Entweder schreiben oder fühlen?

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Marsianer
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Entweder schreiben oder fühlen?

Beitragvon Marsianer » Do 12. Mär 2026, 04:57

Viele Menschen führen z.B. ein Tagebuch und empfinden das als sehr hilfreich auch in Hinblick auf ihr Gefühlsleben, Dinge ihres inneren seelischen fühlenden Wesens.

Jedoch beschreiben manche Menschen, sie würden nicht gleichzeitig schreiben und fühlen können, schreiben und lebendig erfahren.

Das ist natürlich interessant für Menschen, die in Schriftlichkeit Nähe zu anderen finden.

Wieso sollte jemand tatsächlich während er schreibt keinen Bezug zu seinem gefühlsmäßigen Inneren haben können?
r/Psychologie • 2y ago
cyberbungee
Denken und/oder Fühlen gleichzeitig?

Ich habe eine einfache, vielleicht naiv klingende Frage:

Hat noch jemand erkannt, dass er/sie in einem Moment nur Denken oder Fühlen kann?

In meiner Wahrnehmung ist es nicht möglich, gleichzeitig zu denken und zu fühlen.

Wie erlebt Ihr das?

Danke für jede Rückmeldung.

Firm_City_8958
• 2y ago

Also wie kann ich mir das vorstellen? Wenn du traurig bist kannst du nicht über deine Einkaufsliste nachdenken? Wenn du grade über einem Logik- Problem grübelst kannst du nicht wütend werden?

Oder meinst du gar fühlen im taktilen Sinne? Eigentlich bist du fröhlich aber sobald du den Pulli auf der Haut fühlst vergeht das?

cyberbungee
• 2y ago

Hi. In etwa. Mittlerweile würde ich ergänzen, dass zwar immer beide Medien (Denken/Fühlen) biologisch aktiv sind, aber, zumindest ich, den Aufmerksamkeitsfokus immer nur auf eines von beiden richten kann.

Bsp. Während ich diesen Text schreibe, bin ich ganz klar nur im Denken. Würde man mich fragen: Wie fühlt sich seine Antwort an, müsste ich ganz bewusst ins Fühlen gehen.

Es ist eine einerseits spannende Frage anderseits kann es auch sehr individuell begründet sein und mit Dissoziation zu tun haben. Ich habe KPTBS.

lorenzo12345678
• 2y ago

versteh was du meinst und denke das stimmt auch so. Wir haben gelernt dass das Gehirn vereinfacht gesagt nur eine Sache glecihzeitig fokussiert u. bewusst machen kann

Svenulrich
• 2y ago

Das kann ich mir kaum vorstellen da wir sowohl konstant denken und fühlen. Würde das bedeuten, dass du,wenn du dich beim Autofahren ärgerst nicht mehr weiterfahren kannst, weil dein kopf zu macht?

cyberbungee
• 2y ago

Mittlerweile würde ich sagen dass Denken und Fühlen konstant aktiv sind, aber trotzdem, dass man immer nur eines davon innerhalb eines Moments wahrnehmen kann.

Es schließt ja nicht aus, dass es schnelle Wechsel gibt.

Ich bin aber mich nicht viel schlauer: Ist es wirklich so, weil es um den Wechsel von Gehirn und Körper geht, ist es eventuell krankhaft (Dissoziation, Taubheit)?

Ich habe mal gelesen, das dass menschliche Gehirn immer nur einen Fokus haben kann.

Bin mal weiter gespannt auf die Antworten.

p.s. Autofahren ist der schnelle Wechsel aus beidem

Lab_Kitty_
• 2y ago

Das was du so beschreibst würde ich klassisch als Autopilot beschreiben. Fokus auf uns selbst und ALLES was man so spürt/fühlt/denkt legen kannst du lernen durch Achtsamkeit / Meditation. Das ist aber etwas, das trainiert werden muss und du auch nicht IMMER machst, sondern immer mal wieder den Fokus drauf lenkst, dich konzentrierst und dann in den "Alltag" zurückkehrst.

cyberbungee
• 2y ago

Hi.

Es gibt noch Sonderprobleme wie Gefühlsphobie und Dissoziation.

Ich gebe Dir aber Recht: man kann das wieder lernen.

Lab_Kitty_
• 2y ago

Ah, über die hast du aber im vorhinein nicht geschrieben.

Ich finde es natürlich, vor einer Fähigkeit, die man verloren hat, Angst zu haben - Angst vor dem "was dort schlummert" und Angst vor der Konfrontation. Das vermeide ich selbst gerne, obwohl ich weiss, dass es für die psychische Gesundheit obligatorisch ist.

Dissoziationen könne auf Autopilot hindeuten oder auf starke Belastung.

cyberbungee
• 2y ago

Hi.

Das mit dem Autofahren ist das Parade-Beispiel Das ist aber gesunde Dissoziation. Sowas wie Defokussieren.

Ich rede hier von krankhafter Dissoziation. Das ist wie eine Längsspaltung. Als ob Fühlen nur rudimentär geht. In gestimmten Themen z.B. im Umgang mit Tieren, Kunst, Kindern, Frauen - alles Themen die früher sicher waren.

Der Alltag, und es gibt ja noch soviel mehr Themen und Situationen, sieht so aus, dass es wie ein permanenter Vor-Dissoziationszustand ist. Nicht richtig da, nicht richtig weg. Aber wenn Trigger auftreten reagiert die Psyche in Sekundenbruchteilen und es setzt eine Abkopplung ein.

Was man nie hatte fehlt einem nicht. Aber man merkt Andere können sich und Andere fühlen, das Leben ist bunter für sie, sie verhalten sich sozial richtiger, sind belastbar, flexibel, können umschalten.

Wenn ich ins Fühlen gehen will schießen sofort Traumagefühle hoch. Als ob das über dem Fühlen wie eine Schicht liegt. Ich muss dadurch um wieder ins Fühlen zu kommen.

Lab_Kitty_
• 2y ago

Das kann man üben. Darüber habe ich hier auch schon einmal einen ausführlichen Beitrag geschrieben - wieder ins Fühlen kommen, quasi.

Wenn du darüber hinaus aber noch ein weiteres, ungutes "Traumagefühl" hast - hast du schon einmal einen professional aufgesucht und darüber gesprochen?

Hier mal besagter Post, den ich bereits woanders geschrieben habe:

Ich selbst habe große Probleme den Zugang zu meinen Emotionen zu erhalten. Was mir hilft sind Achtsamkeitsübungen und Meditationsübungen (so ca. 10 Minuten am Tag). Auch ein Gefühlstagebuch kann helfen.

Generell muss man sich mit dem Thema beschäftigen, um "das Problem" zu lösen. Ich schreibe es in " weil die Wahrnehmung von Gefühlen einfach eine Fähigkeit ist, die man Trainieren kann (muss).

Kinder zB. sind instinktiv total gut darin und bestehen quasi nur aus Gefühlen (zB. heult bei jeder Kleinigkeit weil das jetzt schlimm ist). Je erwachsener wie werden und je mehr ggf. unsere Erziehung und Sozialisation in das ganze hineinfuscht, desto mehr verlieren wir den Zugang, also die Fähigkeit unsere Gefühle und damit auch die dahinterstehenden Bedürfnisse wahrzunehmen.

Mir half einige Zeit das oben genannte Tagebuch. Ich habe also einfach ein Heftchen genommen, Datum drauf und zu beginn - ganz hart - begonnen alle drei Stunden mal in mich zu horchen, was denn da so Gefühlstechnisch los ist, und das aufzuschreiben.

Am Anfang ist man damit noch echt schlecht, man schreibt, dass man sich Müde fühlt - was allerdings keine Emotion sondern ein körperlicher Zustand ist - aber egal, so lernt man stück für stück in sich hinein zu horchen und ein wenig tiefer zu graben (das alles ist anstrengend und Arbeit, ich gebs zu).

zB. kann das Emotionsrad helfen, zu verstehen wo man ist. Dabei bewegt man sich von Innen nach außen um das Gefühl mehr und mehr zu differenzieren.

Emotionsrad (englisch)

Emotionsrad (noch mal auf Deutsch - selbst nur gegoogelt!)

So findest du den ersten Zugang zu deinen Gefühlen. Darauf aufbauende Achtsamkeitsübungen können dir beim tiefer graben helfen und haben darüber hinaus Stressreduzierende Effekte. So ne Meditation dauert idr. 10-15 Minuten am Tag. Ich mach das meist Abends im Bett, weil ich danach auch besser pennen kann :) Immerhin liegt man dann auch schon mal.

DobiTussi
• 14d ago

Die Frage ist schon eine Weile her, aber ich beschäftige mich gerade auch intensiver damit.
Ich erlebe Denken und Fühlen nicht getrennt oder nacheinander, sondern gleichzeitig. Während ich denke, ist das Gefühl mit da – nicht zeitversetzt, sondern als Grundlage.
Für mich war das immer so selbstverständlich, dass ich lange angenommen habe, Denken und Fühlen seien grundsätzlich nicht trennbar.

https://www.reddit.com/r/Psychologie/comments/185kk36/denken_undoder_f%C3%BChlen_gleichzeitig

Marsianer
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Re: Entweder schreiben oder fühlen?

Beitragvon Marsianer » So 15. Mär 2026, 08:49

Ich kenne es z.B. wenn es um politische Themen geht, daß ich dann teils wohl eher aus mind überlege sich beziehend auf mind-Befassungen mit dem Thema durch Gesprächspartner. Mir ist dann im Grunde auch bewußt, daß es da nicht so um Erkennen geht, sondern darum sich aufeinander zu beziehen, in gewisser Weise einen Tanz zu tanzen. Das tue ich, wenn ein andere Mensch solche Überkegungen für bedeutsamer häkt und sich auch in gewisser Weise innerlich in diesen bewegt.

Ähnlich können teilweise auch spirituelle Gespräche geartet sein, wenn es um Begriffe oder Lehren und deren Verständnis der konkret beteiligten Individuen geht. Doch bei spirituellen Themen ist für mich, so würde ich behaupten, immer ein entsprechendes Fühlen der praktisch durchweg präsente Ausgangspunkt. Ich fühle diese Dinge und schreibe währenddessen so wie ich die bereits erwähnte Zange wie einen Teil meines groben irdischen Körpers für eine Handlung benutzen würde.

Würde ich währenddessen solches nicht fühlen, dann fände ich vermutlich spirituelle Gespräche schnell nicht nutzenbringend, weil sie weitgehend nur den mind verwirren würden, da ich in dieser Sprache den Weg, entsprechende reale Überblicke kaum finden dürfte.

Agape
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Re: Entweder schreiben oder fühlen?

Beitragvon Agape » So 15. Mär 2026, 10:56

Marsianer hat geschrieben:Viele Menschen führen z.B. ein Tagebuch und empfinden das als sehr hilfreich auch in Hinblick auf ihr Gefühlsleben, Dinge ihres inneren seelischen fühlenden Wesens.
Jedoch beschreiben manche Menschen, sie würden nicht gleichzeitig schreiben und fühlen können, schreiben und lebendig erfahren.
Das ist natürlich interessant für Menschen, die in Schriftlichkeit Nähe zu anderen finden.
Wieso sollte jemand tatsächlich während er schreibt keinen Bezug zu seinem gefühlsmäßigen Inneren haben können?

Welcher Anteil von uns würde denn überhaupt wahrnehmen können, dass er keinen Bezug zu seinem gefühlsmässigen Inneren haben könne - wenn nicht "das Gefühl selbst"?

Marsianer hat geschrieben:Doch bei spirituellen Themen ist für mich, so würde ich behaupten, immer ein entsprechendes Fühlen der praktisch durchweg präsente Ausgangspunkt. .

Ja, für mich auch.
"Schreiben ist der direkte Weg zum Herzen"
http://jakobgut.de/erdnuss.htm

Marsianer
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Re: Entweder schreiben oder fühlen?

Beitragvon Marsianer » So 15. Mär 2026, 11:47

Agape hat geschrieben:Welcher Anteil von uns würde denn überhaupt wahrnehmen können, dass er keinen Bezug zu seinem gefühlsmässigen Inneren haben könne - wenn nicht "das Gefühl selbst"?

Ich schätze viele Menschen sind solchen Dingen als umfassend bewußt eher fern. In diesem Fall ginge es um einen Menschen, der in der Situation zu schreiben oder auch zu denken etwas nicht so erfährt, wie er es außerhalb diesen Situationen kennt. Und das würde wohl auf dem empfundenen Vergleich beruhen, der bezogen werden kann, weil ihm an sich schon manche Art von "fühlen" bekannt wäre.


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