Am "heimischen" Daseinsumfeld? Soetwas anzunehmen würde auf mich seltsam wirken.
Daher der Impuls, mich hin und wieder von dieser "persona" in "Urlaub" zu begeben. Um zu sehen, was ich darüber hinaus noch bin.

Nisargadatta ("Ich bin das", Kamphausen Verlag) soll u.a. dies gesagt haben:
Alles Reden über die Trennung und die Beziehungen ist auf den verwirrenden und irritierenden Einfluss der Idee „Ich bin der Körper“ zurückzuführen. Das äußere Selbst (vyakti) ist lediglich eine Projektion des Körper-Verstandes vom inneren Selbst (vyakta), welches wiederum nur einen Ausdruck des Höchsten Selbst (avyakta) darstellt, welches alles dieses und gleichzeitig nichts ist.

[...]

Wie kann es zwei Selbste in einem Körper geben? Das „Ich bin“ ist eines. Es gibt kein „höheres Ich-bin“ und „niederes Ich-bin“. Sämtliche Zustände des Verstandes gelangen ins Gewahrsein – dann findet eine Selbst-Identifizierung damit statt. Die Objekte der Beobachtung sind nicht das, als was sie erscheinen, und die Haltung, mit der wir an sie herantreten, ist nicht unbedingt die richtige. Falls Sie glauben, dass Buddha, Jesus oder Krishnamurti zur Person gesprochen haben, dann sind Sie im Irrtum. Sie wussten sehr gut, dass vyakti, das äußere Selbst, nichts als ein Schatten von vyakta, dem inneren Selbst, ist. Sie wendeten sich ausdrücklich nur an vyakta. Sie wiesen es darauf hin, Acht zu geben auf das äußere Selbst, um es zu leiten und zu führen, um sich für es verantwortlich zu fühlen; kurz gesagt, sich seiner voll gewahr zu sein. Das Gewahrsein stammt aus dem Höchsten und durchdringt das innere Selbst, während das so genannte äußere Selbst nur derjenige Teil des Seins eines Menschen ist, dessen er sich nicht gewahr ist. Man kann zwar bewusst sein, da ja alles letztlich Bewusstsein ist, aber man muss nicht auch gewahr sein. Was ins Gewahrsein genommen wird, wird zum Inneren und nimmt an diesem Inneren teil. Sie können es auch anders ausdrücken: Das äußere Selbst wird durch den Körper definiert, das Bewusstsein durch das innere Selbst, und im reinen Gewahrsein wird Kontakt mit dem Höchsten aufgenommen.

oder
Frage: Wie entsteht eigentlich die Person?

Maharaj: Genau so wie ein Schatten erscheint, wenn das Licht durch den Körper unterbrochen wird, so taucht auch die Person auf, wenn das reine Selbst-Gewahrsein durch die Idee „Ich bin der Körper“ verdunkelt wird. Und so wie der Schatten seine Gestalt und Position entsprechend seiner Bewegung ändert, so scheint auch die Person gemäß ihrem Schicksalsmuster sich zu freuen und zu leiden, zu ruhen oder zu hasten, zu finden oder zu verlieren. Wenn der Körper nicht länger da ist, verschwindet die Person vollständig ohne eine Wiederkehr – nur der Zeuge und das Große Unbekannte verbleiben.

Der Zeuge ist derjenige, der sagt: „Ich weiß“. Die Person sagt: „Ich tue etwas“. Zu sagen „Ich weiß“ ist nicht unwahr – es ist lediglich begrenzt. Aber zu sagen „Ich tue etwas“ ist gänzlich falsch, da es niemanden gibt, der etwas tut. Alles geschieht durch sich selbst einschließlich der Idee, ein Täter zu sein.

Nun nähmst du den irdischen Körper aber vermutlich ja in einen Urlaub mit?
Transzendenz. Damit sind Muster nicht gelöst, aber es können Räume und Inspiration entstehen.

"Muster" wirkt auf mich begrifflich passender für das wohl Beschriebene.
Ich versuche zu verstehen, was die Persönlichkeit noch sein kann, bin aber ziemlich von oben beschriebenem Bild geprägt.

Wenn ich von "Persönlichkeit" spreche, würde ich eventuell etwas wie "inneres Selbst" meinen? Nach meinen Begriffen etwas, was eine bestimmte Seele ausmacht, vor allem was die dauerhaften (Charakter-)Eigenschaften/Tendenzen angeht, auch manche "durchlichtete" Prägungen, Resultate von "geliebten" (in gewisser Weise auch angenommenen) Erfahrungen. Nach meinen Begriffen stünde diese "reinem Gewahrsein" wohl auch nicht entgegen.

Wie wirkt dies auf dich?
Nisargadatta, ebenda hat geschrieben:Frage: Wenn ich Sie frage, wie Sie wissen können, dass Sie ein Jnani sind, antworten Sie: „Ich habe keinerlei Wünsche in mir. Ist dies nicht der Beweis?“

Maharaj: Auch wenn ich voll von Wünschen wäre, würde ich immer noch sein, was ich bin.

Frage: Was wäre dann der Unterschied zwischen Ihnen und mir – beide voll von Wünschen?

Maharaj: Sie identifizieren sich selbst mit Ihren Wünschen und werden so deren Sklave. Für mich sind Wünsche Dinge neben anderen Dingen; bloße Wolken im mentalen Himmel. Ich fühle mich nicht veranlasst, auf sie einzugehen.

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tobinium
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Re: Jesus prayer / Jesusgebet

Beitragvon tobinium » So 1. Mär 2026, 21:25

Ja, das wirkt auf mich wohlklingend. Ich möchte lieber die Geeinsamkeiten in den Lehren sehen und versuchen, mich mit Allem anzunähern. Mit diesen Ausschnitten von Nisargadatta kommt es gut zusammen.

Besonders was du verlinkt hast, würde bei mir eher diesen Perspektivwechsel unterstreichen. Dass die Person natürlich da ist, und das ist bestimmt auch gut so, aber ich entscheide mich was ich wahrnehme, womit ich mich identifiziere. So meinte ich das wahrscheinlich mit dem bildlichen Urlaub... Weil alles so frisch ist, kann die eigene Person auch mal in den Hintergrund rücken. Hat aber nichts mit dem Urlaub zu tun.

Um auf das Jesusgebet zurückzukommen, den Ursprung dieser Unterhaltung, da ich erreiche ich manchmal eine Art "Urlaubsgefühl", eine Erfrischung vom Selbst. Und ich bin mir sicher, dass ich damit meinem Ursprung näher komme, dass es sogar Arbeit am Selbst ist. Würdest du z.B. sehen, dass das aktive Wegbewegen von den "persönlichkeitsgebundenen" Impulsen und die Ausrichtung auf etwas Größeres auch eine gewissen Anstrengung birgt?

Marsianer
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Re: Jesus prayer / Jesusgebet

Beitragvon Marsianer » So 1. Mär 2026, 23:10

tobinium hat geschrieben:Ich möchte lieber die Geeinsamkeiten in den Lehren sehen und versuchen, mich mit Allem anzunähern.

Mein Ansatzpunkt sind die spirituellen Erfahrungen, die Menschen so machen und dann wohl in entsprechende Lehren einflossen. Soetwas wirkt mir näher als Menschen, die sich eher mit irdischen Dingen befassen. Nach meinem derzeitigen Stand beschreiben verschiedene spirituelle Lehren aber nicht stets dieselben spirituellen Erfahrungen.
Dass die Person natürlich da ist, und das ist bestimmt auch gut so, aber ich entscheide mich was ich wahrnehme, womit ich mich identifiziere. So meinte ich das wahrscheinlich mit dem bildlichen Urlaub...

Ich würde nicht sagen, daß jeder Mensch in vergleichbarem Ausmaß mit dem groben Körper identifiziert wäre. Demnach würde nicht jeder gleichermaßen in solchem Sinne "eine Person" aufweisen.
Um auf das Jesusgebet zurückzukommen, den Ursprung dieser Unterhaltung, da ich erreiche ich manchmal eine Art "Urlaubsgefühl", eine Erfrischung vom Selbst. Und ich bin mir sicher, dass ich damit meinem Ursprung näher komme,

Gut.
dass es sogar Arbeit am Selbst ist. Würdest du z.B. sehen, dass das aktive Wegbewegen von den "persönlichkeitsgebundenen" Impulsen und die Ausrichtung auf etwas Größeres auch eine gewissen Anstrengung birgt?

Ich würde sagen, wenn jemand mehr mit dem Körper identifiziert wäre, kann viel Tun das sich davon absetzen möchte anstrengend sein. Und es bleibt instabil wie die "Praxis" so mancher Yogis, wenn nicht auch das "Herz" sich wandeln würde. In solchem Wandel wäre vieles dann recht leicht.

Agape
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Re: Jesus prayer / Jesusgebet

Beitragvon Agape » Mo 17. Aug 2026, 10:19

viewtopic.php?f=3&p=10452#p10452 - Ein fünftes Gespräch mit einem Wanderer (Seite 71)

75. Antwort an den Wanderer:
Wie ist "Geist" als Ort von Gottesbegegnung in Abgrenzung zur "Seele" zu verstehen?

Wanderer:
Wir müssen hier präzise unterscheiden, denn die Begriffe werden oft vermischt, was zu schwerem Irrtum führt. Die Seele (griechisch Psyche) ist der umfassende Lebensbereich des Menschen, der Denken, Fühlen, Wollen und die sinnliche Wahrnehmung umfasst. Sie ist der Ort der psychischen Bewegungen, der Leidenschaften und der diskursiven Vernunft (Dianoia), die von Bild zu Bild schreitet. Der Geist (griechisch Nous), hingegen, ist nicht ein Teil der Seele im Sinne eines abgetrennten Stücks, sondern ihr tiefster, göttlicher Kern, ihr „Auge" oder ihre „Spitze". Wie Evagrius Ponticus lehrt, ist der Nous der Ort, an dem das Bild Gottes im Menschen unverfälscht erhalten ist. Er ist die Fähigkeit zur unmittelbaren, intuitiven Schau der Wahrheit, jenseits von Schlussfolgerungen und Bildern. Während die Seele über Gott nachdenkt (diskursiv), kann der Nous Gott erkennen (noetisch). Maximus der Bekenner und später Gregor Palamas stellen klar: Die Seele ist wie ein Haus, der Nous ist die Lampe in der Mitte des Hauses. Wenn die Lampe brennt (wenn der Nous in Gott wach ist), wird das ganze Haus (die Seele) erleuchtet und geordnet. Wenn die Lampe erlischt oder nach außen gerichtet wird (wenn der Nous sich in sinnliche Dinge verliert), gerät das ganze Haus in Unordnung
und Finsternis, obwohl es noch steht. Der entscheidende Unterschied für die Gottesbegegnung ist also: Die Seele kann Gott nur durch Bilder, Begriffe und Gefühle erfassen, was immer unvollkommen bleibt. Der Nous hingegen ist die einzige Fakultät, die fähig ist, Gott in Seiner ungeschaffenen Energie direkt zu berühren, ohne Vermittlung. Die Gottesbegegnung findet im Nous statt, der dann wie ein eisernes Gefäß im Feuer
glüht: Er bleibt menschlicher Geist, ist aber ganz von Gott durchdrungen. Von dort aus strahlt diese Gegenwart dann in die Seele und den Leib hinein und heilt sie. Die Seele ist also das Gefäß, der Nous ist der Ort der Berührung mit dem Göttlichen.

76. Antwort an den Wanderer:
Was wird dazu gelehrt, auf welche Art ein Mensch sein Nous entzünden könnte?

Wanderer:
Das „Entzünden" des Nous ist kein aktives Feuerstellen durch menschliche Anstrengung allein, sondern das Bereiten des Dochts, damit der göttliche Funke überspringen kann. Die Lehre ist hierin einstimmig und präzise: Es bedarf der Hesychia (inneren Stille) und der Nepsis (Wachsamkeit), um den Nous von der Zerstreuung durch die Dianoia (diskursives Denken) zu sammeln und ins Herz hinabzuführen. Der primäre Weg, wie ihn Evagrius Ponticus und später die Hesychasten wie Gregor Palamas lehrten, ist das ununterbrochene, achtsame Gebet, insbesondere das Jesusgebet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner." Dies ist keine bloße Wiederholung von Worten, sondern eine Methode, den Nous zu sammeln. Indem man den Nous bewusst in das Herz „hinabsteigen" lässt und ihn dort mit dem Atem und dem Gebetswort verankert, wird er von den Bildern und Logismoi (Gedanken) befreit, die ihn wie Rauch verdunkeln. Evagrius Ponticus betont in seinen Skemmata, dass man sich aller Begriffe und Vorstellungen (noemata) enthalten muss, um den Zustand des Nous zu sehen. Dies geschieht nicht durch gewaltsames Unterdrücken, sondern durch beharrliches Wachen (Nepsis). Man beobachtet die Gedanken, wie ein Wächter am Stadttor, ohne sie hereinzulassen oder mit ihnen zu dialogisieren. Sobald der Nous still wird und nicht mehr zu den Dingen hinauswandert, kehrt er zu seiner natürlichen Funktion zurück: dem direkten Schauen. Doch hier ist die entscheidende Nuance, die wir nicht übersehen dürfen: Der Mensch kann den Nous nur reinigen und vorbereiten; das eigentliche „Entzünden" mit dem „verwandten Licht" ist ein Akt der Gnade. Wie Evagrius sagt: „Es ist unmöglich, dies ohne Apatheia zu vollbringen, denn man bedarf der Hilfe Gottes, der das verwandte Licht einhaucht." Der Mensch tut alles, was in seiner Macht steht – Fasten, Wachen, Gehorsam, Gebet –, um das Gefäß zu säubern. Aber das Licht selbst kommt von außen, von Gott, wenn der Nous arm und leer geworden ist. Es ist wie beim Mond: Er kann sich nicht selbst zum Leuchten bringen, aber wenn er sich der Sonne zuwendet und keine Wolken ihn verdecken, reflektiert er ihr Licht ganz natürlich. Das „Entzünden" ist also ein synergistischer Akt: menschliche Askesis bereitet den Ort, göttliche Liebe entzündet das Feuer.
"Schreiben ist der direkte Weg zum Herzen"
http://jakobgut.de/erdnuss.htm


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