Soetwas?
3. Kontemplation als Zustand der Einheit – unio mystica
Der im engeren Sinne mystische Zustand widerfährt dem Menschen, bleibt unverfügbar, Geschenk, Gnade. Er kann also nicht willentlich herbeigeführt, sondern nur in der treuen Übung vorbereitet werden. Gegenüber dem Gebet der Ruhe führt der Weg weiter, in dem der Schauende (der sich in der Gegenwart Gottes Erlebende) und das Geschaute (die Gegenwart Gottes) eins wird. Der Schauende und das Geschaute werden eins. An dieser Stelle gilt es, auch die Wahrnehmung des eigenen Seins noch zu lassen. Der Autor der Briefe persönlicher Führung schreibt: „ Nachdem es dir schließlich gelungen ist, alle Geschöpfe und was sie betrifft zu vergessen, wird noch immer deutlich und unverhüllt, die Erfahrung und Wahrnehmung deines eigenen Seins zwischen dir und Gott stehen.“ (Willi Massa (Hg.), Wolke des Nichtwissens und Briefe persönlicher Führung, Freiburg 1999, S.101). „Falls du beim Üben merkst, dass du noch nicht Gott, sondern erst dein eigenes Sein wahrnimmst und erfährst, verlange mit der ganzen Kraft deines Herzens danach, einzig in Gottes Sein zu versinken und dass dir nichts übrig bleibt als der tiefe Wunsch, die kärgliche Erkenntnis und die den Grund verstellende Wahrnehmung deines eigenen dunklen Seins zu vergessen“ (S.79). An dieser Stelle wird das Paradox besonders deutlich: absichtslos etwas lassen, noch das Letzte, die Wahrnehmung des eigenen Seins lassen, ohne Erwartung und Absicht. Oft vollzieht sich das Öffnen dieses letzten Tores dann gar nicht in der Übung, sondern im Alltäglichen: Die Erfahrung der Einheit von Zeit und Ewigkeit, Ich und Du, dem Umgebenden und mir. Alles Bilder, die zur nachträglichen Beschreibung verwandt werden und doch völlig ungenügend sind.
4. Kontemplation als Personalisierung der Erfahrung in alltägliche Haltung
Aber auch damit ist der Weg nicht zu Ende: Er führt weiter in den Alltag, sonst handelt es sich um einen Irrweg. Ein ebensolcher Irrglaube stellt die Ansicht dar, mit dieser Einheitserfahrung sei der Weg persönlicher Transformation, womöglich gar im Sinne der „Heiligung“ abgeschlossen. Persönliche Disposition, lebensgeschichtlich erworbene Verletzungen und alte unangemessene Reaktionen stellen sich auf der personalen Ebene auch nach einer solchen Erfahrung, die unterschiedliche Tiefung erreichen kann, wieder ein. Jedoch besteht die Chance der Wandlung, Reinigung und Heilung, da die Gewichtung deutlich verschoben ist. Aus der Erfahrung der Einheit wird Verbundenheit auch im personalen Erleben spürbarer und wird zur Aufgabe, die in alltäglicher Lebenswirklichkeit eingelöst werden will. In diesem Sinn besteht die Treue nicht nur im Blick auf die Übung, sondern ebenso im Blick auf die gesamte Lebensgestaltung.
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Auf mich wirkt das eher wieder fremd. Hier würde also eine "nonduale Erfahrung" Irrweg sein, würde sie nicht zu "persönlicher Transformation" im Alltag führen? Die ließe sich doch sinngemäß vermutlich viel leichter durch "anderen Geist ergreifen" erfahren.